2. Versuch: Probleme mit dem Versorungsamt

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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2. Versuch: Probleme mit dem Versorungsamt

Beitrag #1 von snakedriver » 13 Okt 2003 09:20


Hallo zusammen,

als erstes möchte ich mich entschuldigen, das mein erster Betrag nicht geklappt hat. Vielleicht kann mir einer einen Rat geben. Durch eine Bandscheiben OP im Bereich S1 - S3 leide ich an Harninkontinenz. Vielmehr stört mich daß das Versorungsamt dies nicht berücksichtigt. Seit Jahren habe ich 30 % wegen einem Knieschaden, Mehlallergie. Nun wollte ich Aufgrund der Neuerkrankung eine Erhöhung beantragen. Dies wurde mit einem lapidaren Kommentar wörtlich " es gibt ja Windeln und Gummihosen " abgelehnt.

Laut Einsicht in das Schwerbehindertengesetz ist jedoch von 20% - 40% bei nächtlicher Harninkontinenz und sogar 60% bei ständiger Harninkontinenz vorgeschlagen.

Dies geschah letztes Jahr. Nun stellte ich nochmals im September 2003 eine Erhöhung. Bin schon auf die Antwort gespannt.

Wäre über jeden Tipp froh.
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Beitrag #2 von Ramona » 13 Okt 2003 10:53


Ht man Dir das mündlich gesagt oder schriftlich? Mündlich blocken viele Sachbearbeiter oft ab und "entmutigen" einen. Am besten ist immer nur den Antrag auszufüllen und einzureichen, denn das muß das überprüft bzw. bearbeitet werden! Bei Dir kommen ja auch noch andere Dinge dazu außer nur die Inko. Wichtig ist aber, daß Du mit den behandelnden Ärzten sprichst, damit Du weißt, ob sie auch hinter Dir stehen.

Gruß Ramona
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MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

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Ja Ja das Versorgungsamt

Beitrag #3 von Stutzer » 02 Nov 2003 20:49


Hallo erst einmal

Auch ich leide an einem 4 fachen Bandscheibenschaden mit 2 Op´s, einer ständigen Harn EInkontinenz sowie daraus resultierende Depressionen. Ich denke das sind erst genug Symptome.
Das Versorgungsamt hat mir doch wirklich beim ersten Anlauf 40 % bewilligt ---> 30 für den Rücken sowie 30 für die Inko.

daraufhin habe ich erst Widerspruch eingelegt. Nach meinem erachten ist ein Etagenvorfall mit rezidivierenden Ausfallerscheinungen und einer Dauer Harn Inkontinenz jeweils mit 40 - 50 % zu beurteilen.
Wobei die Depressionen noch nicht mit einkalkuliert sind. alles in allem müsste ich bereits jetzt weit über 50 % liegen.

Auf Nachfragen beim Versorgungsamt teilte man mir mit das ich wohl mit 40 % sehr gut weggekommen sein. eine Depression sei ja nicht so gravierend als das die da noch mit reinspielt.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich rate dir gehe mal zum VDK (so ähnlich wie der Reichsbund) und lasse dich beraten. das hilft schon ganz viel.

Und versuche dich dahingehend zu verbessern.

Man geht im Regelfall davon aus das 63% aller erstbescheinigungen des Versorgungsamtes zu ungunsten des Antragstellers ausfallen.

PS: ich habe jetzt Klage vor dem Sozialgericht eingereicht.
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Worauf es wirklich ankommt...

Beitrag #4 von Regenmacher » 13 Nov 2003 23:38


Hallo Ignorantones!

Das Versorgungsamt ist eine Ansammlung von vermurksten Ärzten, die sich vor Langeweile den A.... breitsitzen und den ganzen Tag nix besseres machen, als sich Leidensgeschichten von X Leuten anzuhören.

Wieso machen die das bei der angeblichen Ärztenot? Weil sie entweder keinen Bock auf Krankenhaus haben oder so inkompetent durchs Studium gerauscht sind, dass es grade noch für diesen Job reicht - denn es muss ja ein Arzt da sitzen - das Gesetz sagt aber nicht, wie gut er sein muss. Im schlimmsten Fall hat er noch nie von eurer Erkrankung gehört und kann sich darunter nix vorstellen.

Es gibt zwar einen Richt-Katalog, der eine relativ einheitliche Bewertung der Behinderung ermöglichen soll, aber viele der Schreibtisch-Doktoren sind sogar zu faul, darin zu blättern. Außerdem ist das nur ein Anhaltspunkt.

Fehler Nr. 1 der Betroffenen: Inkontinenz 30 Prozent, Depression 20 Prozent und allgemeines Unwohlsein 40 Prozent, macht nach Adam Riese ja 90 Prozent. Weit gefehlt, es kann auch insgesamt sogar nur 20 Prozent rauskommen, obwohl der höchste Wert 40 Prozent ausmacht. Wichtig ist, wie stark die Einschränkungen im Vergleich zu einem gesunden Menschen der gleichen Altersgruppe sind. Kommt da also ein fittes Reh reingehoppelt, obwohl es eigentlich fusslahm sein sollte - Pech gehabt, ist ja nicht behindert.

Fehler Nr. 2: Ich habe das und dies und jenes und das auch noch. Das ist zwar nett - macht aber die Punkte nicht fett. Wirklich wichtig sind Formulierungen wie: Es ist mir nicht möglich, auch nur 2 Stunden in einen Kinofilm zu gehen, weil ich nicht so lange sitzen kann. Nach 2 Stunden habe ich in der Regel nasse Hosen, weil es anatomisch keine Inkontinenzhilfe gibt, die eine bessere Versorgung ermöglicht. Ich kann mich außer Haus nur so und so viele Stunden bewegen. Sollte ich länger unterwegs sein, muss ich immer einen extra Beutel mit rumschleppen bla bla bla.

Der Gutachter muss in der Lage sein, eure alltäglichen Einschränkungen zu erkennen - was könnt ihr noch tun und was nicht. Wenn ihr schreibt: Ich bin inkontinent - das mag ja sein, so lange ihr aber eine gute Windel habt, könnt ihr ja sonst noch alles machen - keine erhebliche Behinderung. Könnt ihr aber so und so viele Sachen nicht mehr machen - das ist eine Behinderung gegenüber der normalen Lebensführung eines gleichaltrigen Menschen.

Also - nicht die Summe der Krankheiten, sondern die Summe der Einschränkungen im täglichen Leben ist auschlaggebend für den GdB.

Lernt, eure Briefe so lang und so leidvoll wie möglich zu schreiben. Antwortet immer nur auf den letzten Drücker, weil ihr es nicht geschafft habe, früher zu antworten, auf Grund eurer Einschränkungen. Verschiebt anberaumte Termine 2 bis 3 mal - weil ihr an dem Tag nicht könnt, weil ihr da noch einen anderen Termin habt und so lange nicht unterwegs sein könnt usw. Zeigt dem Versorgunsamt, wie schwer es für euch ist, solche Termine wahrzunehmen - lasst euch aber nicht aus der Ferne begutachten.

Und denkt immer dran - die fragen auch bei euren Ärzten nach. Ist also ein fauler Arzt unter euren Betreuern - dann erwähnt ihn nicht, der schreibt nämlich sonst eine 08/15-Beurteilung ans Versorgungsamt und das war es dann. Beugt in eurer Beschreibung schon mal so weit wie möglich vor, damit die ärztlichen Angaben zu eurem Bild gut passen. Nüchtern zu emotional. Das ist wichtig. Denn jeder Gutachter hat ein Herz.

Fehler Nr. 3: Der Gutachter will mir ja nur was Böses. Falsch. Der sitzt da und ist froh, dass er wenigstens diesen Job hat - meinst reicht es ja nicht für mehr. Also versucht er schon, einen Fall wirklich gut zu beurteilen, wenn er den Eindruck hat, die Person hat es wirklich schwer getroffen. Kommt da aber jemand, der aussieht, als wenn der Rabattmarken bei Esso sammelt - und genauso auf GdB-Marken-Jagd ist, dann wird auch so ein Mensch ziemlich angenervt, weil er so was nicht gebrauchen kann.

Also seid so nett, wie es euer Gesundheitszustand erlaubt. Zeigt Verständnis - fragt höflich nach - ihr habt da eben was nicht verstanden. "Ähm, ich verstehe nicht, mein Bekannter, der noch das und das und das alles machen kann, der hat einen GdB von 60 und ich, wo ich doch solche Probleme habe, bin nur mit 40 eingestuft, wie kommt das Zustande?" Nie fragen: "Haben Sie was falsch gemacht", denn Gutachter machen keine Fehler und wenn, dann geben die das nicht zu. Man muss sie also dazu bewegen, sich der Sache noch mal genauer anzunehmen, damit sie etwas entdecken könne, ohne dabei einen Fehler einräumen zu müssen. Baut ihnen Brücken - haltet euch zur Not ein Ass im Ärmel, dass ihr noch auspielen könnt "Ähm, habe ich eigentlich erwähnt, dass ich seit meinem Unfall nicht mehr angstfrei autofahren kann. Deshalb habe ich mein letztes Auto verkaufen müssen und bin jetzt auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Ich kann aber nicht eine halbe Stunde im Bus stehen wegen meiner Verletzungen in den Beinen und im Rücken - das können Sie doch sicher verstehen. Und die Busse sind immer so voll, wenn ich zur Arbeit fahre".

Tja, das sind nur einige Beispiele aus dem Umgang mit dem Versorgungsamt. Die Palette reicht noch 2000 Beispiele weiter, aber das wäre hier zu viel und außerdem muss ich ja irgendwann auch mal schlafen gehen - immerhin bin ich behindert und brauche seither viel mehr Schlaf. Unter 10 Stunden kann ich einfach nicht mehr schlafen - weil ich in der Nacht ja drei bis viermal aufwache, weil ich eine nasse Unterhose habe. So eine Inkontinenz kann schon sehr einschneidend für das Leben sein - und die viele Wäsche und die Hautentzündungen. Die Schmerzen durch das ständige Wundsein und die Liebe geht ja auch nicht mehr so gut...

Man, ich hoffe, ihr habt es jetzt endlich verstanden...

Gruß Marco

p.s.: Wer direkte Hilfe möchte, kann sich ja melden - aber bitte nicht alle auf einmal und nicht 5 vor 12!
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