Wann soll man reagieren?

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Wann soll man reagieren?

Beitrag #1 von papa0861 » 19 Jun 2007 23:05


hallo,

es paßt nun zwar nicht ganz zum thema kontinenz, aber hat zumindest mit verständnis, umgang untereinander und verstehen zu tun.

ich möchte folgende begebenheit aus meinem dienstalltag schildern und bitte insbesondere die forenteilnehmer, die an einen rolli gefesselt sind um eine antwort.

folgendes trug sich gestern zu:

eine kurzzeitpflegeeinrichtung meldete telefonisch, daß ein bewohner abgängig ist. als hintergrundwissen wurde uns mitgeteilt, daß die person rollstuhlgebunden, 18 jahre alt und nicht unbedingt als hilflos einzustufen ist. dazu war noch bekannt, daß die person gerne mal ausbüchst und in der regel ein paar stunden später von allein wieder zurückkam.

nach den grundsätzen der vermißtenanzeigen gilt:

- nicht hilflos
- über 18

also vermißtenanzeige erst nach 24 stunden.

heute erscheint die mutter auf der dienststelle und ist auf 180. die 24 stunden sind noch nicht rum.

wieso nicht hilflos? der junge ist zu 100% körper- und teilweise geistig behindert.

sie hat sogar einen betreungsbeschluß des amtsgerichtes, der ihr auch das aufenthaltsbestimmungsrecht über ihren sohn bescheinigt.

heißt sozusagen, daß der sohn nichts ohne das einverständnis der mutter unternehmen darf.

dies war der kurzzeitpflegestation also offentlich nicht bekannt.

ich habe argumentiert, daß auch unter außerachtlassung dieser fakten eine sofortige vermißtenanzeige am gestrigen tag nötig gewesen wäre.

ich habe das argument ins feld geführt, daß auch ein profaner luftloser reifen des rollis eine zwangslage entstehen lassen kann.

zuerst bekam ich nur verständlisloses schulterzucken. doch dann wurde man langsam nachdenklich. ich habe den dienstgruppenleiter mächtig zusammengeschissen

meine frage dazu:

habe ich überreagiert? oder liege ich mit meiner arumentation richtig?

zum schluß kam dann noch raus, daß der junge suizidabsichten geäußert hat, aber das nur am rande.

das konnten unsere leute auf grund der schlechten kommunikation zwischen mutter und pflegedienst nicht wissen.

ich persönlich meine, daß ich alles notwendige in die wege geleitet habe.

hoffentlich nicht zu spät.

nachdenkliche grüße
jürgen


p.s. morgen werde ich versuchen, den pflegedienst aufzusuchen. mal sehen, was dort durch die mutter an informationen hinterlassen wurde.
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Thema wechsel

Beitrag #2 von klaro (+16.05.2008) » 20 Jun 2007 11:25


hallo Papa
(Thema passt nicht wirklich gut zu diesem Tread) na ja.

interessantes Thema.

also es gibt auch Menschen, die ohne Willen einer Betreuungsperson nichts eigenes machen könen/d¨ürfen, und **NICHT** im Rolli sind.

Dies meine ich, jeder Mensch, kann beim *ausbüchsen* sich irgendwo abseits auch einen Fuss verknacksen, hinfallen..etc und steht (liegt) genauso hilflos da wie einer mit einem platten Reifen im Rolli. ( kann ja sein.)

Würde man JEDEN, der ausbüchst, *als abtrünnig gemeldet wird* sofort per Grossfahndung suchen, also da wäret ihr im Dauereinsatz. NONSTOPP.

Auch bei Suicidal Gefährdeten wird bei uns *erstmals keine * Vermisstmeldung rausgegeben. ERst wird Zeit abgewartet.

Und dies halt auch länger, als es den Betroffenen Angehörigen lieb ist.

Denke da muss man als Polizist auch abblocken können.

Finde es zwar schön, dass es dich so beschäftigt, aber wenn ihr JEDEN Fall gemeldet bekommt, wo käme man da hin??!!

Vielleicht ist dir noch zuwenig bewusst, wie oft so Situationen in Spitälern, Kliniken und auch Altenheimen vorkommt.Daneben noch von Privaten.

Sei mal froh, wird erst zugewartet, denn die meisten Fälle, erweisen sich ja dann als harmlos.

Fakt ist, dass halt immer ein Risiko besteht. Aber das ist LEBEN! Kein Leben OHNE Risiko.

klaro :roll:

( ich hoffe aber sehr, dass ihm nichts zugestossen ist ) *daumendrück*
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Beitrag #3 von Matti » 20 Jun 2007 12:49


Hallo,

ich kann zwar nicht nachvollziehen, warum diese Diskussion unter diesem Anfangsthema stattfindet, bin mir aber sicher, daß dies moderiert wird.

Bleiben wir einmal bei den Fakten:

Unter Betreuung wird die rechtliche Vertretung verstanden und nicht eine Sozial- oder Gesundheitsbetreuung. Die rechtliche Betreuung ist an die Stelle der früheren Vormundschaft über Volljährige und der Gebrechlichkeitspflegschaft getreten und geht über sie deutlich hinaus. Sie ist im wesentlichen in den §§ 1896ff. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geregelt.

Kann ein Volljähriger auf Grund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen, so bestellt das Vormundschaftsgericht (Teil des Amtsgerichtes) für ihn auf seinen Antrag oder von Amts wegen einen Betreuer.

Dies bedeutet, dass eine Behinderung oder Krankheit alleine kein Grund für die Anordnung einer Betreuung ist. Es müssen Angelegenheiten vorhanden sein, die die betroffene Person als Folge der Behinderung oder Krankheit nicht eigenständig besorgen kann.

Die Pflichten des Betreuers ergeben sich aus § 1901 BGB. Bei Pflichtverletzungen ist eine Haftung des Betreuers gegeben.

Das Wohl des Betreuten ist nach § 1901 und § 1906 BGB der Maßstab des Handelns des Betreuers.

Dies bedeutet nichts anderes, als das die Anzeige der "Abgängigkeit" (schreckliches Wort) und darauf folgende Maßnahmen (Meldung, Betreuer, Polizei) verpflichtend sind!

Suizidandeutungen und Suizidankündigung, die nicht an die entsprechende Behörde weitergeleitet werden, können eine Klage wegen unterlassener Hilfeleistung zur Folge haben. Im Fall einer Suizidankündigung sollte dies schon aus moralischen Gründen unverzüglich erfolgen.

Bei Suizidankündigungen ist primär nicht nur von einer Selbstgefährdung sondern auch von einer Fremdgefährdung auszugehen. Unzählige Selbstmörder haben völlig unbeteiligte mit in den Tod gerissen. Abwarten und Kaffetrinken ist da wohl nicht die richtige Handlungsweise!

Das Klaro ihren eigenen Umgang mit Suizidankündigungen hat zeigt ihr Kommentar. Hinter Suizidankündigungen verbergen sich nicht selten Hilfeschreie. Wenn man diese allerdings bewusst (wiederholt) einsetzt um ausschließlich eigene Ziele zu verfolgen, kann dies zur Folge haben, daß diese Ankündigungen kein Mensch mehr ernst nimmt. Dennoch bleibt man verpflichtet, dies zur Anzeige zu bringen (Stichwort: Fremdgefährdung). Ich werde und würde so handeln.


Matti
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Beitrag #4 von klaro (+16.05.2008) » 20 Jun 2007 13:01


sorry, Matti

dein letzter Abschnitt. Ich habe hier ABSOLUT NICHTS privates reingemischt.

bitte hör endlich auf mit dermassen Unterstellungen.

Suicidgefährdete sind nicht dasselbe wie Suicidankündigungen.

Sinnlos. klaro :fleissig:

Weitermeldungen an Familie, Behörden, Polizei.

Die Reihenfolge stimmt, fraglich ist oft der Zeitpunkt.

(denke es geht bei Papas Posting, primär um den ZEITPUNKT,

WANN es weitergeleitet und bearbeitet wird )

@Matti

irgendwie kannst du es einfach nicht wahr haben, dass ich auch noch einiges mal weiss,
was du nicht weisst. Sorry, deinen Bildungsrückstand.

ich kann auch fies sein, wenn du fies tust.

Anregung: schreib doch deine MEINUNG und dein Wissen, einfach VORHER, statt hintenher reinzustänkern.

meckern und angreifen , ist immer einfacher.
Gibt Leute, die halt nur *dies können*
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Beitrag #5 von Matti » 20 Jun 2007 13:12


Klaro,

ich habe in meiner Kommentierung keinen einzigen persönlichen Satz an dich gerichtet. Wenn du dies auf dich beziehst, kannst du mir das nicht zum Vorwurf machen.

Ich bin mir aber sicher, daß du hier ausreichend getröstet wirst (dies ist nun eine persönliche Anmerkung).

Dein Nachsatz ist persönlich und frech!

Matti
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Beitrag #6 von papa0861 » 20 Jun 2007 20:02


danke für eure antworten.

ja matti, du hast recht, eigentlich hätte ich einen neuen tread aufmachen sollen. war nur zu faul dazu.

was ich mit meinem beitrag am rande anregen wollte, ist die bereitschaft gegenüber anderen, offen alle fakten darzulegen.
in meinem fall war es so, daß durch die mutter die vollmacht nicht bekanntgegeben wurde und somit das heim auch keine entsprechenden möglichkeiten hatte.

zum glück ist alles gut ausgegangen und der junge mann kam heute mittag allein und quietschvergnügt von seinem ausflug zurück.

lg
jürgen
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Re: Wann soll man reagieren?

Beitrag #7 von Ramona » 20 Jun 2007 20:46


Hallo zusammen!

Das ist eine schwierige Situation! Da der Bwohnher ja auch alleine zurück gekommen ist, kann er sich ja auch orientieren. Dumm ist nur, daß er nicht Bescheid sagt. So wie beim Fußgänger (siehe ersten Beitrag klaro) kann auch ein Rollifahrer unterwegs Probleme bekommen (z. B. platten Reifen oder Panne am Rolli). Wichtig ist dann nur, daß der Rollifahrer weiß, wie er Hilfe bekommt.

Natürlich sollte eine Kurzzeitpflegeeinrichtung Bescheid wissen, wenn der Bewohner so hilflos ist, daß eine gesetzliche Betreuung vorliegt. Normal hätte die Mutter bei der Aufnahme gleich die gesetzliche Vollmacht mit abgeben müssen als Kopie. Wenn dazu nichts gesagt worden ist, können die Mitarbeiter ja nicht drauf reagieren. Da stellt sich für mich eh die Frage, wie es dann gesetzlich aussieht.

In der Wohngruppe wo ich kurzfristig vor Jahren mal war hatten die Mitarbeiter auch eine Kopie der Vollmacht als Information bei den Bewohner in der Dokumentation. So wußte jeder sofort Bescheid. Habe negeren Kontakt zu einer Mitarbeiterin gehabt und sie erzählte das mal ohne natürlich Namen zu nennen.

Gruß Ramona
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