Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #1 von julia42 » 10 Jan 2018 18:23


Hallo,
ich wollte fragen ob jemand hier schon mal mit einem Inkontinenz-/Therapiebadeanzug (so einer aus Neopren) im regulären Schwimmbetrieb also im Hallen- oder Freibad war? Ich habe im Forum einiges gefunden zu Inkontinenzhosen/Neoprenhosen, aber nichts zu Badeanzügen – mit denen fällt man vermutlich noch mehr auf. Es scheint hier weniger Frauen hier zu geben.
Mich würde interessieren ob man mit so einem Ungetüm so dolle auffällt wie ich mir das vorstelle/befürchte, ob das Probleme mit dem Schwimmbad Personal oder den anderen Badegästen gibt etc.

Hintergrund ist der: ich gehe sehr gern schwimmen. Bisher ging das mit normaler Inkontinenz-Badekleidung (so eine mit Innenslip von Suprima). Das ging ungefähr so: aufs Klo gehen und Blase/Darm leeren, Badeanzug anziehen, 20 - 25 Minuten Bahnen schwimmen, wieder aufs Klo und dann umziehen - nix passiert im Normalfall.
Länger gehe ich bisher nicht (mehr) ins Schwimmbad, würde ich jetzt aber gerne, denn ich habe eine kleine Tochter die gerade schwimmen lernt. Das heißt aberich sollte eine Vorlage oder besser Windel tragen und das geht am besten mit einem Therapiebadeanzug und zwar einem aus Neopren. Ich habe das mit meinem Badeanzug und einer Vorlage in der Badewanne ausprobiert, das kann man vergessen, eine Vorlage saugt sich relativ schnell voll. Im Sanitätshaus wurde mir ein Neopren Thearpiebadeanzug empfohlen - die sind wohl einigermassen dicht. Ich habe dann mit einer Firma in Berlin gesprochen, die Maßanfertigungen machen. Die haben mir sogar einen Anzug mit kurzen Ärmeln (über die Schulter) empfohlen haben, falls ich mehr machen möchte als Wassergymnastik - damit fällt man wohl noch mehr auf.

Meine Horrorvorstellung ist mit so einem Ding ins Schwimmbad zu gehen und alle starren mich an. Aber vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm?

Über Kommentare und vor allem Erfahrungen mit solchen Badeanzügen wäre ich dankbar.

Grüße
Julia
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julia42
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #2 von Helmut » 10 Jan 2018 22:28


Hallo Julia,

also so ein Therapiebadeanzug fällt schon etwas auf, mehr im Hallenbad, als im Freibad, kommt aber auch auf das Design an. Moderne Anzüge sind wie Sportbekleidung für den Wassersport wie z.B. Surfen gestaltet. Da kommt keiner so schnell darauf, dass es sich um eine Inkontinenz-Badebekleidung handelt. Am besten nimmst du direkt Kontakt mit dem Hersteller auf und schilderst ihm deinen Wunsch. Suprima lässt die Therapiebadebekleidung bei der Beluga Tauchsport GmbH fertigen. Vermutlich musst du dann über dein Sanitätshaus bei Suprima den Anzug bestellen, aber wenn du vorher schon alles geklärt hast, sollte das kein Problem sein.

Die normale Inkontinenz-Badebekleidung ist von seiner Konstruktion her nicht soweit Wasserdicht dass kein Wasser eindringen kann. Diese ist eher für kleine "Unfälle" gedacht, auch bei Stuhlinkontinenz. Sie soll eher dazu dienen dass nichts "Festeres" nach aussen gelangt und das Badewasser verschmutzt.

Die Therapiebadebekleidung dagegen ist auch geeignet, um darunter eine Windel zu tragen. Sie ist deutlich dichter, aber auch nicht zu hundert Prozent. Die Problemstelle liegt am Rücken bei der Wirbelsäule, dort wo die Einbuchtung ist. Hier wird dann oft ein Polster angebracht, um dichter zu werden. Über der Windel sollte noch eine PVC-Schutzhose (Gummihose), am besten zum Schlüpfen getragen werden, falls doch etwas Wasser eindringt. Wichtig ist, dass die Abschlüsse an den Beinen und an der Hüfte gut anliegen und abdichten. Wenn du die Maße nimmst, dann mit Windel wenn du diese darunter trägst.

Also dass dich alle anstarren glaube ich jetzt nicht, denn seit einigen Jahren findest du vermehrt auch so Neopren Sportbekleidung in den Werbeprospekten der Discounter. Da muss also schon ein Markt da sein.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #3 von Sarah » 12 Jan 2018 06:34


Als kleine Info vorweg: Was wir als den typischen Schwimmbad „Duft“ wahrnehmen, entsteht durch die Mischung von Chlor und Urin. Trifft das Desinfektionsmittel auf Stickstoff, etwa Harnstoff, Kreatin und Aminosäuren aus Urin, entstehen Chlorverbindungen, die sogenannten Chloramine und damit der bekannte Schwimmbadgeruch.

Chloramine sorgen wiederrum für den supertollen "rote Augen" Effekt, welcher meiner Meinung nach ziemlich nach Hallenbad/Freibad variiert, ich kannte da mal ein ziemlich schlimmes wo quasi 30 minuten ausgereicht haben das dies bei mir eingetreten ist. Dagegen war das Hallenbad aus meiner Schulzeit relativ problemfrei lustigerweise, da jeden Tag 30 Schüler drin waren. ;)


Allgemein würde ich mich Helmuts Meinung anschließen, falls du unbedingt einen Neoprenbadeanzug willst, dass dich wohl keiner anstarren würde direkt. Das richtige(passende) Modell zu finden wird wohl aber eine Weile dauern, denke ich.
Aber um ganz ehrlich zu sein kann man es auch einfach übertreiben und selbst falls mal was passieren sollte nach den 20 minuten "Pause" welche du vor deiner Blase hast wenn du kurz vorher nochmal auf die Toilette gehst, dann würde ich zu 100% darauf tippen das es kein bisschen auffällt, vielleicht nichtmal dir selbst, falls überhaupt was passiert.

Jenachdem ob es ein spezielles Bad wäre würde ich es mir vielleicht persönlich nochmal überlegen - und ja ich hab mich auch schon mit dem Thema befasst, auch wegen meiner Therapie, aber selbst da ist es mir einfach zuviel Stress mich vorher in den Badeanzug zu zwängen, da es sich im Endeffekt trotzdem um ein typisches Chlorbad handelt und man sich ergo hinterher doch nochmal duschen geht idR.


Mach dir nicht selbst zuviel Stress und genieß das Schwimmen mit deiner Tochter, egal wie du dich entscheidest. Das zählt am meisten!
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #4 von Powerfix » 12 Jan 2018 17:12


Ja wenn es geht zur Toilette und andere Maßnahmen entsprechend durchführen
Siehe auch:
viewtopic.php?f=3&t=3588&p=22825#p22825
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #5 von julia42 » 12 Jan 2018 19:11


Hallo Sarah, Helmut und Powerfix,
Danke schon mal für die Antworten und für's ermutigen. Ich glaube ich neige tatsächlich dazu mir eher zu viel Gedanken zu machen...
Was das einfach so länger ins Schwimmbad gehen angeht - das ist eher nix für mich. Ich war einmal in diesem Jahr in so einem Spassbad (Wellenbad, Stömungskanal etc.). Meiner Tochter hat es riesen Spass gemacht, das war natürlich toll, aber ich war total unentspannt. Ich hatte ich im Schwimmbecken einen 'Unfall' - da war nix zu machen. Ich fand das sehr unangenehm auch wenn es natürlich niemand merkt. Danach war ich dann gefühlt ständig auf dem Klo und habe es dann aber trotzdem geschafft in der Umkleide eine (kleine) Lache zu produzieren. Hat natürlich auch niemand gemerkt.

Ich werde nochmal in mich gehen und versuchen entspannter zu werden, ob mit oder ohne so einen speziellen Badeanzug :wink: Denn eins ist aber sicher - meiner Tochter will ich den Spass am Schwimmen sicher nicht vorenthalten - und mir eigentlich auch nicht.

Grüße
Julia
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #6 von Powerfix » 13 Jan 2018 13:01


Hallo ihr
Anbei einin Beispiel was ich ins Schwimmbad mit nehme für oben drüber und untendrunter
gallery/image.php?album_id=39&image_id=219
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #7 von Sebald » 15 Jan 2018 15:54


Hallo,

Zunächst mal hängt der Umstand, ob ein Neoprenanzug auffällt oder nicht, natürlich vor allem von der erwartbaren Wassertemperatur ab. Sprich: Bei einem Warmbadetag (bei einer kleinen Tochter ja doch eher dieser!) könnten sich die Mitgäste schon fragen, was der Anzug hier soll. Bei Sportschwimmbädern fällt das Teil sicher weniger auf. Im Übrigen sind solche bzw. ähnliche Anzüge bei Schnochlern recht beliebt. Viele haben also einen.

Kleiner Einschub: Die Leute sind inzwischen ja alle so wohlerzogen, dass natürlich keiner lachen, dich drauf ansprechen oder mit dem Finger auf dich zeigen wird. Aber es bleibt eine Irritation. Und die ist nicht entspannend, verhält sich also zum Zweck des Schwimmens eher kontraproduktiv.

Egal. Aber muss es ein Neoprenanzug überhaupt sein? Genannte Firma Suprima bietet auch Badenanzüge an, die einen PU-Innenslip haben, den man mit einer Kordel halbwegs fest ziehen kann. Die sehen m.E. jetzt nicht übermäßig modisch aus; aber gut, sie geben eine gewisse Sicherheit. Wobei die Gefahr schlimmer Unfälle - Sarah deutete es an - gemessen an der Aufenthaltszeit überschaubar ist.

Um mal aus der erbetenen eigenen Erfahrung zu schöpfen: Auch Neoprenanzüge schlossen bei mir nie (also wirklich nie!) komplett dicht ab. Es lief eben doch Wasser rein. Wenn man eine Vorlage darunter trägt, quillt diese auf. Das war jetzt nicht weiter dramatisch, weil der Anzug ja stramm sitzt, und das Ganze in Form hält. Aber irgendwo ist der Nutzen dann doch fragwürdig. Oder positiver formuliert: Es läuft immerhin nix raus!

Ich benutze für das Schwimmen in einem Behindertensportverein einen Neoprenanzug. Genauer gesagt zwei: einen maßgeschneiderten, relativ dicken und einen dünneren von der Stange. Das mache ich vor allem, um während des Schwimmens nicht auszukühlen. - Beim Bewegungsbad habe ich mich von dem Anzug aber verabschiedet: Erstens ist der viel zu warm, zweitens muss man sich schon ein bisschen verbiegen, um da rein zu kommen. Hier nutze ich einen Schwimmshort von Suprima bzw. ziehe unter die Badehose eine PVC-Hose. Da verzichte ich dann aber auch auf aufsaugendes Material.

In summa: Ich würde eher keinen Neoprenanzug nehmen, sondern mich nach der kleineren Suprima-Lösung umschauen.

Beste Grüße,
Sebald
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #8 von julia42 » 27 Jan 2018 14:00


Hallo zusammen,

hier nochmal ein kleines Update von mir. Danke für Eure Antworten!
Nach meinem letzten Post hatte ich mich entschieden mir einen Thearpiebadeanzug machen zu lassen - das ging dann erheblich schneller als gedacht und so war ich gestern zum ersten mal damit in Hallenbad um ihn auszuprobieren. Es hat mich zwar einiges an Überwindung gekostet aus der Umkleidekabine raus, in und durch die Dusche und dann ins Wasser zu gehen. Nachdem das geschafft war, hatte ich richtig Spaß beim Schwimmen. :huepf:
Meine Ängste und Befürchtungen, die ich mit mir rum getragen habe waren eher unbegründet. Natürlich fällt man mit so einem Anzug im Hallenbad auf, keine Frage, aber weit weniger als ich dachte. Es war ganz erstaundlich! Ich war schon lange nicht mehr so entspannt beim Schwimmen und war eine ganze Stunde im Wasser.
Und ja, auch dieser Badeanzug ist nicht ganz dicht (hatten ja mehrere hier schon geschrieben). Am Rücken dringt Wasser ein - das ist zwar wenig mit der Zeit summiert sich das aber. Im Prinzip macht das aber nix, von innen nach außen scheint es dicht zu sein - und das steht für mich und mein Gefühl beim Schimmen im Fordergrund.
:laola:

Grüße
Julia
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Re: Schwimmbad und Therapie-Badeanzug

Beitrag #9 von Georges » 27 Jan 2018 16:48


Hallo Julia,

vielen Dank für deinen Beitrag mit dieser ganz wichtiger Erfahrungsaustausch. Sehr schön dass es dich gut gefallen hat und du eine Hemmschwelle überwunden hast. Dies macht Mut für andere Menschen. Hiervon lebt ein Forum als dieses.

Ich wünsche dir dann noch viele schöne Schwimmstunden, und ein schönes Wochenende.

Grüße,
Georg1
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