alles psychisch

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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alles psychisch

Beitrag #1 von muki » 28 Jan 2005 07:41


Hallo ihr lieben,
es ist wieder länger her seit ich mich das letzte mal gemeldet habe. Aber ich muss jetzt echt mal Dampf ablassen. :aerger: :aerger:
Wie einige von euch wissen mache ich die Ausbildung zur Altenpflegerin. Und gestern durfte ich mir von einem Lehrer anhören,den ich eigentlich für sehr kompetent halte, dass Inkontinenz in den meisten Fällen Psychisch ist.
Woraufhin eine Klassenkameradin erzählte dass eine Dame in ihrem Altersheim ständig auf Toilette gesetzt werden wollte, um Aufmerksamkeit zu erheischen.
Es geht nicht um mich, ich kann mich wehren und kann selber zur Toilette gehen.
Es kann ja auch tatsächlich sein dass meine inko psychisch ist, aber darum gehts nicht. Diese Lehren führen zu absolutem Schubladendenken, das leider auch bei vielen Ärzten vorhanden ist besonders wenn es um alte Menschen geht.
Ich musst das echt mal loswerden.
Danke Muki
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Beitrag #2 von Helmut » 28 Jan 2005 12:21


Hallo Stefanie,

nun so ganz Unrecht hat dein Lehrer nicht, wenn er sagt daß Inkontinenz in den meisten Fällen Psychisch ist. Er hätte aber dann auch dazu sagen müssen, daß diese Situation überwiegend nur für Pflegeeinrichtungen besonders für Altenpflegeheime gilt. Wie du schon sagtest, wollen die Betroffenen damit deine Aufmerksamkeit auf sich lenken, um einfach etwas mehr menschlichen Kontakt zu bekommen.

Aber genau hier liegt das Problem, das zu einer solchen Situation führt. Auf der einen Seite soll sich das Pflegepersonal um die Heimbewohner kümmern und sie beschäftigen, aber auf der anderen Seite fehlt die Zeit und das Geld, genau dies zu tun. Es gab mal vor ein paar Jahren eine Studie darüber, bei der sich zeigte, daß alleine durch die intensievere Beschäftigung mit den Bewohnern bei vielen die Inkontinenz auch wieder verschwand. Viele Einrichtungen wissen zwar um die Problematik bescheid, aber aus Kostengründen arbeiten sie lieber nach dem Motto "Pille rein und Windel drum".

Nur in seltenen Fällen ist eine psychisch bedingte Inkontinenz bei den Betroffenen tatsächlich durch eine Erkrankung hervorgerufen. Bei älteren Menschen wird eine Inkontinenz eher durch körperliche Einflüsse ausgelöst, sei es durch die Erschlaffung der Beckenmuskulatur oder durch krankheitsbedingte Störung der Wahrnehmung und damit der Kontrollverlust über die Ausscheidungen.

Leider ist es immer noch so, daß schon während der Ausbildung der Pflegekräfte und Ärzte viel zu wenig auf die psychosoziale Komponente bei der Behandlung von Inkontinenz eingegangen wird. Wenn ich die Beiträge der anderen User zu dieser Problematik (Bettnässer) so anschaue, da wird doch nicht wirklich eine Ursachenforschung durch die behandelnten Ärzte betrieben, sie stochern vielmehr nur so im Nebel herum und hoffen, einen Treffer zu landen. Über körperliche Ursachen einer Inkontinenz gibt es unzählige Literatur und auch im Internet findet man inzwischen zu fast allen Fragestellungen Antworten, aber bei den psychischen Ursachen der Inkontinenz oder auch dem Bettnässen ist kaum Literatur zu bekommen, die Aussagekräftig genug ist. Ich suche zum Beispiel schon lange nach solcher Literatur, damit ich unsere Homepage auch auf diesem Gebiet erweitern kann, nur habe ich bis heute nichts brauchbares gefunden.

Gruß Helmut
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Beitrag #3 von muki » 28 Jan 2005 13:19


hallo helmut, was mich aber bei der ganzen sache stört ist wie ich schon sagte das Schubladendenken. Jemand der im Heim jede stunde muss, hat irgendwie den "Der -macht-das-extra-Stempel" Die Ärzte drücken diesen Menschen als allererstes ein Antibiotika auf (meist ohne Urinuntersuchung) danach ist es dann halt psychisch. Ich denke an meine eigene Erkrankung, wenn ich immer wieder auf toilette laufe und jede Aufmerksamkeit die mir dann zufällt ist echt peinlich. Ich glaube auch, dass ein gewisser Prozentsatz der alten Menschen im Heim dieses "Ich muss mal, Schwester." aus heischen nach Aufmerksamkeit sagen/tun. Aber ich finde, dass es eben nicht-psychisch sein kann sollte auch bedacht werden, auch wenn der Arzt nichts gefunden hat. Denn das führt besonders in Heimen zu den Sätzen wie: Frau X. sie waren doch gerade vor einer Stunde, jetzt müssen Sie aber warten. Ich glaube dann würde ich auch lieber in die Hose machen als die Schwester nochmal zu fragen.
Alles Liebe Stefanie
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Beitrag #4 von Helmut » 29 Jan 2005 16:41


Hallo Stefanie,

das glaube ich dir gerne, daß dich das Schubladendenken sehr stört. Da sind auch die Ärzte mit schuld, wenn sie der Ursache für den ständigen Harndrang oder der Inkontinenz nicht wirklich auf den Grund gehen. Um aber eine sichere Diagnose zu haben, ob nun tatsächlich eine körperliche Ursache dahintersteckt, muß eben ein Urologe zu Rate gezogen werden, der dann die entsprechenden Untersuchungen vornimmt.

Sicher sind auch einige unter den Bewohnern, die wie du schon sagtest, das nur machen, um die Aufmerksamkeit des Pflegepersonals zu erhalten. Aber auch die Reaktion die du geschildert hast, daß die Pflegekraft nicht ständig den Bewohnern hinterher rennen kann, spielt da auch eine Rolle. Ich kann das Verhalten der Betroffenen gut verstehen, wenn sie dann eben sich nicht mehr melden, daß sie zur Toilette müssen. Sie machen dann lieber in die Hose und das Pflegepersonal steht mit einer Windel in der Hand parat, anstatt mal nach der Ursache zu fragen.

So gesehen trägt jeder der Beteiligten eine gewisse Schuld daran, der Arzt weil er nur schnell mal eine Pille verschreibt und nicht weiter nach der Ursache fragt, das Pflegepersonal weil es zu wenig Zeit hat und dann lieber schnell zur Windel greift und schließlich die Betroffenen selber, weil sie sich vernachlässigt fühlen und sich nicht trauen etwas zu sagen. Das ist also ein richtiger Teufelskreis, der nur durchbrochen werden kann, wenn einer der Beteiligten heraus geht und etwas unternimmt.

Gruß Helmut
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ganz und gar nicht psychisch

Beitrag #5 von blaubaer » 02 Mär 2005 15:01


hallo,
ich habe eine funktionell komplette spastische tetraplegie, schwere Kyphoskoliose, schwere kontrakturen. meine medula oblongata ist zerstört. ich bin komplett künstlich beatmet und werde künstlich über eine peg-sonde ernährt. ich kann nur liegen. ich habe oft epileptische anfälle. ich bin vielleicht auch geistig nicht so entwickelt wie es normal ist.
ich habe gelernt mit lucy com und einem zungentaster zu schreiben und mich mit zu teilen.
ich bin blasen und darminkontinent.
der grösste teil meines stuhls wird mit einem irrigator entfernt.
ich leide aber auch sehr schwer unter morbus chron und habe sehr oft durchfall. werde deshalb rund um die uhr gewindelt.
bin ich deshalb auch noch psychisch behindert?
ich glaube kaum.
ich bin glücklich, das es lucy com gibt, das ich schreiben kann auch wenn ich lange brauche
ich bin froh das ich mich mitteilen kann.
ich habe kein problem damit gewindelt zu werden. ist ganz normal für mich.
liebe grüsse,
blaubaer
ich kann schreiben!!!
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Beitrag #6 von eckhard11 » 02 Mär 2005 17:38


Toll, Blaubär,

ganz, ganz toll !!


Ich bewundere Dich.

Du kannst mir gern unter PN oder auch an meine Mail [url]petersmann@pit-germany[/url] schreiben, was Dich so bewegt.
Ich werde ganz sicher antworten !

Allerbeste Grüße aus Hagen sendet Dir
der sich wieder hinlegende .sleep:
Eckhard
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