Beckenbodentraining Drang vs. Unbewusst (und SNS)

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

Moderatoren: Marco N., Georges, Benjamin, Marilee

Beckenbodentraining Drang vs. Unbewusst (und SNS)

Beitrag #1 von Ankertie » 19 Jul 2020 11:22


Hallo ihr lieben,

Nach der Diagnose Stuhlinkontinenz wurde mir nun ein physiotherapeutisches Beckenbodentraining verschrieben. Wenn das nichts bringt, sollte man es mit der sakralen Nervenstimulation versuchen.

Ich habe eine leichte Stuhlinkontinenz (laut Arzt irgendwo zwischen Grad I und II), vermutlich wegen eines von Natur aus recht schwächlich angelegten Kontinenzapperats. (Bin mit Analatresie geboren, hatte jedoch als Kind nicht wirklich Probleme). Nun ist es aber so, dass ich schon seit einigen Monaten selbst Beckenbodentraining mache. Ich hatte zunächst auch das Gefühl, dass sich eine leichte Verbesserung eingestellt hat. Dann gibt es wieder Momente, in denen es gar nicht funktioniert. Außerdem stelle ich diese Verbesserung nur bei meiner Dranginkontinenz fest, also dass ich, wenn ich muss, den Stuhl oder Blähungen etwas länger/besser zurückhalten kann als vorher. Ich habe aber zusätzlich zu dieser das Problem, dass häufig Schleim aus meinem After austritt, ohne dass ich dies bemerken würde oder kontrollieren könnte. Mein Arzt meinte, dass auch dies ein Zeichen von "Undichtigkeit" ist. Da ich das aber ja nicht bemerke, kann ich ja nicht bewusst den Beckenboden anspannen, um dem entgegenzuwirken. Außerdem denke ich, dass der Schleim dann spätestens austreten würde, wenn ich den Beckenboden wieder entspanne. Ich müsste also im Umkehrschluss dauerhaft mit angespanntem Beckenboden herumlaufen, was von dem, was ich so gelesen habe, für dessen Stärkung auch nicht förderlich ist.

Wie ist das bei euch, hat da jemand Erfahrungen? Hat Beckenbodentraining euch eine Besserung gebracht und wenn ja, auch für die "unbewussten" Teile der Inkontinenz, oder nur bei Drang?

Dann die nächste Frage: Wenn das BBT nichts bringt, haltet ihr die Sakrale Nervenstimulation für sinnvoll? Habt ihr damit Erfahrungen gemacht?

Für mich ist das ganze Thema noch ziemlich neu, verzeiht mir die ganzen Fragen. Mir haben nun schon zwei Ärzte gesagt, dass ich halt mit meiner Anatomie einfach "Pech gehabt" habe und man möglicherweise nichts machen kann. Ich kann das nicht so richtig glauben, man sollte meinen unsere moderne Medizin ist schon so weit. Vor allem, weil meine Beschwerden auf jeden Fall stärker sind als früher. Wenn sich also etwas zum negativen verändern kann sollte es doch auch andersrum funktionieren oder? Was sind so eure Erfahrungen? Was hat euch geholfen?

Liebe Grüße eure Ankertie :lol:
Benutzeravatar
Ankertie
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 23
Registriert: 18 Jun 2020 12:00
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: leichte Stuhlinko
Hilfsmittel: keine

Re: Beckenbodentraining Drang vs. Unbewusst (und SNS)

Beitrag #2 von Helmut » 26 Jul 2020 11:46


Hallo Ankertie,

das Beckenbodentraining soll ja den Schließmuskel stärken, sprich die Verschlusskraft zu erhöhen. Normal wird zu Beginn eine anorektale Manometrie durchgeführt um die Verschlusskraft zu messen. Danach wird diese in der Regel alle 3 Monate wiederholt, um zu sehen ob das Beckenbodentraining eine Verbesserung bringt. Wenn nicht, dann muss über andere Maßnahmen wie die Sakrale Nervenstimulation oder gar ein künstlicher Schließmuskel nachgedacht werden.

Mit der Sakralen Nervenstimulation selbst habe ich keine Erfahrungen, nur das was ich in der Fachliteratur dazu gelesen habe. Es kann dir durchaus etwas bringen, dazu wird normalerweise zuerst eine Teststimulation über mehrere Wochen mit unterschiedlichen Einstellungen des Stimulationsgerätes vorgenommen. Erst wenn die positiven Effekte für dich überwiegen, wird überlegt, den Stimulator zu implantieren. Häufig wird aber von einem kribbelnden Gefühl in der Beckengegend berichtet, das bei stärkerer Stimulation als Störend empfunden wird. Das hat dann in einigen Fällen dazu geführt, dass bereits implantierte Stimulatoren wieder entfernt werden mussten.

Wie sieht es mit Analtampons aus, hast du diese schon mal probiert?

Bei meiner Stuhlinkontinenz die Neurologisch bedingt ist, ist der Schließmuskel zwar Dicht, aber es können durchaus auch "feuchte Winde" kommen da ich nicht zwischen normalen Winden und Schleim bzw. flüssigem oder dünnen Stuhl unterscheiden kann. Selbst verwende ich keine Analtampons sondern nur die Irrigation um den Darm gezielt zu entleeren. Trotzdem habe ich auch mit Stuhlschmieren zu tun, etwas Schleim oder Flüssigkeit kann immer mal abgehen ohne dass ich es merke.

Viele Grüße Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
Benutzeravatar
Helmut
Moderator
Moderator
 
Beiträge: 2044
Bilder: 7
Alter: 55
Registriert: 01 Dez 2002 01:59
Wohnort: Augsburg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Harn und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R


Zurück zu Diagnostik und Behandlung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron