Verschweigen ist keine Lösung

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Verschweigen ist keine Lösung

Beitrag #1 von Jens Schriever » 29 Dez 2003 11:15


Für viele Menschen mit Inkontinez ist der Harnverlust nicht nur ein praktisches,sondern vor allem ein psychisches Problem.Als Kind hat man den meisten von uns beigebracht ,daß es nicht anständig ist,"in die Hose " zu machen.Es werden die Begriffe sauber mit gut und unsauber mit schlecht verbunden.Daher fühlen sich die Betroffenen oft als Versager und schämen sich. Da Inkontinenz immer noch ein Tabuthema ist ist es wichtig darüber offen zu reden.Aus Angst vor peinlichen Situationen ziehen sich die Betroffenen immer mehr zurück.
Sie verzichten auf Sportliche Hobies und alle längeren Aktivitäten(Theater,Kino,Ausflüge,Feiern). Mit der Zeit kann das Versteckspielen zu einem ernsthaften psychischen Problem werden. Es scheint einfacher zu sein,zu Hause und in der Nähe der eigenen Toilette zu bleiben.Mann meidet allmählich jeglichen Kontakt nach außen,aber auch im engeren Freundes und Verwandtenkreis,anstatt dort Hilfe zu suchen. Häufig findet auch Rückzug vom Ehe oder Lebenspartner statt.Es kommt zur Ablehnung sexueller Kontakte , aus Schamgefühl vor möglichen Harnverlust.Der Rückzug vom kulturellen und gesellschaftlichen Leben führt so zwangsläufig zur sozialen und privaten Isolation,zu Depressionen und bei alleinlebende Menschen zur Vereinsamung. Wenn mann den Mut hat für ein klärendes Gespräch im familiären,freundes,bekannten und kollegenkreis hat mann das Verheimlichen bereits hinter sich gelassen, und damit einen wichtigen Schritt heraus aus der Isolation getan.Sie werden überrascht sein,wie viele Menschen von ähnlichen Problemen betroffen sind. Mit ein bißchen Planung und dem Gefühl der Sicherheit(Hilfsmittel)vor unliebsamen Überraschungen brauchen sie auf die meisten Unternehmungen und Aktivitätenn nicht zu verzichten.Indem sie offen über ihre Inkontinez sprechen, ersparen sie sich alle Schwierigkeiten, die damit verbunden waren,sie zu verbergen,und können die frei-
gewordene Energie darauf verwenden ,ihre Beschwerden zu bessern.
Auch Selbsthilfegruppen können eine große Hilfe sein.


Gruß Jens
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Jens Schriever
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Beitrag #2 von Ramona » 02 Jan 2004 21:45


STIMMT!!! Verschwigenheit ist wirklich keine Lösung.

Zwar bin ich "nur" indirekt inko durch meine starke Körperbehinderung (spastische Tetraplegie -> Rolli), aber auch ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht! Anfangs war ich auch unsicher. Bei mir ist es ja so, daß ich alles spüre und auch die Toilette benutze. (Vorrausgesetzt, daß eine Assistenz da ist) Die Windeln trage ich also vor allen zur Sicherheit. Durch die Offenheit von mir konnten viele besser damit umgehen. Auch, fühlte ich mich wohler, wenn es Situationen gab, wo man die Windel gesehen hat.

Ich kann nur jeden ermutigen, zumindest die Leute einzuweihen, mit denen man in etwas näheren Kontakt steht. Klar kostestet das Überwindung, aber vieles wird einfacher.


Gruß Ramona :winke:
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
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Bettnässen

Beitrag #3 von frosch » 04 Jan 2004 11:45


Hallo Ihr Lieben,

ich möchte Ramona voll und ganz zustimmen: Ich habe auch schon sehr früh die Erfahrung gemacht, dass es besser ist über das Problem zu reden, als sich in der Lebensqualität derart zu beschneiden, wie es von vielen Betroffenen geäußert wird. Ich möchte nochmal Mut machen: Bei mir hat sich der offene Umgang mit dem Thema "Bettnässen" wirklich positiv ausgewirkt. Interessant ist, dass viele viel mehr über das Thema wissen, als sie es zugeben. So hieß es dann: Ja mir ist das auch lange passiert, oder ich kenne einen, da war das so und so. Ich finde, man muss mit der Schwäche nicht hausieren gehen, aber in meiner Zeit als Erwachsener hat mich niemand ausgelacht, dumm angesehen oder sonst etwas. In der Jugend- und Kinderzeit war das anders. Da habe ich das Versteckspiel mitgemacht und Zeiten gehabt, in denen es mir sehr sehr schlecht ging und ich mich schämte.
Habt Euch wohl, lieber Gruß, René
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Beitrag #4 von chris-jago » 10 Mär 2004 00:04


Hallo Rene !
Das mit dem Versteckspiel kenne ich auch zu gut . Auch mit den hänseleien in der Schule wenn jemand mitbekommen hat das ich Bettnässer war/bin . Das sensibilisiert einen schon . An eine Klassenfahrt war für mich nicht zu denken . Ich hänge das nicht unbedingt an die grosse Glocke . Aber Leute im engeren Bekanntenkreis da verleugne ich es auch nicht . Dadurch dass ich nicht 24 Std eine Windel tragen muss lässt es sich sicherlich leicht reden .
Aber jetzt im Urlaubshotel z.B. extra bescheid zu sagen "hallöchen , ich mach in die Hose " möchte ich nicht unbedingt . Entsorgungsprobleme hatte ich deswegen noch nicht . Wie gesagt stehe ich zwar dazu aber offen mit Fremden darüber zu reden fällt mir trotzdem schwer .
Grüsse Chris-jago
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Beitrag #5 von Robert » 10 Mär 2004 12:39


"Hallöchen, ich mach in die Hose", würde ich wohl niemals einem Fremden den es nichts angeht auf die Nase binden.

Es reicht mir eigentlich schon mir einmal im Monat die Slips im Sanitätshaus zu holen und dort wieder einer neue Verkäuferin mitteilen zu müssen warum ich hier bin, und unter welcher Rubrik sie meine Kundendaten findet. :(

Allerdings 'Versteck Spielen' würde ich auch nicht (mehr), mittlerweile habe ich wieder alle meine früheren Hobbies und Tätigkeiten aufgenommen, fahre sogar in Urlaub. Es hat zwar eine Weile gedauert bis ich mich selbst wieder ins volle Leben integriert hatte, aber ich finde es lohnt sich.

Ich mache alle Betriebsfeiern mit, gehe mit Freunden ins Kino, und habe sogar mein Abendstudium wieder aufgenommen. Gesprächsthema ist meine Inkontinenz zwar nur selten, aber jene Menschen die mir am Herzen liegen wissen Bescheid, und die Reaktionen die ich beim 'Outing' bekommen habe, waren durchaus verständnisvoll, und haben niemals eine Freundschaft beendet. (Wobei ich zugeben muss dass ich mir sicherlich bei so manchen dieser Gespräche in die Hose gemacht habe ;) )

Sogar bei meinen Kollegen war es kein Problem, sonden hat sogar vieles erklärt was denen sonderbar an meinem Verhalten vorgekommen war.

Mein Fazit, nicht jeder muss es wissen, aber wem man nicht egal ist, der wird das akzeptieren.

mit freundlichen Grüßen
Robert
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