Rentenantrag !?

In diesem Forum geht es um Recht und Gesetz in Fragen zu Krankenkassen, Kostenübernahme, Pflegeversicherung, Rehabilitationsmaßnahmen, GdB, Rente...

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Rentenantrag !?

Beitrag #1 von Merlin » 24 Apr 2005 14:15


Hallo Leute,

ich habe folgendes Problem: Ich leide seit ca. 15 Jahren unter einer Doppelinkontinenz. Erstmals aufgetreten ist sie im Heilungsverlauf einer Darmpolypen, Fisur und Tromboseextraktion im Bundeswehrkrankenhaus. Damals zur BW-Zeit wurde das Ganz heruntergespielt. Unter dem Motto: "Das ist normal und wird schon wieder", bin ich leider erst wieder lange Zeit nach der OP und Bundeswehrzeit zu einem Arzt gegangen. Der Scharm und die Peinlichkeit der Folgen ansich, hat mich als junger Mensch davon abgehalten. Ein riesen Fehler wie ich Heute weis! Lange Rede, kurzer Sinn: Nach langen Jahren der Odyssee (Untersuchungen, Ärtztebesuche, Kuraufenthalte etc.) , wurde stets das gleiche Ergebnis erzielt. - Keine organische Ursache an der Blase oder dem Enddarm feststellbar ! - Das Problem des ständigen Urinverlustes und der Verlust der Fähigkeit im Fall des Müssens den Stuhl halten zu können, wurden auf eine psychosomatische Sache geschoben. Nach einer 6 wöchigen Abklärung in einer LVA Rehaeinrichtung 1998, wurde mir ein GdB von 20% zuerkannt !? Ich hatte zwar damals sofort Einspruch eingelegt, aber nichts erreicht. Da der endgültige Krankheitsverlauf nicht absehbar war, wurde mir die Möglichkeit eines Verschlechterungsantrages genannt. Allerdings hatte ich die Faxen dicke ständig als Hypochonder abgestempelt zu werden und habe mein Leben versucht ohne ärztlichen Beistand in dieser Sache zu organisieren! Die Möglichkeiten mit Windelslips u.a die Angelegenheit in der Öffentlichkeit so diskret wie möglich zu halten, ist mir in der Vergangenheit soweit auch gut gelungen. Die Einschränkungen aber zu einem normalen Leben sind eben noch täglich merkbar. Meine Krankheit zwingt mich 2-3 mal am Tage zum Windelwechsel, was von allem das größte organisatorische Problem darstellt. Im Sommer kommt dann noch hinzu, dass ich durch das Wundsein und Auschläge im Windelbereich Tage habe, an denen ich kaum noch vernünftig laufen kann. Und so wird es wohl auch diesen Sommer wieder sein, mit einem kleinem Unterschied: Mein Arbeitsumfeld wurde so umstrukturiert, dass ich nun täglich 8 und mehr Stunden beim Kunden verbringen muss !? Und wie soll ich das "Windeltechnisch" organisieren !? Ich bin Unternehmensberater und verbringe ca 80% meiner Tätigkeit nun in Meetings in Chefetagen im In- und Ausland! Wie soll das gehen !? Die letzten 6 Wochen haben gezeigt, dass das fast unmöglich ist. Erste Peinlichkeiten haben sich schon eingestellt ! Nun überlege ich evtl. die Rente oder Teilrente zu beantragen. Meine Ärztin meint dazu allerdings, ich sollte zunächst einen Verschlechterungsantrag beim Versorgungsamt stellen um mein GdB neu feststellen zu lassen. Das hätte zwar ansich nichts mit dem Rentenantrag zu tun, wäre aber trotzdem für den Antrag hilfreich. Um den Antrag stellen zu können, ist aber eine erneute Abklärung des Gesundheitszustandes notwendig, was bedeutet, das ich wieder die Rundreise zu allen Fachärzten antreten kann. Ich habe schon jetzt die totale Panik vor der Blasen- und Darmspiegelung, wohl mit dem Wissen, dass wieder das Gleich wie immer dabei heraus kommt: "Alles OK - Ich kann nichts finden" ! Alle anderen und erst kürzlich durchgeführten Untersuchungen wie MRT,CT, Nervenwasseruntersuchungen haben auch nichts gezeigt. Also nun meine Frage: Wie soll ich das angehen !? Soll ich lieber gleich den GdB aufgrund einer psychosomatischen Erkrankung stellen, obwohl die Probleme wo anders liegen ? Was muss ich beachten ? Wer kann helfen ? Meine Ärzte und die Berater der LVA haben sind hier wohl total überfordert !
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Merlin
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Beitrag #2 von Matti » 24 Apr 2005 18:34


Hallo Merlin,


ich könnte dir eine ganze Menge Informationen hier in dieses Forum Schreiben. Einfacher wäre es aber wenn du die Domain: http://www.inkotreff.de/html/rente.html besuchst.
Dort erfährst du eigentlich alles zum Thema Rente und Erwerbsunfähigkeit.
Die Frage " Wer ist Behindert " und der " GdB " werden dort ebenfalls erläutert.

Ansonsten empfehle ich immer den http://www.vdk.de . Die sind auf diesem Gebiet der Ansprechpartner Nummer 1 in Deutschland, sind bei der Beantragung und einem evtl. Einspruch behilflich.

Im Rahmen meiner Möglichkeiten kannst du auch gerne Kontakt per mail mit mir Aufnehmen.

kontakt@inkontinenz-selbsthilfe.com

Gruß

Matti
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Beitrag #3 von Ramona » 24 Apr 2005 19:59


Hallo merlin!

Wäre nicht evtl. ein anderer Arbeitsplatz auch die Lösung? Es gibt ja auch die Möglichkeit der Umschulung durch die Rententräger und Arbeitsämter. Das solltest Du für Dich im Vorfeld abchecken. Besprich es auch mit Deinen behandelden Ärzten.

Einen Verschlechterungsantrag beim Versorgungsamt kannst Du natürlich sofort stellen. Sinnvoll ist es da aber auch, daß Du mit Deinen Ärzten sprichst.

Ich wünsche Dir alles Gute und laß uns wissen, wie es weiter geht.

Gruß Ramona
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MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

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Beitrag #4 von chrissi » 26 Apr 2005 18:32


Hallo Merlin,
habe vor 14 jahren genau das gleiche Problem wie du gehabt. Auch während der BW-Zeit .
Habe vom LKW eien falschen Sprung gemacht und da wars. Feststellen konnte man nichts.
Habe als Zeitsoldat allerdings eine Umschulung finanziert bekommen, aber keine Prozente.
War alles sehr langwierig und alles andere als spaßig. Nach der Umschulung wollten dann private Ärzte mich wieder von vorn untersuchen. Ich habe sie dann an den Bund verwiesen. Dort waren meine Unterlagen allerdings verschwunden und so sahen sie nach einer Zeit von den Untersuchungen ab und verschrieben mir die Windeln.
Rente wirst du wahrscheinlich nicht bekommen, da du die Behinderung durch" das Tragen von
Hilfsmitteln ausgleichen kannst" . Demjenigen der das erfunden hat wünsche ich auch eine Doppelinko an den Hals damit er erfährt was man da mitmacht. :aerger:
Eine Umschulung könnte dir genehmigt werden, aber als was. In einer Werkstatt oder einem Büro in der Nähe einer Toilette !! Ist leider so.Und bei der Arbeitsmarktlage hast du dann als wieder Anfänger keine Chance, oder den Verdienst eines 18-jährigen.
Ich selbst bin (auch durch die Inko) in den Aussendienst gegangen. Dort habe ich noch einigermaßen die Möglichkeit mit der Inko zu leben.
Ich muss zwar wegen dem vielen Sitzen ( naja und auch dem Kaffee ) meist 2 grosse Vlieseinlagen in die Tena Maxi einlegen, aber das sieht ja keiner da der Anzug es gut verdeckt. Ist zwar ziemlich dick aber man gewöhnt sich auch daran.Die Einlagen ziehe ich, wenn sie nass sind einfach heraus(geht geräuschlos) und entsorge sie .
Mit dem Darm : Ich trinke abends ein großes Glas warmes Wasser und morgens wirk es dann
und wenn es doch mal passiert verschiebe ich den Termin einfach . Allerdings arbeite ich auch nicht weiter wie 100Km von meinem Wohnort entfernt so das ich dann duschen fahren kann. Sich unterwegs zu säubern ist fast unmöglich.
Versuche dich mit deiner Inko und dem Job zu arrangieren es ist fast der Beste wenn man Inko ist.

Gruß und Kopf hoch

Chrissi :lol:
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Beitrag #5 von Merlin » 27 Apr 2005 20:33


Hallo,

vielen Dank für die vielen Anregungen :fleissig: !
Das mit der "Umschulung", oder wie es der Rentenversicherungsträger so schön nennt - "Berufliche-Rehabilitation" -, habe ich bereits mit den Beratern der BFA durchgesprochen. Allerdings und das ist auch die Ansicht der Berater, sind die Chancen einer Eingliederung in das Berufsleben nach einer solchen Maßnahme recht gering. Erstens sind die angebotenen Möglichkeiten recht bescheiden und zweitens, wer will schon einen "Umgelernten" und evtl. auch mit einer Behinderung schon haben ? In Anbetracht meines derzeitigen Einkommens wären auch nur 50% meines Gehaltes immer noch mehr, als ich z.B. als Bürohilfskraft oder Sachbearbeiter nach einer Umschulung erhalten würde ! Das hört sich jetzt zwar protzig an, kommt aber im Original von dem LVA Berater !!! Also ich habe auch mittlerweile mit einigen anderen Stellen sprechen können ( ...dank euerer gesendeten Links und Anlaufstellen), die sehen bei der richtigen Vorgehensweise eine gute Chance zumindest auf eine Teilrente. Es ist ja schließlich nicht die Behinderung eine Windel zu tragen, sondern die Einschränkungen und gesundheitlichen Reflektionen die man damit hat ! Als 37 Jahre alter Mann ist mein Leben in jeder Hinsicht total eingeschränkt: Hobbys- Freizeit - Beruf -Beziehung. Alles leidet unter der täglichen Selbstorganisation bezüglich des "Windelstatus". Wo kann ich wechseln? ... ist was ausgelaufen ? ...hört man was? ... kann man was riechen ? Besonders die Freizeitgestalltung ist mit der Windel eingeschränkt. Kurz und knapp: Einfach das was ein normaler junger Mensch ohne langes Überlegen machen kann, haben wir doch alle verloren !
Und was mich vor allem auch wundert, Krankenunterlagen (speziell bei der BW) gehen anscheinend auch recht gerne verloren ! ... meine sind nämlich auch urplötzlich verschwunden !? - na wie kommt das denn ?

Gruß Rüdiger
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Beitrag #6 von Matti » 27 Apr 2005 21:21


Hallo Merlin,

mir ist beim Lesen deines Beitrages etwas Aufgefallen. Du Reduzierst dich auf einen " Windelträger " der durch das Windelntragen eingeschränkt ist. Durch das Windelntragen kommen lt. deiner Aussage die Probleme die Du Schilderst.

Die Probleme kommen durch deine Inkontinenz, nicht durch das Windelntragen !

Du Schreibst weiter das keine organischen Ursachen festgestellt wurden. Warum setzt du psychosomatische Ursachen mit Hypochonder gleich?

Und was Versprichst du dir als 37 Jahre alter ( junger ) Mann von einer Teilrente?
Glaubst du nicht das dadurch ganz neue Probleme entstehen? Das Gefühl nicht mehr der Gesellschaft Anzugehören kann ein ganz großes neues Problem werden. Die Finanzielen Einbußen trägst du dann ein Leben lang!
Wie stellst du dir die Organisation, von sagen wir mal 4 Stunden Arbeit, vor und warum geht diese Organisation nicht auch bei einer Vollzeittätigkeit?

Kämpfe doch nicht dagegen an das die Ursachen auch im Psychosomatischen liegen können. Warum ist das eine Schande?

Ich will dir nichts Böses, aber ich denke dein Ansatz ist Falsch, weil du dir damit noch mehr Probleme in deinem Leben schaffst.

Lieben Gruß

Matti
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Beitrag #7 von eckhard11 » 27 Apr 2005 22:40


Hallo Merlin,

wo Matti recht hat, da hat er Recht ....

Was ich auch nicht ganz verstehe :

Wenn Du, wie Du in Deinem ersten, obigen Beitrag schreibst, seit 15 ( !! ) Jahren an dieser Inkontinenz leidest und Dich noch immer nicht insoweit damit arrangiert hast, daß Du ein - im Rahmen - vernünftiges Leben führen kannst, dann hast Du sicherlich etwa falsch gemacht.

Es kommt mir auch so vor, als würdest Du viel mehr den - eventuell - entgangenen "Freuden für jungen Männer" nachtrauern als Dich mit der Inko auseinander zu setzen.
Als 37 Jahre alter Mann ist mein Leben in jeder Hinsicht total eingeschränkt: Hobbys- Freizeit - Beruf -Beziehung. Alles leidet unter der täglichen Selbstorganisation bezüglich des "Windelstatus". Wo kann ich wechseln? ... ist was ausgelaufen ? ...hört man was? ... kann man was riechen ? Besonders die Freizeitgestalltung ist mit der Windel eingeschränkt. Kurz und knapp: Einfach das was ein normaler junger Mensch ohne langes Überlegen machen kann, haben wir doch alle verloren !


Damit ich nicht falsch verstanden werde :
Ich habe nichts gegen ein gewisses Maß an Selbstmitleid, sofern es dazu animiert, etwas zu tun, um eine Situation zu verbessern !
Aber nach 15 Jahren Inkoerfahrung scheint mir Dein Selbstmitleid hier fehl am Platze.

Tu was !
Und wenn es nur eine Kleinigkeit ist.
Verfluche jeden Morgen Deine Windel, wenn Du sie zusammenrollst und in den Plastiksack steckst. Egal.
Aber tu was und bemitleide Dich nicht.....


Ich leg mich wieder hin .sleep:
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