Mein Sohn hat sich "geoutet"

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

Moderator: Helmut

Mein Sohn hat sich "geoutet"

Beitrag #1 von mama123 » 27 Nov 2007 20:29


Hallo,
ich möchte hier etwas berichten, was vielleicht anderen Eltern mit inkontinenten Kindern Mut machen kann.
Mein Sohn (10 Jahre, 4. Klasse normale Grundschule) ist aufgrund einer seltenen Rückenmarkserkrankung inkontinent. Seit einigen Jahren machen wir jeden Abend eine Irrigation durch, damit in der Schule kein "großer Unfall" passiert. Zur Sicherheit trägt er tagsüber Pants, nachts normale Windeln. Er kommt damit gut zurecht, es hat bis jetzt in der Schule keiner gemerkt (an Sporttagen hat er Jogginganzug an, ist also schon fertig angezogen)

Vor einigen Wochen nun, hat er zu mir gesagt, dass er am überlegen ist, es der Klasse zu sagen. Ich habe mit der Lehrerin gesprochen, die mir zugesichert hat, dass sie ihn vollkommen unterstützt, wenn er es sagen will (unterbricht jederzeit ihren Unterricht usw.) Sie sagte mir auch, dass sie wenig Bedenken hat, da es eine sehr sozial eingestellte Klasse ist.
In den Allerheiligenferien nun hat sich mein Sohn aufgeschrieben, was er sagen will und vor zwei Wochen hat er es getan. Die Lehrerin hat die Klasse in den Stuhlkreis geholt und mein Sohn hat seinen Zettel vorgelesen. Es kam keine einzige dumme Bemerkung, die Kinder haben viele gut Fragen gestellt (unter anderem wie das mit der Irrigation funktioniert). Viele Kinder haben gesagt, dass sie nicht den Mut gehabt hätte, diesen Schritt zu tun.
Mein Sohn kam überglücklich nach Hause. Am Nachmittag hat mich dann die Lehrerin noch angerufen und mir erzählt, wie sie es erlebt hat. Sie hat es als eine "Sternstunde" in ihrem Lehrerdasein (und sie ist schon über 20 Jahre Lehrerin) bezeichnet. Es muss eine ganz tolle Atmosphäre in der Klasse gewesen sein

Ich möchte mit diesem Bericht wirklich Mut machen, dass man auch mit Inkontinenz als Kind leben kann. Natürlich ist es nicht einfach und mein Sohn wird sicher noch viele dumme und verletzende Bemerkunge zu hören bekommen. Nächstes Jahr steht ein Schulwechsel an, da wird die Situation wieder eine andere sein. Aber er hat nun eine gute Erfahrung damit gemacht und das baut auf. Ich merke es total im Alltag, welches Selbstbewusstsein er in den letzten zwei Wochen entwickelt hat. Es hat ihn in allem weitergebracht. Und ich denke, dass er mit diesen posititven Erlebnissen soviel Kraft aufbaut, dann auch mit den negativen Erlebnissen fertig zu werden.

Liebe Grüße von einer total stolzen Mama

Dagmar
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mama123
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Beitrag #2 von papa0861 » 27 Nov 2007 20:33


hallo mama123.

da kann man nur sagen:

"mut hat auch der mamuluk"

toll, was dein sohn da geleistet hat.

lg
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #3 von Die_Steffi » 28 Nov 2007 06:47


Drück Deinen Sohn ganz lieb von uns und ALLE ACHTUNG!!!!!
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Beitrag #4 von Helmut » 28 Nov 2007 12:11


Hallo Dagmar,

ich finde es toll, dass dein Sohn diesen Schritt getan hat. Er hat damit die "Flucht nach vorne" angetreten und somit den anderen in der Klasse die Grundlage für "Getuschel" entzogen. Dass er seinen Klassenkameraden seine Situation erklärt hat, dazu gehört schon etwas Mut. Es kann dadurch bestimmt auch dazu kommen, dass sich noch weitere Schüler aus seiner Klasse "Outen" wenn sie auch Inkontinent oder Bettnässer sind. Sicherlich wird er früher oder später auch einmal negative Erfahrungen in Bezug auf die Inkontinenz machen, davor ist keiner von uns geschützt. Solche negativen Erfahrungen sind aber auch für das Selbstbewusstsein wichtig, damit man sich besser Einschätzen lernt und selbstsicherer damit umgehen kann.

Warum er jetzt den Schritt getan hat, da kann ich nur eine Vermutung aussprechen. Vermutlich hängt es damit zusammen wenn er jetzt die Irrigation ganz alleine macht, hat er für sich den Erfolg der Irrigation selber in der Hand, sprich wenn er dabei "schlampt", dann wird diese kleine Sünde meistens sofort bestraft und alles geht in die Hose bzw. Windel. Ich denke, er hat die Inkontinenz für sich inzwischen akzeptiert und sucht nun nach Möglichkeiten, das Beste daraus zu machen.

Lasse ihm die Freiheit bei der Irrigation, auch einmal Experimentierfreudig zu sein und andere Techniken, sprich andere Wassermengen, andere Temperaturen und mehr oder weniger Spülzyklen zu probieren. Zeige ihm auch die Möglichkeit auf, außer der Irrigation auch mit Einmalklistieren (Mikroklist) oder Abführzäpfchen (Dulcolax) eine Darmentleerung zu erzielen wenn die Zeit für eine Irrigation nicht reicht oder er die Pumpe nicht mitnehmen kann falls er mal Auswärts Übernachten will. Auch hierbei sollte er Erfahrungen sammeln wie lange so eine Technik der Darmentleerung vorhält, damit er sicher ohne "Unfall" durch den Tag oder die Nacht kommt.

Frage mal deinen Sohn, ob er nicht vielleicht seine Erfahrungen mit der Inkontinenz im Alltag in einem Tagebuch aufschreiben will, hier kann er auch über die Monate und Jahre hinweg sehen, wie sich seine Situation verändert und wie er darauf reagiert hat.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Toll

Beitrag #5 von black » 29 Nov 2007 09:22


Hallo Dagmar,


also ich finde es ganz toll, was Dein Sohn hier geschafft hast und freue mich daß Du ihn so toll dabei unterstützt. Das hilft ihm damit so selbstbewußt umzugehen!

Ich habe diese Forum jetzt ganz neu entdeckt und hoffe mich hier auszutauschen zu können.

Ich habe auch einen 8jährigen Sohn David, der leider nachts noch nie trocken war. Alle Versuche was zu unternehmen sind bislang gescheitert. Er trägt auch noch Windeln, für ihn ist das zuhause iO, aber vor Fremden und Freunden schämt er sich total. Ich werde ihm mal von Euch erzählen. Welche Windeln trägt Dein Sohn, wir nehmen noch klassische meistens von DM, aber die werden langsam knapp. Kann Dein Sohn das schon selbst machen? Bei uns klappt das gar nicht, sie sitzen dann so locker, ich muß das noch selbst machen.

Freue mich über eine Antwort, viele liebe Grüße

Bea Black
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Beitrag #6 von mama123 » 29 Nov 2007 18:27


Hallo Bea,
also die Windeln von DM passen meinem Sohn schon eine ganze Weile nicht mehr. Er hat Erwachsenenwindeln in der kleinsten Größe. Wir bekommen die Windeln auf Rezept (wir haben ein Dauerrezept), das schicken wir an den Windelhersteller (Firma Abena, mit denen hat unsere KK einen Kooperationsvertrag). Diese rechnen direkt mit der KK ab. Wenn ich neue Windeln brauche, rufe ich bei der Firma an und spätestens zwei Tage später bringt der Paktedienst die Windeln. Das ist echt praktisch.
Musst du die Windeln selbst bezahlen oder geht es über die KK?

Mein Sohn kann sich mittlerweile seine Windeln schon ganz gut selbst anziehen. Ich muss zwar ab und zu noch mal mithelfen, vor allem wenn er es eilig hat, aber meistens klappt es ganz gut.

Habt ihr denn eine Diagnose, weshalb das bei deinem Sohn mit dem Trocken werden nicht klappt?

Ich freue mich, bald wieder von dir zu hören.

Liebe Grüße

Dagmar
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Beitrag #7 von black » 30 Nov 2007 13:18


Hallo Dagmar,


vielen Dank für Deine schnelle Rückmeldung!

Leider kennen wir keinen Grund für David's Einpinkeln. Nachts war er praktisch noch nie trocken, er wurde auch recht spät sauber - kleine Unfälle gibt es hin und wieder auch heute noch tagsüber. Mein KiA hat mich insoweit auch immer beruhigt und gesagt, dass manche Kinder einfach länger brauchen. Wir hatten vor einem Jahr mal so eine Klingelhose ausprobiert, das war aber ein Reinfall - es wurden davon alle wach nur er nicht. Nachts wecken bzw. schlafendes Kind aufs Klo bringen - mit nassem Bett am Morgen - war auch nicht wirklich hilfreich. Hormone möchte ich eigentlich nicht geben.

Die Windeln kaufen wir selbst, der Arzt meinte das im Rahmen der Kosteneinsparungen keine Windeln von den Kassen bezahlt werden. Wie habt ihr das hinbekommen? David ist zwar recht klein, aber die von DM mittlerweile doch sehr eng. Sie laufen auch immer öfter aus. Wie zufrieden seid ihr mit denen von Abena? Sind den Erwachsenenwindeln nicht zu groß? Toll daß Dein Sohn sie schon selbst anziehen kann, David hat es selbst probiert, er schafft das noch nicht, sie hängen schief an ihm rum :-)

Wie geht denn Dein Sohn insgesamt mit dem Thema Windeln um? Für David ist das zwar eine Lösung, aber schon die Großeltern erst recht Freunde dürfen das nicht wissen.

Vielen Dank für Deine Hilfe, es tut gut zu merken, ich bin nicht allein. Auch ich gebe zu, daß mir das Thema nach aussen ein bisschen peinlich ist :-)

Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende

Bea
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Beitrag #8 von mama123 » 30 Nov 2007 18:43


Hallo,
wir hatten überhaupt keine Probleme das bei der Kasse durchzubekommen. Als die endgültige Diagnose vor ca. 3,5 Jahren bekommen haben und klar war, dass sich an der Inkontinenz nichts ändern wird, hat mein Arzt ein Attest für die Krankenkasse geschrieben. Wir haben beantragt, dass die KK angsichts der Diagnose die Kosten für die Windeln übernimmt. Das hat die Kasse ohne Probleme genehmigt. Solange sie noch gepasst haben, hatten wir auch die Windeln von DM. Ich habe dann alle drei Monate die Quittungen an die Kasse geschickt und sie haben mir dann das Geld überwiesen (das macht allerdings nicht jede Kasse) Als die DM-Windeln dann nicht mehr passten, habe ich mir von verschiedenen Herstellern Proben der kleinsten Erwachsenen-windel schicken lassen. Mit den Abena-Windeln sind wir wirklich super zufrieden und vor allem die Abwicklung mit der Kasse ist eben super. Bei uns genehmigt die KK immer für ein Jahr die Windeln (ich habe im Juli eine neue Dauerverordnung zu Abena geschickt und die haben das mit der Kasse geregelt, die Genehmigung gilt bis nächstes Jahr im Sommer)

Mein Sohn geht mit dem Thema Windeln eigentlich ganz gut um. Im der Verwandschaft ist es es sowieso bekannt und in der Klasse hat es es ja eben vor kurzem allen gesagt. Es war für ihn eine große Erleichterung das loszuwerden, denn so weiß jeder was los ist und es kommt nicht zu dummen Bemerkungen, weil es zufällig einer merkt.

Noch mal etwas zur Diagnose. Habt ihr denn schon mal eine Urodynamik machen lassen? Das ist zwar etwas unangenehmt für das Kind, aber sie gibt Aufschluss über die Funktion der Blase. Wenn ihr das noch nicht gemacht habt, würde ich es an eurer Stelle auf jeden Fall mal machen lassen.

Ich freue mich auch, hier mal wieder jemand neues zum austauschen getroffen zu haben.

Wenn du also noch mehr Fragen hast, dann kannst du sie gerne stellen.

Liebe Grüße

Dagmar
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Beitrag #9 von papa0861 » 01 Dez 2007 22:48


hallo black,

das liegt sicherlich an dem umstand, daß bei deinem kind "lediglich" ein nächtliches einnässen vorliegt.

somit braucht dein kind keine hilfsmittel, die ihm die teilnahme am gesellschaftlichen leben ermöglichen. das spielt sich ja bekanntlich nur außerhalb des schlafens ab.

ich finde diese regelung auch als total bescheuert. aber der gesetzgeber will es halt so.

daß die nächtliche einnässerei sich aber auch auf den geldbeutel der eltern auswirkt und diese somit am gesellschaftlichen leben nur noch schwer teilnehmen können, weil einfach das geld fehlt, sieht der gesetzgeber leider nicht. oder will es vielleicht auch nicht sehen.

anderes thema:

wie lange willst du den großeltern den zustand verheimlichen? dein kind hat keine läuse, flöhe oder krätze. es ist einfach nur bettnässer. also krank. und für diese art von krankheit braucht sich niemand zu schämen.

lg
jürgen
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Beitrag #10 von FelixMeyer » 08 Dez 2007 20:30


Wie ist das ? Ich gehe auf eine Sonderschule da wissen die anderen Kinder das ich Windeln trage. Wie ist das mit den Windel tragen an einer normalen Schule wissen da das auch die anderen. würde Ich sehr gerne wissen. Bis dann Felix.
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