Bindung an Versorgungsvertrag der KK

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Bindung an Versorgungsvertrag der KK

Beitrag #1 von Glückskeks » 13 Apr 2008 18:00


Mein KK teilte mir vor kurzem mit, dass ich aufgrund neu abgeschlossener Versorgungsverträge zukünftig meine Verodrnungen für Windeln an eine benannte Firma schicken soll.
Bisher bin ich jeden Monat mit meinem Rezept in die "Apotheke meines Vertrauens" gegangen und habe die Pakete dort, manchmal auch einzeln, abgeholt. Da ich nicht jeden Monat, die verordnete Menge verbraucht habe, habe ich oft auch alle 6 oder 7 Wochen einen neues Rezept eingereicht. Für mich sehr praktisch, so hat sich zuhause kein Warenlager angesammelt und optimale Diskretion war gewährleistet. Außerdem nahm ich nie die Festbetrags-Teile, sondern zahlte für Molicare einen wirklich minimalen Betrag drauf.
Nun soll mich der Vertragspartner der KK mit irgendeinem Produkt zum Festbetrag monatlich beliefern. Die Firma schickte mir auf Nachfrage auch zwei Muster, die mir aber in der Qualität nicht genügen. Sollte ich auf Molicare bestehen, müsste ich pro Windel 20 Cent zuzahlen.
Nun gibt es aber Inkontinenzversender die genau diese Molicare zum Festbetrag liefern.
Kann mich meine Kasse zwingen mein Rezept beim Vertragspartner einzureichen, auch wenn es für mich mit höheren Kosten verbunden ist?
Mit der monatlichen Lieferung muss ich mich wohl abfinden, oder gibt es auch das eine Möglichkeit, dass ich einfach wieder durch meine Apotheke versorgt werde?
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Beitrag #2 von Ference71 » 13 Apr 2008 18:49


Hallo!

Also ich lasse mich von meinem 13. Lebensjahr an stets von Apotheken beliefern. An meinem jetzigen Wohnort in Berlin-Neukölln ist es seit dem Jahr 2000 meine Hausapotheke, die mich immer dann beliefert, wenn ich die Produkte haben möchte. Genau wie bei Dir zuvor. Ich rufe an und wenn ich sie sofort benötige, habe ich die gewünschte Anzahl Tena maxi medium oder Attends Nr. 9 regular medium fünf Minutenn später in meiner Wohnung zu stehen.

Meine Apo reicht meine Dauerverordnungen bei der Techniker Krankenkasse zu Genehmigung ein. Es gab noch nie Probleme von Seiten der KK. Zuzahlen muss ich zu den Produkten nichts.

Vor fünf Jahren fragete die Techniker Krankenkasse mal vorsichtig an, ob ich denn nicht zentral beliefert werden möchte, was ich selbstverständlich mit den Gründen, die Du anführst ablehnte.
Ich brauche eine individuelle Belieferung zu den Zeiten, zu denen ich die Produkte brauche. Gute Beratung, mal unaufgefortdert Testmuster von anderen Herstellern,...

Was nützt mir denn ne Beliefrung zu starren Terminen, wo sie dann den Quartalsbedarf liefern, bei Reklamationen keiner verantwortlich ist und Produktwechseln nicht geregelt bekommen.

Also, das ist ne Sache, wo Du hart und bestimmt auftreten solltest und Deine Wünsche durchsetzt. Ob es nen Gesetzt / Verordnung gibt, auf die sich Deine KK berufen will, weiss ich nicht. Ich komme zumindest ohne diese rechtlichen Sachen aus und würde immer Widerspruch einlegen / Sozialklage erheben.

Ich weiss, dass viele nicht für Ihre Rechte nicht kämpfen - Du solltest es tun.

Kannst Dich ja auch immer auf diejenigen beraufen, die konventionell von Apos / Sanihäusern beliefert werden.

Ich muss gestehen, dass ich auch ein ziemlich guter "Kunde" bei meiner Hausapo bin, weshalb sie mich wohl auch so aufmerksam behandeln.

Mir ist es aus politischen Gründen auch wichtig, den lokalen Markt vor Ort zu stärken und keine Großkonzerne.

Herzliche Grüße aus Berlin,
Ference
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Beitrag #3 von Stefan » 13 Apr 2008 19:38


Hallo Glückskeks,

also ganz klar gesagt kann Dich Deine Krankenkasse nicht zwingen den von Ihr gewünschten Lieferanten zu übernehmen. Das gilt sogar für den Fall, dass er billiger wäre als Dein alter Lieferant. Das Sozialgesetzbuch V sagt hierzu in §33 Absatz 6:

... Die Versicherten können alle Leistungserbringer in Anspruch nehmen, die Vertragspartner ihrer Krankenkasse oder nach § 126 Abs. 2 versorgungsberechtigt sind. Hat die Krankenkasse Verträge nach § 127 Abs. 1 über die Versorgung mit bestimmten Hilfsmitteln geschlossen, erfolgt die Versorgung durch einen Vertragspartner, der den Versicherten von der Krankenkasse zu benennen ist. Abweichend von Satz 2 können Versicherte ausnahmsweise einen anderen Leistungserbringer wählen, wenn ein berechtigtes Interesse besteht; dadurch entstehende Mehrkosten haben sie selbst zu tragen. ...


Widerspreche Deiner Krankenkasse mit Bezug auf den Gesetzestext und fordere Sie zu dem Widerspruch auf binnen 5 Werktagen Stellung zu nehmen, ansonsten gehst Du davon aus, das dem Widerspruch stattgegeben wird.

Lg
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Beitrag #4 von mehlbox2001 » 20 Apr 2008 00:37


Hallo zusammen,

über spezialisierte Medizinsuchmaschinen wie http://www.medizinfuchs.de kann man oft erstaunlich günstige Versender für das Arzneimittel oder Hilfsmittel finden, das man sucht. Interessanterweise wechseln die günstigsten Anbieter des gleichen Produkts recht häufig, genau wie die Sonderangebote in anderen Läden auch.

Beim Medizinfuchs sind ausschließlich Apotheken mit angeschlossenem Versandhandel notiert, also keine Graumarktversender oder eBay-Verkäufer, und man bekommt sein Rezept eingelöst.

In vielen Fällen kommt man so ohne oder mit sehr geringer Zuzahlung an die Hilfsmittel, die einem auf den ersten Blick von der Kasse verwehrt werden. Stefan hat zitiert, "man die entstehenden Mehrkosten trage muss" -- aber wo keine sind, zahlt man natürlich auch keine.

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Frist verstrichen

Beitrag #5 von Glückskeks » 26 Apr 2008 16:26


Neues zum Thema: Meine KK hat die Frist versteichen lassen.
Ein neues Rezept habe ich mir schon geholt. Ich bin jetzt unsicher, da ja bestimmet auch der Apotheker weiß, welche Kassen Verträge ausgehandelt haben. Wird er mir die Windeln überhaupt auf mein Rezept geben? Was wenn ja und die Kasse bezahlt ihm das nicht? Letztlich muss ich am Ende die kompletten Kosten für meine Monatsration tragen ?
Wie sichere ich mich da am besten ab?
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Beitrag #6 von Ference71 » 26 Apr 2008 20:16


Die Apotheke geht da garantiert kein Risiko ein. Sie wird Deiner Krankenkasse das Rezept faxen bzw. zusenden zusammen mit einem Kostenvoranschlag. Dieser wird von der KK genehmigt oder abgelehnt. Die Enscheidung wird Dir sowie Deiner Apotheke gleichzeitig mitgeteilt. Sollte die Apo der KK zu teuer sein, kannst Du davon ausgehen, dass man Dir Alternativen vorschlägt.

Hast Du ein Einzelrezept oder eine Dauerverordnung?
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Beitrag #7 von papa0861 » 27 Apr 2008 00:28


mit dem problem der kostenexplosion kämpfe ich zur zeit auch.

dabei ist mir durch zufall etwas aufgefallen, was hilfreich sein könnte.

ich beziehe seit jahren meine produkte über die apotheke.

dabei viel mir auf, daß meine zuzahlung immer enorm hoch war.

das rätsel löste sich, als ich das rezept mal genauer betrachtet habe.

auf dem rezept stand ein monatsbedarf von drei packungen. der händler lieherte aber nur noch in kartons mir vier packungen.

also zahlte ich eine voll.

selbst als auf dem rezept vier packungen standen, zog die apotheke nur die zuzahlung der kasse von drei packungen ab.

somit löhnte ich jegen monat ca. 9 euro zuviel.

ich will nun meinem apotheker nichts unterstellen.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #8 von Wilfried » 15 Aug 2008 20:23


Hallo Glückskeks,

ich wüsste gern wie deine Geschichte weiter gegangen ist. Du hast der Krankenkasse widersprochen und eine Frist gesetzt. Die Kasse hat die Frist verstreichen lassen. Was hast du mit dem Rezept gemacht? Der Apotheke gegeben? Und was ist dann passiert?

Ich stecke in einer ähnlichen Lage. Ich will die TENA Lady hier am Ort kaufen, aber ich musste sie von REHA TEAM VIERSEN beziehen und bekam sie erst nach wochenlangem Durcheinander und zu einem höheren Preis. Die BARMER hat meinen Wunsch auf Selbstversorung abgelehnt, ich habe mit Fristsetzung widersprochen, und die Frist ist ungenutzt verstrichen. Die BARMER besteht auf ihrem Standpunkt und offenbar keine Sorgen wegen des Sozialgerichtes.

Demnächst muss ich wieder ein Rezept besorgen. Auf ein Verfahren vor dem Sozialgericht will ich es nur ankommen lassen, wenn ich Aussicht auf Erfolg habe. Die Meinungen dazu sind unterschiedlich, auch hier im Forum. Der eine sagt HÜ, der andere HOTT. Ich habe noch von keinem gehört, der sein Recht auf eigene Beschaffung von Hilfsmitteln im Ausnahmefall eingeklagt hätte. Vermutlich sind die Gerichte im Moment sowieso mit HARTZ IV - Prozessen überlastet.

Mein Rezept in der Apotheke abzuliefern bringt wohl nichts. Vermutlich kriege ich es einen Tag später zurück, weil die BARMER es nicht akzeptiert. Nach Viersen schicken ist auch kein guter Weg. Vermutlich bekomme ich zwar die TENA, aber bestimmt wieder mit Durcheinander und teurer. Oder selbst besorgen und die Rechnung samt Rezept an die BARMER schicken, aber dann muss ich mir das Geld vor dem Sozialgericht holen. So sieht´s aus.

Gruß
Wilfried
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Beitrag #9 von kleiner_giftfrosch » 20 Mai 2009 12:12


Hallo,
habe gerade erst von dem Problem erfahren. Bin Spina Bifida Frau und 35 Jahre alt. Bisher habe ich ein Rezept bei der Apotheke eingereicht, 10 Euro bezahlt und 12 Pakete a 35 Stck. Attends Größe 6 bekommen. Das reichte dann ungefähr für 12 Wochen. Jetzt sagte mir der supernette (wirklich!) Apotheker, dass ich das so leider nicht mehr machen kann (bekomme sie ja auch erst seit 30 Jahren bei ihm auf diesem Weg). Anruf bei der Techniker KK ergab, dass sie mir eine Liste mit 12 Firmen schicken und mir 26 Euro im Monat dazugeben. Darüber hinaus soll ich selbst bezahlen. Der Apotheker sagte mir dass ein Paket Attends, was das beste auf dem Markt ist, 49 Euro kostet. Das macht ca. 200 Euro im Monat. Die KK sagt mir, dass standardmäßig 2-4 Stck am Tag ausreichen müssen und ich nicht bei jedem Tropfen wechseln soll. Außerdem kann man ja auch ne große Größe nehmen (und die volllaufen lassen, oder was ?!). Ich habe geantwortet, dass dies schwierig sei bei einer normalen Teilnahme am öffentlichen Leben (Job, Verein, Freunde usw.). Nun ja dann müsse ich eben die Mehrkosten selber tragen. Das wären dann 170 Euro im Monat (!), vielleicht etwas weniger, wenn die angebotenen Firmen billiger sind.
Habt ihr eine Idee, was ich machen kann? Die KK wechseln, klagen, Widerspruch einlegen oder was ? Bisher hatte ich solche Probleme noch nicht, da aufgrund der Spina Bifida die KK (fast) alles problemlos gezahlt hat.
Danke und Gruß
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Beitrag #10 von Miriam » 21 Mai 2009 16:18


Hallo kleiner Giftfrosch,

Ich habe auch Spina Bifida (bin 31) und ein ähnliches Spiel mit der TK. Man hat immer alles brav bezahlt, zum Schluss eben den Festbestrag von 0,51€ für meine Attends 10er.

Anfang des Jahres habe ich mir die Firmenliste kommen lassen. Keiner wollte mir die Attends liefern, geschweige den zu einem vernünftigen Preis. Die meisten Firmen gaben sogar Preise an, die für Endkunden nicht zulässig sind (ohne MwSt.).

Ich habe mich daraufhin bei der TK beschwert und Widerspruch gegen die Belieferung durch diese viel zu teuren Firmen eingelegt. Dieser wird jetzt - nach mehreren Versuchen mich davon abzubringen und einzuschüchtern, bearbeitet. Ich habe darin auch bereits angekündigt, notfalls vor Gericht zu ziehen um wieder den Festbetrag zu erhalten. Mit dem lässt sich die Versorgung ganz gut organisieren, mit sehr kleiner Aufzahlung. Das ist o.k.

Die TK war immer eine gute Krankenkasse, aber was sie da mit Ihren von Ihnen gewählten Firmen treiben bzw. diese treiben lassen ist nicht mehr o.k. für 26€ kann man keinen schwer Inkontinenten vernünftig versorgen.
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