Ein peinliches Erlebnis

Hier könnt ihr eure Erfahrungen mit der Inkontinenz im täglichen Leben, wie zum Beispiel: welche Kleidung ist geeignet, wie mache ich das im Beruf, beim Sport ...... austauschen.

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Ein peinliches Erlebnis

Beitrag #1 von Guido » 29 Jun 2005 00:08


Hallo zusammen,

ich bin neu hier und lese schon seit einiger Zeit still schweigend mit.
Erst mal ein großes Kompliment an dieser Stelle, denn was ich bis jetzt gelesen habe stellt andere Foren in den Schatten. Endlich mal eine Plattform wo sich Betroffene austauschen können.

Aber nun mal zu meinem etwas peinlichen Erlebnis heute. Wie Ihr sicher aus meinem Profil entnehmen könnt bin ich Bettnässer und das nicht erst seit gestern. Das Bettnässen begleitet mich nun schon seit 23 Jahren. Und daher verwend ich nachts auch Windeln. Eigentlich weiß auch außer meiner Frau natürlich und meiner Familie, niemand sonst von meinem Problem. Warum auch muss das ja nicht jedem auf die Nase binden. Aber heute ist es dann doch passiert. Meine Frau ist mit Ihrer Freundin bei dem schönen Wette etwas bummeln gegangen. Und da es bei mir letzte Nacht sehr spät wurde, habe ich die Zeit dann heute Mittag genutzt und habe einwenig Mittagsschlaf gehalten. Natürlich mit einer Windel und bei der Hitze hatte ich auch sonst nix anderes mehr an. Tja blöd war nur das wie ich geschlafen habe dann unser Hund (mal wieder) die Schlafzimmertür sperrangelweit aufgemacht hat und man dann von Flur aus hervorragend in unser Schlafzimmer schauen kann.
Und genau das muss wohl auch passiert sein, denn meine Frau sagte dass Ihre Freundin ins Schlafzimmer gesehen hat wie sie nach Hause gekommen sind. Und sie meinte dass man das ganz deutlich gesehen haben muss, dass ich da mit einer Windel liege.
Die Freundin hat übrigens nix gesagt, aber sie war wohl etwas nachdenklich danach.

Was würdet Ihr in dieser Situation machen? Würdet Ihr mit ihr darüber reden, oder einfach so tun als ob nix gewesen wäre.

Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, was das Beste wäre. Habe selbst in den Jahren gut gelernt damit umzugehen. Und auch eingesehen, dass ich nix dafür kann und halt so bin wie ich bin.

Freue mich auf Eure Antworten

Gruß

Guido
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Guido
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Beitrag #2 von eckhard11 » 29 Jun 2005 11:10


Hallo und guten Morgen, Guido,

selbstverständlich sofort mit der Freundin reden.

Du kannst ja abwägen, ob die Freundin im Bekanntenkreis darüber reden wird ( was wahrscheinlich ist, wenn Du nicht mit ihr gesprochen hast ),
oder ob Du mit ihr sprechen willst, um weiterhin Deine Behinderung zu verbergen.

Aber genau dies ist etwas, was mich doch sehr erstaunt.
Du hast diese Behinderung seit 23 Jahren und sagts, außer der Familie wüsste niemand davon.
Weisst Du eigentlich, wieviel Kraft Du in diesen langen Jahren aufgewendet hast, um über einen derartig langen Zeitraum etwas so Banales so geheim zu halten ???
Auf was Du verzichtest hast und was Dir alles entgangen ist, weil keine Übernachtung bei Freunden, kein kleines Mittagschläfchen ohne Angst, kein Duseln am Strand oder in der Badeanstalt etc. möglich war, nur weil ein "Unfall" passieren konnte ??
Und das alles nur, weil Du eine lächerliche Behinderung unbedingt geheimhalten willst !!

Geh hin, sprich mit Deinen Freunden, und Du wirst sehen, kein Mensch interessiert sich dafür.
Es wird zur Kenntnis genommen und fertig.
Sie erinnern sich nur dann daran, wenn tatsächlich mal etwas passiert, dann aber mit dem Wissen um eine Behinderung.
Du wirst erleben, dass Du plötzlich ein ganz anderes Lebensgefühl hast.

Und sei gewiss :
Momentan wäre dies eh´ die beste Lösung, da die Freundin - auch wenn sie das Gegenteil verspricht - irgendwann darüber sprechen wird.
Und sei es nur aus Wut oder um was Neues zu erzählen oder weil sie auf irgendeiner Party einen in der Kirsche hat.......
Menschenskind, Du bist 33 Jahre alt und hast diese Behinderung seit 23 Jahren.
Wie lange willst Du Dir denn noch Deine Lebensfreude versauen ???
Es geht ja nicht nur um Dich, sondern auch um Deine Frau und Deine Kinder, denen ganz sicher so einige Besuche bei Freunden und/oder Verwandten entgehen.
Und dadurch wird die Pflege des Freundes - und Bekanntenkreises keinesfalls gefördert oder dieser wird gar nicht erst aufgebaut.

Dies jedenfalls ist meine Meinung, und ich bin ein alter Fahrensmann von 62 Jahren.

Ich lege mich jetzt - ohne Angst vor einem Pinkelunfall - wieder an den Strand .sleep:
Eckhard
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Beitrag #3 von Guido » 29 Jun 2005 20:04


Hallo Eckhard,

vielen dank für Deine ehrliche Antwort.
Und Du hast schon recht, das man durch dieses Versteckspiel in den Jahren einiges an Energie und Lebensqualität investiert hat. Ja und genau diese Sachen wie bei fremden übernacht usw. sind halt bis jetzt eigentlich immer tabu gewesen.
Aber wie Du schon, zwar nicht Wörtlich meintest. Jetzt ist das Kind halt in den Brunnen gefallen. Also mach ich wohl das beste draus.
Ehrlich gesagt habe ich schon ein komisches Gefühl dabei es zu erzählen.
Aber ich glaube auch das Du recht hast und viele wirkliche Freunde es einfach nur zur Kenntnis nehmen und gut ist.
Denn der Gedanke es einfach zu sagen schwirrt mir auch schon lange im Kopf herum. Auch ich habe das Versteckspiel nun wirklich sehr leid.

Also auf gut deutsch, Hintern zusammen kneifen und durch.

So dann muss ich mal wieder

Gruß

Guido
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Beitrag #4 von Matti » 29 Jun 2005 20:13


Hallo,

Eckhard hat einen sehr guten ( wie gewohnt ) Beitrag auf deinen Artikel geschrieben. Er ist in vollem Umfang Deckungsgleich mit meiner Meinung.

Ich möchte dich gerne einmal etwas offen Fragen. Was denkst Du könnten Menschen Sagen bzw. wie könnten Sie dir begegnen, wenn du dich Ihnen anvertraust. Ich würde gerne die Angst verstehen die dich 23 Jahre lang selbst gegeiselt hat. Eigentlich kannst du deinem Hund sehr dankbar sein, dass er die Schlafzimmertür geöffnet hat, schließlich diese Situation dazu geführt, dass du aktiv werden zu müsstest. Ich kann dir sagen das kein Vernünftiger Mensch in irgendeiner Form dir eine negative Reaktion zukommen lassen wird, warum auch? Du hast eine Behinderung, und bekommt ein halbwegs Erzogener Mensch nicht schon von Kindauf beigebcht das man sich über Bhinderungen nicht Lustig macht. Ausserdem was solls, steh doch zu deinem Problem, es ist nichts für das du dich Schämen müsstest.

Vieleicht bist du ja auch bereit einmal etwas über die Ursachen deines Bettnässens zu Schreiben, würde mich auch einmal Interessieren.

Lieben Gruß

Matti
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Beitrag #5 von Harthi » 29 Jun 2005 20:54


Hallo Guido

ich bin sehr erstaunt darüber das soviel kraftaufwand auf dich genommen hattest oder hast es nicht zu sagen.

Ich hatte es ein gutes Jahr für mich und in meiner damals eigenen Familie innegehalten es war schon anstrengend. Das muß man schon sagen.

Das Du soviel energie aufbringst bewundere ich dich schon aber diese energie war fast vergebens wenn es offen gesprochen hättest und häst mehr bewegungsfreiheit vür dich und deiner Familie.

Deiner Frau is es bestimmt auch ab und zu schwer gefallen auch wenns sie es nicht sagt.
Sei ein etwas offener Mensch rede mit deinen Vreunden sie werden sich auf dich nich anders verhalten als sonst ja ok die erste Zeit wird sicher darüber geredet aber is doch ok wenn man so voll und ganz verstanden wird.

Cheke es ab wie weit es bisher jemand weiß und reagiere darauf es is sicher besser wenn deine Vreunde es von dir erfahren finde ich Guido.

Viele grüß Harthi
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Beitrag #6 von papa0861 » 29 Jun 2005 23:43


hallo,

ecki hat ja nun schon alles gesagt und mir leider die feder aus der hand genommen.

:lach: :lach: :lach:

solange dein hund keinen koller bei deinem anblick erlitt, ist die welt doch in ordnung.

:lach: :lach: :lach:

lg
jürgen

p.s.: denn nur tiere können sensibler sein als menschen. oder anders gesagt: seid ich die menschen kenne, liebe ich die tiere.
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Beitrag #7 von Guido » 30 Jun 2005 00:25


Hallo an alle,

wie ich ja oben schon geschrieben habe ist schon einwenig Lebensqualität und viel Energie flöten gegangen in der Zeit.
Aber es ist nicht alles so negativ wie es sich bei Euch anhört.
Ich für meinen Teil muss sagen das ich in der Zeit nicht wirklich auf was verzichten habe müssen. Klar war und ist es nicht so einfach, einfach mal so bei jemand zu übernachten. Aber auch das habe ich in der Vergangenheit hin bekommen. Und seit ich verheiratet bin kommt so das ehrlich gesagt ehr selten vor.
Natürlich bleibt immer der Gedanke dass man irgendwie Gott und die Welt belügt.
Doch sicherlich macht Ihr das doch auch nicht anders und geht nicht gerade mit Eurem Problem Hausieren. Ich weiß natürlich dass dieses auch keiner von Euch so gemeint hat. Aber es meinen Freunden auch wenn es sehr gute sind erzählen zu müssen, hatte ich bis jetzt eigentlich für überflüssig gehalten. Trotzdem haben mich Eure Beiträge zum nachdenken angeregt.
Ich weiß auch das Ihr mit Eurer aussage recht habt und ich mich nicht verstecken soll. Was ich ja in gewisser weise auch nicht tue, denn ich habe meine Behinderung voll und ganz so akzeptier wie sie ist. Und kann seit dem auch viel besser damit Leben. Wie schon oben geschrieben ich bin halt wie ich bin. Denn in meinen vorigen Beziehungen habe ich auch nie ein Geheimnis um die Sache gemacht. Hätte auf lange sicht ja sowieso nicht funktioniert. Deshalb immer meine Divise „ehrlich sein“.
Nur das mit dem Freundeskreis habe ich so nie als besonders wichtig erachtet es ihnen unbedingt sagen zu müssen, wenn man auch so drum rum kommt.
So ist von uns wahrscheinlich jeder verschieden und geht mit seiner Inko anders um.
Und ich denke mal wenn man sich entscheidet einen Weg zu gehen, wo man der Meinung ist es wäre für einen der beste, kann das ja so Falsch auch nicht sein.

Im Falle der Freundin von meiner Frau muss ich Euch Recht geben, dass die Offensive der beste Weg dafür ist.

Zu Deiner Frage Matti: Mein Bettnässen ist ein Resultat von einem Unfall den ich mit 11 Jahren hatte. Und ich heute sagen kann, dass Gott sei dank nur diese „Kleinigkeit“ zurück geblieben ist.

Machts gut

Gruß

Guido
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Beitrag #8 von papa0861 » 01 Jul 2005 22:50


Guido hat geschrieben:Hallo an alle,

Nur das mit dem Freundeskreis habe ich so nie als besonders wichtig erachtet es ihnen unbedingt sagen zu müssen, wenn man auch so drum rum kommt.

Guido



hallo guido,

gerade im freundeskreis sollte ehrlichkeit eine große rolle spielen. wenn es sich um echte freude handelt, akzeptieren sie das problem. die spreu würde sich vom weizen trennen und du wüßtest genau, wer am ende die echten freunde sind. echte freunde würden dir deine heimlichkeiten bestimmt auch übelnehmen, unechte würden dich einfach nur belächeln.

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Beitrag #9 von Leprechan » 31 Aug 2005 14:37


Hallo Guido!
Ich kann dich einerseits schon gut verstehen: Du hast das problem für dich akzeptiert und von deinen Freunden hat bisher keiner gefragt, also hast du sie ja nicht direkt belogen. Aber andererseits hast du ja selbst gesagt, dass es ein Teil von dir ist. Es gehört zu dir. Warum also sollten deine guten Freunde es nicht wissen? Andererseits würde ich es auch nicht jedem auf die Nase binden (weiß ja nicht, wie gut du die Freundin deiner Frau kennst), denn was soll jemand, den man eher flüchtig kennt mit dieser Information? Aber ich stimme auch mit den anderen überein, es direkt mit der Bekannten zu besprechen. hast du das denn inzwischen gemacht?
Da ich Stressinko habe, ist es sowieso etwas anders. Es kann ja auch tagsüber immer was passieren. Während meiner Schulzeit wusste nur meine Famile und meine beste Freundin davon. einmal erzählt ich es auch einem Mädchen aus dem Orchester, nachdem mir ein Maleur passiert war. Aber es war ein wichtiger Schritt für mich, es zu Beginn meines Studiums meinen guten Freundinnnen zu erzählen. Sie reagierten ganz gelassen und ein wenig neugierig, was wohl normal ist. UNd ab da bin ich auch selbst viel offener mit dem Thema umgegangen.
Ab wann hat man eigentlich seine Inko akzeptiert? Einerseits habe ich das für mich akzeptiert (glaube ich), andererseits habe ich tierische Angst, in der vollen Mensa vor Kommilitonen und Dozenten plötzlich mit nassem Hintern dazustehen...
wie ist es mit dir? Hast du jetzt mehr oder weniger Angst nach deinem "peinlichen Erlebnis", "ertappt" zu werden?
Grüße,
Mel
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Beitrag #10 von nikki » 31 Aug 2005 23:43


hi leprechaun ,
dazu kann ich dir nur sagen es interessiert eigentlich niemand so richtig ob du inko bist. wenn es die Freunde wissen ist es oki und sie akzeptieren das ohne murren oder fragen; oder es kommt deswegen mal zu dem Thema Inko aber mehr ist nicht. ich bin inko und betreibe Judo und selbst da, wo Körperkontakt normal ist ,ist das kein prob. also Kopf hoch und ganz ehrlich ne volle windel wäre mir persönlich lieber als ne nasse hose
gruß claus
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