Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #1 von Erik Larsson » 12 Aug 2019 13:59


Liebe Foristen,
ich bitte um Entschuldigung, dass ich mich nicht gründlicher in die Materie einarbeiten und alle Beiträge hier lesen kann - mir fehlt schlicht die Zeit...
Ich habe seit ein paar Tagen meine demente Mutter zu Hause (bisher wurde sie in einem Heim aufbewahrt, das Wort Pflege wäre in dem Zusammenhang eher unangebracht). Sie hatte bereits mehrere Dekubiti, die glücklicherweise gerade abgeheilt sind; die Demenz ist so weit fortgeschritten, dass sie allen Ausscheidungen meist freien Lauf lässt. Toilette klappt nur selten, zumal ich sie dafür erst aus dem Rollstuhl holen muss (und sie dies meist kategorisch verweigert. Wenn sie nicht will (was häufig der Fall ist), bin ich mit meinem Latein am Ende und kann sie nur in all dem Elend sitzen lassen, bis ein besserer Moment kommt. Egal, ob Einlagen oder Klebewindeln, es ist alles Kampf und Krampf. Pants könnte ich ihr vermutlich gar nicht anziehen, weil sie nicht mehr stehen/gehen/das Becken anheben kann. Aber das nur am Rande.

Meine Mutter, fast 80J., Rentnerin, ist bei der BIG direkt gesetzlich versichert. Aus der Zeit im Heim gibt es ein relativ neues Dauerrezept, das noch nicht "angebrochen ist". Die Verordnung lautet:
"Dauerverordnung ab 06/19 bis 05/20 saugende Inkontinenzhilfen zur Teilhabe am ges. Leben bei Diagn. Harninkontinenz."

Ich hatte dann hier im Forum etwas von 3 Fallgruppen gelesen und war der Ansicht, dass meine Mutter in die Fallgruppe 3 passt. Eine entsprechende Verordnung wurde jedoch vom bisherigen Hausarzt abgelehnt - mit der Begründung, man würde bei allen Patienten mit dem gleichen Wortlaut "Teilhabeverordnen, etwas anderes gäbe es nicht.

Die BIG hat Verträge mit Dutzenden von Versorgern abgeschlossen. Vielen davon habe ich eine Kopie des Rezepts vorgelegt und um Information gebeten, in welchem Umfang anhand dieses Rezeptes eine zuzahlungsfreie Versorgung möglich wäre. Die Antworten reichten von einer bis zu max. 4 Vorlagen am Tag, alles andere müsse selbst bezahlt werden. Meiner Frage, ob auf der Grundlage eines anders formulierten Rezepts eine umfangreichere (dem tatsächlichen Bedarf angemessene) Versorgung möglich wäre, sind die Anbieter systematisch ausgewichen. Rückfragen, ob die Fallgruppe eine Rolle spielt, blieben entweder unbeantwortet oder die Anbieter teilten mir mit, es existiere keine Fallgruppen-Regelung für aufsaugende Materialien. Die Kasse lehnt sich zurück - genau wie die Versorger - und beharrt darauf, dass jeder Mehrbedarf Privatvergnügen des Betroffenen sei.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand weiterhelfen könnte, ob diese Aussagen sich tatsächlich mit der aktuellen Rechtslage/Rechtsprechung decken und bin für jeden Tipp dankbar.
Herzliche Grüße
Erik
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Erik Larsson
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #2 von Georges » 12 Aug 2019 21:34


Hi,

ich gebe mal den ersten "Schuss" ab, wir werden uns hier im Forum noch ein paar Mal treffen, denke ich. Also, zuerst herzlich willkommen im Forum und mein Respekt dass du deine Mutter ins Haus genommen hast. Dies ist keine leichte Aufgabe und ich wünsche euch viel Glück. Bist du alleine mit deiner Mutter oder hast du eine Partnerin oder Partner der dich hilft? Denk bei der Pflege und Aufgaben rundum Angehörigen bitte auch an dich selbst!

Bekommen deine Mutter und du Unterstützung einer Pflegedienst? Du schreibst dass deine Mutter sich schwierig bewegen kann. Ich nehme an dass sie dann auf jeden Fall eine Pflegegrad hat bzw. haben sollte und das ein Pflegedienst unterstützen muss. Mit der Pflegedienst und/oder ein(e) Inkontinenzberater(in) kannst du entscheiden welche Versorgung für deine Mutter am besten ist und welche Produkte dafür angewendet werden sollten. Das Wohlbefinden deiner Mutter muss dabei zentral stehen.
Bitte lasse dich z.B. nicht mit einem Dauerkatheter abspeisen, da eine Inkontinenz nur in äußerst seltene Fälle ein Indikation für eine Dauerkatheter ist, in der Regel eher nicht. Die Risiken für Infekte und Verletzungen sind dabei in diesem Fall zu hoch.
Dies muss also im Vorfeld klar abgeklärt sein und scheue dich nicht auch eine zweite Meinung einzuholen. Wenn du weißt welche Produkten angewendet werden sollten, kannst du dich um ein Rezept kümmern.

Wenn du Zeit hast, lese bitte die auch die Tipps zum Windelrezept durch: svisuite/tipps_rezept.php
Deine Mutter hat ein Recht auf Hilfsmittelversorgung in eine angemessene Menge. Hier muss der Arzt aber auch mitspielen. Das was du beschrieben hast sieht aus wie ein Armutsrezept.
Es müssen schon mehrere Angaben auf dem Rezept stehen und meines Wissens müssen bis zu 5 Windeln pro Tag von der Kasse übernommen werden, unter Umstände sogar ein sechstes. Dies kann aber Stefan oder Marco besser beantworten, darin bin ich (noch) nicht fit genug. Ebenso müssen genauere Angaben zu dem gewählten Produkt gemacht werden und der Arzt kann sogar die zu verwenden Materialien "zwingend" vorschreiben (aut idem auf dem Rezept). Da deine Mutter schon mehrmals unter einer Dekubitus gelitten hat, sehe ich hier schon eine Rechtfertigung dies angekreuzt zu bekommen, so dass das Risiko minimiert wird. Bezüglich dem Punkt aut idem werden Ärzte leider sehr oft eingeschüchtert um diese Option besser nicht zu verwenden. Ohne aut idem ist es nämlich billiger für der Versorger, da er dann andere Produkte liefern darf. Dann wird vom Versorger auch schnell den Joker gezogen das man dann nur mit teils saftige Zuschläge die Wunschprodukte bekommen kann. Die Windelmaffia lässt grüßen... Es lohnt sich manchmal auch direkt beim Hersteller zu prüfen ob man dort seine Inkontinenzhilfsmittel auf Rezept beziehen kann.

Sollte der Arzt nicht mitspielen wollen, muss du ggf. den Arzt wechseln. Dies ist aber für mich ein letztes Rettungsanker, man sollte zuerst versuchen zu überzeugen.

Denkt daran dass dies alles keine leichte Kampf ist, welche man auf einem regnerischen Sonntagmittag erledigt hat. Wir können versuchen dich weiter zu helfen, stelle bitte deine Fragen wenn du welche hast.

Schaue auch noch mal hier: svisuite/pflegehilfsmittel_pauschale.php

Ich wünsche euch alles Gute!

LG
Georges
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Georges
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #3 von Erik Larsson » 12 Aug 2019 23:55


Hallo Georges,
ganz herzlichen Dank für die freundliche Begrüßung und für Deine rasche, ermutigende Antwort.

Momentan bin ich mit meiner Mutter allein, wir haben eine barrierefreie Wohnung für sie gemietet und ich bin mit eingezogen. Bei uns zu Hause wäre die Pflege von den Räumlichkeiten her kaum leistbar gewesen. Wir haben vor ein paar Wochen angefangen, nach einem 24-Stunden-Helfer zu suchen, der mich unterstützt. Die Vermittler haben aber bisher niemanden gefunden (Urlaubszeit...). Vermutlich sollte ich mir einen Pflegedienst suchen, der wenigstens abends kommt und sie ins Bett bringt, denn auf diese stundenlangen Kämpfe, wenn wir beide müde sind, sollte ich wohl in unser beider Interesse verzichten.

Am 11. Juli hatte ich eine Höherstufung des derzeitigen Pflegegrades (3) beantragt und darum gebeten, die Begutachtung durchzuführen, bevor meine Mutter das Heim verlässt und zu mir zieht. Sie kann seit einer Medikamentenüberdosierung im Krankenhaus nicht mehr laufen und manchmal, mit viel Unterstützung, kurz (und auf gekrümmten Beinen) stehen. Vorher (Ende April 2019) ist sie (trotz Blindheit) noch zügig, aufrecht und ohne jegliche Gehhilfen alleine durch die Straßen gelaufen, wenn sie es wieder mal geschafft hatte, aus dem Heim auszubüxen.
Die Demenz hat bei ihr nicht nur zu Wahnvorstellungen und Halluzinationen geführt, sondern unter anderem auch dazu, dass ihr Schmerzempfinden weg ist. Das klingt eigentlich erstmal nett, ist es aber leider nicht immer... Seit diesem Krankenhausaufenthalt liegt sie wie ein Stein im Bett und rührt sich unterhalb des Bauchnabels oft stundenlang nicht, egal ob die Knöchel oder Knie aufeinanderliegen oder nicht. Sie müsste nachts mindestens alle 2 Stunden konsequent umgelagert werden, aber das ist nicht zu schaffen - zumal sie fuchsteufelswild wird, wenn ich es versuche.
Der MDK in Berlin hat das Ganze eiskalt wochenlang ausgesessen, die Begutachtung schließlich eine Woche vor dem Umzug abgelehnt und den Fall eilig an den neuen Wohnort Hessen abgegeben, wo ich nun vermutlich von vorn anfange, auf einen Begutachtungstermin zu warten. Und dann noch die Angst, an dieser Front auch noch kämpfen zu müssen... Meine Mutter hat heute versucht, eine Socke zu essen. Aber sie kann sich manchmal das Gesicht und Teile des Oberkörpers noch allein waschen. Wenn sie einen halben Becher getrunken hat, kippt sie den Rest in den Teller. Aber sie hilft (wenn sie Lust hat) noch beim Anziehen des Shirts. Sie sagt "Sie" zu mir, aber sie kann das Essen auf dem Teller oder den Becher auf dem Tisch ertasten - und meist bringt sie es tatsächlich bis zum Mund... Ich bin wirklich gespannt, was da auf mich zukommt.

Die Unsitte, Menschen ohne Harnverhalt oder sonstige echte Indikationen zu katheterisieren, gehört meiner Meinung nach unter Strafe gestellt. Meine Mutter war in den letzten Monaten 2x im Krankenhaus. In beiden Kliniken wurde ihr sofort ein Dauerkatheter gelegt. Darauf angesprochen, kamen mir die Ärzte mit Ausflüchten (machen wir immer so, wir brauchten eine Urinprobe für Diagnostik usw.) Erst, als ich ihnen all ihre lächerlichen "Argumente" widerlegt hatte, gaben sie zu, dass es so schlicht bequemer für die Pflegenden ist. In beiden Fällen kam der Katheter sofort raus, aber dass er überhaupt gelegt wurde, ist in meinen Augen ein Unding. Und die meisten Menschen beschäftigen sich vermutlich nicht mit solchen Einzelheiten und glauben die Märchen, die man ihnen erzählt...

Den Termin beim neuen Hausarzt haben wir erst am Freitag. Ich hoffe sehr, dass er mitzieht und das Rezept so konkret gestaltet, dass ich nötigenfalls eine Grundlage für den Rechtsweg habe. Mit dem bisherigen Rezept wäre das nach meinem Eindruck eher aussichtslos, weil es so schwammig ist.

Falls meine Mutter sich durch die häusliche Pflege so weit erholen sollte, dass sie wieder mehr Kontrolle über ihre Beine bekommt, wären vermutlich Pants eine bessere Lösung, weil diese ja noch am ehesten wie ein Slip anmuten. So durcheinander sie auch ansonsten ist, sie sträubt sich sehr gegen Vorlagen und Windeln und wird meist sehr schnell wütend, sobald sie damit belästigt wird. Einsicht ist leider bei Null.

So, genug gejammert für heute ;) Falls Ihr weitere Tipps für mich habt, freue ich mich sehr und wünsche alles Gute in die Runde!
Freundliche Grüße
E.
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #4 von Erik Larsson » 15 Aug 2019 11:32


Hallo liebe Foristen,
ich möchte noch einmal um Euren Rat bitten. Morgen ist der erste Termin beim neuen Arzt und ich weiß noch immer nicht, um was für ein Rezept ich ihn bitten sollte...

Die Versorger, bei denen ich angefragt habe, behaupten (genau wie der bisherige Hausarzt), sowas wie Fallgruppen gäbe es nicht. Laut Homepage der Firma Hartmann (und laut Euren Infos hier) gibt es diese aber sehr wohl. Ich finde nirgends Informationen darüber, ob die kranke Kasse eine höhere Pauschale an den Versorger zahlt, wenn z.B. Fallgruppe 3 verordnet ist. Irgend einen Sinn sollte es doch haben, diese Fallgruppen überhaupt zu unterscheiden?

Ich habe mir inzwischen von verschiedenen Vertragsversorgern der Kasse Muster senden lassen, habe aber noch keine Vorstellung, welches Produkt geeignet sein könnte. Alle Windeln und Vorlagen, die wir bisher ausprobiert haben, riechen wirklich sehr streng und unangenehm, sobald Urin drin ist. Für meine Mutter, die durch die jahrzehntelange Blindheit extrem geruchsempfindlich ist, ist das besonders schlimm. Sie wird dann unruhig und grantig. Andererseits ist sie so dement, dass sie den Zusammenhang nicht herstellen kann (nach ihrem Empfinden ist sie ja nicht mal inkontinent). Sie verweigert oft ganztägig den Wechsel der Vorlage (denn sowas braucht und trägt sie ja schließlich gar nicht...) Dann sitzt sie und sitzt oder liegt - und alles läuft über. Ihr gegen ihren Willen zu helfen, ist leider nicht möglich. Gibt es evtl. auch Produkte, die die Gerüche besser binden?

Ich wäre wirklich sehr dankbar für Eure Erfahrungen und Empfehlungen, gern auch konkret per PN.

Liebe Grüße
e.
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #5 von Georges » 15 Aug 2019 21:20


Hallo,

schwierig um aus der Ferne eine Antwort zu geben... Ihr müsst aber klar sein welches Produkt ihr genau haben wollt. Also nicht "Klebewindel", sondern z.B. Attends Regular Slip 10 M. Genau die Marke, genau den Typ, genau der Stärke und genau der Größeangabe.

Folgende Punkte müssen auf dem Rezept vorhanden sein, siehe den Link den ich im ersten Kommentar eingetragen habe:

Kennzeichnung als Hilfsmittelrezept
aut idem angekreuzt!
Diagnose
Hersteller und Produktname
Hilfsmittelnummer
in Ausnahmefällen die PZN - Nummer (Pharmazentralnummer)
Stückanzahl und Verordnungszeitraum
Begründung

Kennzeichnung als Hilfsmittelrezept
Bei der Verordnung von Inkontinenzhilfsmitteln auf Muster 16 (Rezeptformular) muss die Ziffer 7 (Hilfsmittel) angekreuzt werden.

aut idem
Die Bezeichnung aut idem kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie oder das gleiche. Ist dieses Kästen auf einem Hilfsmittelrezept durchgestrichen, so bekommt der Patient genau das, was der Arzt verordnet hat. Der Leistungsbringer darf in diesem Fall kein anderes vergleichbares Produkt auswählen!

Leider werden hier immer wieder die Ärzte von den Krankenkassen oder kassenärztlichen Vereinigungen unter Druck gesetzt, sehr sparsam damit umzugehen und möglichst dieses Feld nicht anzukreuzen.

Diagnose
Eine kurze Benennung der Diagnose ist hier vollkommen ausreichend, zum Beispiel Harn- und/oder Stuhlinkontinenz.

Hersteller und Produktname
Die genaue Herstellerangabe, Produktbezeichnung und Größe ist zwingend notwendig, damit kein Missverständnis entsteht zum Beispiel Attends Slip Regular 10 Medium. Eine zu allgemeine Produktbezeichnung (z.B. Windelhosen Größe 2) führt dazu dass der Leistungsbringer freie Hand für "seine" Wahl bekommt.

Hilfsmittelnummer
Auch hier gilt der gleiche Grundsatz wie oben, es muss die vollständige Hilfsmittelnummer (z.B. 15.25.31.7012) auf dem Rezept stehen, nicht nur (z.B. 15.25.31.7), da hier wiederum der Leistungsbringer freie Hand für "seine" Wahl hat.

Zur Not kann auch die PZN - Nummer (Pharmazentralnummer) vermerkt werden. Das sollte aber nur in Ausnahmefälle gemacht werden, wenn zum Beispiel das angegebene Hilfsmittel keine Hilfsmittelnummer hat oder noch nicht ins Hilfsmittelverzeichnis eingetragen wurde. In diesem Fall ist zusätzlich eine genaue Begründung des Arztes erforderlich warum er gerade dieses Hilfsmittel verordnet und kein vergleichbares aus dem Hilfsmittelverzeichnis. In unserem Beispiel ist die PNZ 10313846.

Alternativ kann auch die Produktgruppe z.B. Windelhosen Größe 2 bzw. 15.25.31.7 darauf stehen und zusätzliche Angaben zur Produkteigenschaft wie etwa "mindestens eine Saugstärke von 2500ml nach ISO 11948-1 Rothwell" und ggf. noch die maximale Rücknässung sowie die Aufnahmegeschwindigkeit vermerkt sein. Auch ein Hinweis auf latexfreie bzw. allergenfreie Produkte kann hier vermerkt sein. Das lässt zwar dem Leistungsbringer freie Hand in der Wahl des Produktes und des Herstellers, aber nicht in der Wahl der Produktqualität.

Stückanzahl und Verordnungszeitraum
Die Stückzahl der benötigten Menge pro Tag sowie für den Versorgungszeitraum ist zwingend anzugeben. Die Menge des Produktes sollte sich an den Packungsgrößen und dem Kartoninhalt orientieren, damit die Belieferung und Abrechnung einfacher ist. Der Verordnungszeitraum umfasst für das Einzelrezept zumeist 1-3 Monate und für das Dauerrezept 6-12 Monate, wobei hier unterschiedliche Regelungen der Kassen existieren. Natürlich können auch Einzelpackungen verordnet werden, hier wird für die Menge zumeist 1VPE (Verpackungseinheit) angegeben.

Beispiel:
5 Stück pro Tag, Zeitraum 3 Monate = 420 Stück (sind 15 Packungen zu jeweils 28 Stück)

Begründung
Die Begründung zur Verordnung des Inkontinenzhilfsmittels wird üblicherweise anhand der Fallgruppen angegeben, zum Beispiel Wegen Inkontinenz zur Ermöglichung der Teilnahme am Leben der Gemeinschaft

Gruß,
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #6 von Erik Larsson » 22 Aug 2019 13:44


Hallo Georges,
vielen Dank für Deinen Rat!
Freundliche Grüße
e.
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #7 von Georges » 22 Aug 2019 21:30


Seid ihr beim Arzt jetzt auch weiter gekommen?

Grüße,
Georges
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #8 von Erik Larsson » 25 Aug 2019 21:40


Bis jetzt nicht - meine Mutter war die letzten Tage im Krankenhaus, so dass plötzlich erstmal ganz andere Dinge wichtig wurden. Ich bin immer noch dabei, die Proben verschiedener Vertragsversorger bzw. Hersteller zu testen. So langsam zeichnet sich ein erster Favorit ab. Ich werde noch ein bisschen experimentieren, damit ich dann auch weiß, worum genau ich den Doc bitten will. Eine zu allgemein formulierte Verordnung scheint ja nicht hilfreich zu sein...

Lieben Dank und freundliche Grüße
e.
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #9 von Georges » 26 Aug 2019 22:40


Das tut mir leid zu hören. Erstmal alles Gute.

Wenn sich ein Produkt als Favorit herausstellt ist dies schon mal gut. Man kann auch schauen ob man, sagen wir mal, ein "Einmalrezept" für z.B. ein Quartal verlangen kann, wenn man ein bestimmtes Produkt etwas länger probieren möchte, bevor ein Dauerrezept ausgestellt wird. Ein oder zwei Muster sind manchmal zu wenig um ein klares Bild zu bekommen, sicherlich wenn man nicht selbst der Betroffene ist.

Das Anlegen/Anziehen im Alltag muss einwandfrei funktionieren und deine Mutter muss sich mit dem gewählten Produkt wohl fühlen, für soweit dies messbar ist. Sicherlich mit warmem Wetter, wie jetzt, ist der Komfort sehr wichtig. Ebenso muss das Produkt im Sitzen, Gehen und Liegen gut anschließen. Für nachts muss der Kapazität auch gut sein. Wenn deine Mutter teilweise noch auf Toilette kann, ist es manchmal ratsam um für den Tag und den Nacht verschiedene Produkte zu verwenden. Fakt ist, beides müssen auf dem Rezept gut beschrieben sein.

Ich hoffe ich verwirre dich nicht zu viel, aber der Produktwahl ist leider nicht immer einfach...

Gruß,
Georges
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Re: Häusliche Pflege meiner dementen Mutter, Kassen- und Versorger-Nahkampf...

Beitrag #10 von Erik Larsson » 27 Aug 2019 22:23


Hallo Georges,
danke für Deine Hinweise. Ich hatte auch schon überlegt, ob ich erstmal um ein Rezept für einen Monat bitte, um nicht gleich so lange festgelegt zu sein. Mit dem An-/Ausziehen bzw. Anlegen bin ich sehr hin- und hergerissen... Da meine Mutter ja felsenfest davon überzeugt ist, vollständig kontinent zu sein, empfindet sie das Anlegen von Klebewindeln und Vorlagen als demütigend. Dementsprechend macht sie sich beim Anlegen steif und verweigert oft jede Mitarbeit, und wenn es dann endlich geschafft ist, fummelt sie so lange, bis die Klettverschlüsse wieder auf sind. Bei den Vorlagen habe ich einerseits das Problem, dass diese anscheinend auch in der stärksten Stärke weniger saugfähig sind und dauernd aus- und überlaufen. Und die Netzhosen, egal von welchem Hersteller, verursachen bei meiner Mutter Juckreiz ohne Ende. Die "Pull-On-Pants" dagegen lässt sie sich normalerweise klaglos anziehen und hilft oft sogar mit - die scheinen wohl als Slip durchzugehen und finden deshalb Gnade.

In der Nacht ist bisher alles übergelaufen, was wir ausprobiert haben - auch die Premium-Produkte mit Saugstärke 10. Am Morgen schwimmt alles, manchmal schafft es nichtmal die gute blaugrüne Unterlage, alles aufzufangen... Leider kann ich meine Mutter nachts nicht frischmachen - sie tickt dann völlig aus.

Laufen kann sie gar nicht mehr. Stehen geht nur an manchen Tagen, ganz kurz an einer Haltestange. Insofern sind diese Pull-On Teile zum Hochziehen eigentlich nicht so besonders praktisch. :(

Wie es aussieht, wird sie einen Aktiv-Lifter brauchen - das spräche wohl wiederum für Klebe/Klettwindeln, weil man die vermutlich einfach zwischen den Beinen durchfädeln könnte, während der Lifter sie beim Stehen unterstützt. Ich weiß es auch nicht. Spätestens, wenn die Stuhlinkontinenz zugeschlagen hat, habe ich nie genügend Hände, um das alles hinzukriegen - zumal sie geistig so durch den Wind ist, dass man auf ihre Hände auch noch aufpassen muss...

Außerdem hatte ich ja immer noch die stille Hoffnung, ein Produkt zu finden, das den Uringeruch irgendwie bindet. Falls Ihr da Ideen habt, was ich probieren könnte, nehme ich gern Tipps entgegen.

Danke und liebe Grüße
e.
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