8-jähriger und tagsüber einnässen

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

Moderator: Helmut

8-jähriger und tagsüber einnässen

Beitrag #1 von Tanita » 01 Nov 2009 20:55


Ein liebes Hallo an alle

Ich brauch mal einen Rat bezüglich meinem Sohn

Mein Sohn ist 8 Jahre alt, seit jeher Bettnässer, trägt daher nachts noch Windeln womit wir alle im Moment noch gut leben können. Selbstverständlich habe ich mein Kind untersuchen lassen wie es organisch aussieht, auch psychologische Betreuung hatte er. Sonne-Wolken-Kalender, Klingelhose haben wir hinter uns. Ursache des Bettnässens ist ein ADH-Mangel zusammen mit extrem tiefem Schlaf und einer noch zu kleinen Harnblase. Ich bin aber in Absprache mit dem Kinderurologen noch nicht bereit ihm Hormone zu geben. Weiters gibt es über ihn zu sagen er hat auf Verlustängste die meine Person betreffen (Scheidungskind und die unvorhersehbare monatelange Trennung von mir nach meinem Unfall als er noch klein war), in der Schule unterfordert, schläft nicht auswärts, nuckelt nachts noch am Daumen. Er ist ein sehr lebhaftes Kind, etwas hibbelig und ständig unter Strom, braucht viel Bewegung, leicht hyperaktiv, kein ADS bzw. ADHS und nur zu bändigen wenn er genug Bewegung hat. Kriegt keine Cola, kein Eistee, etc.

Tagsüber gehts leider auch noch ab und zu in die Hose beim spielen draussen, rennt in allerletzter Sekunde, eben oft zu spät auf Toilette. Dies belastet mich ebenfalls noch relativ wenig nur unser Problem ist folgendes: Luca ist in Situationen in denen er aufgeregt oder sehr angespannt ist oder sich über was sehr freut nicht in der Lage zu realisieren "ich muss Pipi machen" sondern erst wenns läuft, ist dann total erschrocken wenn die Hose plötzlich nass wird. In genau solchen Situationen passiert das dann bis zu 2x pro Stunde und auch eine recht grosse Menge. Einzige Möglichkeit ausser 10 Wechselhosen für 1 Tag sind an solchen Tagen eine Windel.
Heute machten wir einen Familienausflug, er hat sich riesig gefreut, schon am morgen zu Hause eine nasse Hose. War völlig aufgeregt, konnte keine Sekunde still sitzen.
Da ich solche Tage kenne achte ich drauf dass er stündlich aufs Klo geht, genauso heute, trotzdem hat er ständig zwischen drin noch Pipi gemacht.
Er realisiert es einfach nicht, habe den Eindruck das Signal "Blase voll" kommt im Kopf nicht an bzw. wird nicht umgewandelt.

Weiss jemand einen Tip, doch schon Hormone oder gibt es andere Tricks? Windeln mag er da nicht mehr so gerne anziehen, aber 10 Ersatzhosen sind auch unmöglich und ihm genauso unangenehm.

Vielen Dank und liebe Grüsse

Eure Tanja

PS von meiner Inko weiss mein Sohn noch nichts
Benutzeravatar
Tanita
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 16
Alter: 51
Registriert: 16 Sep 2004 13:37
Wohnort: Zürich
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz
Hilfsmittel: Windeln

Beitrag #2 von Helmut » 01 Nov 2009 23:16


Hallo Tanita,

so wie du schon selber erkannt hast, fehlt deinem Sohn vermutlich noch die richtige Wahrnehmung der Blase da ja alles Organisch in Ordnung zu sein scheint.

An deiner Stelle würde ich einmal einen sogenannten Urotherapeuten aufsuchen, dieser kann deinem Sohn dabei helfen, die Wahrnehmung für seine Blase zu verbessern. Leider habe ich jetzt keine Adresse von einem Urotherapeuten in der Schweiz, da müsstest du mal deinen Urologen fragen.

Dass er in diesem Alter keine Windeln mehr mag, das ist ja auch verständlich. Vielleicht wären aber Pants etwas, die werden wie normale Unterhosen angezogen.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
Benutzeravatar
Helmut
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2054
Bilder: 7
Alter: 56
Registriert: 01 Dez 2002 01:59
Wohnort: Augsburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R

Beitrag #3 von Tanita » 03 Nov 2009 21:39


Hallo Helmut

Ganz lieben Dank für deinen Rat, werd mir einen Termin bei einem Urotherapeuten holen. Ist eine gute Idee, hat mich noch keiner drauf gebracht :D
Benutzeravatar
Tanita
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 16
Alter: 51
Registriert: 16 Sep 2004 13:37
Wohnort: Zürich
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz
Hilfsmittel: Windeln

Beitrag #4 von Psycho » 04 Nov 2009 19:03


Hallo Tanja,
du schreibst: " Sonne-Wolken-Kalender, Klingelhose haben wir hinter uns. - auch psychologische Betreuung hatte " Ich verstehe diesen Satz nicht so ganz, warum immer "hatte"? Du kannst nicht erwarten, dass sofort eine Besserung eintritt. Konsequenz und viel Geduld sind hier gefragt. Es ist durchaus möglich, dass mit dem Kalender z.B. viele Monate gearbeitet werden muss. Welche Belohnung hat dein Sohn bekommen, wenn er mal trocken war und vielleicht eine Sonne auf dem Kalender hatte? Die Abrechnung sollte in dem Fall sofort erfolgen, dann wöchentlich und dann vielleicht die Fristen erst verlängern. Solche Fälle habe ich in meiner Praxis schon oft therapiert. Der Kontakt zum Psychologen sollte die gesamte Zeit bestehen bleiben. Er wirkt dann auch mit seinen Methoden auf das Kind ein.
Auch bei einer schulischen Unterforderung eines Kindes kann es zu solchen Problemen kommen. Diese Kinder setzen dann auch entsprechende Zeichen. Hier ist dann in Absprache mit Eltern, Schule und Schulpsychologe über die notwendige Förderung zu beraten. Das Kind muss in der Schule geistig ausgelastet werden.
Ein Urotherapeut ist sicherlich eine Möglichkeit, kann aber auch nur helfen, wenn die gesamte Familie sehr lange Konsequent an einem Strang zieht.
Viele wechselnden Therapien verderben auch den Brei und wirken oft entgegen.
Hab Geduld!
Viel Erfolg wünscht Psycho
Benutzeravatar
Psycho
Superautor (min. 50 Beiträge)
Superautor (min. 50 Beiträge)
 
Beiträge: 82
Registriert: 21 Jul 2008 14:39
Wohnort: Brandenburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Tröpfelinkontinenz
Hilfsmittel: Einlagen

Beitrag #5 von Tanita » 04 Nov 2009 20:46


Hallo Psycho

Habe nie erwartet dass SOFORT eine Besserung eintritt. Mir ist klar dass dies Zeit und Geduld sowie Konsequenz fordert.

Klingelhose habe ich 3 Monate durchgezogen, aufgwacht bin davon jede Nacht 2-3x einzig ich, mein Sohn schlief weiter. Ich musste ihn jeweils 5 Minuten wachrütteln, Folge waren Tränen, am morgen ein unausgeglichenes Kind, am Abend wieder Tränen und ich war tagsüber gerädert. Bin keine Hausfrau die tagsüber mal ausspannen kann sondern 100% berufstätig.

Wir haben auch mal kurz (2 Monate) Nachts die Windel weggelassen, muss aber zugeben ich hab da aufgegeben, ev. zu früh, weil ich nicht jeden Tag das komplette Bett waschen kann. Zudem finde ich es nicht wirklich gesund ein Kind die ganze Nacht in einem nassen Bett schlafen zu lassen. Aufgewacht ist er davon nicht, sondern erst morgens.

Sonne-Wolken-Kalender haben wir knapp 1 Jahr geführt, Nachts war er kein einziges mal trocken, tagsüber ganz wenige Tage. Es gab auch sofort eine Belohnung meist abends 1 Spiel spielen vor dem ins Bett gehen, weil er das sehr gerne macht. Mein Kind von nun an fast täglich gefrustet.

Psychologische Betreuung hatte er hauptsächlich wegen seinen Verlustängsten, nicht direkt wegem Einnässen, war aber schon auch ein Thema, vielleicht zu wenig, da könntest du ev. Recht haben.

Gegen die schulische Unterforderung gehen wir nun an, indem er zusätzlichen Lehrstoff kriegt und ev. 1 Klasse überspringen kann.

Lieben Gruss
Tanja
Benutzeravatar
Tanita
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 16
Alter: 51
Registriert: 16 Sep 2004 13:37
Wohnort: Zürich
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz
Hilfsmittel: Windeln

Beitrag #6 von Psycho » 05 Nov 2009 00:30


Hallo Tanja,
überspringen der ersten Klasse halte ich nicht für so gut, ist aber von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Ich habe diesbezüglich immer mit der 2. und besser 3. Klasse Erfolg gehabt. Dazu sollte das Kind aber noch durch andere Dinge ausgelastet werden. Ich denke dabei an die Musikschule, das Schachspiel, Mathematikförderung, Fremdsprachen usw. Der Sport sollte aber nicht vergessen werden. Gut geeignet sind besonders Karate oder ähnliche Sportarten, hier spielen besonders die Konzentration und Koordination eine Rolle.
Geh doch zuerst mit dem Jungen zum Schulpsychologen (ist in der Schule oder dem Schulamt) . Die Schulen wissen wo er zu finden ist. Hier können durch eine Diagnostik seine intellektuellen Voraussetzungen überprüft werden. Man kann dann gut erkennen in welche Alterstufe das Kind gehört und was für das Kind richtig ist und wie er motiviert werden kann.
Viel Erfolg wünscht Psycho
Benutzeravatar
Psycho
Superautor (min. 50 Beiträge)
Superautor (min. 50 Beiträge)
 
Beiträge: 82
Registriert: 21 Jul 2008 14:39
Wohnort: Brandenburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Tröpfelinkontinenz
Hilfsmittel: Einlagen

Beitrag #7 von Tanita » 05 Nov 2009 22:45


Mein Sohn geht bereits in die 2. Klasse, meinte 1 Klasse überspringen (nicht die 1. Klasse). Schulpsychologin hat ihn abgeklärt diesbezüglich und wir schauen nun was weiter geht.

Ev. Sport wie Karate oder ähnliches, ja das möchte er schon gerne, ich war da immer ein wenig dagegen, muss ich zugeben weil eben kämpfen.

Sprachen spricht er ohnehin Deutsch und Englisch (aus familiären Gründen), über weitere Förderungen sind wir im Gespräch für denn ev. Klassenwechsel.

Zuviel möchte ich ihm auch nicht zumuten, soll auch noch Kind sein dürfen.

Ich danke dir für deine Ratschläge
Benutzeravatar
Tanita
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 16
Alter: 51
Registriert: 16 Sep 2004 13:37
Wohnort: Zürich
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz
Hilfsmittel: Windeln

Beitrag #8 von Psycho » 06 Nov 2009 19:40


Hallo Tanja,
Karate wird zwar oft als Kampfsport angesehen, was aber nicht ganz so ist (zuerst sollte man sich eine Trainingseinheit ohne das Kind ansehen). Es geht hier um die Ausbildung von Körperbeherrschung und Konzentration. Die Wahrnehmung des Körpers und was man durch die eigene Konzentration alles erreichen kann. Ich empfehle solch ein Training auch bei Kindern mit einer Hyperaktivität, Legasthenie, Dyskalkulie, Konzentrationsschwäche und Koordinationsproblemen. Bei uns wird das Training mit den Kindern nicht als Zweikampf gelernt. Wenn es so wäre, würde ich kein Kind dort hinschicken (Trainer vorher sprechen und Training ansehen).
Viel Erfolg wünscht Psycho
Benutzeravatar
Psycho
Superautor (min. 50 Beiträge)
Superautor (min. 50 Beiträge)
 
Beiträge: 82
Registriert: 21 Jul 2008 14:39
Wohnort: Brandenburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Tröpfelinkontinenz
Hilfsmittel: Einlagen

Beitrag #9 von Siggi » 10 Nov 2009 18:03


Hallo Tanja,

du schreibst von einem ADH-Mangel. Nun, das ist doch schon mal ein wichtiger Hinweis auf die Ursache des unwillkürlichen Harnverlustes!

Jede Art von Inkontinenz hat eine Ursache.

In deinem Fall wäre eine Konsultation mit einem Endokrinologen ratsam. Mir scheint das eher wichtig als ständige psychologische Bearbeitung des Kindes. Ein ADH-Mangel kann meines Wissens nicht geheilt, aber mit geringen Dosen an Medikamenten bei Kindern ausgeglichen werden.

Aber gehe du deinen eigenen Weg und lasse dich nicht von der Fülle der Ratschläge irritieren. Jeder meinst es hier halt gut, und hat Verständnis für dein Problem.

Beste Grüße!
Siggi
Benutzeravatar
Siggi
Megaautor (min. 100 Beiträge)
Megaautor (min. 100 Beiträge)
 
Beiträge: 120
Alter: 71
Registriert: 16 Dez 2004 17:17
Wohnort: Berlin
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: mittelschwer
Hilfsmittel: Abrin san Normal Abri format


Zurück zu Inkokids - Das Elternforum

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron