ab welchem alter muss man was tun?

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

Moderator: Helmut

ab welchem alter muss man was tun?

Beitrag #1 von SimoneL » 30 Aug 2006 21:19


Hallo, ich bin gerade auf eure seite gestoßen.

wenn ihr von den problemen berichtet, dann geht es um euch selbst oder um eure kinder, die alle älter sind als meine tochter. sie ist 4 1/2 doch wenn ich das hier alles lese, die verhaltensweisen der 6-jährigen zb, dann schwant mir, dass uns das auch blüht. ja, sie ist noch klein und vielleicht regelt sich das auch noch von selbst. ich glaub bloß nicht daran. wann sie tagsüber in die hose macht (nachts windel) hat überhaupt keine regelmäßigkeit. lang im kiga, kurz im kiga, viel aufmerksamkeit, keine aufmerksamkeit, freunde da, alleine spielen, gut drauf, schlecht drauf. ich weiß es nicht.

wir kämpfen uns gerade durch die formalitäten einer einrichtung in fürstenfeldbruck, die sich kinderhilfe nennt und sowohl psychologische als auch medizinische hilfe anbietet. denen kann man allerdings, mit verlaub, die schuhe im gehen besohlen, so langsam sind die da. der plan lautet, eine psychomotorische spielgruppe zu besuchen und gleichzeitig mal psychologisch zu gucken wie sie tickt.

ich glaube, so wie ich meine tochter kenne, dass ich ihr mit schimpfen (ich versuche es zu vermeiden und cool zu bleiben) unrecht tue, denn sie merkt es glaub ich wirklich nicht.

ist denn eurer meinung nach der ganze zinober, den ich hier vernatalte, viel zu früh? sie war mit 2 1/2 trocken und fing nach drei monaten oder vier wieder an. das war vor fast 2 jahren. wir haben täglich mal 1 mal 5 nasse hosen. im kindergarten gehts meistens, zu hause ist es schlimmer. ich habe, nahc allem was ich bei euch so gelesen hab, das gefühl, wir steuern auf ein längerfristiges problem hin und ich auf ein "ach-das-ist-nur-so-eine-phase-bei-kleineren-kindern"-ding. kann man denn so früh schon irgendwas feststellen? habt ihr tipps für den raum münchen, wo ich hingehen könnte, falls ich jetzt schon irgnedwie irgendwo hingehen soll?

ihr habt teilweise geschrieben, dass ihr zu spät dran wart damit, zum arzt zu gehen oder bestimmte sachen abklären zu lassen und dass euer leben und das euer kinder viel zu lange so war wie es nicht hätte sein müssen.

ich würde mich wirklich auf antwort freuen,

eure simone
Benutzeravatar
SimoneL
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 2
Alter: 49
Registriert: 30 Aug 2006 21:05
Wohnort: b. München
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: noch nicht klar

Beitrag #2 von Werner Holmans » 01 Sep 2006 00:00


Hallo,
wenn deine Tochter im Kindergarten fast trocken ist, wirst du die Ursache für das Einnässen sicherlich bald finden. Was läuft im Kindergarten anders, als bei dir? Sprech mit den Erziehern oder verbringe mal einen Tag im Kindergarten und beobachte dein Kind und die Arbeitsweise der Erzieher. Einen Kinderarzt und einen Kinderpsychologen könntest du auch befragen. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die im Umgang mit einem Kind verändert werden müssen und alles läuft wieder ohne Probleme.
Werner
Benutzeravatar
Werner Holmans
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
 
Beiträge: 148
Registriert: 17 Okt 2003 14:58
Wohnort: Land Brandenburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harninkontinenz
Hilfsmittel: Pants und Schutzhose aus PVC oder PU

Beitrag #3 von SimoneL » 01 Sep 2006 09:33


hallo werner,

tja, was läuft im kindergarten anders? ein wichtiger punkt wird sein, dass die viel gelassener damit umgehen als ich. ob das der entscheidende punkt ist - ich weiß es nicht. immer sagt man mir, du musst ruhig bleiben, das wird schon, aber nach so langer zeit ist das nicht so einfach. wenn es einmal in der woche oder so wäre, wäre ich auch entspannter. aber es passiert täglich mehrere male.

mitte september fangen wir mit der spielgruppe und der pychologischen bestandsaufnahme an.
das problem ist das "wieder" ohne probleme zu sein. wenn ich ehrlich bin, war sie abgesehen von der ersten drei monaten mit 2 1/2 noch nie wirklich trocken, außer mal in diesem februar für vier wochen, an denen aber wirklich nichts besonders war und vor etwa einem jahr sogar für 6 wochen, ebenfalls ohne besonderen anlass außer unserem urlaub zwischendurch. sie war exakt 2 wochen davor, dann die beiden wochen im urlaub und die beiden wochen danach trocken (tags, von nachts spreche ich nich nicht, was auch nicht schlimm ist) und danach gings wieder los. warum, weiß keiner.

ratlose grüße,
s.
Benutzeravatar
SimoneL
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 2
Alter: 49
Registriert: 30 Aug 2006 21:05
Wohnort: b. München
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: noch nicht klar

Beitrag #4 von Werner Holmans » 02 Sep 2006 23:41


Hallo,
ich denke noch immer, dass du in den Kindergarten gehen solltest, wenn es möglich ist und dort die Arbeit mit deinem Kind beobachten (ohne eingreifen). Versuche auch die ganze Situation aus der Sicht des Kindes zu sehen. Was für dich kein Problem im Umgang mit dem Kind ist oder war, ist aus der Sicht des Kindes vielleicht ein ganz großes Problem. Ein Psychologe kann dir dabei sicherlich helfen.
Werner
Benutzeravatar
Werner Holmans
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
Ultraautor (min. 125 Beiträge)
 
Beiträge: 148
Registriert: 17 Okt 2003 14:58
Wohnort: Land Brandenburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harninkontinenz
Hilfsmittel: Pants und Schutzhose aus PVC oder PU

Beitrag #5 von frosch » 03 Sep 2006 13:30


Hallo Simone!
Den Einsatz für das doch leider immer noch recht tabuisierte Thema Bettnässen beobachte ich hier als Mitglied seit Jahren und meine, dass diese Gruppe einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, Betroffenen und Angehörigen allmählich die Scham und Scheu gegenüber dieser Krankheit zu nehmen.
Als Selbstbetroffener habe ich auch lange gebraucht, den Weg aus der Isolation zu finden. Damit gerade bei den jüngeren Betroffenen keine vermeidbaren ergänzenden Störungen Störungen durch das Bettnässens auftreten, möchte ich Dir hier meine Geschichte erzählen und bemühe mich objektiv die verschiedenen Problemstellungen und Sichtweisen zu beleuchten. Ich wünsche mir, dass dieser Bericht hilfreich für andere Eltern, Betroffene, Angehörige und vielleicht auch Fachleute sein wird.
Heute bin ich 37 Jahre alt, und ich hätte mir gewünscht schon als Kind viel selbstbewußter mit dem Einnässen umgegangen zu sein.
Mein Leben begann sechs Wochen zu früh, so dass ich die ersten drei Lebenswochen im Brutkasten verbrachte. Ende der sechziger Jahre war man leider noch nicht so weit, dass man der Mutter in dieser Zeit den körperlichen Kontakt zum Kind erlaubte. Ohnehin war sie schon lange wieder zu Hause, während ich noch in der Klinik blieb. Nachdem sich mein Entwicklungsstand dem anderer Neugeborener angeglichen hatte, konnte ich nach Hause.
Mit drei Jahren kam der nächste Einschnitt. Meine leiblichen Eltern trennten sich und ich kam zu Pflegeeltern, die mich nach langem Hin- und Her adoptierten. Ab dem Alter von 5 begannen meine späteren Adoptiveltern sich Gedanken über mein Einnässen zu machen und konsultierten den Kinderarzt. Nachts war ich permanent nass und tagsüber passierte es ungefähr zweimal die Woche, meistens beim Spielen. Der Arzt verschrieb eine Klingelhose, die ich nachts tragen sollte. Es waren Schlüpfer in die Kontaktlätzchen eingenäht wurden, die beim Auftreffen von Feuchtigkeit einen Alarmsensor, der an einem Schultergurt befestigt war, aktivierten. Das schrille Geräusch werde ich nie vergessen. Als ich davon richtig wach wurde, war das Bett meist schon nass. Ich ging dann, nachdem meine Eltern den Alarm abstellten, ins Bad, sollte die Blase restentleeren und einen neuen vorbereiteten Schlüpfer anziehen. Meine Eltern führten über die Alarme ein Buch zur späteren Auswertung durch den Arzt.
Ich glaube das Procedere hielt ein halbes Jahr an. Auch wenn ich solche Hoffnungen daran setzte, es wurde nicht besser. Allmählich entwickelten sich bei mir Schuldgefühle, für das was da passierte. Ich wollte doch meinen Adoptiveltern alles recht machen. Ich wurde doch schon einmal weggegeben und wie überaus wichtiger war da doch nun eine uneingeschränkte Anerkennung. Doch ins Bett zu machen, das war wohl eben nicht lieb und das merkte ich. Dann als Erstkläßler begann eine medikamentöse Therapie mit Tofranil, einem trizyklischen Antidepressivum, welches in der Nebenwirkung harnverhaltend wirkt und wohl auch einen Einfluß auf die Schlaftiefe hat, so dass es gegen Enuresis eingestezt wurde und vielleicht sogar noch heute wird. Tatsächlich hat das Medikament mir damals zu zumindest jeder zweiten trockenen Nacht verholfen.
Natürlich würde ich mit meinem heutigen Wissensstand niemals zulassen, dass mein Kind in dem Alter Psychopharmaka verschrieben bekäme, doch ich glaube auch gerade für die Eltern entsteht ein Zeit- und Leistungsdruck das Kind trocken zu kriegen. Eltern sind bestimmt genauso hilflos wie das betroffene Kind. Sie werden von Zweifeln geplagt, ob sie denn möglicherweise eklatante Erziehungsfehler zu verantworten hätten und stehen natürlich bezüglich der Entwicklung gleichaltriger Kinder von anderen in einem gewissen Wettbewerb.
Permanente Schmerzen im Mittelbauch machten mich ab Sieben Jahren zu einem häufigen Gast beim Arzt, bis dann endlich der Grund, nämlich eine Nieren-Abgangs-Stenose diagnostiziert wurde. Mit der bevorstehenden Opration hatten wir alle neue Hoffnung geschöpft, dass durch die Korrektur nun auch das Bettnässen geheilt werden könnte. Das Ergebnis nach der OP war ein weiterhin nasses Bett und nach den Folgeuntersuchungen die Erkenntnis, dass noch eine zweite Operation wegen eines Harnrückflußes von der Blase zur Niere zurück notwendig würde. Diese fand zwei Jahre später statt und es gab von allen Seiten nur diesen Wunsch, dass alles gut werden würde. Ein unerfüllter Wunsch jedoch.
Mit meinen damaligen zehn Jahren, begann ganz schleichend meine Isolation: Übernachtungen bei anderen Schulkameraden waren nicht möglich, Hänseleien begannen von Spielkameraden, wenn auch tagsüber mal was daneben ging und trotz Gummiunterlagen und ständigem Wechsel der Bettwäsche roch mein Kinderzimmer nach Bettnässen. Immer mehr wollte ich das Thema verheimlichen und vertuschen. Vor allen. - Auch vor meinen Eltern. Der Weg ging in Richtung Heimlichkeit und Lügen. Wäsche verstecken, Bettzeug verstecken usw.
Hier begann ein Bruch der Vertrauensbeziehung. Für meine Eltern nicht nachvollziehbar, aber für mich wurde das Stehen zum Einnässen mehr und mehr zu einer Selbstentwertung. Also konnte ich und wollte ich es nicht mehr. Dann lieber so tun als wäre alles o.k.
Es gab dann mit elf noch einen erneuten Versuch mit der Klingelhose und einer Trinkmengenreduzierung am Abend. Ich erinnere mich, dass ich eine ganz große Angst vor dem Aufschrecken aus dem Schlaf beim Alarm hatte, denn ich kannte diese Therapieform ja schon aus der Vergangenheit. Es war für mich so, als wüßte ich dass was Schlimmes passiert, aber eben nicht wann. Ich muss zugeben, ich habe die Klingelhose nur noch halbherzig benutzt und vielleicht konnte es daher auch keinen auch noch so kleinen Erfolg geben.
Nachdem wir sogar noch einen Heilpraktiker mit Akupunktur aufsuchten, der alles ins Lot bringen sollte und es so naß war wie vorher. resignierten meine Eltern wie ich auch und ich musste beginnen Windeln zu tragen. Auf der einen Seite eine echte Hilfe, um das Thema aus dem Mittelpunkt zu ziehen, da die Verschmutzung des Bettes nicht mehr stattfand, jedoch eine weitere Selbstentwertung. Mit 12 Jahren war ich auf dem Gymnasium, auf dem Weg ein Großer zu werden, doch abends, da sollte wieder alles ganz klein sein, so kam es mir jedenfalls vor. Heute weiß ich, dass es nur an der Tabuisierung lag. Ich konnte nicht sagen, dass es für mich eine derzeitige Notwendigkeit und ein Hilfsmittel war, nein ich betrachtete es als Schande.
Und niemand sollte was davon erfahren. Alleine schon das Einkaufen, das Reintragen in die Wohnung, alles war von Angst und Scham begleitet.
Für Klassenfahrten musste ich mich entschuldigen lassen, Ferienfreizeiten usw. - Alles fehlte.
Das hat meinen ohnehin nicht großen Selbstwert weiter belastet. Ich fühlte mich mehr und mehr als Außenseiter und eben einer, der ja selber schuld hat.
Ich musste irgendwie immer auf der Hut sein, dass es bloß keinem auffällt.
Unterstützt durch die Pupertät begann ein entwürdigender Teufelskreis, der sich immer schneller drehen sollte.
Liebe Simone, auch in Deinem Beruf als Redakteurin, liebe andere Eltern, liebe Betroffene, liebe Journalisten und Fachleute. Bitte Bitte helft mit, dass es anderen nicht auch so ergehen muss. Laßt nicht zu, dass eine doch relativ belanglose Störung den Selbstwert eines Menschen so zu zerstören vermag.
Heute gibt es neuartige Medikamente, die auf den Wasserhaushalt wirken, es gibt verschiedene Ansatzpunkte in der homöopathischen Behandlung, es gibt Klingelapparate, die nicht mehr so umständlich zu bedienen sind und es gibt Hilfsmittel, die unauffällig einzuseten sind. Darüberhinaus verschwindet bei einem Großteil das Problem ganz von alleine. Man hat Zusammenhänge in der Vererbung gefunden. Und es gibt die Möglichkeit das Thema zu enttabuisieren, indem drüber gesprochen wird. Offen und ehrlich unter Berücksichtigung der Ängste und Nöte der Eltern und eben auch der Kinder. Und vielleicht muss man auch einfach akzeptieren, dass es auch Menschen gibt, die von dem Problem lebenslang zumindest zeitweilig begleitet sind.
Ich habe lange lange gebraucht all das, was mir die oft vermeidbaren Schwierigkeiten mit dem Bettnässen genommen heben, wieder aufzubauen. Ja es passiert mir auch heute noch ab und zu, aber ich bin deshalb kein schlechterer Mensch. Und ich bin auch keinem böse dafür, was ich durchmachen mußte, denn wir alle wußten es nicht besser. Arbeiten wir daran, dass sich das nun fortan ändert und wir den Leidensdruck der Bettnässer soweit wie irgendmöglich minimieren!
Hoffentlich machen viele viele Menschen mit!

Beste Grüße!

Euer René
Benutzeravatar
frosch
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 266
Registriert: 26 Apr 2003 14:55
Wohnort: oben am Kompass
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: adulte Enuresis
Hilfsmittel: saugend


Zurück zu Inkokids - Das Elternforum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 3 Gäste

cron