es gibt Dinge von denen ich gar nichts wisen will

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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es gibt Dinge von denen ich gar nichts wisen will

Beitrag #1 von frosch » 08 Jan 2004 12:37


Hallo liebe Forenuser!

Seit Jahrzehnten bereichern die Toten Hosen die deutsche Musikszene mit zugegebenermaßen kritischen und polarisierenden Texten. Auch bei mir liegt noch die ein oder andere Scheibe aus alten Tagen. Bei dem neuen Titel "Das sind Dinge von denen ich gar nichts wissen will" geht es unter anderem um einen Patienten mit künstlichem Darmausgang. Schade, dass das wieder nur Dinge sind, von denen keiner was wissen will. Wird hier das Wegschauen und Weghören vor derartigen Problemen propagiert anstatt sich mit den Bedürfnissen auch von Minderheiten zu beschäftigen, oder ist es gut, dass das Thema überhaupt mal Einzug in Songtexte findet?

Liedzitat: Neulich kam er grad frisch von der OP
Künstlicher Darmausgang
Na, schönen Dank - Mein Hunger war passé!
Er hörte nicht auf und ging mehr ins Detail
Ihm ist es wohl egal, ob ich's hören will
Das sind Dinge, von denen ich gar nichts wissen will
Lass mich doch in Ruh
Und texte mich nicht zu
Das sind Dinge, von denen ich keine Ahnung haben will
Behalt den Kram für dich
Es interessiert mich nicht!

Wann wird Stoma, künstlicher Darmausgang, Inkontinenz, Bettnässen etc. endlich was, worüber man reden will?

Hoffe, ich konnte eine Diskussion anregen,

lieber Gruß, René
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frosch
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Beitrag #2 von der Blinki » 08 Jan 2004 15:38


Hallo Rene

Das wirt aber dann ein weiter Weg.

Selbst bei den Ärzuten ist das Thema Inkontinenz noch ziemlich unangenehm ( wenn es nicht gerade der Urologe ist )

ich selber lage über Weinachten im Kh und musste mir von der Stationärztin anhören das es nicht möglich sei , in meinen Alter schon harn und Stuhlinkontinent zu sein, damit auf Windeln angewieseen zu sein.
Dann kamm es auch noch dazu das ich mich 5 mal am Katherisiere.
Sie viel aus allen Wolken.
Letzendlich wollte sie mir dann ein SPF verpassen.
Große Diskusion, die letzendlich meine Frau und ich gewonnen haben.

Du siehst , selbst Leute die eigentlich wissen sollten das es tausend Gründe gibt , Harn oder Stuhlinkontinent zu werden ,gehen mit diesen Thema zimlich beschwerlich um.

Einen lieben Gruß
Marco
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Stuhlinkontinenz

Beitrag #3 von Tom » 08 Jan 2004 17:11


Hallo Marco,
Auch ich musste ueber die Feiertage einige davon im Spital verbingen.
Ich habe total andere Erfahrungen gemacht. Ich wurde von einem Herzspezialisten behandelt und er hat meine Inko. als etwas ganz "normales" hingenommen. Das Gleiche galt fuer die Schwestern und alle anderen Hilfskraefte die sich um mich kuemmern mussten. Da der Eingrif den sie vornamen, verlangt dass ich dann fuer ca 6 Stunden bewegungslos auf meinem Ruecken liegen musste, haben sie mir vor dem Eingriff ein Katheter eingelegt um mich mehr komofortabel zu machen.
Ich hatte waerend des ganzen Aufenthaltes im Spital das Gefuehl, dass meine Inko. ganz normal ist und sich Niemand daran gestoert hat.
Gruss, Tom
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Langer steiniger Weg

Beitrag #4 von Stutzer » 08 Jan 2004 23:31


Hallo ihr drei

Ich hebe den Diskussionsanfang mit gemischten Gefühlen gelesen, aber wie Ihr seht kann ich die Klappe sowieso nicht halten. :mrgreen:

Ich habe auch Erfahrungen gemacht. Nicht gleich denke: Oh Gott schon wieder so ein Endlosbeitrag!

Die Erfahrungen waren aber alles andere als das was ich vernutet hatte. Ich war angenehm überrascht wie selbstverständlich mit meiner Inko umgegangen wurde, im OP waren Windeln ein Problem, da ich am Rektum einen Eingriff erwartete. (Gott was für ne´ Wortwahl, egal)

Für die OP hat man mir auch einen Katheder gelegt, was nur logisch war, doch nach dem Aufwachen im Zimmer war das Ding weg, und ich hatte die gewohnte Unterwäsche an.
Bei einem anderen Krankenhausaufenthalt wollte man mir keine Inkontinenzslips geben, ein Katheder würde ja auch reichen. Und das bei einer Caudakompression (Einklemmung am Rückenmark) Den Aufstand meinerseits hättet Ihr mal erleben sollen, ich rannte mit Mach2 durch die Wand und wurde schneller entlassen als so manch anderer mit der gleichen Problematik.

Es wird erst offen darüber geredet wenn man selber die Barriere durchbricht. Ist die Lanze gebrochen, das Eis geschmolzen geling einem fast immer eine vernünftige Konversation, vorrausgesetzt der andere will sich darauf einlassen.

Es liegt an uns zu sagen, ich bin Inko, na und?
Und je mehr wir den Menschen zeigen das es ein normales Leben mit Inko gibt, um so mehr werden uns dann auch zuhören wollen.

Ich vergleiche das ähnlich eine Gartengestaltung, der Anfang ist klein und zart doch der Rest wächst dann mit der Zeit. Sicher werden wir nicht sofort die Früchte dieser Arbeit ernten, doch werden es andere die nach uns kommen etwas leichter haben als wir.

Das ist mein Ziel, so will ich tun.
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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Beitrag #5 von der Blinki » 09 Jan 2004 10:08


hallo Lutz.
Ich gebe dir Recht , meine Erfahrungen entsprechen nicht der Normalität.
es geht so oder so.
Aber du hast es ja gesagt " Wir müssen die Lanze Brechen " und auf das Pflegepersonal und Ärzte zu gehen.

Aber es gibt im privaten Umfeld ja auch immer wieder das problem das der gegenüberb wohl neugierig ist ,aber sich nicht traut etwas auszusprechen was ihn ( oder auch uns ? ) unangenehm ist.

Marco
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Gegenüber?

Beitrag #6 von Stutzer » 10 Jan 2004 13:15


Hallo Blinki, Guten Morgen Marco

Sicherlich hast du recht, und wenn es dem Gegenüber unangenehm ist, so soll er doch aufhören in deiner Mülltonne zu wühlen. :mrgreen:

Steter Tropfen höhlt den Stein, und Neugierde überwindet in der Regel alle Schranken, nur manchmal dauert es halt etwas länger. :oops:

Eine Bekannte (EX Bekannte) hat in dem Lebensumfeld in dem ich lebe rumerzählt das ich nicht Inko sei, sondern nur Pervers. :twisted:

Ich bin daraufhin zu den Menschen gegangen die mir wichtig erschienen und habe ( mit Überwindung) deutlich ausgesprochen was ich habe und warum es so ist. Die Reaktion war die gleiche wie du sie beschrieben hast, sie trauten sich nicht mich darauf anzusprechen. :idea:

Aus dem Ereignis resultierend muss ich sagen das ich jetzt noch mehr Bekannte und Freunde habe. :lach:

Mut zur Lücke sage ich da nur.
Bis dahin wünsche ich dir viel Glück und verbleibe

freundlichst grüßend
der Lutz
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