Stuhlinkontinenz bei Kindern Gibt es einen Zusammenhang mit Hochbegabung?

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

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Stuhlinkontinenz bei Kindern Gibt es einen Zusammenhang mit Hochbegabung?

Beitrag #1 von Suppenkasper » 06 Jul 2006 10:39


Hallo!

Ich heiße Kerstin, bin 41 Jahre alt und habe 3 Jungen im Alter von 6,8 und 9 Jahren. Der 6jährige Jakob leidet seit einem Jahr an Stuhlinkontinenz, außerdem ist er Bettnässer. Der mittlere Junge ist seit er 3 Jahre alt ist, trocken. Der 9jährige Junge ist Bettnässer, wobei es da schon eine leichte Besserung gibt, es geht nur noch ca. 1x die Woche schief.
Mein Hauptaugenmerk gilt dem Jakob, weil diese Problematik unsere Familie sehr belastet und natürlich ganz besonders ihn.
Im April diesen Jahres war ich mit ihm im Krankenhaus, um zu klären, ob ein organischer Defekt vorliegt. Auch die Ernährung wurde durchgesprochen. Aber man fand nichts. Der Darm war nicht verstopft, es wurde keine organische Ursache gefunden und auch seine Ernährung war nicht außergewöhnlich belastend für den Darm. Es wurde ein Stuhltraining angeordnet. Dieses sieht so aus: Nach jeder Mahlzeit, Frühstück, Mittag, Abendessen geht Jakob mit einer Eieruhr auf die Toilette und muß da 10 Min. bleiben, ob es erfolgreich ist oder nicht. Ich führe darüber Protokoll. Leider geht es nach über 10 Wochen noch immer mehrmals die Woche daneben. Der begleitende Psychiater riet uns nun nach anderen Ursachen zu suchen.
Auf der Startseite des Selbsthilfeverbandes wurde ein Zusammenhang zwischen dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und einer Stuhlinkontinenz hergestellt. Daher kam ich auf die Idee doch mal zu hinterfragen, ob es auch einen Zusammenhang zwischen Hochbegabung und Stuhlinkontinenz oder auch Bettnässen gibt. Unser großer Sohn ist hochbegabt und der Jakob hat in den Ferien einen Termin für einen Test, da er ein ähnliches
Verhalten aufweist, wie sein Bruder. Und auch zwischen ADS und HB gibt es ja jede Menge Ähnlichkeiten.
Gibt es darüber schon Gedankengänge? Gibt es im Raum Bremen ebenfalls betroffene Eltern? Ich bin für jede Anregung dankbar.

Gruß Kerstin
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Beitrag #2 von Helmut » 08 Jul 2006 12:02


Hallo Kerstin,

beim unkontrollierten Abgang von Stuhl unterscheidet mal bei Kindern zwischen einer Stuhlinkontinenz, welcher eine organische Ursache zugrunde liegt und der Enkopresis, die eine nichtorganische Ursache besitzt. Im Fall von Jakob könnte man daher von einer Enkopresis sprechen, da ja keine organische Ursache für die Stuhlinkontinenz gefunden wurde.

Bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) kann wegen der Aufmerksamkeitsstörung die unzureichende Wahrnehmung des Füllungsdrucks im Rektum, ein erhöhtes Risiko für Enkopresis vorhanden sein, auch Bettnässen tritt bei diesen Kindern gehäuft auf. Ob das auch auf Hochbegabung zutrifft, dazu habe ich noch keine genauen Angaben gefunden.

Gruß Helmut
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Beitrag #3 von Chris00 » 14 Jul 2006 08:10


Hallo,

ich bin selbst ADHSler (8) mit HB (145) - bin aber aus einem ganz anderen Grund inkontinent (ich bin ohne Blase gebohren worden).

Es GIBT einen starken Zusammenhang zwischen ADHS und HB. Sehr grob gesagt funktioniert bei ADHS die Impulsregulierung nicht so wie man es bei "normalen" Menschen kennt. Der Focus der Aufmerksamkeit springt, Bewegungsdrang kann nicht unterdrückt werden, Gefühle nicht kanalisiert und "innere" Gespräche MÜSSEN ausgesprochen werden. All das sind die Dinge, die man ADHSler immer an den Kopf wirft (besonders Lehrer sind da ganz groß drin, unverständnis zu zeigen).

Durch die fehlende Impulsunterdrückung sind ADHSler aber auch zu kreativen Leistungen in der Lage, die immer wieder verblüffen (gerade bei Kindern). "Bekloppte" Ideen werden eben ausgeführt - und können sich als genialer Geistesblitz entpuppen.

Und einige ADHSler sind darüber hinaus noch mit einer stark überdurchscnittlichen Intelligenz gesegnet. Der Zusammenhang ist hier, dass VERMUTLICH ein Gen, dass dem Gen, welches ADHS auslöst, benachbart ist, mit "verändert" ist. Dadurch kommt es seit frühester Kindheit zu einer überdurchschnittlichen Vernetzung der Neuronen. Die Kinder haben einen schier unersättlichen Wissensdurst (na gut, das haben eigentlich alle Kinder, aber die intelligenten Hypies sind da noch mal eine Stufe extremer).

Im Fernsehn ist im Moment bei einer Kinder-Rate-Sendung (SRTL, Name habe ich vergessen) ein ca 5 Jähriger junge zu sehen, der von allgemeiner Relativitätstheorie bis Zoologie alles erklären kann. Gut, der Junge hat natürlich kein formalistisches Verständnis von Raumzeitkrümmung, aber er versteht die KONZEPTE. Und, er ist beim Reden ständig in Bewegung. Er verknotet seine Finger, seine Augen irren ständig umher - selbst wenn man berücksichtigt, dass er nervös ist, weil er im Studio sitzt, ist sein verhalten doch stark auffällig.

So, so viel ERSTMAL zum Thema ADHS und HB. In Wirklichkeit ist das Ganze noch VIEL komplizierter - aber ich wollte hier keinen Artikel über die Neorobiochemie von ADHS/HB schreiben.

Jetzt der andere Punkt: ADHS und Inkontinenz. Zwei Dinge können da eine Rolle spielen.

1) Psychosomatisch. ADHSler erleben von Anfang an, dass sie anders sind und Kinder, Erzieher, Lehrer und wer sich sonst noch berufen fühlt, lassen sie das jeden Tag aufs Neue spühren. ADHSler sind gerade als Kinder tollpatschig, impulsiv, chaotisch, zu schnell, zu laut. In der falschen Schule versagen sie kläglich, was auch dazu führt, dass diese Kinder einfach ständig zu hören bekommen, was sie doch für Versager sind. Und irgendwann glauben sie das auch selber.
Nun, in einer solchen schrecklichen Lage ständiger Ablehnung ist Bettnässen/Einnässen/Einkoten wohl keine Überraschung

2) ADHSler haben eine sensorische Reizfilterschwäche. Sie bekommen ALLES gleichzeitig mit. Jeder neue Reiz fesselt sie sofort. Unsensible Pädagogen erleben den ADHSler als ablenkbar und unaufmerksam, da ein Schüler z.B. fasziniert den neuen bunten Aufkleber am Toni seines Freundes betrachtet und dabei gar nicht merkt, dass der Unterricht weiter geht.
UNd genauso geht es uns ADHSler mit Fühlen!! Je nach dem, was und gerade fesselt, können sensorische Informationen nicht verarbeitet werden, z.B. Füllstandsmeldungen von der Blase oder vom Darm.
Aber auch extremere Sitationen. Ich habe unzählige Narben von Verletzungen, die ich gar nicht gespührt habe. Und am nächsten Tag tut mir das T-Shirt auf der Haut weh. Reizfilterschwäche eben...

Okay, das haben wir geklärt, denke ich. Wenn du noch mehr wissen willst, frag einfach. Ich bin nicht nur selber ADHSler mit HB, ich habe auch eine Kindheit als Inkontinenter überlebt. Und heute beschäftige ich mich im Rahmen meiner Dissertation (unter anderem) mit den Neurophysiologischen Hintergründen von ADHS/HB.
Darüber hinaus gehe ich in die Schulen um den Lehrern endlich mal zu verklickern, dass es KEINE Lösung ist, in jedem Jungen direkt einen ADHSler zu sehen, und selbst wenn es so ist, nicht direkt die Verabreichung von starken Psychopharmaka zu verlangen!
Übrigens: Wenn ein Kind eine HB durch ADHS hat, so verschwindet auch die Hochbegabung unter der gabe von Stimulanzien.
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Beitrag #4 von Chris00 » 15 Jul 2006 15:33


Chris00 hat geschrieben:ich bin selbst ADHSler (8) mit HB (145) - bin aber aus einem ganz anderen Grund inkontinent (ich bin ohne Blase gebohren worden).


Das sollte heissen:

ich bin selbst ADHSler ( 8 ) mit HB ( 145 ) - bin aber aus einem ganz anderen Grund inkontinent (ich bin ohne Blase gebohren worden).


Kein COOL-Smiley...
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Beitrag #5 von Helmut » 18 Jul 2006 00:11


Hallo Chris,

danke dir für deinen interessanten Artikel. Ich selber habe nicht viel Ahnung von ADHS und würde gerne mehr über die genaueren Zusammenhänge zwischen ADHS und Inkontinenz bzw. Enuresis, Enkopresis erfahren, um unsere Themenseiten etwas erweitern zun können.

Gruß Helmut
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