Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #1 von Gänseblümchen » 14 Jun 2016 12:09


Hallo liebe Forumsmitglieder,

ich bin ganz neue hier im Forum, habe mich angemeldet, weil wir plötzlich wieder Probleme mit unserem Lieferanten wegen der Windeln meiner Tochter bekommen. Deshalb würde ich mich sehr über Ratschläge freuen, was ich jetzt tun kann, bzw. wie ich mich verhalten soll. Den Nerv das ganze Forum über ähnliche Probleme durchzulesen habe ich momentan nicht, tut mir leid...

Es ist so, dass meine fast 13jährige Tochter wegen ihrer Behinderung lebenslang Blasen- und Stuhlinkontinent ist und deshalb dauerhaft Windeln trägt. Sie benötigt ca. 6 - 7 Windeln am Tag, was ärztlich im Jahr 2009 attestiert wurde, ebenso dass diese Windeln atmungsaktiv sein müssen. Diese Atteste liegen beide beim Lieferanten vor.
Soweit war bisher alles klar, wir haben jahrelang die Windel Abri Form Premium Air+ XS2 atmungsaktiv (von Abena) bisher ohne zusätzliche Kosten vom Lieferanten Hauschild bekommen. Versichert sind wir über die Techniker Kasse.

Nun ist meine Tochter gewachsen und diese XS Windel passt ihr gerade noch eben so, die Verschlüsse lassen werden langsam aber sicher zu eng.
Ich habe mir letzte Woche von Hauschild die nächste Größe als Muster zukommen lassen, die Abri Form S2, die meiner Tochter gut passt. Zuvor haben sie mir eine andere Windel geschickt, die Delta-Form S1, die mir jedoch nicht atmungsaktiv vorkommt (Folie) außerdem habe ich beim einmaligen korrigieren des Klebeverschlusses gleich ein Loch in die Windel gerissen, weil er sich nicht mehr lösen lässt. Ich finde auch, dass sie raschelt, im Gegensatz zur vorherigen Abri Form. Meine Tochter besucht eine Regelschule, eine unauffällige Windel ist ungeheuer wichtig, damit sie nicht von anderen Schülern gemobbt wird!
Deswegen und auch wegen der fehlenden atmungsaktivität und dem mangelhaften Verschluss geht diese Windel für meine Tochter gar nicht. Sie konnte sie nicht mal mehr ausprobieren, weil das Muster beim ersten anziehen schon kaputt ging.
Nach Reklamation bekam ich also endlich das Muster von der Abri Form in der passenden Größe zugeschickt. Mit dem Hinweis, dass ich künftig wegen: "Versorgung über das Maß des Notwendigen" eine Zuzahlung von 19,00 Euro machen soll!
Ich bin entsetzt, nur weil ich die selbe Windel eine Nr. größer wegen Wachstum meiner Tochter brauche, bin ich doch nicht über das Maß des Notwendigen mit dieser Windel versorgt!
Ein Sachberater der Lieferfirma hat mir auf meinen Anruf zurück gerufen. Er meinte zuerst, dass ich zuzahlen muss, weil eine größere Windel eben teurer ist. Nachdem ich zur Ansprache gebracht habe, dass ich mich mittlerweile mit der Krankenkasse in Verbindung gesetzt habe, hat er mir immerhin zugestanden, dass der Fall neu entschieden wird. Nachdem ich neue Atteste vom Arzt eingereicht habe. Die alten sind von 2009, es könnte sich in der Zwischenzeit was geändert haben? Hat sich nicht, meine Tochter ist und bleibt Inkontinent.
Mein Arzt wird mir voraussichtlich neue Atteste schreiben, darin sehe ich weniger das Problem. Nur, was ist, wenn der Lieferant diese nicht anerkennt?
Meine erneute Rücksprache mit der TK hat ergeben, dass die TK nur die Pauschale bezahlt und der Rest (also was ich geliefert bekomme) im Ermessen des Lieferanten liegt. Kann er mir also liefern WAS ER MÖCHTE? Ich soll mich mit dem Lieferanten selbst rumschlagen, die TK geht das nichts an. Ich habe allerdings eine neue Liste zugeschickt bekommen, wo noch andere Lieferanten aufgelistet sind. Ich befürchte jedoch, dass diese ebenso handeln und mir nur ein Billigprodukt zukommen lassen, das nicht geeignet ist.

Noch bin ich guter Hoffnung, dass vielleicht alles gut wird und meine Tochter weiterhin die gleiche Windel zuzahlungsfrei bekommt, nur eben eine Nr. größer.
Ich warte noch auf das erneute Attest vom Arzt und anschließend auf den guten Willen der Lieferfirma. :?

Was aber tun, wenn es nicht klappt? Die Zeit läuft, mein Windelvorrat wird knapp, wenn die Entscheidung nicht bald fällt. Deshalb wende ich mich in meiner Verzweiflung schon jetzt mit der Bitte um Rat an euch!

Vielen Dank auch!

Liebe Grüße
Gänseblüchen
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #2 von Stefan » 15 Jun 2016 12:21


Hallo Gänseblümchen,

also die Krankenkasse, bzw. deren Leistungserbringer muss folgende Windeln ohne wirtschaftliche Aufzahlungen liefern:

Der GKV - Spitzenverband hat geschrieben:Als Mindestanforderungen gemäß §139 SGBV sind zu belegen:
  • flüssigkeitsundurchlässige Außenschicht
  • Auslaufsicherheit
  • Elastische Beinbündchen, NEU -> Seitenteile und/oder Bauchbündchen
  • NEU -> Absorption von Gerüchen (Beschreibung/Erläuterung der technischen
    Umsetzung)
  • NEU -> Atmungsaktivität (der Außenschicht) (Beschreibung/Erläuterung der technischen
    Umsetzung)
    [* Körperumfang für die Zuordnung(maßgeblich ist der vom Hersteller
    angegebene Maximalwert):
    Gr. 1 (15.25.31.0/3/6) = bis 80 cm
    Gr. 2 (15.25.31.1/4/7) = über 80 cm bis 110 cm
    Gr. 3 (15.25.31.2/5/8) = über 110 cm


Die Größe ist bei deiner Tochter her gleich geblieben (unter 80cm) Damit Du aber die richtigen Windeln bekommst sollte Dir der Arzt die neue Gruppe aufschreiben, also 15.25.31.0 (Normale Saugstärke Größe 1), oder 15.25.31.3 (erhöhte Saugstärke Größe 1), oder 15.25.31.6 (hohe Saugstärke Größe 1).

Bei der Auswahl muss der Leistungserbringer folgendes beachten.
Der GKV - Spitzenverband hat geschrieben:
  • Ermittlung des individuellen Versorgungsbedarfs
  • Ermittlung der notwendigen Körpermaße des Versicherten bei der
    Erstversorgung und/oder bei Veränderungen beim Versicherten, die
    Auswirkungen auf die Inkontinenzversorgung haben
  • Abklärung und Berücksichtigung von vorhandenen Allergien gegen
    bestimmte Materialien, ggf. in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt
  • Abklärung ausreichender körperlicher und geistiger Fähigkeiten des
    Versicherten zur selbständigen Nutzung der Produkte oder bestehender
    Unterstützungsmöglichkeiten
  • Bedarfsgerechte Auswahl der Inkontinenzhilfen nach Art und Menge,
    ggf. unter Berücksichtigung der ärztlichen Verordnung, der
    Indikation/Diagnose und des Schweregrades bzw. der Ausscheidungsmengen bei
    Erstversorgungen oder Änderungen, ggf. in Absprache mit dem verordnenden
    Arzt und/oder dem betreuenden Pflegedienst/-personal (Unzulässigkeit der
    Zugrundelegung pauschalierter Versorgungsmengen)
  • Abgabe ausschließlich von Produkten, die mindestens den
    Anforderungen des Hilfsmittelverzeichnisses entsprechen
  • Bemusterung entsprechend dem Ergebnis der Bedarfsermittlung mit
    verschiedenen, individuell geeigneten Produkten, möglichst von
    verschiedenen Herstellern, bei der Erstversorgung oder einem
    Produktwechsel


Wir hatten schon mehrere Fälle bei z.b. Abena, Attends und Hartmann, wo wie in Deinem Fall die Leute regelrecht über den Tisch gezogen wurden. Ich nenne in solchen Fällen das Ganze erpressen von "Schutzgeld". Den Nachweis, dass Deine Tocher über das benötigte Maß versorgt würde, den müssten die Leistungserbringer erbringen. Diese Behauptung haben aber die Leistungserbringer noch nicht vor Gericht erbringen können.

Daher auf keinen Fall irgend eine wirtschaftliche Aufzahlung leisten und die Techniker Krankenkasse in die Pflicht nehmen. Hierzu ein Schreiben an die TK aufsetzen, wo Du die sicherstellung ausreichende und zeckmässige Versorgung mit kurzer Frist forderst. Ansonsten wirst Du Dir die Windeln selbst besorgen und nach §13 SGBV mit der TK abrechnen. Ich würde auf keinen Fall beim Leistungserbringer kaufen mit dem Du Streit hast.

LG

Stefan
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #3 von Gänseblümchen » 15 Jun 2016 20:38


Hallo Stefan,

danke für deine Antwort. Leider verstehe ich sie nicht ganz. :oops: Muss die Lieferfirma nicht die Windeln liefern, die auf dem Rezept stehen?

Das verstehe ich nicht ganz, Zitat: "Damit Du aber die richtigen Windeln bekommst sollte Dir der Arzt die neue Gruppe aufschreiben, also 15.25.31.0 (Normale Saugstärke Größe 1), oder 15.25.31.3 (erhöhte Saugstärke Größe 1), oder 15.25.31.6 (hohe Saugstärke Größe 1)."
Wo muss das auf dem Rezept stehen?

DAs Rezept von meiner Tochter wurde mit kompletter Nennung des Namens der benötigten Windel ausgestellt. Es ist außerdem noch die benötigte Stückzahl auf dem Rezept angegeben und die Diagnose ihrer Behinderung. Die Nummern kann ich jedoch nicht finden? Es ist ein Jahresrezept, ausgestellt am 21.03.16 #
Bisher waren alle Rezepte auf diese Art ausgestellt und es hat jahrelang problemlos geklappt. Wir haben diesen Lieferanten seit 2008 oder 2009.

Außerdem liegen noch zwei Atteste von 2009 vor, dass meine Tochter atmungsaktive Windeln benötigt um Hautschäden vorzubeugen. Das zweite Attest bezieht sich auf die Menge der benötigten Windeln, der Arzt hat attestiert, dass sie aufgrund ihrer Querschnittslähmung vollkommen Inkontinent ist, also Harn- und Stuhlinkontinent und große Mengen Urin verliert. Sie benötigt zwischen 6-8 Windeln pro Tag, je nachdem ob die tägliche Stuhlentleerung gut funktioniert hat. :?
Der Berater der Lieferfirma benötigt jetzt von mir neue Atteste, weil die vorliegenen, ich zitiere: "schon so alt sind." (von 2009)
Momentan bin ich dran neue Atteste vom Kinderarzt zu besorgen, was nicht einfach ist, weil der Kinderarzt krank ist und die Vertretung mir keine Atteste heraus schreiben kann. Laut Arzthelferin hat der kranke Kinderarzt jetzt meine Unterlagen bei sich zu Hause und tut was er kann. Morgen erfahre ich mehr. Ich hoffe, dass er den Text für das Attest richtig formuliert, so dass es dem Lieferanten ausreicht.

Noch bin ich mit dem Lieferanten nicht im Streit. Meine Atteste sollen geprüft (?) werden und dann soll entschieden werden, ob ich die Windeln, die meine Tochter bisher bekommen hat in einer größeren Größe weiterhin ohne Zuzahlung bekomme.
Sollte das der Fall sein, dann bleibe ich bei der Firma. Wenn nicht, ja, was dann...Die Krankenkasse hat mir am Dienstag versprochen, dass ich eine neue Liste mit Anbietern bekomme, mit denen die Kasse einen Vertrag hat. Bis jetzt ist noch nichts eingetroffen. Aber ob ich einen anderen Anbieter finde, der mir die benötigte Windel ohne Aufpreis zukommen lässt?
Ich überlege mir, ob ich ihm überhaupt gleich die Original Atteste zukommen lasse. Lieber erst eine Kopie mit einer Frist zum sichten, und bei schriftlicher Zusage dann Übersendung der Originale?
Denn wenn er sie nicht akzeptiert, dann kann ich mit den Originalen immerhin noch versuchen einen anderen Lieferanten zu finden, der sie akzeptiert? Ich habe Bedenken, dass er die Originale wieder zurück schickt, wenn ich nicht mit ihm einig werde... :(

Die angebotenen Windeln gehen gar nicht. Schon alleine aus dem Grund, weil sich der Klebestreifen nicht zweimal öffnen lässt. Dadurch, dass meine Tochter im Rollstuhl sitzt und die Windeln dort anlegen muss, gelingt es ihr nicht auf Anhieb eine Windel so anzulegen, dass sie den Sitz nicht mehr korrigieren muss. Die Korrektur ist für einen guten Sitz unbedingt notwendig, oft sitzt die Windel beim ersten mal schief oder ist zu locker.
Bei der als Ersatz gelieferten Windel wurden bei der Korrektur sowohl Klebestreifen als auch Windel unbrauchbar, da ein Loch entstand. Wir konnten die Probewindel also nicht einmal ausprobieren. Deshalb kann ich auch gar nicht bemessen, ob die Saugstärke ausreichen würde. Im Internet habe ich jedoch gelesen, dass die "Kassenwindel" eine Saugstärke von 1100 g hat und die bisherig benutzte 1400, also mehr als deutlich weniger. Noch ein Grund gegen die Windel. Die größere Windel hätte sogar 1800 g, was uns einen Puffer geben würde, da manchmal die drei Stunden bis zum Wechsel knapp werden.
Die bisherige Windel kann man öffnen und schließen so oft man möchte, da reißt kein Loch hinein und die Klebestreifen halten auch immer.
An der Atmungsaktivität der "Kassenwindel" zweifle ich, da sie aus einer glänzenden glatten Folie, ähnlich einer Plastiktüte, bestehen. Es ist auch nicht vermerkt, ob diese atmungsaktiv wäre.

Was mache ich, wenn der Lieferant sich auch mit Attesten weigert mit die Windel weiterhin ohne Zuzahlung zu schicken? Mein Vorrat wird knapp. Laut Kasse darf ich die Windeln nicht selbst irgendwo besorgen, sondern muss bei dem Lieferanten bleiben. Ohne Windel geht es nicht, langsam bekomme ich Panik, wenn das noch eine Weile geht.
Wie funktioniert das mit diesem Paragrafen §13 SGBV? Schreiben an die Kasse mit Bezug auf diesen Paragrafen und eine Frist setzen? So habe ich es verstanden. Und dann? Genehmigung abwarten? Aber wenn die dann nicht innerhalb der genannten Zeit kommt??? Darf man dann einmalig als Notkauf selbst kaufen und bekommt den Betrag wieder erstattet? Und vor allem, wo kauft man am besten?
Früher habe ich im Drogeriemarkt kaufen dürfen und die Kassenzettel abrechnen, seit vielen Jahren jedoch läuft alles nur noch über die Vertragshändler. Eine andere Möglichkeit an die gewünschte Windel zu kommen kenne ich gar nicht. Der Drogeriemarkt hat jedenfalls längst keine passenden Windeln mehr.

Wir spielen auch mit dem Gedanken einen Rechtsanwalt hinzu zu ziehen, wenn die Sache aus dem Ruder läuft. Hat man Aussicht auf Erfolg?

Danke nochmals für die Hilfe! Ich bin um jeden Ratschlag dankbar!

Viele Grüße
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #4 von Gänseblümchen » 17 Jun 2016 14:53


Hallo,

inzwischen habe ich ein neues Rezept und ein Attest für die Windeln die meine Tochter braucht vom Arzt bekommen. Er ist auch der Meinung, dass die vom Lieferanten angebotene Windel wegen fehlender Atmungsaktivität und zu geringer Kapazität nicht geeignet ist, da sie Hautveränderungen nicht mal spüren würde, was zu üblen und schwer behandelbaren Komplikationen führen kann.
Außerdem bemängelt er diese Verschlüsse, die man nur 1 x kleben kann und dann nicht mehr benutzbar sind. All das hat er auch ins Attest geschrieben. Item ist auf dem Rezept angekreuzt.
Hoffentlich reicht das aus?
Jedenfalls habe ich gestern noch alles per Einschreiben mit Rückantwort (man weiß ja nie) zum Lieferanten geschickt.
Heute ist ein Schreiben von der Kasse gekommen, mich hat die Aussage darin geschockt, dass sich zwar Art und Umfang der Versorgung selbstverständlich nach den persönlichen medizinischen Erfordernissen meiner Tochter richtet. Aber dann kommt das: "Die Auswahl des Produktes und der Menge zur medizinisch notwendigen und wirtschaftlichen Versorgung unserer Versicherten, obliegt grundsätzlich den Vertragspartnern." :shock: Demnach entscheidet der Lieferant was medizinisch notwendig ist... :evil:
Mir ist ganz übel... :cry:

Viele Grüße Gänseblümchen
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #5 von Stefan » 20 Jun 2016 13:11


Hallo Gänseblümchen,

natürlich kann der Arzt auch ein Hilfsmittel namentlich verordnen. Die Krankenkasse und der Leistungserbringer sind dann an die Vorordnung gebunden, sowohl vom Produkt, als auch der Anzahl. Möchte der Leistungserbringer was ändern braucht er eine Änderung mit Datum und Arztunterschrift!!!

In der HilfsM-RL des Gemeinsamen Bundesausschuss steht hat geschrieben:(2) 1In der Verordnung ist das Hilfsmittel so eindeutig wie möglich zu bezeichnen, ferner sind alle für die individuelle Versorgung oder Therapie erforderlichen Einzelangaben zu machen. 2Die Vertragsärztin oder der Vertragsarzt soll deshalb unter Nennung der Diagnose und des Datums insbesondere
- die Bezeichnung des Hilfsmittels nach Maßgabe des Hilfsmittelverzeichnisses (soweit dort aufgeführt),
- die Anzahl und
- ggf. Hinweise (z. B. über Zweckbestimmung, Art der Herstellung, Material, Abmessungen), die eine funktionsgerechte Anfertigung, Zurichtung oder Abänderung durch den Leistungserbringer gewährleisten,angeben. 3Ggf. sind die notwendigen Angaben der Verordnung gesondert beizufügen.

(3) 1Bei der Verordnung eines Hilfsmittels, das im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt ist, kann
entweder die Produktart entsprechend dem Hilfsmittelverzeichnis genannt oder die 7-
stellige Positionsnummer angegeben werden. 2Das Einzelprodukt (bezeichnet durch die 10-stellige Positionsnummer) wird grundsätzlich vom Leistungserbringer nach Maßgabe der mit den Krankenkassen abgeschlossenen Verträge zur wirtschaftlichen Versorgung mit der oder dem Versicherten ausgewählt. 3Hält es die verordnende Ärztin oder der verordnende Arzt für erforderlich, ein spezielles Hilfsmittel einzusetzen, so bleibt es ihr oder ihm freigestellt, in diesen Fällen unter Verwendung der 10-stelligen Positionsnummer eine spezifische Einzelproduktverordnung durchzuführen. 4Eine entsprechende Begründung ist erforderlich. 5Satz 4 gilt für die Verordnung von Hilfsmitteln, die nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgeführt sind, entsprechend.

(4) Änderungen und Ergänzungen der Verordnung von Hilfsmitteln bedürfen einer erneuten Arztunterschrift mit Datumsangabe.


Leider ist festzustellen, das die Techniker Krankenkasse ihre Versicherten regelrecht verarscht. Es werden keine, oder nur Halbwahrkeiten herausgegeben. Versucht man dann auf seinem Recht zu bestehen, dann kommt man nicht weiter. Widersprüche werden nicht bearbeitet, schreiben nicht beantwortet. Selbst Anwälten bleibt nichts anderes übrig als Untätigkeitsklagen einzureichen.

Ganz wichtig ist, dass man im Streitfalle die Windeln selbst kauft und die Rechnungen nach §13 SGBV zur Abrechnung einreicht. Man sollte auch Fristen setzen und Verzugszinsen, sowie Verzugspauschale fordern. Ich empfehle die Windeln nicht beim Lieferanten zukaufen. Gib die PZN (steht auf der Tüte oder Karton) mal bei z.B. Medizinfuchs ein und suche einen günstigen Lieferanten. Leider ist Abena als Lieferant auch schnell dabei mal was extra zu kassieren, obwohl die nicht dürften.

Aus welchem Grund ist denn Deine Tochter inkontinent.
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #6 von Gänseblümchen » 22 Jun 2016 22:00


Hallo Stefan,

vielen Dank für deine Antwort. Meine Tochter ist von Geburt an Querschnittsgelähmt, sie wurde mit "offenem Rücken" das heißt Spina Bifida, geboren. Aufgrund ihrer vollständigen Lähmung ab der Lendenwirbelsäule kann sie nicht laufen und ist inkontinent. (Harn und Stuhl).

Der erste Teil hört sich positiv an, auf dem Rezept ist "Item" angekreuzt und auch die genaue Bezeichnung der Windel und die benötigte Stückzahl stehen drauf. Außerdem hat der Arzt noch zusätzlich eine Begründung auf Attest geschrieben, warum meine Tochter atmungsaktive Windeln braucht. Soweit so gut, eigentlich sollte alles klar sein? Eigentlich müsste der Lieferant an mich die Ware liefern?

Am Montag hat mich der Lieferant angerufen, mit der Bitte, ob ich noch eine weiter Windel testen würde. Diese sei Atmungsaktiv und habe Klebestreifen, die wieder verschließbar seien. Alles in allem hätte die Windel die gleichen Eigenschaften wie die vom Arzt verschriebene.
Ich habe sie gestern erhalten und mich mit dem Hersteller Abena in Verbindung gesetzt. Dieser hat mir bestätigt, dass die ersatzweise gelieferte Windel nicht wie
benötigt gänzlich atmungsaktiv ist. Nur die Seitenteile.
Und was noch schlimmer ist. Die Ersatzwindel hat nur ein Saugvolumen von 1.100 ml! Bisher hatten wir 1.400 ml und das war schon sehr knapp. Die vom Arzt verordnete Windel hat 1.800 ml, was uns einen kleinen Puffer gibt, wenn der Urin in größerer Menge auf einmal kommt.
Der Hersteller hat mir im Fall meiner Tochter sogar zur noch saugstärkeren Windel mit Saugvolumen von 2.200 ml geraten! Ich habe die Datenblätter der einzelnen Windeln freundlicherweise per Email bekommen. Ich weiß also Bescheid!
Heute morgen habe ich den Lieferanten per Email kontaktiert und die Ersatzwindel aus diesen Gründen abgelehnt. Eine Antwort habe ich noch nicht erhalten.
Jedoch ist heute Nachmittag ein Brief vom Lieferanten bei mir eingetroffen, ich hätte mich auf die Mustersendungen hin noch nicht gemeldet? Vielleicht hat sich da was überschnitten, jedenfalls habe ich dem Lieferanten eben nochmal eine Email geschrieben. Gemeldet habe ich mich in jedem Fall immer sofort nachdem ich die Ware ausprobiert hatte.

Der zweite Teil deiner Nachricht hört sich gar nicht gut an und beunruhigt mich sehr. Dann hilft selbst der Gang zu einem Anwalt nicht? Obwohl uns die Windeln, die der Arzt verordnet hat, zustehen? Genau das haben wir nächste Woche vor, sollte ich bis dahin keine neue Lieferung haben, da mein Windelvorrat zusehends schrumpft und deshalb schneller Handlungsbedarf besteht.

Sollte sich die ganze Sache noch ziehen und ich bin gezwungen Windeln selbst zu kaufen, wie genau muss ich dann in Einzelschritten vorgehen? Ich habe den Paragraphen nicht richtig verstanden.
Aufgrund meiner Anfrage habe ich eine Liste von verschiedenen Lieferanten von der Kasse bekommen, mit denen die Kasse Verträge hat. Es wird jedoch schwierig sein einen neuen Lieferanten davon zu bewegen mir die Windeln kostenfrei zu liefern? Außerdem habe ich das Rezept und das Attest nicht mehr, das hat ja der alte Lieferant der sich weigert mir die Windeln ohne Aufpreis zu liefern.
Ich kann die Windeln im Notfall überall selbst kaufen? Die Kasse hat mir was anderes gesagt, eben auf jene Liste verwiesen. Und wenn ich sie jedoch woanders selbst kaufe, wie kann ich dann mit der Kasse abrechnen? Formloses Schreiben mit Bezug auf den Paragraphen? Und von wem kann man die Verzugszinsen und die Verzugspauschale fordern? Eigentlich möchte ich nur endlich die dringend benötigten Windeln haben und sonst gar nichts.
Da meine Tochter aufgrund ihrer Behinderung viele Genehmigungen wie z.B. Rollstuhl, Korsett usw. braucht, möchte ich es nicht mit der Kasse "verscherzen". Ich habe wirklich Angst, dass mir in Zukunft dann vielleicht andere ebenso wichtige Dinge nicht mehr ohne Kampf genehmigt werden.

Danke nochmals für die Hilfe, es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine ist!

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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #7 von Gänseblümchen » 25 Jun 2016 07:25


Hallo,

es gibt eine gute Nachricht! Inzwischen habe ich vom Lieferanten eine Email bekommen, dass die Windeln Abri Form S2 bewilligt sind und die Lieferung in den nächsten Tagen bei mir eintrifft! Was für eine Erleichterung...Mir ist ein großer Stein vom Herzen gefallen.
Danke nochmals für die Hilfe!

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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #8 von Helmut » 25 Jun 2016 12:36


Hallo Gänseblümchen,

das sind doch mal gute Nachrichten, es zahlt sich also schon aus, da hartnäckig zu bleiben und auf sein Recht zu bestehen.

Ich bin mal gespannt, ob du die Abri Form S2 Windeln nun tatsächlich in der benötigten Menge ohne Aufzahlung bekommst, oder ob es da wieder Probleme gibt.


Mal ein anderes Thema, wie macht ihr das mit dem Stuhlmanagement, habt ihr da außer Windeln noch andere Hilfsmittel wie Analtampons oder die Irrigation?

Ich bin ja selbst Stuhlinkontinent und mit der Irrigation habe ich das soweit im Griff, dass da nur noch selten größere Mengen an Stuhl in der Windel sind. Meistens ist das nur ein wenig Schleim oder etwas Flüssigkeit, aber das stört nicht weiter. Wichtig ist nur, dass die Haut gut gepflegt ist und dass du z.B. so eine Barrierecreme oder Spray verwendest, das eine atmungsaktive Schutzschicht bildet.

Viele Grüße Helmut
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #9 von Gänseblümchen » 29 Jun 2016 09:53


Hallo Helmut,

am Dienstag habe ich meine erste Lieferung bekommen, eine Rechnung lag nicht bei. Ich denke jetzt einfach positiv und gehe davon aus, dass die Sache erst mal ausgestanden ist.

Das Stuhlmanagement klappt meist recht gut. Ich mache täglich bei ihr die anale Irrigation mit dem Peristeen System. Anfangs hatten wir versucht es jeden zweiten Tag zu machen, was aber nicht gut ging. Seit wir es täglich machen, hat meine Tochter in aller Regel keine Probleme untertags mit abgehendem Stuhlgang. Es kommt auch kein Schleim oder Flüssigkeit. Sie benötigt deshalb auch keine Analtampons. Wenn doch was kommt, dann riecht sie es und wechselt gleich sie die Windel, aber das ist sehr selten, vielleicht 1 oder 2 mal im halben Jahr.
Wir haben nur manchmal das Problem, dass unmittelbar nach dem verlassen der Toilette noch eine größer Menge "nachrutscht". Das ist zwar eher selten, aber es kommt vor. Wenn wir Pech haben, dann innerhalb von wenigen Tagen jedes Mal. Dann wieder eine ganze Zeitlang nicht. Bisher haben wir noch nicht heraus finden können, woran das liegt, da vorher auf der Toilette alles ganz normal verlief.
Mit der Haut hat meine Tochter dank der atmungsaktiven Windeln und der durch die Irrigation erreichten Stuhlkontinenz zum Glück keine Probleme (mehr). Bevor wir die Irrigation durchführen konnten, hatten wir große Probleme damit. Die Irrigation mit dem Peristeen führen wir erst seit ihrem 6. Lebensjahr durch.

Mit der Kasse hatten wir Anfang des Jahres ziemlich Probleme, da wir täglich einen Anal-Katheter brauchen. Eine Packung hat 15 Katheter, das heißt, die Kasse wollte uns nur 2 Schachteln pro Monat zahlen, was bei 30 Tagen auch OK ist. Es gibt aber leider Monate mit 31 Tagen...Das Ende vom Lied war dann ein Jahresrezept, wir dachten, dass das Thema damit vom Tisch ist. Aber leider ging das rein rechnerisch auch wieder nicht auf, da sie so gerechnet haben 24 Schachteln zu je 15 Katheter. Das macht 360. 25 Schachteln wären 375 Katheter gewesen und damit ja Zuviel für ein Jahr. Also wurde das Jahr einfach auf 360 Tage gekürzt...Nach vielen Telefonaten, auch mit dem Lieferanten (der uns jetzt entgegenkommt und die 25. Schachtel aufreißt und uns nur die tatsächlich benötigten Katheter gibt und abrechnet) dürfen wir jetzt in diesem Schaltjahr tatsächlich 366 Katheter haben. Das war auch so ein Kampf, wo ich einfach hartnäckig bleiben musste. Traurig sowas...

Viele Grüße
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Re: Plötzlich Zuzahlung für Windeln verlangt

Beitrag #10 von Helmut » 29 Jun 2016 11:30


Hallo Gänseblümchen,

das ist schön zu hören dass ihr das Stuhlmanagement mit der Irrigation so gut im Griff habt und doch so selten mal Stuhl in der Windel ist. Dass noch was nachkommt, hatte ich am Anfang auch, da hilft am besten länger auf der Toilette zu bleiben. Bei mir ist es so, dass nach der letzten Spülung, ich mache meistens 2-3 hintereinander um meinen Darm leer zu bekommen, ich die Darmentleerung abwarte und dann noch 10 Minuten sitzen bleibe. Meistens kommt dann noch was innerhalb dieser 10 Minuten, danach ist aber alles raus. Sie macht die Irrigation schon selber und wann macht ihr diese?

Das kann ich mir schon denken dass die Kasse da am Anfang Probleme machte, das Peristeen System ist ja nicht unbedingt die billigste Lösung, denn Ballonsysteme kosten nun einmal mehr als Systeme mit Kegel. Du musst bei der Menge auch bedenken dass mal ein Ballon platzen kann, was früher mit den Latexballonen schon häufiger vor kam. Daher solltest du mindestens 2 Stück pro Monat als Reserve haben, das muss die Kasse bzw. der Lieferant schon übernehmen. Daher ist es gut wenn du z.B. 375 Stück (25 Karton a 15 Stück) auf dem Rezept hast.

Hier mal ein Überblick was die verschiedenen Irrigationssysteme denn kosten: svisuite/irrigation.php

Liebe Grüße Helmut
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