Umversorgungspraktiken der Krankenkasse

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Umversorgungspraktiken der Krankenkasse

Beitrag #1 von tomkars » 27 Jun 2007 23:57


Hallo,
im Jahr 2005 wurde ich durch meine Krankenkasse (See-Krankenkasse) umversorgt. Meinem bisherigen Leistungserbringer wurde mitgeteilt, das diese mich ab sofort nicht mehr versorgen dürften, da die Krankenkasse mit der Firma Unizell einen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat und für meine monatliche Inkontnenzversorgung nur noch 42,00 Euro, statt bisher 120,60 Euro im Monat bezahlt.
Dagegen reichte ich Widerspruch, Klage und Antrag auf einstweiliger Verfügung ein (ätzender Rechtsstreit). In diesem Rechtsstreit behauptet die Krankenkasse schriftlich, das bereits viele Krankenkassen Verträge mit dieser Firma abgeschlossen haben.
Mich würde daher mal interessieren, wieviele von dieser Umversorgungspraktik bereits betroffen sind (von meinem Umfeld weis ich nur von mir und BKK-Versicherten).

Gruß Thomas
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Versorgung

Beitrag #2 von Chris » 28 Jun 2007 09:04


Hallo Thomas,

ich habe schon mehrfach darüber berichtet, außer der BKK (einigen Bkk's) haben auch viele Ersatzkassen Verträge mit Leistungserbringern abgeschlossen. Soweit ich weiß haben viele Kassen nicht nur mit Unizell, deren Versorgung ja eher einfach ist, auch mit Abena einen Vetrag und deren Versorgung ist Super bis Spitze - auch zu den von dir genannten Konditionen (je nach Kasse 38-45€).

Der Leistungserbringer kann dir im übrigen nicht vorgeschrieben werden, nur mußt du ggf. die Differenz aus eigner Tasche zahlen. Daher - frag doch mal bei deiner Kasse, ob die einen Vertrag mit Abena haben, dann erübrigt sich die Streiterei.

Machs gut

Chris
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Beitrag #3 von Stefan » 28 Jun 2007 11:10


Hallo Thomas,

Fakt ist, dass diese Verträge auch bei vielen Krankenkassen bestehen und veruscht wird auf dem Rücken der Versicherten eine schlechtere Versorgung durchzusetzen.

Deine Rechte sind folgende.
- Du kannst Dir selbst den Versorger aussuchen
- Die Krankenkasse kann Dir ein Angebot machen, wer Dich versorgen sollte (z.B. Unizell).
- Du bekommst für jedes Hilfsmittel einen Betrag bis zum Festbetrag erstattet. Ist das Hilfsmittel teuerer zahlst Du den Aufpreis das aus Deiner eigenen Tasche.

Deine Pflichten sind:
- Informiere Dich über die Preislage Deines Hilfsmittels. Am Besten in dem Du der Krankenkasse 3 bis 4 Angebote ablieferst.
- Du musst die Hilfsmittel sparsam verwenden. Man sagt bei saugenden Produkten sind 6 Stück das Maximum einer Saugstärke. Wenns mehr sind, soll man eine höhere Saugstärke wählen. Auch hier wird Dir die Krankenkasse auf Antrag mehr genehmigen.

Ich würde auf jeden Fall, auch wenn es schon ein Rechtsstreit ist, das persönliche Gespräch mit dem Sachbearbeiter suchen. Sollte das nichts bringen, dann muss man die Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen. Denn jede Art von Knebelverträgen verstoßen gegen geltendes Recht.

MFG
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Beitrag #4 von tomkars » 28 Jun 2007 18:40


Hi Chris,
Hi Stefan,

ich weis bereits, das es illegal ist, was die Krankenkasse da treibt. Dazu habe ich bereits entsprechende Urteile ergoogelt.

Das Gespräch mit der Krankenkasse brauche ich auch nicht suchen, das die zuständige Sachbearbeiterin in einem Strafverfahren zugegeben hat, mir jegliche Leistungen der Krankenkasse verweigert zu haben, damit ich meine Klagen zurücknehme (Straftatbestand: Erpressung).

Gegen den Vorstand sowie dem Hausanwalt laufen Ermittlungsverfahren wegen fortgesetzter Erpressung und Prozessbetrug. Letzteres hat das Landessozialgericht in seinem Befangenheitsurteil bereits festgestellt.

Die Krankenkasse versucht mit allen Mitteln, das ich die Klage zurückziehe.

Doch um derartige Dinge geht es mir hier bei meinem Posting ja gar nicht.

Ich hätte gerne gewußt, ob es wahr ist, das so viele Betroffene bereits umversorgt werden oder ob dieses nur eine weitere Geschichte der Krankenkasse ist.
Ihr beide hört Euch nicht an, als ob Ihr von Umversorgungspraktiken Eurer Krankenkassen betroffen seit. Trotzdem, Danke für Eure Infos

Gruß Thomas
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Beitrag #5 von Stefan » 28 Jun 2007 23:55


Hallo Tomkars,

nein ich bin noch nicht betroffen und meine Freundin ist Abena nochmal entkommen. Soweit ich es beurteilen kann, kann ein großer Teil der Versicherten frei wählen. Viele die von der Umstellung betroffen sind nehmen dies hin. Man stelle sich eine Oma mit 85 Lenzen vor, die traut sich nicht der Kasse zu widersprechen.

Die meisten Kassen vergessen, dass solche Verträge eigentlich nichts bringen. Das was man an der Versorgung einspart, wird an anderen Kosten (z.B. Wundversorgung) wieder doppelt ausgegeben. Das hat das Deutsche Institut für Pflegehilfsmittelforschung im Jahr 2002 bereits im Auftrag der Krankenkassen in einer Studie belegt. Nun frage ich mich persönlich, warum die Kassen diese Verträge abschließen. Ich befürchte eher, dass sich hier Personen in der entsprechenden Stellung gewisse Donationen versprechen und wohl auch erhalten.

Daher sind Vorgehensweisen, wie Deine, sehr wichtig. Ich würde mich freuen, wenn Du uns hier über den Rechtsstreit auf dem Laufenden hältst. Vielleicht gibts ja auch dazu bald ein Urteil.

Liebe Grüße
Stefan Süß
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Beitrag #6 von Struppi » 29 Jun 2007 16:48


Hallo zusammen,
hallo Stefan!

Ich wage es kaum zu sagen, aber im Moment hast Du irgendwie kein Glück mit den von Dir zitierten Einrichtungen und Personen... sorry, ehrlich.

Aber der Institutsleiter/Direktor des "Deutschen Institut für Pflegehilfsmittelforschung" im Jahr 2002 war "Prof. Dr. Dr. Neander", der nachweislich im Juli 2004 von der Staatsanwaltschaft Göttingen u.a. wegen Urkundenfälschung und dem Aneignen falscher Titel angeklagt (und später auch vom Gericht verurteilt) wurde.

Eine kurze Zusammenfassung seines "Wirkens" bzw. dem Ende seiner Karriere findet man z.B. in dem nachfolgenden Link (Seite 35 ff.):

http://www.agr-ev.de/html/uploads/a42/A ... ter_32.pdf

Unter Google gibt es bei Eingabe des Namens "Dr. Dr. Neander" und "Hochstapler" diverse Seiten aber insbesondere Foren aus der "Pflegewelt", wo man bei weiteren Interesse nachlesen kann.

Gruß

Struppi
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Umversorgung der KK

Beitrag #7 von lima » 29 Jun 2007 17:21


:roll: Richtig betroffen bin ich nicht von "Umversorgung", sondern mein bisher lieferndes Sanitätshaus hat andere Vorlagen mit ganz geringem Eigenanteil zu bieten: Seni lady plus. Meine bisherigen Vorlagen heißen: Euron micron Super plus. Wenn ich diese weiter will, muß ich pro 28 St./1 Paket 5,00€ Eigenanteil zahlen. Die anderen kosten höchstens etwa 0,50€ pro 15St./ Paket. Allerdings finde ich, daß die Seni lady dünner sind, sich eher zusammenkrempeln. Ich könnte eine regelmäßige Versorgung mit einem Vertragspartner von der Kasse für etwa 5,00 € pro Monat bekommen, wo die Euron micro weiterhin und sogar alles nach Hause geliefert wird. Im Augenblick zögere ich noch, nehme im Sanihaus monatlich eine unregelmäßige Menge, jeweils 1 Paket Euron micro und den Rest von der anderen Sorte. Mir ist es zur Zeit lieber, die Menge variieren zu können. Mal sehen, ob ich mich noch anders entscheide. MfG lima :fleissig:
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Beitrag #8 von Stefan » 29 Jun 2007 23:16


Hallo Struppi,

nun das mit dem Deutschen Institut für Pflegehilfsmittelforschung ist mir bekannt. Fakt ist, dass die Krankenkassen dort gerne Studien in Auftrag gegeben haben und darauf auch Entscheidungen fußten. Auch die Inkontinenzhilfsmittelindustrie war von den Tests und Gutachten des Klaus Neanders sehr angetan. Uns vom Selbsthilfeverband legte man noch Anfang 2004 von einem Mannheimer Unternehmen ans Herz, dass man doch mit dem Institut eine weitere Testgruppe aufbauen solle und so eine Partnerschaft mit diesem Unternehmen bekommen könnte. Es ging damals um eine Studie wo die Wirksamkeit von atmungsaktiven Folien und Beckengurten herausgestellt werden sollten. Nun wir haben es damals abgelehnt, da die Durchführung und der Sinn der Studie undurchsichtig waren. Wir haben zwar zu dem Unternehmen gute Kontakte, aber noch keine offizielle Partnerschaft. Die Studie gabs wirklich, neben dem falschen Professor wurde ein echter Professor gewonnen, Prof. Dr. Ingo Füsgen. Auch einer unserer Partner hat sich eine Studie bei dem Institut machen lassen.

Was will ich sagen. Man hat sich immer gerne im Licht dieses renomierten Instituts gezeigt und viele Studien gemacht. Als der Bluff dann aufgeflogen ist, da wollte keiner etwas mit dem Prof. Neander mehr zu tun haben. Die Studien werden aber immernoch angewandt, wenn sie den Auftraggebern noch ins Konzept passen. Deswegen kann man Sie auch noch nennen.

lg
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Beitrag #9 von papa0861 » 29 Jun 2007 23:23


@ lima,

wenn ich deine zuzahlungspreise höre, werde ich richtig neidisch.

bei meinen windeln zahle ich pro monat ca. 25 euro zu.

entweder bin ich zu doof, diese zahlungen zu durchschauen, oder die apotheke bescheißt mich schlichtweg.

ich nutze die abri form xplus in der größe l und benötige pro tag eine maximal zwei.

ich seh da irgendwie nicht mehr durch und zahle zähneknirschend.

lg
jürgen
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Beitrag #10 von Struppi » 02 Jul 2007 16:57


Hallo Papa,

hast Du es ggf. schon mal probiert, Deine Windeln in einem Sani-Haus statt der Apotheke zu beziehen? Ich hatte ebenfalls mal aus Bequemlichkeit mein Rezept bei der Apotheke direkt bei meinem Hausarzt rein gereicht und eine ähnlich horrende Nachzahlung/Eigenbeteiligung als Quittung bekommen.

Das Wort "Apothekerpreis" kommt offenbar nicht von ungefähr...

Gruß

Struppi
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