Zuidex

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Zuidex

Beitrag #1 von sekino » 29 Dez 2005 19:54


hallo,

meine mutter (84 jahre alt) leidet an harninkontinenz. ich selbst habe davon leider sehr wenig ahnung, so dass ich auch nicht weiß, um welche art der harninkontinenz es sich handelt, ich vermute nach dem lesen dieser page, dass es eine stress-harninkontinenz ist.

durch zufall bin ich in einer berliner tageszeitung auf eine anzeige geraten, in der berliner ärzte für eine behandlung mit dem präparat Zuidex werben. es handelt sich dabei um eine art collagen, das in die wände der harnröhre gespritzt wird und die muskeln festigen soll (soweit ich das richtig verstanden habe). das prinzip leuchtet mir jedenfalls ein, dass dadurch das gewebe gefestigt wird.

bevor ich meiner mutter den rat gebe, sich diesbezüglich bei einem arzt weiteren rat zu holen, möchte ich hier einmal fragen, ob jemand schon erfahrungen mit dieser behandlungsform gemacht hat und wie diese erfahrungen ggf. sind.

bin für jede anregung dankbar.

mit gruss
sekino
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sekino
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Art der Inkontinenz: weiß nicht
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Beitrag #2 von Jens Schriever » 29 Dez 2005 21:36


Hallo Sekino

Wie du schon richtig gelesen und verstanden hast handelt es sich hier um eine Unterspritzung des Blasenhalses mit einer collagen Lösung. Eingesetzt wird das Verfahren bei Stress/ Belastungsinkontinenz. Der Vorteil ist dass es ein einfaches Minimalinvasives Verfahren ist.
Die Haltbarkeit wird mit 4 Jahre angegeben und das verfahren kann mehrmals wiederholt werden.
Die Lagerung des Patienten ist Steinschnittlage bzw. Lagerung im gynäkologischen Untersuchungsstuhl
(Die Patientin wird wie für eine normale Zystoskopie vorbereitet.)
Die Anästhesie
In der Regel ist eine Lokalanästhesie ausreichend, ansonsten Lokal- oder Regionalanästhesie bzw. Allgemeinnarkose.
Da deine Mutter schon 84 Jahre alt ist, ist diese Methode zu empfehlen, da sie ein Minimalinvasives Verfahren ist.
Als Zweite Lösung käme auch noch die TVT OP infrage.
Ich habe Hier für dich noch ein Link zu Zuidex raus gesucht: http://www.agub.de/publication/zuidex/
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiter Helfen.


Gruß Jens
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Jens Schriever
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Hilfsmittel: Bauchdeckenkatheter, Windeln, Irrigation

Beitrag #3 von eckhard11 » 29 Dez 2005 21:51


Hallo sekino,

ich kenne dieses Zeug zwar nicht, habe mich aber mal etwas schlau gemacht.

ZUIDEX Spritzen + Implacer Spritzen

Anwendungsgebiete:
Das Gel wird zur Behandlung der stressbedingten Harninkontinenz bei Frauen auf Grund von Schwäche des Urethralsphinkters eingesetzt. Hinweis: Vorläufige klinische Daten legen nahe, dass das Gel eventuell auch eine Wirkung bei stressbedingter Harninkontinenz auf Grund von Hypermobilität der Urethra hat.

Nicht anwenden bei:

Das Medizinprodukt darf nicht angewendet werden bei:
• Infektion der Harnwege
• Zystitis
• Urethritis.

Schwangerschaft und Stillzeit:
Über die Anwendung in der Schwangerschaft oder der Stillzeit liegen keine Erfahrungen vor.

Unerwünschte Wirkungen:

Häufige unerwünschte Wirkungen (> 10%):
• Häufige unerwünschte Wirkungen sind Dysurie, Harnwegsinfektion, Hämaturie sowie Schmerzen an der Injektionsstelle, die spontan nach einigen Tagen oder unter entsprechender antibiotischer Behandlung abklingen.
• Das Auftreten einer Harnverhaltung, zumeist vorübergehend und durch zwischenzeitliche Katheterisierung unter sterilen Bedingungen behandelbar, wurde bei etwa 20% der Patientinnen berichtet.

Anwendung:

Allgemeine Hinweise:
• Das Gel darf nur von qualifizierten Ärzten angewandt werden.
• Vor der Behandlung sollte bei den Patientinnen eine körperliche Untersuchung und eine gründliche medizinische Beurteilung erfolgen, um die richtige Auswahl geeigneter Patientinnen sicherzustellen.
• Die Patientin sollte dahingehend informiert werden, dass durch das Gel evtl. kein dauerhaftes therapeutisches Ergebnis erzielt werden kann und dass daher weitere Behandlungen erforderlich werden können, um den Behandlungserfolg zu sichern und zu erhalten.
Dosierung:
• Das Medizinprodukt besteht aus 4 mit Gel gefüllten Glasspritzen mit einem Luer-Lock-Ansatz, die jeweils 0,7 ml Substanz enthalten.
• Die Spritzenskala weist Markierungen auf, der Abstand zwischen zwei Markierungen entspricht 0,1 ml. Der Inhalt der Spritzen ist steril.
• Den Inhalt der 4 Spritzen nacheinander in die Submukosa der Urethra injizieren.

Art und Dauer der Anwendung:
• Das Gel sollte mit einem speziellen System (IMPLACER) in die Submukosa der Urethra injiziert werden.
• Das Produkt nicht verwenden, wenn die Packung beschädigt ist.
• Die genaue Anleitung zum Zusammenbau der Spritzen und des IMPLACERs siehe Gebrauchsinformation.
• Nicht intravaskulär injizieren. Gel oder IMPLACER nicht resterilisieren. Nicht mit anderen Produkten vermischen. Keine anderen Nadeln als die der Packung beiliegenden Nadeln verwenden.
• Vor der Anwendung die Patientin wie für eine normale Cystoskopie vorbereiten.
• Den Bedarf der Patientin in Bezug auf Schmerzlinderung abschätzen, um zu entscheiden, ob Lokal-, Regional- oder Vollnarkose verwendet werden soll.
• Die Länge der Urethra messen.
• Den IMPLACER (wobei das Führungsrohr die Nadeln bedeckt) so einführen, dass das obere Ende des Führungsrohres auf Höhe der mittleren Urethra liegt. Es ist wichtig, dass das Führungsrohr während des Einführens in die Urethra nicht zurückrutscht. Um dies zu vermeiden, sollte beim Einführen auf das hintere Ende des Führungsrohres Druck ausgeübt werden.
• Das Führungsrohr zurückziehen, um die Nadeln in der Urethra freizugeben. Die Austrittsöffnungen der Nadeln befinden sich dann ungefähr auf der Höhe der mittleren Urethra.
• Den Handgriff sicher fassen und eine der Spritzen 5-10 mm zurückziehen und dann nach vorne in die untere Position schieben, um die Mukosa zu durchdringen. Den Inhalt der Spritze injizieren. Die geleerte Spritze an Ort und Stelle belassen. Diese Schritte im Uhrzeigersinn mit den anderen 3 Spritzen wiederholen.
• Die Spritzen mit den Nadeln eine nach der anderen entfernen. Anschließend den IMPLACER entfernen. Nachsorge:
• Die Betreuung nach dem Eingriff wird vom behandelnden Arzt festgelegt.
• Antibiotikaprophylaxe sollte nach Ermessen des Arztes in Erwägung gezogen werden.
• Es ist sicherzustellen, dass die Patientin vor der Entlassung aus der Klinik die Blase ausreichend entleeren kann.
• Direkt nach der Behandlung sollte eine Katheterisierung vermieden werden. Falls jedoch auf Grund eines Harnverhaltens eine Katheterisierung notwendig ist, wird ein sehr dünner (10 Fr.) Katheter mit reichlich Schmierung empfohlen, um eine Schädigung der Implantationsstelle zu vermeiden. Wird eine länger dauernde Katheterisierung erforderlich, so wird aus dem gleichen Grunde ein suprapubischer Katheter empfohlen.
• Falls das Behandlungsergebnis nicht zufriedenstellend ist, kann eine zweite Implantation in Erwägung gezogen werden. Allerdings sollte diese nicht früher als 6 Wochen nach der Erstbehandlung durchgeführt werden. Hinweise:
• Der Eingriff und die Instrumentierung im Zusammenhang mit der Applikation des Gels bergen das Risiko einer Infektion der Harnwege oder einer Blutung, wie bei anderen ähnlichen urologischen Eingriffen.
• Es liegen keine Erfahrungen mit der Injektion von mehr als 15 ml Gel in einer Behandlungssitzung vor.
• Falls die Nadel beim Zusammenbau des IMPLACERS ausVersehen kontaminiert wird, muss sowohl die Nadel als auch der IMPLACER ersetzt werden.
• Die Behandlung mit dem Gel in Kombination mit anderen Medikamenten oder implantierbaren Materialien oder Geräten wurde nicht getestet.

( Toll, die Behandlungsbeschreibung für den Arzt ist auch gleich dabei........ )

Eigenschaften:

Das Medizinprodukt ist ein steriles, hochvisköses Gel aus dextranomeren Mikrosphären und nichttierischer, stabilisierter Hyaluronsäure (NASHA), als biokompatibles und biologisch abbaubares Implantat zur Behandlung der Stressinkontinenz bei Frauen. Die Hyaluronsäure (NASHA), die hauptsächlich als Transportmedium dient, belässt die Dextranomer-Mikrosphären an der Implantationsstelle. Diese werden allmählich von Bindegewebe des Empfängers umgeben. Die zu erwartende Verweildauer eines Implantats, beträgt etwa 4 Jahre. Die Implantate wirken als Gewebeverstärkung und helfen bei der Wiederherstellung der Harnkontinenz.

Haltbarkeit:

• Die Spritzen bei 2-8°C lagern und vor Sonnenlicht und Frost schützen.
• Nach der Behandlung müssen die Spritzen, Nadeln und der IMPLACER entsorgt werden.



Ich darf dazu vielleicht noch erwähnen, dass die Leute für 4 Stück 0.7 ml-Spritzen einen Preis von 1.250,48 EUR haben wollen.
Und da diese rezeptfrei sind, habe ich so meine Zweifel an der Wirksamkeit.....


Jetzt lege ich mich - spritzenfrei - wieder hin .sleep:
Eckhard
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zuidex

Beitrag #4 von lima » 01 Jan 2006 15:52


:fleissig: Hallo sekino, ich bin eine Frau, 69 J., leide auch unter Inkontinenz. Ich habe schon ein TVT-Band, nichts geholfen, jetzt seit 2 Wochen Kentera-Pflaster, mal abwarten. Ich höre in unserer Selbsthilfegruppe viel über das Thema. Also es ist so, daß sowieso kein vernünftiger Arzt die Spritzen setzen würde ohne ausreichende Klärung der Ursachen. Entweder müßte die Mutter mal zum Frauenarzt oder zum Urologen gehen, vielleicht hilft ihr ja schon ein Medikament, und sie müßte sich nicht der Spritzenkur unterziehen, die ja auch nicht 100% sicher hilft, auch der Preis ist zu beachten. Auf alle Fälle kann der Arzt Vorlagen verschreiben (wenn die Mutter noch am gesellschaftlichen Leben teilnimmt!! wichtige Bemerkung auf dem Rezept) und so kann man die Sache erst einmal erträglich machen. Schon diese Sicherheit hilft oftmals die Blase etwas zu beruhigen. Die Mutter hat ja auch schon ein höheres Alter erreicht, da ist die Schwächung der Muskulatur nur natürlich. Vorlagen im Sanitätshaus sind preiswerter, auch hier empfehlen manche eine Lieferung/ Bestellung über Internet, Foren bitte lesen. Also bitte mit dem Arzt sprechen, alles Gute. Lima
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Hilfsmittel: Vorlagen, habe schon TVT-Band OP

Beitrag #5 von Helmut » 01 Jan 2006 17:32


Hallo sekino,

die anderen haben eigentlich schon alles gesagt, was es zu dem Produkt Zuidex® zu sagen gibt. Ob eine Anwendung bei deiner Mutter sinnvoll ist, das kann nur der Urologe nach genauer diagnostischer Abklärung entscheiden. Wenn deine Mutter an einer reinen Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz) leidet, dann kann dieses Implantat sicher eine der Optionen zur Behandlung sein.

@Eckhard
Die ZUIDEX Spritzen + Implacer Spritzen zählen nicht zu den Arzneimitteln, sondern zu den Implantaten und sind daher auch nicht Rezeptpflichtig. Die Wirksamkeit dieser Implantationstechnik ist unterschiedlich, hier spielen auch die körperlichen Gegebenheiten eine Rolle. Häufig ist es so, dass diese untergespritzte Masse langsam vom Körper abgebaut bzw. im betreffenden Muskel umgeschichtet werden, und so die Wirksamkeit mit den Jahren verlieren.

@lima
Klar sind Vorlagen und Windeln für die Krankenkassen billiger, vorallem wenn die Patienten schon im fortgeschrittenem Alter sind. Aber selbst ein TVT-Band kann noch bis ins hohe Alter ohne nennenswerte Risiken für den Patienten implantiert werden. Ob sich der Patient für eine Operation entscheidet oder ob er eine Windelversorgung vorzieht, das kann nur der Betroffene zusammen mit seinem Arzt entscheiden. Medikamente wie Yentreve® würde ich nicht unbedingt für sinnvoll halten, da sie teilweise doch erhebliche Wechsel- und Nebenwirkungen haben, die besonders bei älteren Patienten stärker auftreten, da sie häufig auch noch andere Medikamente bekommen.

Gruß Helmut :wink:
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Hilfsmittel: Attends Regular M10 Windelslips, Irrigation mit Irrimatic R


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