Blasenentleerungsstörungen nach TVT-Band OP

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Blasenentleerungsstörungen nach TVT-Band OP

Beitrag #1 von Pippi.Langstrumpf » 28 Feb 2006 23:11


Hi,

ich bin 45 Jahre alt und habe vor 4 1/2 Wochen ein TVT-Band bekommen.
Leider musste ich nach der OP eine Woche mit suprapubischem Katheter rumlaufen, da ich irre hohe Restharnmengen hatte (500 - 1000 ml). Zwei Dilattationen zeigten, dass kein Widerstand in der Harnröhre ist.
Nach einer Woche zog man mir den Katheter, in der Hoffnung, dass sich alles von allein regelt. Leider war das nicht der Fall, ich bekam prompt einen Infekt. Ich bestand darauf, mich selbst mit einem Einmalkatheter zu katheterisieren (Skandal!!!!), um die Blase wenigstens ab und zu leer zu haben. Die behandelnden Ärzte schlugen eine Spaltung des Bandes vor, doch bei den Ultraschallkontrollen der folgenden zwei Tage waren meine Restharnwerte (ohne Katheterisieren!) gering! So wurde die OP doch nicht durchgeführt. Am drittenTag waren sie wieder höher. Ich hab nur noch geheult und darauf bestanden, nach Hause zu gehen.

Zu Hause habe ich dann eine Woche abends katheterisiert und Restharnmengen unter 100 ml gehabt. Daraufhin habe ich in Absprache mit den Krankenhausärzten das Katheterisieren sein lassen und bin auch infektfrei geblieben.

Trotzdem klappt das Pinkeln häufig nicht so, wie ich mir das vorstelle: Kein fester Strahl, oft auch von der Menge her nicht viel, obwohl ich normal trinke. Auf fremden Klos (z.B. im Restaurant) kommt es auch vor, dass ich gar keine Entleerung schaffe. Manchmal dagegen kommt es mir fast normal vor.
Jetzt frage ich mich, ist mein Problem im Kopf oder im Bauch? Bin ich ein Kandidat für den OP oder für die Couch?????

Meine Frauenärztin hat (finde ich) keine Kenne, wenn ich die Docs im Krankenhaus frage, schlagen die mir eh wieder die Spaltung vor (was ja durchaus auch als Lösung in verschieden en Aufsätzen beschrieben ist).

Meine Frage: gibt es eine Diagnostik, mit der geklärt werden kann, ob das Problem organischer Natur ist? Wen fragt man da? Urologen? Wie kommt man an Adressen von Ärzten, die sich wirklich auskennen? Und kann man auch zu lange mit der Spaltung warten????

Ich bin echt super-gefrustet. Hat jemand einen brauchbaren Tip auf Lager??

Pippi
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Beitrag #2 von eckhard11 » 01 Mär 2006 10:09


Guten Morgen, Pippi Langstrumpf,

mein Problem ist ähnlich dem Deinen, wenn es wohl auch anders gelagert ist.

Ich habe eine Neoblase, also eine Blase aus einem Stück Dünndarm.
Diese ist naturgemäss viel weicher und schlabbriger als eine “richtige” Blase.
Ich bin ganz sicher, dass sich diese neue Blase mal hierhin legt, mal dahin, obwohl mir die Ärzte versicherten, dass dies nicht der Fall sei.
( Aber keiner der Ärzte, die ich fragte, hatte eine Neoblase, hi, hi.... )
Auf jeden Fall bin ich sicher, dass bei mir während des Stehend - oder Sitzendpinkelns die Harnröhre häufig abgeklemmt ist.
Wie sonst soll es möglich sein, dass ich z.B. des Abends, wenn ich vorm Wannenbad zur Toilette gehe, ( ich gehe jeden Abend wegen des Beckenbodentrainings in die Wanne ) und versuche, mich so kräftig zu entleeren, dass meine Augen heraustreten und meine Ohren abstehen, kaum noch etwas Harn abfliesst, ich aber danach in der Wanne ( natürlich, während das Wasser weggurgelt ) so halbliegend, halbsitzend noch zwischen 600 ml und 1.200 ml rauslaufen lassen kann ?

Ich habe es auf alle Arten versucht, im Hocken in der Dusche, weit zurückgelehnt auf der Toilette usw., aber die halbliegende Position in der Wanne ist ganz einfach die Beste.
Tagsüber gehe ich natürlich so zwischen drei - und viermal pinkeln, immer sitzend......
Allerdings trinke ich auch sehr viel, so zwischen fünf und sechs Litern täglich

Du sollest einmal versuchen, eine andere Pinkelposition zu finden.
Und auf einen leeren Darm achten, denn beim weiblichen Körper liegen Darm und Harnröhre sehr nah beieinander, da kann ein gefüllter Enddarm schon, durch Druck auf die Harnröhre, zu einem “Abquetschen” der Harnröhre führen.
Und das TVT-Band tut sein Übriges dazu......

Dass Du auf einer fremden Toilette Probleme hast, glaube ich Dir gern.
Ich z.B. uriniere auf fremden Toilette ausschliesslich im Stehen, auch wenn ich weiss, dass dann eine Menge Restharn bleibt.
Aber dieses Risiko ist mir viel, viel lieber als das Risiko einer Infektion beim Sitzen auf einem fremden Toilettensitz.....

Natürlich solltest Du einen Urologen Deines Vertrauens aufsuchen.
Und dieser muss sich intensiv mit dem Problem befassen und Dich nicht mit Platitüden abspeisen.
Aber Du solltest auch ganz offen mit der Ärztin/dem Arzt reden und nicht aus Scham etwas verschweigen.
Eine Hyperkontinenz kann ausserordentlich unangenehm werden.

Eventuell solltes Du einmal die Urologie des AKH Hagen ( Chefarzt Dr. Hahn ) aufsuchen. Das ist zwar ein kleineres Krankenhaus, aber Dr. Hahn und seine Ärzte sind wirklich gut und erfahren
Und können zuhören.

Halt die Ohren steif und die Blase locker
Eckhard
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Beitrag #3 von Pippi.Langstrumpf » 05 Mär 2006 16:34


Hi, Eckhard,

danke für Deine Antwort. Sie hat mir Mut gemacht, nicht aufzugeben.

Ich bin in den letzten Tagen sowieso zu der Auffassung gekommen, dass meine Fähigkeit, Wassser zu lassen, ganz eng mit meinem Gemütszustand zusammenhängt. Sprich: bin ich nicht locker, ists meine Blase auch nicht... Leider lässt sich das vom Kopf nicht gut steuern, das ist sicher ein Teil meines Problems!

Aber ich bin optimistisch, dass sich alles langsam normalisiert. Die letzten Tage waren ganz okay, hats mal nicht geklappt, bin ich nicht in Panik verfallen, sondern hab später einen weiteren Versuch gestartet.

Und: in den Situationen, wo ich früher undicht war, tut das TVT-Band jetzt das, was ich mir davon erhofft habe. Das ist doch auch was, oder?!

Liebe Grüße

Pippi
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Beitrag #4 von Jens Schriever » 05 Mär 2006 17:31


Hallo Pipi.Langstrumpf

Nach deinen Schilderungen leidest du wahrscheinlich an einer Harnröhrenenge (Striktur). Dadurch hast du auch deinen Hohen Restharngehalt. Die Behandlung von Harnröhrenengen besteht in Erster Linie durchs Schlitzen oder durch eine Offene Operation.
Diese kannst du durch deine OP oder durch eine Blasenspiegelung so wie durch eine Harnröhrenentzündung erworben haben.
Ich habe dir hier einen Link herausgesucht über Erkrankungen der Harnröhre.

Link: http://www.mriu.de/e_harnr.html

Ich wünsche dir gute Besserung

Jens
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Beitrag #5 von lima » 10 Mai 2006 17:45


:roll: Hallo Pippi Langstrumpf, Du hast es insofern gut, als die TVT-OP geholfen hat, bei mir ist es umgekehrt: OP, alle Ärzte stellen fest, daß das Band "gut sitzt", aber geholfen hat es nichts. Aber ich stelle auch fest, daß es von meiner Gemüts- bzw. Streßlage abhängt, mal mehr mal weniger. Der Frauenarzt in der Uniklinik Leipzig, eine Spezialsprechstunde, sagte mir damals, daß ich etwa ein viertel Jahr warten müßte, dann hätte es sich normalisiert. Vielleicht kannst Du eine Beckenbodengymnastik mitmachen, da kann man auch das An- und Entspannen für die Blase üben.Ich würde noch abwarten, versuchen nicht so viel daran zu denken, nicht das Band entfernen lassen. Jeder Eingriff irritiert die empfindlichen Nerven um die Blase herum. MfG Lise
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Restharn

Beitrag #6 von oschlarp » 18 Nov 2006 23:34


Hallo Pippilangstrumpf,
Ich glaube dein Problem ist multifaktoriell, denn auf der einen Seite scheint Deine Blase durch die Überdehnung schon sehr beleidigt worden zu sein (RH von 1000ml ist irrsinnig viel) auf der anderen Seite kann ein zu festes Band die Situation nur verschlechtern. Eine Harnöhrenenge scheint äußerst unwahrscheinlich, denn sie wäre schon bei der TVT OP bemerkt worden. Die Frage warum die Blase so schwach ist ist vielfältig (Diabetes, Neurologischer Erkrankungen etc.). Eine Klärung kann nur eine Zystometrie (od. Urodynamik genannt) bringen. Wenn das Problem wirklich der kaputte Blasenmuskel ist, dann kann man ersten Schritt sie mit Strom stimulieren und mit Medikamenten besser toniesieren. Wir haben an unserer Abteilung aber auch bei Versagen aller dieser Maßnahmen schon eine OP durchgeführt, bei der die Balse verkleinert wird und der Blasenmuskel dabei verdoppelt wird. Hat bisher oft geholfen. Ist zwar eine OP aber immer noch besser als das Katheterisieren. Das Durchtrennen des Bandes ist übrigens keine große Sache, und es heisst nicht automatisch, daß man danach wieder inkontinent ist (zumindest war dies bei meinen eigenen Fällen die ich im Spital operiert habe nicht der Fall)
Dr. Oliver Schlarp
Oberarzt Urologie Humanis Klinikum NÖ
2100 Korneuburg
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Restharn nach TVT-Band OP

Beitrag #7 von lima » 19 Nov 2006 18:09


Hallo, Pippi Langstrumpf, der Doc hat recht, in unserer SH-Gruppe hörten wir mal einen Vortrag über die Komplexität der Nerven um die Blase herum. Je mehr daran herum "gedoktert" wird, wie man im allgemeinen Sprachgebrauch bemerkt, desto schwieriger wird es. Es ist ein so empfindliches Nervengeflecht, da stört jeder neue Eingriff. Versuche es doch mal mit einer guten Beckenbodengymnastik. Vielleicht gibt es in Deiner Nähe eine Selbsthilfegruppe, da bekommt man auch vielfältige Ratschläge und Tipps, auch zur Enstspannung. Den Zusammenhang mit meiner jeweiligen nervlichen Situation habe ich auch schon bemerkt.
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