Festbetragsentwurf für Inkontinenzprodukte

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Festbetragsentwurf für Inkontinenzprodukte

Beitrag #1 von Helmut » 08 Okt 2004 16:35


Hallo,

mit Schrecken mußten wir zur Kenntnis nehmen, daß die Festbeträge für Inkontinenzhilfsmittel drastisch gesenkt werden sollen. Wie in der Pressemitteilung vom Bundesverband Medizintechnologie e.V. schon angesprochen, bahnt sich da eine echte Katastrophe an.

Uns liegt inzwischen der vorläufige Festbetragsentwurf für Inkontinenzprodukte vor, der doch zum Nachdenken anregt. Die meisten Festbeträge orientieren sich an den aktuellen Festbeträgen, die in Sachsen-Anhalt gezahlt werden. Es sind die niedrigsten Festbeträge von allen Bundesländern und teilweise sind einige Positionen noch niedriger.

Langsam glaube ich bald, daß eine chronische Krankheit ein Luxus wird, den sich nur noch die "oberen Zehntausend" leisten können und das gemeine Volk bleibt auf der Strecke. Da die chronisch Kranken keine richtige Lobby haben, wird bei denen halt als erstes gespart dabei machen die Ausgaben für Hilfsmittel bei den gesetzlichen Krankenkassen gerade einmal 3% der gesamten Ausgaben aus. Ich glaube, daß weniger als 0,5% der gesamten Ausgaben auf die Inkontinenzhilfsmittel entfallen.

Beispielhaft habe ich hier einmal stellvertretend für alle Kassen den vorläufigen Rechnungsbericht des AOK-Bundesverbandes für das erste Halbjahr 2004 genommen und hier sieht man sehr deutlich, wer die eigentlichen Kosten im Gesundheitswesen verursacht. Ich meine so kann es doch nichtmehr weitergehen, sparen ist recht und schön aber nicht auf die Kosten derer, die sowieso schon durch ihre Krankheit eine höhere finanzielle Belastung haben!

Die Folge des ganzen wird dann sein, daß die Betroffenen sich die notwendigen Hilfsmittel nichtmehr leisten können und dadurch ein Fall für das Sozialamt werden, das ist dann nur eine Umverteilung der Kosten von den GKV zum Bund und eine Kostenerhöhung durch größeren Verwaltungsaufwand. Oder die Leute gehen nicht zum Sozialamt weil es ihnen peinlich ist und versumpfen zuhause, da sie ohne geeignete Hilfsmittel nichtmehr auf die Straße gehen können. Sie bleiben vielleicht sogar dem Beruf fern und laufen Gefahr, ihren Job zu verlieren, was weitere Kosten für den Staat nachsich zieht. Ganz zu schweigen von den Depressionen die dadurch entstehen können und somit wiederum die Kosten für die GKV in die Höhe treiben werden. Es ist also ein Kreislauf der Kostenspirale der mit einfachen Mitteln unterbrochen werden kann.

Festbetragsentwurf für Inkontinenzprodukte


BERLIN: Durch die geplanten dramatischen Einschnitte der Krankenkassen bei den Festbeträgen für Inkontinenzhilfen befürchtet der Bundesverband Medizintechnologie, BVMed, dass das notwendige Versorgungsniveau von rund 5 Millionen Inkontinenzpatienten nicht mehr gehalten werden kann.

Hintergrund ist, dass die Spitzenverbände der Krankenkassen am 1. Oktober 2004 die Anhörung zur Bestimmung der Festbeträge für Inkontinenzhilfen eröffnet haben. Die Krankenkassen beabsichtigen, für dieses Produktsegment die Erstattungspreise drastisch und auf eine nicht nachvollziehbare Weise zu reduzieren. In Einzelfällen ist eine Absenkung der Vergütung um bis zu 60 % geplant. Zusätzlich erfolgt eine Zusammenführung von Einzelprodukten in so genannte einheitliche Preiskategorien, die jeglicher Versorgungspraxis widerspricht. Das zeigt eine erste Bewertung des Entwurfs durch den BVMed.

Für 5 Millionen Inkontinente, also beispielsweise chronisch kranke Menschen, Rollstuhlfahrer, Kinder mit einer offenen Wirbelsäule (Spina Bifida), bedeuten sinkende Festbeträge - bei gleichzeitiger Zusammenführung höchst heterogener Produkte - signifikante Einschnitte in die tägliche Versorgung sowie in die gesamte Versorgungsqualität. Wird der vorliegende Entwurf unverändert umgesetzt, müssen z. B. Rollstuhlfahrer, die mit Produkten, die dem aktuellen medizinischen Standard entsprechen, selbst eine Urin-Katheterisierung vornehmen und zukünftig eine private Aufzahlung von über 200 Euro monatlich leisten, so eine Berechnung von Unternehmensexperten.

Die beabsichtigte Preissenkung für Inkontinenzhilfen durch Festbeträge ist zudem im mehrfachen Sinne widersprüchlich. Seit 1993 wurden für Produkte der ableitenden Inkontinenz von den Krankenkassen keine Festbeträge festgesetzt mit dem Argument, dieses Produktsegment sei zu heterogen. Nun erfolgt eine künstliche und erzwungene Gruppeneinteilung höchst unterschiedlicher Produkte in gemeinsame Untergruppen. Dies widerspricht auch vorliegenden Stellungnahmen der zuständigen medizinischen Fachgesellschaften.

Gleichzeitig soll das Erstattungsniveau drastisch reduziert werden, mit dem teilweise nicht einmal mehr die reinen Produktkosten abgedeckt sind. Insbesondere bei der Versorgung multimorbider Menschen, Krebskranker und Kinder ist jedoch eine intensive Beratungs- und Betreuungsleistung von Homecare-Unternehmen notwendig. Diese würde nun gänzlich eliminiert, wenn der Entwurf umgesetzt werde, so der BVMed.

Der BVMed fordert daher eine vollständige Überarbeitung des Entwurfs der Krankenkassen und bietet seine Mithilfe für die Erarbeitung von praxisgerechten Festbeträgen und Festbetragsgruppen an.


Quelle: Pressemitteilung Bundesverband Medizintechnologie vom 06.10.2004


Ich würde gern einmal wissen, wie ihr das so seht .....

Gruß Helmut :aerger:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #2 von Wolfgang_S » 08 Okt 2004 18:10


jeder einschnitt tut weh, oder wie auch das jiddische sprichwort sagt "wenn man dir gibt dann nimm, aber wenn man dir nimmt dann schrei"

auch ich vertrete den standpunk..... sparen ja... aber an der richtigen stelle.... also erst mal die aufgeblasene verwaltung dezimieren, die gehaelter der vorstaende beschneiden, und dann sehen wo man sparen koennte ohne die leistung einzuschraenken um nicht immer ganz unten beim kleinen mann beginnen zu sparen.

auch hier in oestereich ist die lage recht trostlos...

versorgung von arbeitern und angestellten:
es gibt fuer arbeiter und angestellte nur staatliche krankenversicherungen, und selbst diese haben pro bundesland unterschiedliche regelungen...
in wien zb. gibt es slips generell nur bei doppelinkontinenz und da nur das guenstigste modell, (attends nr.8, molicare blau, euron, tena plus) und selbst da nur 300 stueck pro quartal.... wiederverwendbare produkte scheinen genauso wenig im leistungskatalog auf wie schutzhosen oder aehnliches...
10% selbstehalt (zuzahlung) sind seit jahren selbstverstaendlich...
eine fachgerechte versorgung kann man das nicht wirklich nennen...

versorgung von selbststaendigen und freiberuflern:
selbststaendige bzw. freiberufler werden ebenfalls vom staat kassen zugewiesen...
der leistungskatalog ist in etwa gleich dem der arbeiter und angestellten
die selbstbehalte (zuzahlungen) fuer hilfsmittel und behelfe sind hoeher (20% statt 10%)selbstsatendige muessen auch 20% sonstiger leistungen wie arzthonorar oder auch operationen usw. selbst bezahlen.... dies ist bei arbeitern und angestellten nicht der fall.

medikamente:
sofern verfuegbar werden nur mehr generika (nachahmungen von medikamenten) bezahlt, mit viel streiten und nachweis warum das generika nicht den effekt hat wie das original wird ausnahmsweise auch das original erstattet... knapp 4,50 euro pro packung werden dem patienten angelastet und sind bei abholung in der apotheke zu beahlen.
patienten die nachweisen koennen chonisch krank zu sein und unter einer gewissen HAUSHALTS !!! einkommensgrenze liegen koennen auf antrag von der rezeptgebuehr (zuzahlung) befreit werden.





andere laender.... gleiche problematik :(
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Wolfgang_S
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