Stuhlinkontinenz wg Analatresie

Hier geht es um das Thema Inkontinenz und Bettnässen bei Kindern und wie deren Eltern damit klar kommen.

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Stuhlinkontinenz wg Analatresie

Beitrag #1 von Birgitt » 07 Mai 2004 17:04


Hallo,

habe einen Sohn der im September vier Jahre alt wird. Eigentlich ein pfiffiges Kerlchen. Wegen einer Analatresie von Geburt an ist er stuhlinkontinent. Daran wird sich auch nichts ändern, da die Schließmuskel nur minimal vorhanden sind. Unsere Familie geht damit allerdings ziemlich offen um, denn ich möchte nicht, daß mein Sohn glaubt er sei annormal. Allerdings ist mir aufgefallen, daß es zu diesem Thema wirklich wenig Info gibt (wg. Tabu-Faktor). Wenn es Info gibt, geht es hauptsächlich um ältere Menschen aber nicht um betroffene Kinder.
Ich mache mir jetzt Gedanken in Richtung Sommer und schwimmen gehen. Außerdem werden auch die Pampers ziemlich klein. Kann mir hier vielleicht jemand helfen? Ich wäre wirklich dankbar zu Kontakt mit anderen Betroffenen, egal ob Eltern oder schon damit aufgewachsenen.
Dies ist die Erste Seite, die ich überhaupt als Forum gefunden habe von daher schon mal großes Lob.
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Beitrag #2 von Helmut » 07 Mai 2004 17:40


Hallo Birgitt,

es ist schön, daß ihr eurem Sohn zeigt, daß er nicht anders ist als andere Kinder in seinem alter auch. Ja, zu diesem Thema speziell gibt es fast noch weniger Infos im Internet, als über die Stuhlinkontinenz allgemein. Aber es gibt einen Verein, der sich speziell mit dieser Problematik auseinandersetzt, er nennt sich Selbsthilfeorganisation für Menschen mit Anorektalfehlbildungen e.V, dort findest du bestimmt noch weitere Hilfe. Natürlich bist du auch bei uns herzlich willkommen und wir stehen dir auch zur Seite.

Auch für Kinder gibt es spezielle Inkontinenzbadehosen, die fast wie normale Badehosen aussehen. Die meisten dieser Hosen haben ein wasserfestes Innenvlies oder sind mit einer Folie ausgeschlagen, so daß nichts in das Badewasser gelangen kann. Von der Größe her ist es von den Herstellern unterschiedlich. Hier einmal ein paar Links: Fashy GmbH, Beluga Medicus, WILCZEK & PARTNER KEG, Kuver Designs Pty Ltd. Es sind nicht alles deutsch Firmen, aber du kannst sicher diese Produkte auch übers Internet dort bestellen.

Die Pampers werden deinem Sohn schon noch eine weile passen, da die größte Größe bis etwa 50cm Bauchumfang geht. Danach kannst du auch Windeln von Hartmann zum Beispiel die Molicare in X-Small und später dann in Small verwenden.

Gruß Helmut :wink:
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Weiter so...

Beitrag #3 von Regenmacher » 09 Mai 2004 18:08


... aber vorweg schon mal, einfach wird es nicht immer sein.

Wegen der Windeln brauchst du dir erst mal keine Sorgen zu machen. Je nach Umfang werden die bis zum Alter von 6 bs 8 Jahren passen. Fraglich ist nur, ob du deinem Sohn antun willst, mit Babywindeln in die Schule zu gehen. Ich meine, vorher wäre ein Wechsel auf eine "Erwachsenenwindel" sinnvoll, damit er nicht zu sehr gehänselt wird.

Weitere Themen wären u.a. auch Irrigation etc. und Stuhlträining, damit dein Sohn auch mal Zeiten ohne Windel erleben kann, das ist nämlich sehrwohl möglich, vor allem bei Stuhlinkontinenz. Und es gibt Geräte, bei denen Irrigation auch von Kindern allein durchgeführt werden kann, Helmut, unser Experte kann dir da weiterhelfen.

Lass deinen Sohn nie spüren, dass er anders ist. Er braucht Selbstbewusstsein, um in der Schule nicht unterzugehen. Aber wenn es alles gut läuft, wird er damit klarkommen. Ich wünsche dir und deinem Sohn alles Gute für diesen Weg.

Gruß Marco
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Beitrag #4 von baba » 12 Okt 2005 15:00


Ich habe auch eine Tochter (jetzt grade 5 Jahre geworden) mit dem gleichen problem. bis 20 x Stuhl am Tag, meist kleine Port. ich trage ihr schon lange keine windeln mehr, nur noch Slipeinlagen, so fällt es nicht auf. Weis aber auch noch wie die Inkontinenz in den Griff zu bekommen, evt. mit BMP etc. die Aerzte können sich nicht einigen, was das beste ist, und hier in Luzern gegend (CH) gibt es weit und breit keine Andern mit diesem Problem.
Meine Tochter geniert sich z.b. im Kindergarten, wenn etwas in die Hose geht, probiere es mit Einläufen am Vorabend wenn sie Kindergarten hat. Ich hoffe ihr findet auch eine annehmbare Lösung. Meine grösste Sorge ist zur Zeit, dass sich keine "psychischen" Probleme bei meiner Tochter entwickeln wenn sie z.B. ausgelacht wird von andern Kindern im Kindergarten etc.
Ich suche dringend hilfe für meine Tochter (5 J) die Stuhlinkontinet ist bei operierter Analatresie.
EInläufe? Imodium? Irgendwelche Alternativmed. Methoden?
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Beitrag #5 von Helmut » 12 Okt 2005 21:56


Hallo baba,

nun es gibt schon ein paar Möglichkeiten, auf konventionelle Weise die Stuhlinkontinenz in Griff zu bekommen. Das Bowel Management - ich gehe mal von der von dir genannten Abkürzung BMP aus - ist nur eine der Möglichkeiten. Wichtig ist vorallem, eine zuverlässige und nach Möglichkeit geplante Stuhlentleerung zu erzielen. Besser als das Bowel Management eignet sich die Irrigation, die auch weniger für den Darm belastend ist, da die Spülflüssigkeit nur im Enddarm wirkt, zusätzlich können auch Analtampons verwendet werden. Wenn ihr die Irrigation gut im Griff habt, dann hat deine Tochter praktisch den ganzen Tag Ruhe vor "Unfällen". Normale Einläufe sind eher nicht geeignet, da die Spülflüssigkeit zu weit in den Darm eindringt und u.U. in kleinen Portionen über mehrere Stunden wieder ausgeschieden wird.

Vom Imodium würde ich nur selten gebrauch machen, da sich der Darm daran gewöhnen kann und es sich im Notfall vielleicht keine erwünschte Wirkung mehr erzielen lässt.

Gruß Helmut
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Beitrag #6 von Birgitt » 14 Okt 2005 18:20


Hallo,

bei Ben funktioniert es ím Moment ganz gut. Ich schick ihn zu regelmäßigen Zeiten auf die Toilette und achte auf regelmäßige Zeiten beim Essen. Er trägt nur noch Einlagen und seid einiger Zeit entwickelt er ein Gefühl, wann er auf die Toilette gehen sollte und meistens kommt dann auch was. Medikamente braucht er keine und von Einläufen halte ich nicht viel. Das ist aber total subjektiv.

Zur Zeit läuft es bei uns also eigentlich optimal.

Mehr kann ich dir leider auch nicht helfen. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß man als Eltern recht offensiv mit der Geschichte umgehen sollte, dann fällt es auch dem Kind leichter.

Ben sagt immer bei ihm habe der liebe Gott ein Stück Dickdarm und den Schließmuskel vergessen und deswegen geht mal was in die Hose. Den Kindern im Kindergarten haben wir es auch genau so erklärt. Jetzt ist es kein Problem mehr, wenn der Kleine Große seine Utensilienbox holt (Einlagen, Feuchttücher) und sich fein machen geht.

Also bloß nich unter kriegen lassen.

Liebe Grüße
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Birgitt
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Beitrag #7 von Helmut » 02 Nov 2005 09:54


Hallo Birgitt,

schön dass Ben so gut mit seiner Stuhlinkontinenz umgehen und sich auch soweit selber versorgen kann. Trotzdem solltest du ihm auch einmal die weiteren Möglichkeiten der Inkontinenzversorgung aufzeigen, damit er selber entscheiden kann, was er machen will. Es gibt auch Analtampons z.B. von der Firma MedSSE GmbH, die nach dem Stuhlgang in den Darm eingeführt werden. Damit könnte er vermutlich ohne Einlagen auskommen, da er ja seinen Darm soweit ganz gut im Griff hat. Auch die Möglichkeit der Irrigation solltest du ihm zeigen, auch wenn du selber nichts davon haltest. Die Irrigation unterscheidet sich aber in der Technik doch etwas von einem normaklen Einlauf und belastet den Darm auch deutlich weniger.

Ich habe auch schon von verschiedenen Seiten gehört, dass manche ältere Kinder und Jugendliche ihren Darm mit Medikamenten (z.B. Imodium®) unter der Woche ruhigstellen, quasi eine Art Verstopfung erzeugen und am Wochenende dann Abführmittel (z.B. Dulcolax®) nehmen. Von dieser Methode halte ich aber nicht viel, da der Darm sich zusehr an diese Medikamente gewöhnt und nicht mehr von selber arbeitet.

Darum solltest du ihn in der kommenden Zeit schon einmal auf die anderen Möglichkeiten zur Versorgung seiner Stuhlinkontinenz hinweisen, denn nicht du sondern er muss mit der Inkontinenz leben.

Gruß Helmut :wink:
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