"Outing" vor den eigenen Kindern?! Wann und wie am besten?

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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"Outing" vor den eigenen Kindern?! Wann und wie am besten?

Beitrag #1 von mahib » 23 Nov 2015 20:45


Hallo,

ich habe mich nun nach einiger Zeit des stillen mitlesens hier angemeldet, da mich diese Frage ganz konkret beschäftigt und die Thematik bei mir immer akuter wird.

Also erstmal etwas zu mir: Ich bin nicht immer auf Windeln angewießen, sondern komme phasenweise mit kleineren Einlagen super zurecht. Es gibt jedoch auch Zeiten, in denen mir Windeln einfach mehr Sicherheit bieten und wo es ohne nur schlecht geht.
Aufgrund dessen, dass ich ansonsten soweit Gesund bin und natürlich auch Aufgrund des hohen Schamgefühls weiß von meiner Inko ausser meiner Frau und wenigen (genaugenommen nur 2), sehr engen Freunden keiner Bescheid. -Es ist ja auch wahrlich keine Schwierigkeit dieses Problem vor anderen (ja selbst vor der Familie / Verwandtschaft und Freunden / Bekannten) zu verbergen. (Begünstigt natürlich eben auch dadurch, dass ich nicht immer auf "große" Windeln angewiesen bin, sondern eben kleine unauffälligere Einlagen genügen)
Anders schaut die Sache aber logischerweise bei den eigenen Kindern aus! Wir sind sehr offen unseren Kindern gegenüber, sprich: sie sehen ihre Eltern ganz selbstverständlich auch mal nackt im Bad usw. Desweiteren bin ich begeisterter nacktschläfer :D (also ohne Schlafanzug eben).
Noch ist unser ältester nicht in dem Alter, wo er etwas von meinem Problem mitbekommen würde. Da aber der Übergang fließend ist, beschäftigt mich das nun aber doch sehr.
Es wird immer schwieriger werden, mein Problem zu verbergen. Natürlich fühlt es sich für mich auch komisch an, als Vater Windeln zu tragen... irgendwie kratzt das doch an meinem Selbstbewusstsein.

Die Frage ist nun aber ganz konkret: Wie damit vor den Kindern umgehen?
Klar könnte ich von Anfang an damit ganz "normal" umgehen, dabei ist aber das Risiko, dass ein Kind die Sache mal ausplaudert hoch! Ich möchte mich nicht unfreiwillig von meinen Kindern vor Freunden / Familie oder gar im Kindergarten outen lassen.
Verbergen ist jedoch auch sehr schwer! Ich hätte große Sorge, dass es irgendwann herauskommt (und diese ist wohl berechtigt). Es kann beim toben auffallen, oder beim nächtlichen Besuch eines Kindes im Ehebett [schlecht geträumt o.ä.] oder schlichtweg durch banales anheben des T-Shirtes durch das Kind mit darauf folgendem zupfen am Unterhosenbund... schwupp lukt da mal ein Windelbund hervor. Nunja die Möglichkeiten, wie die Kinder es bemerken könnten sind vielseitig!

Nungut, soviel erstmal zu meinem Problem.
Aber auch aus Kindersicht ist die Sache ja zu bedenken! Wie ist es wohl für das Kind in der Phase des Trockenwerdens, wenn doch der Papa als eine wichtige Bezugsperson Windeln trägt? Das kann ein Kind in dem Alter wohl kaum begreifen? Geschweigedenn damit irgendwie vernünftig umgehen. (Natürlich bin ich auch irgendwie verletzlich wenn Sprüche wie "kann Papa nicht aufs Klo gehen?" usw. kommen, aber ich weiß dass sowas in einem gewissen Alter vorprogrammiert wäre)
Später jedoch stellt sich die Frage: wie Kindgerecht erklären, und wann? Ist es für das Kind nicht komisch, wenn Papa die Sache so lange verheimlicht hat? Rüttelt dies nicht erheblich an der Kind-Vater-Beziehung? (Die Vorstellung mein Vater hätte sich nach langer Zeit geoutet ist irgendwie sehr unangenehm)

Wie seid ihr mit dem Thema vor euren Kindern umgegangen / Wie würdet ihr es an meiner Stelle tun? Und vor allem: wann? -Warten, bis das Kind ein Geheimnis behalten kann und die Lage zumindest etwas fassen und verstehen kann? Was wenn das Kind es davor bemerkt?

Meine Frau ist mit dem Thema auch noch sehr Ratlos, sie meint wir müssen am besten jetzt einfach mal abwarten und keine Panik schieben... derweilst schau ich natürlich, dass kein Kind offensichtlich etwas mitbekommt. Trozdem: mich beunruhigt diese große Ungewissheit! Natürlich ist auch noch eine Hoffnung da, dass sich mein Problem noch etwas bessert und ich eventuell nur noch mit kleinen Einlagen auskomme... Naja, wie auch immer: davon ausgehend es bleibt wie es ist sind meine Sorgen und Gedanken berechtigt wie ich finde.
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Re: "Outing" vor den eigenen Kindern?! Wann und wie am besten?

Beitrag #2 von Georges » 24 Nov 2015 20:40


Hi,
erstmal herzlich willkommen hier im Forum.

Was du hier beschreibst habe ich schon hinter mir, ich spreche also aus Erfahrung. Egal welche Hilfsmittel du verwendest, dein Kind kriegt es eines Tages mit. Ich bin immer diskret zu meinen Kindern offen gewesen. Dies bedeutet, deine Sachen verstaust du in den Schlafzimmerschrank oder im Bettkasten. Gebrauchte Sachen packst du im Zimmer oder im Bad in ein Müllbeutelchen und wirfst es in der Tonne draußen weg. Im Haus ziehst du außerhalb das Schlafzimmer immer etwas über, auch die drei Meter vom Bad zum Zimmer!

Dann kommt der Tag das dein Kind etwas mitbekommt. Sei es beim Kuscheln und Spielen, oder beim Geruch, oder sonst wie. Je nach Alter und Reife des Kindes merkst du ob es dies nur zur Kenntnis genommen hat oder ob es Interesse zeigt. In beide Fälle musst du dich darauf gefasst machen das früher oder später, gewollt oder ungewollt, ein Satz hierüber im Kindergarten oder Schule fällt. Im Kindergarten wurde meine Frau darauf angesprochen, dass unser Kind solch eine Bemerkung losgelassen hat. Diese Frau hat es ganz diskret mitgeteilt und uns darum gebeten, in ein ruhiges und geeignetes Moment mit unser Kind darüber zu sprechen. Nicht um es zu beschimpfen, sondern unser Kind beschäftigt sich halt damit und kann es kein Platz geben. Dabei müssen wir als Erwachsenen helfen. Kurz und knackig, ohne ein riesen Ding daraus zu machen und ohne Beispiele zu zeigen, haben meine Frau, unser Kind und ich darüber gesprochen und kindgerecht mitgeteilt was Sache ist. Damit war das Thema erledigt. Etwas später hat ein Freund unseres Kindes dann beim Spielen mit unser Kind doch auch mal bei mir nachgehakt und auch ihm habe ich ruhig und sachlich mitgeteilt, dass es so etwas gibt und dass manche Menschen halt Defekte haben. Wie z.B. einen Rollstuhlfahrer oder seinen Oma mit den Rollator. Dies hat ihm gereicht und nie wieder kam noch etwas.

Unsere beiden Kinder sind mit dieser Kenntnis ganz normal sauber geworden. Sobald das Kind im Kindergarten merkt das es dort Mini-Toiletten gibt und sieht wie andere Kindern diese nutzen, ist der „Windel-Era“ tagsüber meist schon mal sehr schnell vorbei. Nachts dauert es häufig dann noch ein bisschen, wobei dein Kind eh keine Zeit daran verschwenden wird über dein „Problem“ nachzudenken. Für Kinder sind so viele Dinge in deren Leben nur „Momentaufnahmen“ und unwichtige Themen werden dabei genauso schnell wieder ignoriert und vergessen.

An meiner Vater- und Beispielrolle hat dies gar nichts geändert. Wir spielen, kuscheln, chillen und reden zusammen, wie in jeder andere Familie auch. Wir sprechen weiter auch nicht darüber und wenn doch noch mal eine Frage kommen sollte, gibt es halt eine Antwort.

Mache das Thema halt nicht größer wie nötig und bleibe cool. Einige meinen Freunden, und übrigens auch in der Familie, wissen Bescheid da es aus verschiedenen Gründen dazu kam es zu erzählen. Wie immer sachlich, mal was diskreter, und ich bin so auch auf ein „Kollege“ gestoßen. Das Thema Inkontinenz ist viel weiter verbreitet als man denkt. Es kommt eben wie es kommt, da kann man eh nichts gegen tun. Außer gelassen bleiben und nicht damit hausieren gehen, dann kommt alles gut.

Grüße
Georg
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Re: "Outing" vor den eigenen Kindern?! Wann und wie am besten?

Beitrag #3 von Karl 1952 » 07 Dez 2015 15:31


Hallo
Ich bin neu hier und begeistert, dass es hier wirklich zu jedem Thema welches die Inkontinenz betritt ein Forum gibt. Dafür erst mal herzlichen Dank an die Betreiber.
Nun aber zum Thema Outing vor den Kindern. Bei mir war es zwar schwer den Schritt zu machen aber doch nicht so schwierig wie bei euch, da unsere Kinder schon erwachsen sind. Aber trotz dem war es eine gewisse Überwindung. Meine Frau hat es ja bei mir damals vom Arzt im Krankenhaus erfahren, was sie zunächst auch schockierte aber dann relativ schnell akzeptierte.
Meine Frau und ich hatten dann als ich zu Hause war überlegt wie wir mit dem Thema umgehen sollten, da wir auch noch zwei kleine Enkel haben. Wir hatten dann beschlossen es unseren Kindern zu sagen, da sie ja auch einen Schlüssel für unser Haus hatten und auch mal da sind wenn wir nicht zu Hause sind. Dann würden sie über kurz oder lang eh meine Windeln sehen. Ich denke dann wäre die Situation für alle beteiligten Peinlich gewesen.
Als sie also das letzte mal bei uns waren, habe ich ihnen erklärt, dass ich auf Grund meiner OP für die nächste Zeit Inkontinent sei und rund um die Uhr auf das Tragen von Windeln angewiesen sei, dass sich das nicht mehr ändern würde wusste ich damals noch nicht.
Meine Kinder waren nicht überrascht und sagten sie hätten selbst schon darüber gesprochen, nach dem sie erfahren haben, dass ich an der Prostata operiert werde, haben sie schon im Internet recherchiert. Den Enkel wollten wir es nicht sagen da sie eh zu klein sind, dass sie es verstehen würden.
Nachdem ich anfangs ganz nervös war wie sie wohl reagieren würden, war ich froh, dass es raus war und ich war auch überrascht wie offen und ausfürlich ich nun über das Thema sprechen konnte.
Mein Rasime ist, dass Offenheit schon die beste Lösung ist wobei gerade bei Kinder auch situationsabhängig ist. Ich denke wenn es ungewollt entdeckt wird ist es immer Peinlicher.
Grüße Karl
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Re: "Outing" vor den eigenen Kindern?! Wann und wie am besten?

Beitrag #4 von gisbert » 20 Dez 2015 15:29


Hallo Mahib,

Dein Thema beschäftigt mich auch seit dem ich unter Dranginko leide und Windeln tragen muss.
Meine Kinder haben eigene Familien, aber meine Enkelkinder kommen regelmäßig zu uns. Es ist schon ein paar mal vorgekommen, dass die beiden Enkelinnen es mitbekommen haben, dass ich mir für Termine außer Haus eine Windel anlegte. Die Jüngste ( 3 Jahre ) die selber noch Windeln trägt ist recht neugierig und meine lakonisch: Opa, Du hast ja auch eine Windel an.
Ich habe das überspielt und bin gar nicht weiter darauf eingegangen. Ich hoffe, dass sie es nicht ihren Eltern erzählt hat, aber man weiß nie. Sollte ich von meinen engsten Verwandten darauf angesprochen werden, werde ich denen reinen Wein einschenken und auf Vertraulichkeit hoffen.
Ich glaube, ich muss immer damit rechnen, dass irgendwer aus meinem persönlichen Umfeld etwas bemerkt.

Herzliche Grüße und schöne Feiertage

gisbert
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