Wer weiß von Eurem Leiden?

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Wer weiß von Eurem Leiden?

Beitrag #1 von Mullemaus1911 » 08 Jul 2010 10:58


Hallöchen,

wollte mal nachfragen, wem ihr alles von eurer Inkontinenz erzählt habt? Mit wem könnt ihr offen über eure Sorgen/Probleme sprechen?
Leider habe ich oft noch Hemmungen mich in dieser Hinsicht meinem Mann vollkommen zu öffnen. Er bekommt es meist so am Rande mit, auch bei Arztbesuchen. Ich weiß schon, dass er hinter mir steht und zu mir hält, aber es ist mir sooo unangenehm. Muss wohl selber erstmal mit der Diagnose klarkommen :cry:
Ansonsten weiß eigentlich die ganze Family Bescheid, allerdings nicht über jedes Detail. Sie kennen halt die Diagnose.

Schön, dass es dieses Forum gibt. ICh weiß, ich bin nicht allein!!!!

Danke fürs Zuhören.

Kerstin
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Mullemaus1911
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Mir gehts ähnlich!

Beitrag #2 von Singa » 08 Jul 2010 21:09


Hallo Kerstin!
Mir geht es ähnlich wie dir. Okey, einen Mann habe ich z. Zt. nicht, aber eine 9-jährige Tochter. Habe mit ihr das Thema kurz angesprochen - und "unsere Geheimnis" von gemacht - da sie meine Windel entdeckt hatte. Hoffe, sie hält dicht - und die Windeln auch :D
Mehr Leute aus meiner Familie u. dem Freundeskreis wissen davon noch nix.
Mir war es schon unangenehm, als ich heute bei meiner Allg.Ärztin anrief und ich der Sprechstundenhilfe wegen des Überweisungsscheines zum Urologen den Grund nennen mußte (sie wohnt auch noch in der Nachbarschaft)! :oops:
Wahrscheinlich ist es schon so, dass man erstmal selbst damit klarkommen möchte, und es evtl. auch akzeptieren muss bevor man sich anderen anvertraut.
Wünsche dir auf jeden Fall alles Gute!

Liebe Grüße, Singa
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wie mit Einschränkungen umgehen ??

Beitrag #3 von Chris » 09 Jul 2010 08:40


Hallo Ihr Zwei,

ich lebe seit fast 10 Jahren mit einer voll inko und den daraus resultierenden "Schwierigkeiten". Nach einer sehr "peinlichen" Phase zum Beginn, habe ich mich ganz intensiv mit dem auseinandergesetzt, wie ich weiter mein Leben gestalten möchte und dann - auch mit professioneller Hilfe, die Konsequenzen gezogen und gehandelt.

Will sagen - nachdem ich nicht so recht wusste, wie ich langfristig mit den Unfallfolgen umgehen sollte, habe ich mich erst einmal gründlich informiert - Versorgung mit den entsprechenden Produkten - Inko-Slips, Vorlagen, aber auch Überhosen zum Geruchsschutz, sonstige Kleidung. Irgendwann bin ich dann auch auf die Irrigation gestoßen und habe einen ersten Versuch gemacht, der leider scheiterte. Heute, nach einem weiteren Versuch komme ich damit hervorragend klar und habe nur selten einen "Unfall". Daneben habe ich alle möglichen Behandlungsformen, unter anderem auch Akupunktur versucht, die allerdings hat sehr weiter geholfen.

Als die "praktischen" Probleme gelöst oder wenigstens tragbar waren, habe ich mich ganz intensiv mit Hilfe eines Psychotherapeuten um mich gekümmert. Im Ergebnis konnte ich mich mit meinen Einschränkungen, ohne Vorbehalte annehmen und damit "das Leben neu beginnen". Das ging auch einher damit, dass ich mich in der Selbsthilfe eingebracht habe und anfing mich noch weiter in das Thema und die verschiedenen Formen und Behandlungsmöglichkeiten ein zu lesen. - Verkriechen war nicht mehr und so hat es erst die engste Familie erfahren - meine Kinder und die meiner Lebensgefährtin, dann auch der Freundeskreis und später bin ich ganz offen damit umgegangen und tue das auch heute noch. Nicht dass ich "hausieren" gehe, aber wenn es sich ergibt, spreche ich darüber und habe (zum Glück) noch nie negative Erfahrungen machen müssen. Selbst als die Beziehung in die Brüche ging, konnte ich meiner heutigen Frau schon ganz früh "reinen Wein einschenken" - wir kommen super damit klar und es war kein Beziehungshindernis.

Durch meine lange Selbständigkeit war es ab und an nötig, dass ich Auftraggeber informieren musste - auch dabei bislang keine negativen Reaktionen - heute arbeite ich in der EDV in einer großen Klinik im Norden und bin wieder fest angestellt - im Vorstellungsgespräch zu begründen, warum ich einen Schwerbehindertenausweis habe obwohl man mir nichts ansieht (na klar das war freiwillig) war schon ein wenig "kribbelig", aber nun kann niemand etwas sagen, wenn ich "zwischendurch" einmal in der Dusche verschwinden muss.

Somit kann ich sagen - die Flucht nach vorn, also offen bis sehr offen mit der Einschränkung umgehen hat sich für mich in jeder Hinsicht bewährt.

Sicher ist, dass man als Betroffener erst einmal eine gute Position zu sich selbst gewinnen muss - davon hängt fast Alles ab. Dazu gehört eine gehörige Portion Selbstbewusstsein und Kraft, aber es ist machbar.

Kopf hoch, wenn es "die Anderen" erst einmal wissen, wird vieles leichter.

Machts gut

Chris
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Beitrag #4 von Hermann » 09 Jul 2010 22:42


Hallo, auch ich dachte, dass nur die Familie und engste Freunde wissen, was bei mir abläuft, aber leider musste ich erfahren, dass jeder jedem erzählt hat, was er über meine Inkontinenz zu wissen glaubte. Also Vorsicht beim erzählen. Gruss
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Beitrag #5 von Psycho » 09 Jul 2010 23:06


Hallo,
ich denke, dass es falsch ist ein Geheimnis aus diesem „Leiden“ zu machen. Der offene Umgang mit der Tatsache der Inkontinenz ist noch immer der beste Weg. Trotzdem braucht man sich deshalb kein Schild mit Informationen für alle Leute um den Hals hängen. Informationen werden nur gegeben, wenn es sich ergibt. Man muss mit der Inkontinenz selbst fertig werden und da hilft der offene Umgang, denke ich.
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Beitrag #6 von Sebald » 11 Jul 2010 15:58


Hallo Psycho,

die Frage, wie und ob man sich anvertraut, wird ja oft gestellt. Meine Gegenfrage auch zu Deinem Beitrag wäre: "Wann ergibt es sich denn darüber zu reden?" - Wenn man merkt, daß man bei Kollegen oder Bekannten schon ein Gesprächsthema ist? Wenn man einschlägig 'erwischt' wird?

Ich persönlich muß hier wirklich teilen zwischen Arbeitskontakten und Freundschaften. Bei der ersten Gruppe würde ich es äußerst ungern erzählen -- muß deswegen aber auch wirklich vorsichtig sein, wann, wie lange und auf welches Klo ich gehe. Seit ein paar Jahren habe ich den Euro-Schlüssel für die Behindertentoilette. Das erleichtert die Sache, braucht aber auch ein bißchen Mut, zumal wenn man nicht sichtbar behindert ist.

Im Freundeskreis habe ich es inzwischen zwar nicht weiträumig aber eben doch erzählt. Die Reaktionen waren durchaus positiv, zeigten mir aber, daß sich einige schon so ihre Gedanken gemacht hatten. Das zu erfahren, war jetzt auch nicht eben hilfreich. Zumal ich ja dachte, ich hätte die Sache im Griff und keiner würde was merken.

Zusammengefaßt: Man muß wirklich überlegen, in welchen Kreis man diese Info über sich einbringt. Wir dort viel gequatscht und bestehen Hierarchien, sollte man es wohl besser lassen. Dann können einen die Verheimlichungsstrategien aber auch ein wenig 'auffressen'.

Mich würde wirklich mal interessien, was die Psychologie sich zu diesem Verhältnis zwischen 'Erleichterung durch Eingestehen' und 'Angst mit den Folgen davon' denkt.

Beste Grüße,
Sebald
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@Mullemaus

Beitrag #7 von sabrina29 » 12 Jul 2010 11:42


Hallo,
also bei mir weiß es meine eigene Familie (Mann und Kinder) und auch einige gute Freunde von uns die regelmäßig kommen (z.B. zum Grillen oder auch was mit den Kiddies zu unternehmen) und mit denen wir engen freundschaftlichen Kontakt haben. Ich habe die erste Zeit auch "Versteck gespielt", aber ich habe mich dadurch nur selber eingeengt. Ich wollte z.B. nie lange irgendwo bleiben (weil ich ja dann mal wechseln muß) oder konnte zuhause und im Garten nix bequemes mehr anziehen (Jogginghose, dünnes Sommerkleid, Leggings mit Longshirt usw.) und (mein Mann wusste es von Anfang und hatte nicht eine Sekunde ein Problem damit) da habe ich zuerst mit den Kindern gesprochen und später bei nem Kaffee Mittag auch mit meinen Freundinnen. Zu denen habe ich dann auch gesagt sie sollen es diskret ihren Familien sagen und bitte sonst nicht groß breit treten. Und ich muß sagen das war die beste Lösung, alle haben es verständnisvoll akzeptiert, nehmen Rücksicht darauf (man ist ja früher auch öfters mal zusammen ins Freibad gegangen) und ich kann mich wieder frei bewegen und fühlen.
Psycho hat auch recht dass man schon aufpassen muß wem man was erzählt, es gibt auch zwanghafte "Quasselstrippen"..............
Liebe Grüße -Sabrina-
ups, es gibt ja viel mehr mit dem gleichen Problem als ich gedacht hätte
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Beitrag #8 von Psycho » 12 Jul 2010 15:29


Hallo Sebald,
deine Frage kann ich dir nicht beantworten, da es Situationsbedingt ist. Es hängt wohl auch damit zusammen, wie du deine Inkontinenz selbst akzeptierst, denke ich. Ich habe noch nie meine Inkontinenz und andere Krankheiten verheimlicht. Bei mir war die Inkontinenz noch nie ein Tabuthema. Für eine Krankheit (trifft für jede Krankheit zu) kann doch niemand etwas und weshalb kann man nicht oder soll nicht über diese reden. Es ist doch besser, als würde hinter dem Rücken getuschelt werden und damit vielleicht viele Unwahrheiten in den Umlauf kommen.
Nur Mut wünscht Psycho
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Beitrag #9 von Struppi » 13 Jul 2010 15:46


Hallo Sebald,

die Psychologie hat sehr wohl eine klare Haltung zum Thema Inkontinenz (und daraus resultierender Erkrankungen wie z.B. einer Depression), es gibt zu dem Thema auch umfassende Fachliteratur, so z.B. von Skinner, Bandura oder von Samadany (uvm.) aus dem Bereich der Tiefenpsychologie . Diese Autoren befassen sich u.a. auch mit dem Thema des sich-öffnens bzw. der Wahrnehmung und Reaktionen der Umwelt (subjektive und objektive).

In diesem Rahmen werden auch die von dir angefragten Themen behandelt.

Gruß

Hannes
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Beitrag #10 von Struppi » 13 Jul 2010 15:57


P.S.

@Psycho:

Diese jetzige Haltung hast du damals bei deinem Eingangsposting aber noch nicht vertreten... ich darf zitieren:

Psycho hat geschrieben:Hallo,
ich bin 46 Jahre alt und hatte nach der zweiten Entbindung auch eine Tröpfelinkontinenz, die aber durch Beckenbodentraining behoben wurde. Ich fühlte mich damals sehr schlecht und traute mich zuerst nicht auf die Straße. Ich habe mich dann extrem mit diesem Thema auseinandergesetzt und den Schritt ins Leben wieder geschafft.


Gruß

Hannes
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