Medikament gegen Stressinkontinenz?

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Medikament gegen Stressinkontinenz?

Beitrag #1 von katia » 17 Jun 2003 11:32


Hallo,
eine Frage: Eine Freundin von mir arbeitet in der Apotheke. Von ihr habe ich gehört, es soll wohl bald ein Medikament gegen Stressinkontinenz geben. Leider weiss sie nichts genaues. Ich habe auch schon meinen Arzt gefragt, aber auch hier Fehlanzeige. Hat hier vielleicht schon jemand was darüber gehört?
Tschüß, Katia
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Beitrag #2 von Helmut » 17 Jun 2003 12:54


Hallo Katia,

ja es gibt Medikamente, die auch bei Stressinkontinenz eingesetzt werden können. Diese Medikamente gehören zur Gruppe der <b>Alpha-Adrenergika</b>. Alpha-Adrenergika, tonisieren den Blasenhals und die Urethra und sollen somit als medikamentöse Therapie der Stressinkontinenz einsetzbar sein. Die klinischen Resultate zeigen jedoch, dass ihr Einsatz lediglich bei leichten Formen der Stressinkontinenz indiziert ist. Die häufigste Nebenwirkung stellt eine Blutdruckerhöhung dar, daneben verursacht die Substanz Tachykardien, pektanginöse Beschwerden und Kopfschmerzen. Die Ergebnisse beider Substanzklassen bei der Stressinkontinenz sind ernüchternd. Ein Therapieversuch ist höchstens bei geringgradiger Stressinkontinenz indiziert und sollte aufgrund des Nebenwirkungspotenzials der Substanzen gut abgewogen werden.

Du siehst also, daß diese Medikamente nicht unbedingt gut sind, besser und auch viel erfolgversprechender ist das Beckenbodentrianing sowie die Elektrostimulation. In schweren Fällen könnte auch eine Operation in Frage kommen. Weitere Infos findest du auf unserer Homepage unter <b>"Zum Thema --> Harninkontinenz --> konservative Behandlung"</b>. Ich hoffe ich konnte dir schon einmal etwas weiterhelfen. Melde dich einfach wenn du noch weiter Infos brauchst.

Gruß Helmut :sm4:
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Beitrag #3 von Pikachu » 18 Jun 2003 02:24


Ausserdem Verursachen diese Tabletten Verstopfungen,, zumindes bei mir. Hatte deswegen fast 4 Tage kein Stuhlgang.

Dann lieber ne nasse Hose .. Sorry. :roll:
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Stressinkontinenz ist nicht notwenig!

Beitrag #4 von Regenmacher » 19 Jun 2003 19:59


Hallo Katja,

wenn es sich um eine reine diagnostizierte Stressinkontinenz handelt, dann gibt es viele klassiche Möglichkeiten, mit der Zeit dem Problem auf die Sprünge zu helfen. Medikamente sind nicht sinnvoll, da es keine gibt, die NUR auf die Blase oder den Schließmuskel wirken und die Nebenwirkungen sind meist sehr gravierend. Aber Bio-Feedback oder Beckenbodenmuskeltraining versprechen sehr sehr gute Erfolge - wenn man es wirklich durchzieht und macht - nicht mal heute und morgen wieder nicht. Aber auf Dauer wird es helfen...

Gruß Marco
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Beitrag #5 von katia » 24 Jun 2003 09:31


Hallo nochmal,

vielen Dank für Eure Anworten. Ich schreibe jetzt nochmal weil ich meine Frage noch in anderen Foren gestellt habe. In www.medizinforum.de hat mir jemand einen Artikel gepostet, und das scheint das Medikament zu sein von dem mir meine Freundin erzählt hat. Ich stelle es hier mal rein, vielleicht interessieren sich hier ja noch mehr dafür!

Grüße, Katia

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Sehr geehrte Katja,


leider kann ich Sie nicht verlinken, deshalb füge ich den Text hier ein.


Antidepressivum hilft gegen unfreiwilligen Harnverlust


Neue Option bei Streßinkontinenz / Der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer Duloxetin mindert Inkontinenzepisoden
MAINZ (hsr). Der Wunsch von Frauen mit Streßinkontinenz, den Harnverlust beim Sport, Husten, Niesen oder Lachen mit einer Pille stoppen zu können, erfüllt sich vielleicht bald: Mit Duloxetin. Die als Antidepressivum entwickelte Substanz senkt die Zahl der Inkontinenzepisoden um fast zwei Drittel.

Als Therapie der Wahl bei leichter Streßinkontinenz hat sich Training der Beckenbodenmuskulatur bewährt. Vor unwillkürlichem Urintröpfeln schützen außerdem Pessare. Die nötige Elastizität des Scheidengewebes kann darüber hinaus eine östrogenhaltige Vaginalcreme wiederherstellen. Doch bei schwereren Graden dieser Blasenschließmuskelschwäche gelten operative Verfahren wie Kolposuspension und suburethrale Schlingen mit einer Erfolgsrate von etwa 30 Prozent bislang als Ultima ratio. Das hat Dr. Rainer Lange beim 14. Deutschen Kongreß der Gesellschaft für Inkontinenzhilfe am Wochenende in Mainz berichtet.

Das könnte sich möglicherweise demnächst ändern. Langes Zuversicht, die therapeutischen Optionen bei Streßinkontinenz um eine wirksame und sichere Methode zu bereichern, begründete der Gynäkologe aus Alzey mit Ergebnissen einer kontrollierten US-Studie, die vor kurzem veröffentlicht worden ist (Am J Obstet Gynecol 187, 2002, 40). In dieser Untersuchung haben 553 Frauen mit Streßinkontinenz über zwölf Wochen täglich entweder Placebo oder den selektiven Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer aus den Lilly-Forschungslaboratorien in den Dosierungen 20, 40 oder 80 Milligramm eingenommen. Danach verringerten sich die Inkontinenzepisoden mit Duloxetin dosisabhängig um 54, 59 und 64 Prozent im Vergleich zu 41 Prozent mit Placebo.

Noch deutlicher fiel dieser Unterschied in der Subanalyse von 163 Frauen mit schwerer Streßinkontinenz und wöchentlich 14 Episoden vor der Behandlung aus: Die Inkontinenzepisoden nahmen bei diesen Patientinnen mit dem Antidepressivum ebenfalls um bis zu 64 Prozent ab, aber nur zu 30 Prozent mit Placebo. Als unerwünschter, aber nicht schwerwiegender Effekt der Medikation nannten die Frauen Übelkeit am häufigsten.

Wie das Unternehmen Lilly mitteilt, sollen die Zulassungsanträge in Europa für die Indikationen Streßinkontinenz und Depressionen nächstes Jahr gestellt werden. Duloxetin soll außerdem gemeinsam mit Boehringer Ingelheim vermarktet werden, als Antidepressivum und als Mittel gegen Streßinkontinenz.

Weitere Informationen zum Thema Harn-Inkontinenz unter http://www.aerztezeitung.de/


Freundliche Grüße

D.
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Beitrag #6 von Helmut » 24 Jun 2003 09:59


Hallo Katia,

danke für deinen Artikel. Ich kannte den Artikel schon, da ich auch auf dem Kongress in Mainz war. Aber ich wollte noch nichts dazu schreiben auf unserer Homepage, da ich erst noch einige Informationen dazu zusammen tragen muß. Wenn ich diese Infos (genauer Wirkmechanismus) habe, dann werde ich das mit in die Themenseite aufnehmen.

Von den aktuell auf dem Markt befindlichen Medikamenten zur Behandlung von Stressinkontinenz würde ich dir abraten, schon wegen den nicht unerheblichen Nebenwirkungen.

Gruß Helmut :lach:
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Beitrag #7 von wiebke46 » 24 Jun 2003 11:14


Hallo Katja und alle anderen,

aus persönlicher, reichlicher Erfahrung heraus möchte ich beisteuern, dass ich zumindest von den bisher bei der Streß-Inko eingesetzten Medikamenten einfach garnichts halte.
Natürlich kenne ich das in Deinem Artikel vorgestellte neue Mittel nicht, aber es gilt doch folgendes: Jedes denkbare Medikament gegen Streßinkontinenz müßte ja nicht kurzfristig, sondern als Dauermedikation eingenommen werden. Das ist allein schon problematisch. Aber viel problematischer ist doch die zweifelhafte Erfolgsaussicht. Die in dem Artikel vorgestellte Studie lobt ja den Rückgang der Ereignissse von Harnverlust unter der neuen Medikation um ca. 30-40%. Was bringt das der einzelnen Frau denn? Ich habe doch nichts davon, wenn ich z.B. statt dreimal am Tag nur ein oder zweimal naß bin. Ich habe trotzdem die gleichen Probleme im Alltag, brauche trotzdem noch die gleichen Vorlagen wie zuvor, allenfalls muß ich seltener wechseln, oder?
Sehr vielen Frauen ist durch konsequentes Beckenbodentraining definitiv geholfen, sogar die Mehrzahl kann dadurch dauerhaft trocken werden. Auch operative Verfahren sollen teilweise guten Erfolg versprechen, aber da kenn' ich mich nicht aus.

Lieber Gruß, Wiebke
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Duloxetin die neue Wunderpille ?

Beitrag #8 von oschlarp » 18 Nov 2006 23:45


Wenn es eine Pille gegen Belastungsinkontinenz gibt, dann ist es wohl am ehesten Duloxetin. Die anderen Alpha adrenergika haben sich nicht bewährt. Aber auch bei Duloxetin hat es Schwierigkeiten gegeben, soi dass nun die Firma Lilly schon während der Testphase empfohlen hat Beckenbodengym zusätzlich zu machen. Also meine persönliche Meinung zu diesem Präparat ist: es hilft nichts aber es ist dann allen egal (zumindest wirkt es als Antidepressivum). Ein Versuch über 4 Wochen kann aber nicht schaden (abgesehen von anfänglichen Übelkeitsattacken).
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Mittel gegen Streß- oder andere Harninkontinenz

Beitrag #9 von lima » 19 Nov 2006 17:58


Nach einer großen OP mit Bestrahlungen bekam auch ich eine Harninko. Der Urologe identifizierte sie als "reine Streßinkontinenz", mir sollte ein TVT-Band helfen. Der Urologe und auch der Frauenarzt sagen immer: "Das Band sitzt gut". Nur geholfen hat es gar nicht. Habe Inko-Pflaster verordnet bekommen (teuer, Arzt verschreibt es nicht gern) - Keine Wirkung, aber gottseidank aus keine Nebenwirkungen! Dann neuere Arzneimttel - Duloxetin oder ähnlich -die Wirkstoffe sind alle gleich: Ich hatte so eine schlimme Verstopfung, Übelkeit usw. :aerger: Mußte sogar eine entkrampfende Spritze bekommen. Seit dem nehme ich nichts mehr ein von den neuen Mitteln. Habe auch Akupunktur versucht, hat nicht geschadet, aber auch nichts gebracht. Demnächst will ich eine FÄ für Homöopathie aufsuchen, ich berichte darüber, wenn es hilft. Ansonsten sage ich auch: Lieber Vorlagen als die schlimme Übelkeit. :lach:
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Übelkeit ?

Beitrag #10 von oschlarp » 19 Nov 2006 18:54


Duloxetin erzeugt nicht immer Übelkeit. meistens nur dann wenn man es nicht einschleicht. Das heisst zuerst nur einmal 40mg/Tag für 2 Wochen dann erst steigern auf 2x40.
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