Private Krankenversicherung zahlt nicht

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Private Krankenversicherung zahlt nicht

Beitrag #1 von JoergHH » 18 Jul 2020 20:59


Hallo Leute,

ich bin Autist und schon immer inkontinent. Ich bin seit über 20 Jahren selbständig und habe eine private Krankenversicherung, eienn Volltarif (man nennt es premium-Tarif). Bisher habe ich Windeln immer selbst gekauft, da ich damit unter meinem Eigenanteil liege. Doch in den letzten Jahren ist die Menge der Behandlungen gestiegen und somit war für mich Windeln auf Rezept ein logischer Schritt.

Meine Krankenversicherung bezahlt laut Vertrag 100% der Hilfsmittel, haben sogar einen offenen Hilfsmittelkatalog für Produkte, die zum Vertragsbeginn noch nicht existierten. Man verkauft mit Stolz, dass bei mir keine Limitierung bei der Kosten für Hilfsmittel existieren.

Auf mein Rezept (2 Monatsversorung - Verordnung vom Urologen) erhielt ich ein Schreiben.

Inhalt in Kurzversion: "Ihre PKV erstattet Ihnen die Kosten, die durch eine medizinische notwendige Heilbehandlung wegen Krankheit oder Unfallfolgen entstehen. Auch Hilfsmittel fallen in den Versicherungsschutz."
(Es folgte eine lange Auflistung: Brillen, Schuheinlagen, Prothesen, Krankenfahrstühle, Beatmungsgeräte usw.)
Und dann schreiben Sie: "Bei Inkontinenzartikeln handelt es sich nicht um ein Hilfsmittel im Sinne der Versicherungsbedingungen. Eine Kostenübernahme ist daher nicht möglich."

Wie kann es sein, dass Inkontinenzartikel keine Hilfsmittel sind, wie kann man so etwas ausklammern, wenn sonst quasi ohne Einschränkung alles versichert ist? Mir fehlt da der rechtliche Horizont, um das zu verstehen. Gibt es eine Grundlage, mit der ich das rechtlich bestreiten kann? Denn damit möchte ich mich nicht abservieren lassen.

Herzliche Grüße
Jörg
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Re: Private Krankenversicherung zahlt nicht

Beitrag #2 von Helmut » 18 Jul 2020 23:01


Hallo Jörg,

nun im Gegensatz zur GKV ist die PKV nur zur Leistung verpflichtet was in deinem Vertrag steht, das findest du im "Kleingedruckten". Also schaue mal in deinen Vertrag bei den Leistungen was Bezahlt wird und was ausgeschlossen wurde. Bei Inkontinenz-Hilfsmittel kann das je nach Versicherung und Vertrag von Garnichts bis 100% Übernahme alles sein. Sprich mal mit deinem Versicherungsmakler, der müsste sich da gut auskennen. Auch ein Anwalt für Versicherungsrecht könnte dir weiter helfen.

Inzwischen orientieren sich die PKV's an den gesetzlichen KK bei den Hilfsmitteln, das betrifft aber oft nur die neueren Verträge. Vielleicht kannst du in einen anderen Vertrag wechseln, in dem die Inkontinenz-Hilfsmittel eingeschlossen sind. Oder du sprichst mal mit deinem Versicherungsberater, ob es da eine Möglichkeit gibt z.B. über eine Sondervereinbarung dass du zumindest einen Teil Erstattet bekommst.

Dann bleibt noch die Versicherung zu wechseln, was aber bei deinem Alter eher von Nachteil ist, da du bestimmt wegen der Vorerkrankungen in einen teureren Tarif ein gruppiert wirst.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Re: Private Krankenversicherung zahlt nicht

Beitrag #3 von JoergHH » 19 Jul 2020 19:34


Herzlichen Dank für Deine Antwort,

grundlegend ist die Versicherung gut und zahlungswillig. Nur in dieser Sache stellt sie sich quer. Sie haben einen Billigtarif, der außer einer Gesamtbudget-Grenze alles bezahlt. Ich habe den Premium-Tarif, da fällt eigentlich nur die Gesamtbudget-Grenze raus. Aber hier ist die Formulierung in den Bedingungen etwas anders. Es gibt eine Standard-Aufzählung (Brillen, Protesen, Bandage etc.), die sowieso drin ist. Darüber hinaus bedarf es einer Zustimmung mit gewissen Voraussetzungen (die bei mir erfüllt sind). Damit erhalten sie sich aber eine Notbremse.

Vertrieblich werben sie aber in meinem Tarif mit einem offenen Hilfsmittelkatalog, und alle Nummern und Bespiele orientieren sich am GKV-Katalog. Das ist sehr ärgerlich. Trotzdem dann so was abzuziehen ist sehr grenzwertig.

Ich habe erstmal Einspruch eingelegt. Wenn dieser Ansatz wieder nicht läuft, muss ein Anwalt ran.

Viele Grüße
Jörg
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