Blasenspiegelung machen lassen ??

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Beitrag #1 von Gulliam » 11 Dez 2012 19:23


Da das Thema einmal hier ist, ich bin durch eine Prostataentfernung auch Inko.
Und das seit 6 Jahren.
Nun hat mir mein Urologe vorgeschlagen, mal die Blase anzuschauen, ob man nicht ein Band einziehen kann.
Bisher war ich der Meinung, das geht nur bei Frauen.

Meine Inko ist so unterschiedlich, einmal ist es so, das ich denke, morgen könntest du mal ohne Vorlage probieren, und dann kommen Tage wo ich 4-5 Vorlagen brauche, ich nenne die dann Lauftage.
Soll ich die Blasenspiegelung machen lassen, gibt es da reelle Chance, das dies funktioniert?
Viele Grüsse
Gulliam
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Blasenspiegelung machen lassen ??

Beitrag #2 von Chris » 12 Dez 2012 08:16


Hallo Gulliam,

bevor hier etwas missverstanden wird - eine Blasenspiegelung würde ich immer machen lassen, das ist nicht das, was ich mit "Eingriff" gemeint habe. Ich wende mich gegen "richtige" OP's, bei denen "geschnitten wird", ohne das der Erfolg einigermaßen sicher gestellt ist.

Schauen wir doch einmal genauer hin, was da gemacht wird - Im Grunde ist das wie Kathetern, mal abgesehen davon, dass auch die modernen Endoskope (Gerät für die Blasenspiegelung) - nicht so klein sind, wie die kleineren Katheter. Ganz selten werden noch starre Endoskope zur Blasenspiegelung eingestzt. Bei Frauen ist das etwas ander, da dort die anatomischen Verhältnisse anders sind - kurze gerade Harnröhre!!

Die Harnröhre wird mit Installagel o.ä. "unempfindlich" und gleitfähig gemacht, da ist ein leichtes lokales Betäubungsmittel drin, ansonsten fast nur Wasser. Dann schiebt der Untersucher ein feines Röhrchen - sieht aus wie ein etwas festerer Schlauch, in die Harnröhre. Innen enthält ein Endoskop vorne eine kleine Kamera, eine Lichtquelle und einen "Arbeitskanal", durch den Instrumente zur Probenentnahme etc. vorgeschoben werden können. Die Harnröhre beim Mann ist recht lang und hat einen Knick, kurz vor der Prostata, da muss der Untersucher aufpassen, dass er die Schleimhaut der Harnröhre nicht verletzt (läßt sich nicht ganz vermeiden, weil das Instrument nun mal an der Innenseite ein wenig "kratzt", daher gibts "normal" eine Antibiose und es brennt ein paar Stunden /Tage beim Wasserlassen).

Insgesamt ist diese Untersuchung nicht wirklich schmerzhaft und recht schnell (normal ca. 30min) - vielleicht ein wenig unangenehm, weil da jemand Fremdes "am Penis manipuliert", sie geht schnell und ist sehr aussagefähig, da die gesamte Harnröhre und die Blase direkt "besichtigt" werden kann - manchmal kann/wird sogar bis zu den Harnleitern (Verbindung zu den Nieren) vorgeschoben und die werden ansatzweise auch noch untersucht. Außerdem können "in einem Rutsch" ggf. nötige Proben durch den Arbeitskanal genommen werden. Man gewinnt also mit einer Untersuchung eine Fülle an Informationen und kann oft dann schon recht sicher sagen, was los ist und welche Möglichkeiten bestehen. Insbesondere bei Verdacht auf Schleimhautveränderungen, Krebs etc. ist das die schnellste und sicherste Methode, da oft schon "optisch" beurteilt werden kann, was vorliegt.

Soweit ich das mit der Funktion des Bandes verstanden habe, setzt man das überwiegend ein, um eine geknickte Harnröhre und/oder Blase wieder in die richtige Position zu bringen. Das kann sicher bei einer Blasenspiegelung beurteilt werden - es sollte also sinnvoll sein, diese recht schnelle und Beschwerdenarme Merhode ein zu setzten. Das Einsetzen des Bandes ist auch nicht "so schlimm" - es werden keine wesentlichen Strukturen verletzt oder beeinträchtigt, es ist normalerweise problemlos wieder entfernbar und die verbleibenden Narben sind vernachlässigbar klein, zumal sie in Bereichen liegen, "in denen es nicht wirklich darauf an kommt" - also insgesamt ein Eingriff, der viel Erleichterung bringen kann und wenn er nicht gut funktioniert keine schlimmeren Folgen hat. Oft wird das Band in lokaler Betäubung eingesetzt, das Narkoserisiko ist also auch noch kleiner. In sofern - das sollte kein Problem darstellen - wenn die Aussichten gut sind.

Ganz wichtig aber ist - damit das Band richtig arbeiten kann, muss man sich in den ersten 6-10 Wochen nach dem Einsetzen sehr schonen - nicht schwer heben, vorsichtig bücken etc., sonst verrutscht ein Ende, bevor es richtig eingewachsen ist (wird nicht vernäht!!) - das wird oft nicht ausreichend beherzigt und daher gibt es eine recht hohe "Versagerquote". Risiko ist, dass es zu stramm gelegt wird und dann die Harnröhre "abschnürt", dann muss der Urin mittels Katheter abgelassen werden, sonst sind die Nieren durch Stau gefährdet und außerdem bleiben dann oft größere Restharnmengen, die Blasenentzündungen verursachen können.

Alles in Allem - ein Eingriff, der wie jeder Eingriff sorgfältig abgewogen werden sollte, aber im Vergleich recht geringe Risiken, dafür gute Aussicht auf Nutzen bietet.

In diesem Sinne - machs gut

Chris
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Beitrag #3 von Gulliam » 12 Dez 2012 10:55


Vielen Dank Chris für die ausführliche Erklärung, du hast mir die Angst genommen.
Viele Grüsse
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Beitrag #4 von Helmut » 12 Dez 2012 15:14


Hallo Gulliam,

ich habe mal deinen Beitrag hierher verschoben, da er ja nichts mit Stuhlinkontinenz zu tun hat. :wink:

Chris hat ja eigentlich schon alles gesagt. Die Bändchentechnik ist für Männer noch nicht so weit verbreitet und es gibt auch noch keine Langzeitergebnisse dazu. Trotzdem lässt sich sagen dass das Verfahren durchaus für Männer geeignet ist und auch nach aktueller Kenntnis gute Ergebnisse bringt. Die Operationstechnik ist etwas aufwendiger bzw. anders als bei Frauen, das ist aber Anatomisch bedingt.

Wenn dein Urologe meint du bist für dieses Band geeignet, dann sehe ich da keine Bedenken.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Beitrag #5 von Gulliam » 12 Dez 2012 19:28


Auch dir ein Danke, gut ich hätte es sofort hierher stellen sollen, aber der Thread bot sich ja direkt an.
Gut das du es verschoben hast, dann können es auch Andere finden.
Viele Grüsse
Gulliam
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