Welches Produkt für den Tag?

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

Moderatoren: Helmut, Benjamin, MSN, Marco N., Georges

Welches Produkt für den Tag?

Beitrag #1 von Andreas Z » 22 Dez 2003 22:22


Hallo erts mal an alle,

ich bin auf dieses Forum nur per Zufall gestossen und hoffe das ich hier eine Antwort finde.
Seit einigen Jahren bin ich durch ein Nervenleiden nachts auf Windeln angewiesen was für mich mittlerweile auch kein Problem mehr darstellt da ich mich doch irgenwie daran gewöhnt habe.
Nun ist das Ganze aber seit einger Zeit etwas schlimmer geworden und es gibt Situationen in denen ich auch am Tage manchmal nicht rechtzeitig auf die Toilette komme. Mein Arzt sagt das ich damit früher oder später hätte rechnen müssen und das das Ganze im laufe der Jahre wohl noch schlimmer werden wird (unter Umständen bis hin zum totalen Pflegefall) wenn kein Heilungsweg gefunden wird.
Aber so weit ist es ja zum Glück noch lange nicht und darum auch mein Problem.
Soweit geht es mir noch ganz gut, ich kann eigentlich noch gut am normalen Leben teilnehmen und auch noch arbeiten (mit einigen kleinen Einschränkungen).
Mein Arzt hat bei meinem letzten Besuch mir solche Pull Ons empfohlen und ich habe drei oder vier verschiedene Produkte ausprobiert. Es lässt sich zwar gut laufen (auch über längere Zeit) und sie fallen unter normaler Kleidung auch kaum auf aber die taugen trotzdem alle nicht so recht da sich bei mir wenn etwas passiert sofort die Ganze Blase entlehrt und das diese Teile nicht so recht aushalten.
Schade eigentlich da ich es doch sehr gut finde, das man diese Teile bequem ausziehen kann und gewähleistet ist das man, immer wenn man es noch schafft, dann doch noch die Toilette benutzen kann was ja bei den richtigen Windeln wie ich sie nachts verwende nicht so recht möglich ist.
Kann mir hier jemand vieleicht ein Produkt empfehlen das sich zwar genau so gut unter normaler Kleidung macht wie diese Schlüpfer das aber etwas saugfähiger und damit sicherer ist oder gibt es solche Schlüpfer vieleicht auch mit einer etwas größeren Saugkraft?
Benutzeravatar
Andreas Z
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 1
Alter: 40
Registriert: 22 Dez 2003 20:49
Wohnort: Osterburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harn

Produktfindung

Beitrag #2 von Stutzer » 23 Dez 2003 10:11


Hall Andreas

Nach deiner Schilderung könnte ich mir gut vorstellen das du mit der Tena Flex sehr gut zurechtkommen wirst.
Ein Versuch ist es immer wert. Viel Glück bei deiner Suche und ein Gesundes frohes Weihnachtsfest wünsche ich dir.
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
Benutzeravatar
Stutzer
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
 
Beiträge: 141
Alter: 54
Registriert: 20 Feb 2003 15:14
Wohnort: Herne
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: verheiratet
Art der Inkontinenz: Neurogene Blase
Hilfsmittel: IKS = Inkontinezslip

Harninkontinenz nach Blasenkrebsoperation

Beitrag #3 von eckhard11 » 25 Dez 2003 00:52


Ich wünsche allgemein einen schönen Weihnachtsmorgen.

Auch ich habe erst gestern diese Seiten gefunden und sehr interessiert fast alle Beiträge gelesen.
Dabei ist mir aufgefallen, daß sich bisher aus einer Gruppe Betroffener niemand gemeldet hat, nämlich aus derjenigen, welche nach einer "radikalen Zystektomie mit Bildung einer Neoblase" eine neue, aus einem Darmstück geformte Blase haben und dadurch - zumindestens zeitweise - inkontinent sind.
Mir ist vor einigen Wochen Blase, Prostata und ein Stück Harnleiter entfernt und eine Neoblase geformt worden.
Seitdem bin ich inkontinent. Voraussichtlich nicht für immer, wie mir mein Arzt versicherte, aber soweit ich informiert bin, bleiben ca. 15 - 20 % aller Patienten mit Neoblase inkontinent.
Auf der Seite "Harninkontinenz" wird zwar ausführlich über die Blase und deren Fehlfunktionen geschrieben, aber was soll man machen, wenn die Blase mit all ihren Nerven,
Nervenimpulsen, Detrusor und Schließmuskel gar nicht mehr vorhanden ist ??
Die neue Blase hat momentan eine Größe von ca. 300 cm³, sie sollte sich nach Aussage der Ärzte aber noch auf 800 - 1.000 cm³ ausdehnen. Dann kann es sein, daß sich die Inkontinenz von selbst erledigt. Aber voraussagen kann man dies nicht.
Ich nehme an, daß auf der erwähnten Einteilung der Inkontinenzarten nach der ICS, in welcher geschrieben steht: "Vor einigen Jahren haben sich Ärzte in der ICS gemeinsam auf eine Unterteilung der Harninkontinenz in Gruppen geeinigt", diese Art der Inkontinenz noch gar nicht allgemein bekannt war, da es sich um eine recht junge Art der Operationsmethode handelt. Abhilfe soll nur ein ganz bestimmtes Beckenbodentraining schaffen, bei welchem ich Muskeln trainiere, von denen ich gar nicht wußte, daß ich diese überhaupt habe.....
Ich bin sehr daran interessiert, ob es unter den Nutzern oder Gästen dieser Seiten jemanden gibt, welcher ebenfalls eine Inkontinenz durch eine Neoblase hat oder hatte und wie sie/er es geschafft hat, mit der Inkontinenz fertig zu werden. Jeder Betroffene wird sicherlich verstehen, daß ich diese verdammte Behinderung mit aller Macht besiegen will.
Über Ratschläge hier im Forum oder an meine Mailadresse würde ich mich sehr freuen.

Ich wünsche noch angenehme Festtage und ein erfolgreiches 2004, vor allem aber Gesundheit

Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Beitrag #4 von Helmut » 25 Dez 2003 17:44


Hallo Eckhard,

ja du hast richtig gelesen, daß sich bis jetzt keiner zu deiner Form der Inkontinenz geäußert hat. Das mag womöglich daran liegen, das der Einsatz der Neoblase eigentlich nur im Rahmen von Krebsoperationen gemacht wird. Deine Inkontinenzform zählt dabei zur Stressinkontinenz, da ja der innere Schließmuskel mit entfernt werden muß und diese Aufgabe dann der äußere Schließmuskel mit übernehmen muß. Um diesen Schließmuskel dann soweit zu trainieren, daß ein sicherer Abschluß stattfindet, muß wie bei der Stressinkontinenz auch, ein Beckenbodentraining gemacht werden. Die Risiken einer bleibenden Inkontinenz sind hierbei in etwa gleich hoch wie bei einer Stressinkontinenz. Daher wirst du frühestens in einigen Monaten eine Besserung deiner Inkontinenz erfahren, aber es kann auch ein Jahr und länger dauern. Zum Glück gibt es aber inzwischen sehr gute Hilfsmittel, so daß ein fast normales Leben damit möglich ist.

Ich verstehe deine Situation sehr gut, daß dir die Inkontinenz auch psychisch zu schaffen macht, das ist aber eine normale Reaktion, die jeder von uns irgendwann am Anfang durchmacht oder durchgemacht hat. Einen Tipp möchte ich dir aber schon einmal mit auf den Weg geben: Versuche so normal wie möglich dein Leben zu gestalten und akzeptiere die Inkontinenz, denn dann fällt es dir etwas leichter. Du bist wesentlich mehr motivierter und wenn sich die Inkontinenz bessert, dann gibt es dir einen positiven Schub nach vorne.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
Benutzeravatar
Helmut
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2000
Bilder: 7
Alter: 53
Registriert: 01 Dez 2002 01:59
Wohnort: Augsburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R

Beitrag #5 von eckhard11 » 25 Dez 2003 23:59


Guten Abend Helmut,

ich danke für die schnelle Hilfestellung.
Es ist allerdings nicht so, daß mich die Inkontinenz psychisch sonderlich stark belastet.
Ich bin Pragmatiker und hatte mich vor meiner Operation bereits intensiv mit den Folgen beschäftigt. Daher wußte ich, was auf mich zukommt und konnte mich früh genug darauf einstellen....
Diese Inkontinenz hindert mich viel mehr physisch, da ich mitten in Gesprächen und/oder Telefonaten diese unterbrechen muß, um zu urinieren. Ich versuche natürlich, meine Einlage solange wie möglich trocken zu halten, daher gehe ich grundsätzlich bei den ersten Merkmalen zur Toilette.
Ein psychisches Problem habe ich mehr beim Urinieren, da ich - aufgrund der besseren totalen Entleerung meiner Neoblase - im Sitzen pinkeln soll, weil dann der Schleim, welcher sich immer wieder in der "Darmblase" bildet, besser und gründlicher ausgeschieden wird.
Aber beim Urinieren im Sitzen zieht sich mein Glied komplett in meinen Hodensack zurück, so daß es aussieht, als würde ich "aus einer Kartoffel pinkeln". Dies liegt wohl an der fehlenden Prostata und der fehlenden Blase, da hier jetzt der Gegenhalt fehlt. Es sieht zwar niemand außer mir, aber, verdammt, ich sehe es und es stört mich.....
Übrigens habe ich in einem anderen Ihrer Beiträge den Hinweis auf das Buch "Beckenbodentraining für Männer" gelesen, mir dieses Buch angesehen und noch heute morgen bei Amazon bestellt. Ich habe nämlich die Befürchtung, daß ich durch das einseitige, dreimalige Training täglich, welches ich nach einer Vorlage der Urologie durchführe, einen Muskelkater im Beckenboden bekommen habe, welcher sich doch recht schmerzhaft und störend auswirkt, da er die Inkontinenz fördert.
Eventuell ist durch zusätzliche, andere Übungen ein solcher Muskelkater vermeidbar.

Einen ruhigen zweiten Feiertag wünscht
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 03 Jan 2006 22:07, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 

Beitrag #6 von Helmut » 26 Dez 2003 13:13


Hallo Eckhard,

sicher ist es jetzt noch so, daß dich die Inkontinenz von deinem Eindruck her nicht psychisch belastet, aber das kommt noch und zwar je länger die Inkontinenz anhält. Jetzt noch gehst du davon aus, daß die Ärzte ja wissen was sie tun und so deine Inkontinenz auch wieder behoben werden könnte. Meine eigene und auch die Erfahrungen von anderen Betroffenen zeigen, daß es ein paar Monate dauert, bis man es realisiert hat, womöglich für immer inkontinent zu bleiben. Dann erst beginnt die "schlimme" Phase die dann bis zu zwei Jahre und länger andauert.

Wie merkst du eigentlich, daß deine "neue Blase" voll ist?

Das direkte Gefühl der vollen Blase fehlt ja, da sie dir entfernt wurde und die Neoblase keine derartigen Gefühle direkt auslösen kann, weil die Nerven dazu ja fehlen. Bei mir ist die Inkontinenz neurologisch bedingt und dadurch merke ich auch keinen Harndrang. Es macht sich bei mir in der Weise bemerkbar, daß ich so ein unangenehmes Spannungsgefühl in der Bauchgegend bekomme. Allerdings entleert sich die Blase dann auch ohne mein zutun durch den Reflex von selbst.

Ich bin ja auch Selbstständig und kenne deine Problematik sehr gut. Es ist schon lästig, mitten in Besprechungen weg zu müssen, aber ich versorge mich dann mit entsprechend saugfähigen Hilfsmitteln. In deinem Fall würde ich dann in dieser Situation auch zu stärkeren Einlagen wie etwa Tena comfort super oder maxi, oder dann gleich zu richtigen Windeln raten um die Zeit der Besprechungen zu überbrücken.

Das Problem mit der Schleimbildung in der Neoblase ist nich ganz ohne und kann schon einmal zum Verschluß der Harnröhre führen. Auch eine Restharnbildung kannst du dadurch besser vorbeugen, wenn du die Blase im Sitzen entleerst.

Ja das könnte sein, daß du die Übungen nicht richtig machst und dadurch die "falschen" Muskeln trainierst. Ein Beckenbodentraining macht nur wirklich Sinn, wenn es auch richtig gemacht wird. Durch falsches Training kann die Inkontinenz nicht gebessert, eher sogar verstärkt werden. Von einigen Physiotherapeuten werden diese speziellen Beckenbodenübungen speziell für Männer angeboten. Es wäre vielleicht sinnvoll, wenn du dich darüber mit deinem Urologen einmal unterhälst und er dir eine Überweisung schreibt. Dort lernst du dann unter Anleitung diese Übungen zu machen, die du dann selbstständig zuhause weiterführst. Dann solltest du alle 4 Wochen die Übungsergebnisse überprüfen lassen.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
Benutzeravatar
Helmut
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2000
Bilder: 7
Alter: 53
Registriert: 01 Dez 2002 01:59
Wohnort: Augsburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R

Beitrag #7 von eckhard11 » 26 Dez 2003 14:26


Mahlzeit Helmut,

meine positive Einstellung liegt nicht nur in meinem Naturell begründet, sondern auch in den Aussagen des Pflegepersonales, welches ich in den Wochen meines Krankenhausaufenthaltes kennen und schätzen gelernt habe. :knuddel:
Die Urologie des AKH Hagen führt pro Jahr zwischen 35 und 40 Operationen dieser Art durch und die Schwestern und Pfleger der Station sind teilweise schon Jahre auf eben dieser Station tätig.
Daher verfügt das Pflegepersonal über einen enormen Erfahrungswert hinsichtlich der postoperativen Verhältnisse bei einer Neoblase. Und auf die Aussagen der Schwestern und Pfleger verlasse ich mich mehr als auf diejenigen der Ärzte.....

Unter der Anleitung des Pflegers Gunnar ( 11 Jahre auf der Station ) habe ich mit dem Beckenbodentraining begonnen. Der Mann ist auch Physiotherapeut und Fitnesstrainer....
Als ich letzte Woche bemerkte, daß ich wohl einen Muskelkater bekommen hatte ( wovor Gunnar in seiner Anleitung noch gewarnt hatte ), bin ich zu ihm. Er hat durch Nachfühlen während des Trainings keine Verspannungen bemerkt und gemeint, meine nächtliche Einnässerei ( die ich vorher viel seltener hatte ) könne auch an der Tiefschlafphase liegen, welche ich neuerdings während meiner zweistündigen Schlafphase erreiche. Nach seinen Erfahrungen würde sich dieses Einnässen in Kürze wieder geben.

Ich bemerke nicht richtig, ob meine neue Blase voll ist. Aber ich kann meinen Urin tagsüber mittlerweile ca. 3 Stunden halten. ( Daher gehe ich davon aus, daß meine Blase mittlerweile ca. 400 cm³ aufnimmt ) Dann geht ein kleiner "Strietz" in die Vorlage. Ab diesem Zeitpunkt habe ich aber noch mindestens 10 Minuten Zeit, eine Toilette aufzusuchen. In dieser Hinsicht hat sich das Training schon gelohnt, denn in den ersten Tagen, nachdem mir der Katheter entfernt wurde, konnte ich überhaupt kein Wasser halten.
Ich habe gute Hoffnung, daß sich meine Situation gewaltig positiv ändern wird, wenn meine neue Blase tatsächlich die angesagten 800 - 1.000 cm³ aufnimmt. Dann wird der Gang zur Toilette ähnlich sein wie vordem.......

Also, lt. Aussage Gunnars trainiere ich schon die richtigen Muskeln, aber ich werde mir das Buch zur Hand nehmen, wenn es da ist, und - eventuell - noch die eine oder andere Übung einbauen.
Ende Januar mache ich einen Wellnessurlaub in einem Hotel, welches einen Physiotherapeuten angestellt hat, dessen Spezialität das Beckenbodentraining ist. Das ist mir sympatischer als eine Reha unter steinalten Leuten in Bad Wildungen. Danach sehe ich weiter....

MfG Eckhard
Benutzeravatar
eckhard11
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 1185
Registriert: 24 Dez 2003 14:51
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 


Zurück zu Inkontinenz im täglichen Leben

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron