Reha wegen Inkontinenz in Bad Wildungen

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Reha wegen Inkontinenz in Bad Wildungen

Beitrag #1 von eckhard11 » 19 Nov 2004 16:45


Guten Abend allerseits,

ich bin durch eine “radikale Zystektomie mit Bildung einer Illeum-Neoblase” seit November letzten Jahres inkontinent. ( Das bedeutet, daß mir Blase und Prostata, Samenbläschen und Lymphdrüsen mitsamt aller Nerven rausgenommen und aus einem Stück Darm eine neue Blase geformt wurde )

Durch mein intensives Beckenbodentraining habe ich es geschafft, tagsüber kontinent zu werden.
Nachts allerdings laufe ich über.....

Um auch des Nachts möglichst kontinent zu werden, hatte ich eine Reha beantragt.
In das Antragsformular hatten wir, mein Urologe und ich, als Grund ausdrücklich in Fettschrift geschrieben : “ Nächtliche Inkontinenz nach radikaler Zystektomie mit Illeum-Neoblase “

Ich bekam eine 3 - Wochen Kur in Bad Wildungen, welche am 28.10.04 begann und von der ich gestern zurückkehrte.

Es ergaben sich folgende Probleme :
1 ) Ich hatte nur 6 mal Beckenbodentraining als Anwendung, - in 3 Wochen ( !! ),
obwohl ich gerade wegen dieses Trainings die Reha beantragt hatte.
2 ) Fünfmal waren es unterschiedliche Trainer. Da kann kein vernünftiges Training
zustande kommen, da alle fünf Trainer unterschiedliche Methoden
bevorzugten.....
3 ) Ansonsten hatte ich als Anwendungen nur Massage und Wassergymnastik
4 ) Es gab Tage ( nicht die Wochenenden !! ), da hatte ich gar keine Anwendung.
In den gesamt 14 Wochentagen hatte ich sage und schreibe 24 Anwendungen

Dem Fass den Boden aus aber schlug eine Unterhaltung am Dienstag, dem 16.11.04. mit dem Ärztlichen Direktor Dr. Krusch.
Dieser hielt einen Onkologievortrag über Inkontinenz. Der Besuch war miserabel, es interessierten sich nur 3 ( drei !! ) Männer für dieses Thema, obwohl sicherlich die Hälfte der in der Klinik anwesenden Männer - ca. 90 Mann - an der Prostata operiert waren.
Andererseits hatte ich dadurch die Gelegenheit, mich mit Dr. Krusch intensiv zu unterhalten.
( Dr. Krusch ist übrigens ein starker Befürworter der Elektrostimulation beim Training des Beckenbodenmuskels )

Als Dr. Krusch hörte, daß ich eine Illeumblase habe, fragte er mich, was ich denn überhaupt in der Klinik wolle. Bei einer Illeumblase wäre es aufgrund der fehlenden Nerven völlig unmöglich, nachts kontinent zu werden. Der Schlaf würde die - tagsüber willendlich vorhandene - Beckenbodenspannung gänzlich reduzieren, sodass der äußere Schließmuskel im Beckenboden immer erschlaffen würde und daher der Harn niemals in der Blase bleiben könne.

Da war ich natürlich bedient. Hätte ich dies an meinem Anreisetag gehört, wäre ich sofort wieder nach Hause gefahren.
Dr. Krusch konnte sich ebenfalls nicht erklären, warum mir die BfA unter solchen Umständen überhaupt eine derartige Reha angedient hat.
3 Wochen verlorene Zeit und ca. 2.600,00 Euro Kosten für nix weg. Von meinen privaten Kosten ganz abgesehen....

Ich würde gern einmal eure Meinung dazu hören.

Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
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Beitrag #2 von Ramona » 19 Nov 2004 19:21


Hallo Eckhard!

Puh, das ist ja echt dumm gelaufen!!!!
Ich würde auf jeden Fall die BfA darüber informieren, was gemacht worden ist bzw. nicht. Denn nur, wenn die Kostenträger darüber informiert werden kann sich was ändern. Vor allen werden dann keine Reha´s mehr bezahlt in Kliniken, wo nichts läuft. Vorrausgesetzt, es melden sich alle, wo es nicht gut gelaufen war.

Ich wünsche Dir, daß Du Dich von den Streßgut erholen kannst.

Gruß RAmona
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

Hermann Bezzel
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Beitrag #3 von eckhard11 » 19 Nov 2004 23:46


Hallo und guten Abend, Ramona,

ich glaube, ich habe mich etwas unglücklich ausgedrückt :

Nicht der Klinik in Bad Wildungen mache ich einen Vorwurf, auch wenn ich der Meinung bin, daß ich dort etwas intensiver hätte behandelt werden müssen, sondern der BfA, die mich in eine Reha schickte wegen einer Maßnahme, welche nach dem heutigen Stand der medizinischen Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen konnte.
Der Fehler liegt ergo weniger bei der Klinik als bei der BfA

Selbstverständlich hätte auch die Klinik diese Reha ablehnen sollen, da ja auch der Klinik die Unterlagen zukommen. Aber die wollen natürlich Umsatz machen.

Wie man sieht, werden die Antrags - und Arztformulare im Vorfeld gar nicht richtig gelesen, entweder weil die Leute zu überlastet sind ( was ich weniger glaube ) oder weil sie zu dämlich sind ( was ich eher annehme ), denn derartige Anträge werden nicht von einer Ärztin / Arzt bearbeitet, sondern von einer Verwaltungsangestellten / Angestelltem....

Und die sollen über meine gesundheitlichen Maßnahmen entscheiden. Grotesk.......

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #4 von mehlbox2001 » 20 Nov 2004 01:08


Hallo Eckhard,

da schließ ich mich Ramona an: wirklich dumm gelaufen! Hört sich an, als hätten im Vorfeld der Kur alle grade keine Zeit gehabt, die Akten gut genug zu lesen. Recht hast du, eine ziemliche Zeit- und Geldvernichtung.

Es ist allerdings, wie man schon bei banaleren Dingen merkt, nicht immer einfach, Experten zu finden, die sich auf die gemeinsame Suche nach Lösungen begeben. Vielleicht hast du Glück gehabt, dass der Dr. Krusch die Zeit hatte, dir deine Fragen ausführlich zu beantworten. Angesichts des Zeitmangels vieler Ärzte kann -- paradoxerweise! -- dieses eine Gespräch die Reise wert gewesen sein.

Ansonsten werden immer wieder gern die Barfußärzte vom SVI empfohlen, die haben manchmal mehr Hintergrundwissen als die Ärzte einer ganzen Stadt -- und du bist einer davon ;-)

Andreas
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Beitrag #5 von Matti » 20 Nov 2004 22:12


Hallo Eckhard,

schön das du wieder unter uns bist. Schade das du wenig nutzen aus deiner Reha ziehen konntest.

Ich habe einen Interessanten Artikel gefunden der vieleicht dem ein oder anderem dein Schicksal ersparen kann.

Neue Harnblase verhindert schwereNebenwirkungen von Krebsoperation
Teile der Prostata bleiben erhalten und werden mit einer aus einer Darmschlinge geformten Ersatzblase verbunden



Jena - Mit einer neuartigen Harnblase können Mediziner aus Jena Potenzprobleme und Inkontinenz bei Blasenkrebspatienten vermeiden. Erstmals lasse sich mit dieser Weltneuheit bei Männern mit Harnblasenkrebs nach einer Operation die Potenz erhalten, sagte der Direktor der Universitätsklinik für Urologie, Professor Jörg Schubert. Dabei würden Teile der Prostata erhalten und mit einer Ersatzblase verbunden, die aus einer Darmschlinge geformt wird. "Die Patienten mit einer Jenaer Harnblase haben keinerlei Potenzstörungen und keine Probleme mit Inkontinenz."

Rund 15.000 Menschen erkranken nach Angaben des Mediziners in Deutschland pro Jahr an einem bösartigen Tumor der Harnblase. Dabei drohen der Verlust der Kontrolle beim Wasserlassen, künstliche Harnableitungen und Impotenz. Die Entfernung der Harnblase sei die einzige Methode, die bei aggressiven Tumoren Heilung verspreche, sagte Schubert. Der etwa fünfstündige Eingriff sei aber mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. "94 Prozent der betroffenen Männer waren nach der Operation impotent, fast jeder Zweite litt unter Inkontinenz und jeder Zehnte an Problemen wie Einengungen der künstlichen Harnwege."

Der Professor sprach von einem "klinischen Durchbruch in der Therapie von Blasenkrebspatienten". Die neue Methode wird in Jena seit einem halben Jahr angewendet. Die neuartige Harnblase sei erst durch die Kombination schonender Operationstechniken möglich geworden. Der Blutverlust werde minimiert und die Operationszeit um eine Stunde verkürzt. Gleichzeitig könnten mehr Betroffene als bisher behandelt werden. Der Blasenkrebs, nach dem Prostatakrebs die zweithäufigste urologische Tumorart, tritt besonders bei Männern über 60 Jahren auf. (APA/dpa)


Gruss

Matti
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Beitrag #6 von eckhard11 » 20 Nov 2004 22:28


Hallo Matti,

verdammt, kommt für mich zu spät.

Ich hätte mich sofort in Jena operieren lassen.

Aber ich muß noch einmal betonen : Mit der Urologie des AKH zu Hagen und meinen postoperativen Erfolgen hinsichtlich meiner Krebsoperation bin ich ausserordentlich zufrieden.

Gruß
Eckhard
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Beitrag #7 von Ramona » 21 Nov 2004 09:16


eckhard11 hat geschrieben:Hallo und guten Abend, Ramona,

ich glaube, ich habe mich etwas unglücklich ausgedrückt :

Nicht der Klinik in Bad Wildungen mache ich einen Vorwurf, auch wenn ich der Meinung bin, daß ich dort etwas intensiver hätte behandelt werden müssen, sondern der BfA, die mich in eine Reha schickte wegen einer Maßnahme, welche nach dem heutigen Stand der medizinischen Möglichkeiten nicht zum Erfolg führen konnte.
Der Fehler liegt ergo weniger bei der Klinik als bei der BfA


Hallo Eckhard!

Ich sehe das genauso: Wenn Du schon in der Klinik bist und für Dich bezahlt wird, hätten sie wenigstens mehr machen können. Denk noch mal darüber nach, ob Du nicht der BfA davon berichten möchtest. Denn dann weiß die BfA für nächste Mal, daß die Klinik sich nicht alles vorher ansieht. Zwar nützt es Dir nichts mehr, aber wenn dadurch unnötige Aufenthalte vermieden werden, kommt es anderen wieder zu gute. Du verstehst sicher, was ich meine, oder?

Gruß Ramona
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Beitrag #8 von der Blinki » 21 Nov 2004 13:02


Hallo Ramona und Eckhard.

Ich denke mal das so manche Untersuchungen und Klinikaufenthalte unnötig sind.
Leider bekommt man , wenn man die Krankenkassen und die Ärzte darauf aufmerksam macht , doch meißt immer ein Rüffel.

Bei mir wurde sage und schreibe eine Urtodynamik drei mal gemacht, nur weil ich in drei verschiedene KH war.
Warum wurde nicht das erste Ergebnis der urodynamik genommen , um einen weitere Diagnose zu stellen.
Nein , jedes Krankenhaus macht sein eigenes Süppchen, nur um irgendwelche Schlüßel und Forderung zu erfüllen.
Letzendlich sind es doch wir, die es ausbaden müßen, in Form höherer Beiträge oder rigerose Streichungen im Gesundheitswesen

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Verhalten von Ärzten und Kliniken

Beitrag #9 von Chris » 21 Nov 2004 14:03


Hallo Ihr, besonders Hallo Eckhard,

schade, dass es so gelaufen ist Eckhard, ich hoffe aber dass du dich wenigstens ein wenig von deinem Job erholen konntest.

Das mit dem Beschweren ist so eine Sache. Ich fürchte einmal, dass der mündige Patient in unserem System nicht gefragt ist. Dafür werden die Pauschalen immer weiter gekürzt und eine ordentliche Versorgung ist nur noch bei hohen eigenen Zuzahlungen möglich (siehe erneute Kürzung der Hilfsmittelpauschalen zum Jahreswechsel) Wenn man dann aufmuckt wird man an irgend einer "weichen" Stelle angegriffen und madig gemacht. Es bringt also unter dem Strich nichts außer Stress und Ungelegenheiten.

Wenn wir als Verband uns gemeinsam in Berlin beim Gesundheitsministerium einmal Gehör verschaffen könnten, dann könnten auch solche Auswüchse wie du sie erlebt hast vorgetragen und gemeinsam überlegt werden, wie so etwas sinnvoll vermieden werden kann. Ob sich dann allerdings etwas ändert möchte ich nach meinen Erfahrungen mit dem Hilfsmittelzentrum der TK bezweifeln. Besser kann es doch nur werden, wenn an den entscheidenden Stellen mehr Fachwissen angesiedelt wird - entweder indem Betroffene mit in den Entscheidungsgremien sitzen oder wenigstens die Entscheider sich einmal mit Betroffenen zusammesetzen und sich schlau machen. Aber das sind Hoffnungen, die in unserer Gesellschaft so schnell nicht umsetzbar sein werden.

In diesem Sinne machs gut und gräme dich über "verlorene Tage", freu dich über das Schöne was du erleben konntest.

Machs gut

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Beitrag #10 von eckhard11 » 21 Nov 2004 14:41


Mahlzeit Chris,

ich habe nichts erlebt in der Reha.
Es war nur furchtbar langweilig.
Und das Wetter so schlecht, daß ich nicht einmal einen "Kurschatten" hatte.....
( Wie auch ?? )

Gruß
Eckhard
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