Hat jemand Erfahrung mit Botox zur "Blasenlähmung"???

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

Moderatoren: Benjamin, MSN, Marco N., Georges, Marilee

Hat jemand Erfahrung mit Botox zur "Blasenlähmung"???

Beitrag #1 von ccat » 22 Sep 2009 20:52


Hallo an alle!

War heute beim Urologen, eigentlich um mich wegen eines Blasenschrittmachers beraten zu lassen, aber der Doc, Prof. Reitz aus der Uni Klinik Bonn, meinte, dass der mein Problem nicht lösen könnte, aber eine Botox-Injektion mit Katheterisieren. Sowas hatte mir mein "normaler" Urologe auch schon mal vorgeschlagen, aber mir war das suspekt. Katheterisieren fand ich eine furchtbare Vorstellung. Mir kam das noch schlimmer vor, als meine jetzige Situation.
Ich hab drüber nachgedacht, und ich denke, mit dem Kathedern würde ich schon klar kommen und das alle drei, vier, fünf Stunden zu machen, wäre auch viele besser als jetzt, wo ich mir schon genau planen muss, wann ich wieviel trinke und oft gar nicht rausgehe, was unternehme oder so, weil ich ständig Harndrang und Urinverlust habe, falls ich nicht sofort aufs WC komme.
Der Prof meinte auch das liefe so, dass erstmal ein bis zwei mal eine "Beraterin" zu mir nach Hause käme, die mir das mit dem Katheder beibringt, damit ich sehe, ob damit klar komme, erst dann erfolgt, wenn ich will, die Injektion von Botox.
Er meinte auch, dass die Kasse das bezahlt und auch die Katheder, das Desinfektionsmittel etc., was ich dann ja brauche.

Nun klang das bei dem Doc ja alles sehr toll, wenn das dann wirklich so läuft, isses ja super, aber ich hab da echt Zweifel.
Er meinte es wäre so, dass ich halt alle vielleicht vier Stunden Kathedern muss, keinen Drang mehr habe und auch nachts keine Windeln mehr tragen müsste.
Das wäre echt super und traumhaft, selbst wenn ich alle drei Stunden oder so Kathedern müsste, ist schon mehr Freiheit, als ich mir in den letzten Jahren hätte träumen lassen.

Jetzt hab ich schon Etliches hier im Forum und so gelesen, aber irgendwie nicht das passende gefunden.

Also dass ich dann keinen Drang mehr habe, das erklärt sich ja durch die Lähmung, (Ist doch so, oder?) aber wieso geht dann angeblich kein Urin mehr unkontrolliert ab?
Ist das wirklich so, dass nichts mehr zwischen den Kathederisierungen "rauskommt"? Das ist nämlich ehrlich gesagt meine größte Sorge, denn wenn ich keinen Drang mehr habe, merke ich dann auch nicht, dass was "raus kommt" und bin dann plötzlich nass. Das wäre ne Katastrophe.

Wenn jemand damit Erfahrungen hat, oder noch anderes Hintergrundwissen, was mir helfen könnte, dann bitte her damit.
Der Prof meinte, es wäre am Besten, wenn ich mich diese Woche noch entscheide, ich nehme mal an, das hat was mit Quartalsende zu tun. Ich lasse mich davon jetzt auch nicht drängen, denn eigentlich steht die Entscheidung schon. Trotzdem würde ich mich über Meldungen freuen.

Ach ja, mir fällt noch ne Frage ein. Ist jetzt vielleicht n Bisschen intim, aber hat jemand Ahnung, ob sich dadurch das sexuelle Empfinden irgendwie verändert? Ich dachte nur, weil es ja ziemlich in der Nähe von all dem ist.

Bitte antwortet, wenn ich was wisst!!!

Grüße

Christin
Ich möchte endlich mit meinem Problem ernst genommen werden und nicht mehr von Ärzten hin und her geschickt und mit Tabletten abgespeist werden.
Benutzeravatar
ccat
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 46
Alter: 36
Registriert: 09 Jul 2006 17:22
Wohnort: Pfalz, Eifel
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Stuhl-, Harninkontinenz
Hilfsmittel: Vorlagen

Beitrag #2 von Stefan » 23 Sep 2009 13:47


Hallo Christin,

also erstens findeich Druck bei dieser Entscheidung von diesem Prof. Reitz sehr unprofessionell. Wie bei allen eingriffen gibt hier Vor- und Nachteile (Komplikationen).

Vorteile:
- die Blasenmuskulatur wird so gelähmt, dass kaum Urin mehr verloren geht. Als nur die Muskeln in der Blasenwand die für das Zusammenziehen der Blase zuständig sind.
- daher brauchen 80% auch keine oder nur wenige Einlagen.
- es ist nach 3 - 6 Monaten wieder abgebaut, also reversibel.

Nachteile:
- Botox braucht mehrere Tage bis es 100%ig wirkt, erst dann weiß man ob geklappt hat.
- Ist Spritzmuster zu weitmaschig, steigt die Blasenkapazität, aber Sie entleert sich dennoch.
- Es ist immer katheterisieren notwendig, auch wenn sich die Blase noch selbst entleert.
- Die Inkontinenz kommt schleichend wieder, es kann aber erst nachgespritzt werden, wenn das Botox ausgebaut ist.

Komplikationen:
- es kann zu Infektionen der Nadellöcher in der Blase kommen.
- natürlich kann man auch ne Allergie auf Botox entwickeln.
- es kann zu Fehlempfindungen im Uro-Gential-Bereich kommen.

Hm sexuelles Empfinden, da gibt es keine Untersuchungen. Die Fehlempfindungen meinen eher Taubheitsgefühle oder Ameisenlaufen im bereich der Blase. Sollte dies der Fall sein, wird auch die Orgasmusfähigkeit leiden. Aber wer braucht schon Sex, wenn er nicht mehr Inko ist.

Ich möchte zu dem Thema nur folgenden Rat abgeben. Wer mit seiner Inko leben kann, der sollte die Finger davon lassen, wir noch viel zuwenig über Botox und etwaige negative Einflüsse durch den Abbau im Körper. Wer meint er könne mit Inko nicht Leben, der solle es sich machen lassen. Ist immer noch besser als ein unglückliches Leben zu führen und in Depris zu versinken.

Lg

Stefan
Stefan Süß
(SVI e.V. - Vorstand)

Telefon: 0941 / 46 18 38 06
Brief: Stefan Süß, Tulpenstraße 5, 93161 Sinzing
Benutzeravatar
Stefan
Admin
Admin
 
Beiträge: 432
Bilder: 13
Alter: 43
Registriert: 05 Jan 2003 23:56
Wohnort: Sinzing / Oberpfalz
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Partner: verheiratet
Art der Inkontinenz: Reflexinkontinenz
Hilfsmittel: Inkontinenzslips

Botox ???

Beitrag #3 von Chris » 24 Sep 2009 07:23


Hallo Christin,

ich möchte mich inhaltlich voll Stefan anschließen und dir darüber hinaus dringend raten, zu Botox an sich, noch ein paar weitere Informationen ein zu holen!! In der letzten Zeit mehren sich die Stimmen, die vor späten Nebenwirkungen dringend warnen, es ist wohl insbesondere bei der Botox Anwendung in der Schönheitschirurgie zu unerwünschtem Zellwachstum gekommen - im Klartext es ist keinesfalls sicher ob Botox nicht in erheblichem Umfang Tumorwachstum begünstigt.

Außerdem wurde beobachtet, dass die Langzeiterfolge eher gering sind - nach dem 3-5 Nachspritzen werden die Zeiträume schon erheblich kürzer, dann ist die Wirkungsdauer also nicht mehr ca. 6 Monate, sonder liegt eher bei 3 Monaten - über die Dauererfolge kann ja fast noch nichts gesagt werden, da Botox erst ein paar Jahre in der breiten Anwendung ist. Da solltest du dir schon sehr genau überlegen, ob nicht eine Umstellung deiner Psyche - also Hilfe bei der Akzeptanz der Inko der bessere Weg ist.

Wenn du dir vor Augen führst, dass du keinesfalls allein bist mit deinem "Problem" - in Deutschland sind etwa 10% der Erwachsenen Bevölkerung betroffen - dann sollte die Überlegung - habe ich schon einmal ein Hilfsmittel bei Mitmenschen bemerkt ?? - dir deutlich machen, dass das Problem allein in deinem Kopf liegt!! Was ist peinlicher, als dass Dritte durch eindeutige Spuren feststellen, dass du nass bist - da ist es doch sehr viel unproblematischer, wenn du gut geschützt einen schlimmstenfalls etwas "fülligeren" Eindruck machst. Wie du selbst feststellen wirst - man sieht es nicht und wenn also ca. 8-10 Mio. Mitbürger betroffen sind, dann sollte es eigentlich alltäglich sein, dass einem jemand begegnet, der auch "verpackt" ist. Außerdem - hast du schon Beckenbodentraining gemacht ?? - das befreit mit Sicherheit nicht vom Drang, stärkt aber den Verschluss und verhindert "Ünfälle" - das geht nicht innerhalb von Tagen, aber langfristig ist es ein sicherer Weg.

Du siehst - es gibt eine Reihe von Überlegungen, die zum Ziel - ein unbeschwertes Leben führen zu können - führen. Was für dich richtig ist, musst du ganz allein entscheiden, auch ein Arzt kann letztlich nur Vorschläge machen, auf den Risiken bleibst du immer selbst sitzen und musst sie im Zweifel ertragen.

Machs gut

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
Benutzeravatar
Chris
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 299
Alter: 65
Registriert: 04 Mai 2003 21:07
Wohnort: Bad Oldesloe
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harn / Stuhl
Hilfsmittel: Slips / Pants / Vorlagen

Beitrag #4 von alex1974 » 24 Sep 2009 20:20


Hallo Christin,

bezüglich der Botulinumtoxin Anwendung bei Urologen und deren Langzeiterfhrungen kann ich dir leider nicht viel sagen, da ich es selber noch nicht gemacht habe. Ich habe allerdings, da ich in einem Spital arbeite, das auch viele Kinder mit Muskelspastik behandelt einiges an Erfahrung in diesem Bereich gesammelt.

Im großen und ganzen unterstütze ich die vorigen Beiträge. Botox ist kein ganz neues Medikament mehr. Es gibt also durchaus auf manchen Gebieten schon langzeiterfahrungen. Bereits Ende der 70er Jahre wurde es in der Augenheilkunde zur Behandlung von Schielen verwendet. Im Bereich der Behandlung der Muskelspastik wird es etwa seit Anfang/Mitte der 90 er Jahre zunehmend eingesetzt. Ich selbst arbeite seit nahezu 10 Jahren mit Kinder mit Spastik und Botox.

Der Einsatz von Botox muss natürlich immer genau abgewogen werden. Die Wirkung ist aber sehr zuverlässig in dem Muskel der injiziert wird. Einen langsamen Wirkungsverlust nach Jahren aufgrund der langsamen Fibrosierung des Muskels mit Verminderung der Dehnbarkeit kann es geben, wie schnell das allerdings bei der Blase geht kann dir nur ein Urologe sagen, der das oft macht. Auch das die Wirkung nach einigen Monaten langsam abnimmt durch den Abbau des Toxins ist eine Tatsache.

Was ich allerdings aus meiner Information so nicht stehen lassen will ist die angebliche Gefahr dass Tumore dadurch wachsen würden. Es gibt Bisher keine Berichte darüber dass Tumore durch Botulinumtoxin Präparate ausgelöst würden. Sonst wäre das Präparat längst vom Markt genommen. Und es gibt doch schon Erfahrungen von etwa 30 Jahren damit.

Überlege dir gut, was du willst. Lass dich beraten und entscheide dann. Die besten Informationen wirst du von jemandem bekommen, der viel Erfahrung damit hat. Im Internet findet man sicherlich viele Informationen, wenn man Botox googeln würde. Man kann heutzutage alles daraus herauslesen, aber lass dich bitte nicht zu sehr verunsichern oder sogar verängstigen davon was du alles finden wirst.

@Chris: Könntst du mir bitte die Quelle nennen, wo es zu Tumorinduktion oder bösartigen Tumoren nach Botox kam, das würde mich üersöhnlich sehr interessieren, wenn das wirklich stimmt.

LG
Alexander
Benutzeravatar
alex1974
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 35
Alter: 44
Registriert: 13 Apr 2006 06:29
Wohnort: Wien
Land: Germany (de)
Geschlecht: Nicht angegeben
 
Art der Inkontinenz: Bettnässen
Hilfsmittel: Windeln, Tena Maxi, Attends 10

Beitrag #5 von fiat08 » 25 Sep 2009 12:46


Hallo :D ,
durch das katherisieren gelangen immer Bakterien in die Blase, und bei
einem Harnwegsinfekt lässt die Blase laufen mit oder ohne Botox und
Medikamente.

Eine Freundin hatte schlimme Vergiftungsnebenwirkungen nach Botox und bei
einer anderen schrumpft die Blase, sie hat kaum noch Fassungsvermögen.

Lass Dich auf keinen Fall vom Arzt drängen, informiere Dich in Ruhe
ausführlich. Die Ärzte verdienen sehr gut mit Botox, man
muss ein paar Tage im Krankenhaus bleiben usw.

LG
fiat08 :D
Wünsche mir Erfahrungsaustausch mit Betroffenen, die ihre Inkontinenz einer Querschnittslähmung verdanken.
Benutzeravatar
fiat08
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 41
Alter: 51
Registriert: 28 Jul 2006 10:56
Wohnort: Saarland
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Harn-und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Tena Lady

Beitrag #6 von fiat08 » 25 Sep 2009 12:49


Hallo,
habe noch was vergessen, mit Botox allein ist es nicht getan, in manchen
Fällen muss man noch zusätzliche Medikamente nehmen.

Lg
fiat08 :D
Wünsche mir Erfahrungsaustausch mit Betroffenen, die ihre Inkontinenz einer Querschnittslähmung verdanken.
Benutzeravatar
fiat08
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 41
Alter: 51
Registriert: 28 Jul 2006 10:56
Wohnort: Saarland
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Art der Inkontinenz: Harn-und Stuhlinkontinenz
Hilfsmittel: Tena Lady

Beitrag #7 von Gabi » 30 Sep 2009 11:52


Hallo Christin

Ich katheterisiere seit 4 Jahren. Zunächst hatte ich ständig Spastiken (falle bei Botox weg), aber die größere Gefahr sind die Harnweginfektionen. Diese hatte ich 3 Jahre fast ständig. Ich nehme zur Vorbeugung Preiselbeerkapseln zahlt die Krankenkasse nicht. Auch das Desinfektionsmittel zahlt die Kasse nicht. Das ist zwar ein sehr kleiner Posten im Budget, aber ich wäre froh, wenn ich das ISK nicht machen müsste. Ich spielte auch schon mit dem Gedanken, Botox spritzen zulassen (wegen Spastik), aber habe es bis jetzt noch nicht versucht. Ich finde, die Nachteile überwiegen immer noch gegenüber den Vorteilen. Die 6 Monate vergehen so schnell, dann lässt die Wirkung nach, und man muss wieder ins Kh.

Überlege es dir gut und lass dich ja nicht drängen.

Viele Grüße Gabi
Benutzeravatar
Gabi
Megaautor (min. 100 Beiträge)
Megaautor (min. 100 Beiträge)
 
Beiträge: 107
Alter: 63
Registriert: 01 Aug 2008 18:24
Wohnort: Baden-Württemberg
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: verheiratet
Art der Inkontinenz: neurogene Blasenentleerungsstörung
Hilfsmittel: Katheter

Beitrag #8 von ccat » 30 Sep 2009 20:56


Hallochen und danke für alle Antworten!

Ich denke mal, ich werde das mit dem Botox machen lassen.

Ich war im Urlaub die letzten Tage, also hatte ich keine Gelegenheit mit dem Prof. aus Bonn zu sprechen, ich werde diesen aber auf jeden Fall noch ausführlich ausquetschen.

Diesmal will ich vorher wissen, worauf ich mich einlasse.

Vor 13 Jahren war ich nach einer Wirbelsäulen-OP (Skoliose-Stabilisierung mit Titanstäben) plötzlich querschnittsgelähmt, laufen konnte ich dann nach ein paar Wochen wieder, aber die Inkontinenz blieb. Ich kann mich nicht erinnern, in der Voraufklärung jemals was von Inkontinenz gehört zu haben.
Tja, nun könnte man sagen, ich sollte froh sein, dass ich laufen kann und den Rest hinnehmen.
Klar hätte die Sache auch für mich im Rollstuhl enden können, ich bin froh, dass es nicht so ist und natürlich sind andere Leute viel schlimmer dran, richtig.

Fakt ist allerdings, seit dieser OP habe ich, auch aufrecht gehend, kein Leben mehr.

Ich kann nicht mitgehen, wenn Freunde spontan ausgehen, ich kann weder Sport machen, weil es bei Bewegung besonders schlimm ist, und ich kann nicht bei anderen übernachten, weil ich nachts Höschen tragen muss.
Meine Schwiegermutter in Spee hat mich ihres Hauses verwiesen, weil ich durch einen "Unfall" nachts die Matratze ruiniert habe und ich bin mir sicher, wenn ich mir ein Zimmer nehme, (Ich muss derzeit wegen meiner Ausbildung alle paar Monate umziehen und hab daher gerade keine eigene Wohnung.) würden die Vermieter auch fadenscheinig plötzlich eine anderen Interessenten nehmen, wenn sie von meiner Inko wüssten.
Das ist kein Leben, nicht in meinen Augen.
Alles was ich tun kann, ist möglichst bewegungslos an meinem Schreibtisch verharren oder vorm Fernseher und träumen davon, was andere "einfach so" machen können.

Nun könnte man sagen, ich muss meine Einstellung ändern. Kann sein, krieg ich aber nicht hin.
Ich kann keine dicken Vorlagen tragen, weil die besonders beim Sitzen kaum auszuhalten sind und außerdem kann ich es nicht einfach "laufen lassen", weil dann immer nur ein Bisschen was raus kommt, der Drang ist trotzdem noch da und es ist nass, außerdem Infektionsgefahr durch Restharn.
Tagsüber bin ich müde, weil ich nachts nicht durchschlafen kann und ohne Tabletten vom Neurologen, die mich wach machen, kann ich mich nicht konzentrieren und ich meine damit nicht, dass ich etwas müde bin, sondern dass ich bei der Arbeit einschlafe und im Unterricht nichts richtig mit bekomme.

Ich bin ein sehr geduldiger, naja vielleicht besser duldsamer Mensch und ich habe mich in den letzten Jahren nie beschwert, habe alles so hingenommen, meine verschiedenen Tabletten artig gegessen, mich damit abgefunden allein zu sein und bei den Leuten wie ein fauler Langweiler da zu stehen.

Wenn es nur die kleinste Chance gibt, dass ich endlich wieder leben kann, dann habe ich keine andere Wahl, als die Chance wahr zu nehmen.
Wenn ich danach schlimmer dran sein sollte als vorher, dann weiß ich nicht, was ich tun soll, aber darüber kann ich dann immernoch nachdenken, denn dann werde ich wohl auf dem WC einziehen und kann dort tagelang nachdenken, wenn ich dann auch keine Arbeit mehr machen kann und all die Dinge.

Mir ist klar, das Botox Nebenwirkungen haben kann, ich hab eine medizinische Ausbildung und ein paar Semester Biologie studiert, ich weiß, was ein Nervengift ist etc. Natürlich hab ich auch Angst, dass es schief geht, aber das ist meine Chance, endlich zu leben.
Ich möchte endlich mit meinem Problem ernst genommen werden und nicht mehr von Ärzten hin und her geschickt und mit Tabletten abgespeist werden.
Benutzeravatar
ccat
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 46
Alter: 36
Registriert: 09 Jul 2006 17:22
Wohnort: Pfalz, Eifel
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Stuhl-, Harninkontinenz
Hilfsmittel: Vorlagen

innere Einstellung

Beitrag #9 von Chris » 01 Okt 2009 09:02


Hallo CCat,

ich fürchte mal, wenn Du nichts änderst, wird sich nichts ändern.

was meine ich damit - in deinem letzten Beitrag machst du deutlich, dass du dich selbst, so wie du jetzt nun mal bist, nicht magst. Dort solltest du den Hebel ansetzen, bevor weitere medizinische Maßnahmen getroffen werden, die die Situation ggf. sogar noch schwieriger machen.

Was heißt das konkret - du musst!!! etwas für dich tun - am Fenster sitzen und träumen führt zu nichts!! Also Skoliose hin oder her, Wirbelsäule bewegungseingeschränt - Bewegung muss sein und dann lassen auch die Schmerzen nach, eine nicht trainierte Muskulatur kann nichts stützen und wird immer schwächer - das ist der falsche Weg!! Krankengymnastig ist der erste Schritt, weitermachen musst du dann selbst. Und wenn es dabei läuft - gewöhn dich an Hilfsmittel, das mussten Andere auch!! und es geht.

Also 1. Bewegung und
2. versuch schlimmstenfalls mit Hilfe eines Psychologen - deine Einstellung zu dir gerade zu bekommen - du musst dich so mögen wie du bist, sonst bleibt irgendwann nur noch die Brücke ....

In diesem Sinne - nicht hängen lassen - anpacken und bewegen!!

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
Benutzeravatar
Chris
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 299
Alter: 65
Registriert: 04 Mai 2003 21:07
Wohnort: Bad Oldesloe
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Harn / Stuhl
Hilfsmittel: Slips / Pants / Vorlagen

Beitrag #10 von ccat » 10 Okt 2009 20:43


Hallo an alle!

Zu Deinem Kommentar, Chris, muss ich sagen, Du hast sicher recht, man muss sich akzeptieren können, generell um im Leben klar zu kommen, das stimmt.

Ich sollte vielleicht noch dazu sagen, in psycholigischer Behandlung war ich gut zwei Jahre lang, davon drei Monate ambulant in einer Tagesklinik zur Gruppentherapie, das hat mir auch alles etwas weiter geholfen. Derzeit bin ich aus organisatorischen Gründen nicht in Therapie, aber sobald es geht, werde ich wieder anfangen.

Schmerzen habe ich wegen der Skoliose keine, noch nie gehabt. Darüber bin ich natürlich echt froh, aber kommen kann das noch, das weiß ich.

Hilfsmittel benutze ich seit Jahren, kleine Einlagen tagsüber und Höschen nachts. Ich habe mich damit abgefunden, ja. Mehr als eine Einlage am Tag brauche ich normal nicht, zumeist ist diese auch abends nicht mal nass, aber das geht auch nur, weil mein Leben extrem kontrolliert abläuft. Ich will das vielleicht mal beschreiben:

Ich stehe gegen 5:30 Uhr auf, gehe duschen, Haare, etc, frühstücke, trinke aber nichts.
Gegen 7:20 Uhr gehe ich zu Fuß los zur FH, der Weg dauert ca. 30 Minuten.
Der Unterricht beginnt 7:50 Uhr, wir haben drei Vorlesungen pro Tag, jede dauert 90 Minuten, mit einer 5-Minuten-Pause etwa in der Mitte (ist den Dozenten überlassen wann), danach je 20 Minuten Pause. Ich nehme immer eine Thermoskanne mit einem Liter Tee mit.
Bis etwa nach der zweiten Vorlesung, die 11:10 Uhr zuende ist, trinke ich die Kanne leer. Das muss ich, denn sonst komme ich nicht ohne auf die Toilette zu müssen zu Fuß nach Hause, wenn 13 Uhr Schluss ist.
Während des Unterrichts muss ich deshald mindestens jede kleine Pause, also alle 45 Minuten aufs WC, in der 20-Minuten-Pause gehe ich sogar am Anfang und am Ende der Pause, damti ich überhaupt die Stunde überstehen kann. Manchmal muss ich auch zwischendurch.
Von 13:00 - 13:30 Uhr ist dann etwa mein Heimweg.
Zuhause trinke ich dann auch noch was, bin aber auch die ganze Zeit drinnen, in der Nähe vom WC.
Einmal die Woche gehe ich Reiten. Das fängt dann möglichst 14 Uhr an, damit ich nur meine Sachen abstelle Zuhause, aufs WC gehe und dann gleich weiter gehe zum Reiterhof, auch etwa 30 Minuten Weg.
Was trinken geht nicht, weil ich dann wieder den Weg nicht schaffe.
Bevor ich aufs Pferd steige, gehe ich natürlich nochmal zum WC.
Beim Reiten habe ich dann auch schnell Harndrang, durch die Bewegung. Durch Einlage ist das nicht so schlimm, aber wenn dann der Urin abgeht, kommt ja nicht viel raus, es bleibt etwas in der Blase, daher muss ich nach wenigen Minuten schon wieder. So richtig konzentrieren kann man sich da kaum und etwas genießen kann man auch nicht.
Ehe ich dann alles fertig habe, Pferd wieder im Stall, etc, ist es etwa 16 Uhr, dann noch der Heimweg. Ich kann dann also vor 16:30 nichts wieder trinken.
Das mache ich dann Zuhause.
Gegen 22:30 Uhr gehe ich ins Bett. Wenn ich nach 20 Uhr nichts mehr getrunken habe, muss ich nur vielleicht einmal nachts raus, wenn ich später nochwas trinke, dann zwei bis drei Mal.
Außerdem ist mein Höschen dann aber trotzdem noch nass.
Es ist also so, dass ich öfter nachts zeitweise nur so im Halbschlaf liege, was ich aber nur manchmal mitbekomme. Damit ist der Schlaf natürlich nicht sonderlich erholsam.
Deshalb war ich jahrelang jeden Tag extrem müde. Ich habe immer gedacht, ich wäre einfach unzulänglich was das betrifft, bis mir ein Neurologe quasi eine Art "Schichtarbeitersyndrom" bescheinigte, weil mein Schlaf einfach nicht erholsam ist, egal wie lange ich schlafe.
Daher nehme ich jetz Vigil. Damit bin ich endlich wieder wach. (Man darf sich das nicht als einfache Müdigkeit vorstellen, wenn man halt mal etwas länger abends gemacht hat, sondern ich bin während des Unterrichts und der Arbeit eingeschlafen, ohne etwas dagegen tun zu können. Ich war natürlich das Gespött der Leute, die das mitkriegten und bin bei meiner Arbeitsstelle fast rausgeflogen.)

Nachts kann ich mit den Höschen leben, im Liegen geht das, aber tagsüber, wenn ich ja viel sitzen muss, schlagen diese Dinger immer Falten und soetwas, so dass es einfach auf Dauer unerträglich ist, sowas zu tragen.
Außerdem nutzt eine große Vorlage mir ja auch weniger, da ich dann trotzdem ständig Harndrang habe, denn die Blase entleert sich nicht so richtig, ohne dass ich angestrengt daran arbeite auf dem WC. (Ich mache dieses "Klopfen", den Fachausdruck dafür weiß ich nicht, damit ich die Blase überhaupt leer kriege.) Sonst habe ich Restharnbildung, was ja auch gefährlich sein kann. Harnwegsinfekte hab ich auch öfter, obwohl ich das gar nicht mehr merke. Mir sagt das dann meist der Urologe bei den regelmäßigen Untersuchungen, sonst wüsste ich das gar nicht.

Ob man das hier ansprechen darf, weiß ich nicht, aber ich mache es mal:
Beim Sex ist es auch total schlimm. Wohl durch die Reibung habe ich nach wenigen Minuten schon Harndrang, auch wenn ich direkt vorher auf dem WC war. Natürlich hab ich dann immer Angst, dass Urin abgeht, was auch manchmal passiert, was aber das kleinere Problem ist. Langes Vorspiel ist dann natürlich nicht drin, weil ich dann immer nur drauf warten kann, dass ich gleich wieder muss. Genießen kann ich also davon nichts.
Deshalb hatte ich mit meinem Freund auch schon über ein Jahr keinen Sex, weil es für mich einfach mehr Überwindung als Spaß ist. Das frustriert natürlich beide Seiten.

Ganz zu schweigen davon, dass man mit mir ja nichts unternehmen kann, weil ich nicht ohne ein zwei Tage vorherige Planung und auch dann nur unter Angst und mit Stress etwas unternehmen kann. Deshalb ist meine dritte Beziehung auch wieder am Ende.

Deshalb möchte ich diese Botox-Behandlung. Soweit ich das verstanden habe, ist dann wenigstens dieser fast ständige Drang weg. Der Professor Reitz in Bonn hat das so ausgedrückt: Normal konntrolliere ich meine Blase, aber da ich das nicht kann, kontrolliert sie mich. Da hat er völlig Recht.
Klar hab ich Angst, dass ich dann komplett inko bin und nicht mehr mitkriege, wenn ich muss, aber das Risiko muss ich wohl eingehen.
Durch das Kathederisieren wird die Blasse richtig leer, ohne dass ich ewig "klopfen" muss und richtig fest drücken, was ja auch fürs Bindegewebe nicht gerade gut ist. Das Risiko der Harnwegsinfekte durch das Kathederisieren hab ich auch ohne das, da ich sowieso offensichtlich dauernd Infekte habe.
Das Einzige was ich wirklich nicht verstehe, ist, warum bei der Lähmung der Blase durch das Botox nicht mehr der Urin von allein abgehen soll, ohne dass ich es will.
Und das Kathederisieren kann ich mir ehrlich gesagt auch noch nicht so recht vorstellen. Wie das gehen soll und irgendwie ist das ja auch nicht so toll, sich "da unten" "rumfummeln" zu müssen. (Sorry für die Ausdrücke, ich weiß nicht, wie ich das besser beschreiben soll)

Ich weiß, ich hab wiedermal viel zu viel geschrieben, aber ich wollte es zum Verständnis einfach mal schildern.
Ja, das ist mein Leben, also mehr, mein Nichtleben, denn so empfinde ich es.
Auch wenn es anderen bestimmt viel schlechter geht als mir, trotzdem ist es eine echte Last.

Liebe Grüße an alle

CCat
Ich möchte endlich mit meinem Problem ernst genommen werden und nicht mehr von Ärzten hin und her geschickt und mit Tabletten abgespeist werden.
Benutzeravatar
ccat
(Themenstarter)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
Standardautor (min. 15 Beiträge)
 
Beiträge: 46
Alter: 36
Registriert: 09 Jul 2006 17:22
Wohnort: Pfalz, Eifel
Land: Germany (de)
Geschlecht: Weiblich
 
Partner: ledig
Art der Inkontinenz: Stuhl-, Harninkontinenz
Hilfsmittel: Vorlagen

Nächste

Zurück zu Diagnostik und Behandlung

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron