Gefühl der Inkontinenz - wie geht ihr damit um?

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Gefühl der Inkontinenz - wie geht ihr damit um?

Beitrag #1 von Jonas_Tobias » 26 Mär 2021 09:03


Wie geht ihr mit dem Gefühl der Inkontinenz um?

Hallo,

leider habe ich eine starke Stuhlinkontinenz.

Ich trage auch einen Wäscheschutz hierfür.

Bei mir ist folgendes Problem: Ich sitze zB. am Arbeitsplatz und während des Sitzens merke ich, wie ich Stuhl verliere in die Vorlage. In diesem Moment kann ich es trotz zusammenkneiffen nicht verhindern und merke, wie es passiert.

Wie geht ihr mit diesem Gefühl der Machtlosigkeit bei Inkontinenz um?
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Art der Inkontinenz: Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Bisher noch keine

Re: Gefühl der Inkontinenz - wie geht ihr damit um?

Beitrag #2 von Regenmacher » 30 Mär 2021 19:12


Genau genommen gibt es ganz viele Situationen im Leben, die man nicht beeinflussen kann und in denen mal „hilfslos“ ist. Ich für mich habe irgendwann die Inkontinenz als Teil von mir akzeptiert. Als ich noch jünger war, dachte ich immer „bloß nicht auch noch Stuhlinkontinent werden“. Mittlerweile hat sich aber auch dieser Teil meines Körpers so weit abgeschwächt, dass gelegentliche Kleinunfälle nicht mehr zu vermeiden sind. Aber weil ich sowieso Windeln trage, habe ich diesen körperlichen Abbau einfach akzeptiert. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis, ja sogar auf Arbeit spielt das alles keine Rolle. Es ist meiner Erfahrung nach nur eine Sache der Einstellung zu sich selbst und eine gesunde Portion Selbstbewusstsein.

Klar, manchmal nervt es. Ich musste erst vor einer Stunde aufstehen, das Bettlaken wechseln und die Wäsche auch. Waschmaschine läuft grad. Mal wieder war einfach die Windel ausgelaufen hatte sich das Wasser einfach an der Seite einen Weg gesucht und gefunden. Aber das passiert und Gott sei Dank habe ich eine wasserdichte Matratze, so dass es wirklich nur die Wäsche ist, die gewechselt werden muss.

Über Ostern fahre ich ein paar Tage in den Urlaub, da kann das nervig sein. Immerhin ist meine Gepäckmenge auf der Hinfahrt entsprechend groß. Aber im Alltag sonst klappt es gut und seit ich meine Inko angenommen habe, kann ich damit gut leben. Und seit es immer weniger öffentliche WC‘s gibt, bin ich manchmal sogar froh dass ich dieses Extra an Reichweite habe. Da geht es meinen NIcht-Inkos manchmal ganz schön schlecht, wenn sie dringend eine Toilette suchen.

Was Stuhlinko angeht: wenig bis gar kein Fleisch essen, das hilft gegen den teilweise üblen Geruch. Für den Rest: Helmut fragen, der ist bei Stuhlinko der absolute Profi.
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Re: Gefühl der Inkontinenz - wie geht ihr damit um?

Beitrag #3 von Pink Panther » 02 Jun 2021 08:48


Ich kann diesem Beitrag aus eigener Erfahrung nur voll zustimmen.
Es ist nicht zu bedauern und zu beschimpfen, was (leider) für den Betroffenen unabänderlich ist. Das Hadern hilft nicht weiter es ist viel mehr die Überlegung wie man damit umgeht, weil man es nicht ändern oder entkommen kann.

Mir hat die Erkenntnis geholfen, dass dies wegen der nunmehr doch vorhandenen Hilfsmittel möglich ist. Es ist finanziell machbar und technisch muss man eben probieren, was einem liegt, was man braucht und was mit dem, was dann an Vorkehrungen trifft noch gesellschaftlich möglich ist. Mein Ziel war es mein Leben nicht durch Inkontinenz einschränken zu lassen. (Der Markt ist sehr groß)

Soweit also war es erst mal gut.

Schlimm war es aber dann doch, dass alles erst mal zusammen auf mich einstürzte. Es lichtet sich aber alles mit der Zeit. Das trifft auch auf das Gefühl der Inkontinenz zu. Ich hatte teils sehr peinlich und auch sehr verunsichernde Momente, die mich auch tief beunruhigt haben. Am Ende muss ich aber sagen, dass (nun ich nicht zuletzt wegen der Masken in CORONA Zeiten) die Maske viele für „Moogle“ sichtbare Gesichtsverzerrungen unkenntlich gemacht hat. Nun aber habe ich die Sicherheit, dass ich auch bei starken Miktionen, die ich nicht verhindern kann, cool bleiben kann und nach außen hin nichts mehr sichtbar wird, weder im Gesicht noch an der Hose und zu riechen ist auch nichts. Dazu gehört vor allem das Gefühl der Sicherheit in der Inkontinenzversorgung. Das muss man erst erlangen!

Bislang nehme ich das nicht locker und leicht. Gegenüber den Ärzten musste ich mich offenbaren und das mehrfach und an viele Orten. Privat aber mache ich das nicht. Es ist eine Art Agentenversteckspiel geworden, diese Eigenschaft zu verheimlichen. Es gelingt mir mehr und mehr und wenn Du die Inkontinenz nicht verhindern kannst, dann wird sich früher oder später eine Gewöhnung und vor allem eine Routine einstellen. Bei mir hat es 4-5 Monate gedauert bis ich die ca. 85 notwendigen Prozente gewonnen hatte. Also mal ehrlich, was geht es jemanden anders denn an, was bei Dir passiert? Gar nichts, es ist Deine Sache und Du kannst damit klarkommen.

Wenn Du nicht sicher genug bist, dann empfehle ich Dir mal bei Inkoswiss zu schauen. Die bieten Produkte an, die genau auf das zugeschnitten sind, was Du braucht und nach Maß gefertigt. Für die Nächte, in denen ich auch immer wieder mal Unfälle hatte habe ich mir da auch zwei Hosen bestellt. Mal sehen wir das funktioniert. Wenn Du am Ball bleist und immer mal wieder überlegst, ob Du was ändern oder besser machen kannst, dann wird das alles schon werden. Da bin ich fast sicher. Alles Gute dafür.

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