Naive Frage

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

Moderator: Helmut

Naive Frage

Beitrag #1 von Moni23 » 30 Sep 2006 17:48


Hallo,

ich bin neu indiesem Forum, - Halleluja. dass es sowas gibt.

Mein Sohn ist 10 Jahre, war noch nie trocken. Wir haben alles durch - wie viele andere auch. Nachdem wir letztes Jahr endlich an die richtige Adresse - Haunersche Kinderklinik in München - kamen, wurde diagnostiziert, dass das Blasenvolumen zu klein ist und er eine hyperaktive Blase hat. Er bekommt z.Zt. detrusitol, macht Beckenbodenübungen und müsste regelmäßig über den Tag verteilt trinken.

Das ist das eine Problem: ER TUT ES NICHT VON ALLEIN. In der Schule trinkt er so gut wie garnitchts. Ich meine, er gibt sich mittlerweile Mühe, aber mehr als 100 ml im Laufe eines Schultages werdens nicht.

Und. Lt Klink ist alles andere vergebliche Liebesmüh', wenn der Blasenmuskel nich tregelmäßig trainiert wird.


warum ich aber hier schreibe: Wie löst Ihr das Problem nachts? Bekommen Eure Kinder Windeln? Oder was sonst?

Mein Sohn ist zusätzlich noch Mischtyp AD(H)S - hat also ein göriges Pächcken mitbekommen. Um sein Selbstwertgefühl nicht ganz zu zerstören, bekommt er keine Windeln. Wir haben so eine Art "Zwischenlösung": Undurchlässiges Bettuch, darauf eine undurchlässige Unterlage und ein Handtuch, in das er eingewickelt wird. Ihr könnt Euch die Wäschmengen vorstellen, schätze ich.

´Das ist natürlich im Urlaub, bei der Oma,... ein Problem.

Bin also für jeden Tip dankbar.

Lliebe Grüße

Moni
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Beitrag #2 von Chris00 » 30 Sep 2006 18:28


Hallo,

ich bin selber ADHSler, also auch (sehr) Hyperaktiv und meine Aufmerksamkeit ist auch etwas sprunghaft.

So wie es SUBJEKTIV für mich klingt, hat dein Sohn ja eigentlich nur eine Besonderheit - und das ist das ADHS. Dass es in diesem Kontext auch zu einer Hyperaktivität des Detrusors (das ist der Muskelkomplex, der die Blase zusammenzieht damit sie sich leert) kommen KANN, ist weder neu noch verwunderlich. Etwas scherzhaft könnte man sagen, auch die Blase "zappelt".

Unter diesen Voraussetzungen, ist es für einen Jungen nahezu unmöglich die willentliche Beherrschung des Sphinkters (der Schließmuskel) zu erlernen. In dieser Folge kann sich auch die Blase nicht ausdehnen (keine Notwendigkeit, wird ja eh' ständig geleert) wodurch sie natürlich schnell voll ist, was dann den hyperaktiven Detrusor dazu veranlasst, die Blase zu entleeren, usw... Du siehst den Kreislauf?

Natürlich kann auch der Sphinkter der Hyperaktivität unterworfen sein. Also ab und zu "zappelt" auch der und lässt Urin aus der Blase.

Soweit die Theorie...

ADHSler haben die meisten Probleme mit der Reaktion ihrer Umwelt. Wie du ABSOLUT RICHTIG bemerkt hast, ist es wichtig, das Selbstwertgefühl dieser besonderen Kindern nicht unter die Räder kommen zu lassen. Wenn man diesen Kindern ein paar mal zu oft sagt, sie seien "krank" oder schlimmer "behindert" (ja, Lehrer sagen sowas zu ADHSlern) oder sie seien "dumm", "faul", bekommen ja eh nix mit... also wenn man so was zu den Dindern sagt, dann glauben die das irgendwann selber. Echte Depressionen und suizidale Tendenzen sind bei ADHSlern (gerade bei Jungs) schon in sehr frühem alter möglich (Literaturzitat? habe ich da, aber ist in einer kommerziellen Fachzeitschrift. Wen's interessiert, Mail an mich).

Bei mir kam eine echte Fehlbildung der Blase noch hinzu. Und meine Eltern waren derart verklemmt, dass sie mich lieber geschlagen haben, wenn die Hose nass war (Stichwort "faul") und mir KEINE Windeln gegeben haben. So was braucht IHR großer Junge ja nicht.

Ich durfte NICHTS, nichts raus, nicht schwimmen, nicht bei Freunden übernachten, nicht ins Kino, nicht auf den Spielplatz... Man sieht ein Schema. Ich durfte das eigene Gelände nicht verlassen, um meiner Familie keine Schande zu bereiten.

Hmm... Ich habe mir Windeln gewünscht. Ich kann gar nicht sagen wie sehr. So sehr, dass ich mir mit 9 Jahren von meinem Taschengeld Babywindeln gekauft habe - ich weiß, bescheuerte Idee - war eine reine Verzweiflungstat.

Das ist KEINE Aufforderung, solchen Kindern AUTOMATISCH Windeln zu verpassen. Automatismen haben in einer Erziehung nichts zu suchen (das trifft Windeln genauso wie Ritalin und co. Generell DARF man nichts anwenden).

Du musst mit deinem Jungen sprechen. Wenn er so, wie es im Moment läuft, glücklich ist, dann ändere nichts. Aber ich würde die Möglichkeit von Windeln zumindest ansprechen. Es kann ihm eine Menge "inneren Druck" nehmen. Hier im Forum gibt es eine Mutter, die ihrem Kind nach Gesprächen mit anderen hier wieder Windeln gegeben hat. Die Verbesserung war dramatisch. Der Junge ist regelrecht aufgeblüht. Sogar seine Schulleistungen haben sich verbessert und seine Kindertherapeutin sprach von "einem total anderen Jungen, aber einen fröhlichen". Der Junge ist auch ADHSler. Er war sehr glücklich über die Lösung.

ABER: Das MUSS die Entscheidung des Jungen sein.

Wenn dann der Stress und der Druck abklingen, können Therapien (medikatöse oder Verhaltenstherapien) viel besser greifen.

Ich war früher 7000%iger Ritalin-Gegner. Ich habe heute die Meinung, dass es ÜBERGANGSWEISE sinnvoll sein kann, um überhaupt eine Basis für einen Therapiebeginn zu schaffen - um das schlimmste Chaos zu bewältigen. Man kann zu einer ähnlichen Einschätzung für die Anwendungn von Windeln kommen.

PS: Ich trage seit Mitte meines 9. Lebensjahres wieder jeden Tag Windeln. Eine aufmerksame Grundschullehrerin hat mich zu einem Vertrauensarzt bestellt. Er hat das ADHS (hieß damals noch HKS, POS oder MCD), eine Hochbegabung und Inkontinenz (durch verschlepptes falsches Training meiner Eltern bei vorhandener Fehlbildung der Blase). Für mich PERSÖNLICH war das die Rettung. Mein Leben find erst danach an.

Alles hier ist meine persönliche Meinung. Ich habe in vielen Gesprächen schon festegestellt, dass es hier im Forum Leute mit ABSOLUT DIAMITRALER Meinung gibt (soll heißen: Ritalin ist toll und Windeln was schlechtes). Die werden sich hier auch noch melden. Letztendlich muss dein Sohn für sich diese Entscheidung treffen. Du kannst ihm nur alle Argumente verständlich machen.
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