Bekomme keine Windeln verschrieben

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Beitrag #11 von Roberti » 30 Dez 2004 14:05


Hallo Matti,

herzlichen Dank für Deine Antwort!

Du hast meine Situation sehr gut erkannt. Ich will Dir kurz schreiben, was mich da bestätigt:

Einnässen und einmachen ist ein Schrei nach Liebe.

Durch die Windeln und mit dem Einnässen bekomme ich tatsächlich Aufmerksamkeit oder hoffe darauf.

Meine Inkontinenz ist eine große Belastung für mich. Ich habe, gewachsen durch meine traumatische Kindheit, ein schwaches Selbstwertgefühl. Einmachen, einnässen und Windeln tragen stabilisiert mich da, obwohl es sehr verrückt klingt.

In meinen Fall, sind, denke ich, psychische Faktoren die Auslöser für das in die Hose machen.

Einigeln ist richtig, denn wenn es mir in die Windel geht, fühle ich mich dabei durch meine Windelhose völlig von der Umwelt geschützt. Ganz sicher ist aus meiner Sicht eine psychische Traumatisierung in meiner Kindheit der Grund für meine Harn- und Stuhlinkontinenz.

Ich leide immer wieder an schweren Depressionen und habe Lebensangst.

Schmerzhaften Harndrang habe ich nicht. Ich glaube, organische Ursachen kann man bei mir ausschließen.

Meine seelische Verfassung ist zur Zeit miserabel. Ehrlich gesagt, halte ich mich derzeit sehr an den Windeln fest. Ich habe das Gefühl, daß meine Windelhosen momentan das einzige sind, was mir Sicherheit und Stabilität gibt.

Ich habe immer schon gelernt, Aggressionen runterzuschlucken. Mit Trotz kam ich bei meiner Mutter nie weiter. Im Gegenteil, es hat meine Situation dann immer nur noch verschlechtert. Als Kind habe ich schon gelernt, Emotionen und Gefühle zu zeigen. Allerdings wurde mir vermittelt, daß ich die Gefühle der Mutter zu übernehmen habe. Und wenn mußten die eigenen Gefühle in die Wahrnehmung der Mutter passen. Eigene Gefühle waren nicht gefragt, was mich dazu brachte in allen Lebensbereichen nicht mehr meinen eigenen Gefühlen zu vertrauen.

Ich hoffe, Du siehst, wie deutlich die psychischen Ursachen für meine Inkontinenz zu Tage treten!

Leide ich unter einen sekundären Enuresis? Ich habe gelesen, daß 1 bis 2,manche meinen auch 5 % der Erwachsenen darunter leiden!

Ich hatte mehrere dramatische und einschneidende Veränderung der Lebenssituation in meiner Kindheit. Die Trennung der Eltern, auch von meinem Bruder. Die Trennung von mehreren Freunden meiner Mutter. Der frühe Tod meines Vaters, auf dessen Beerdigung ich nicht mal gehen konnte. Einige Umzüge. Und heute wiederholt es sich ja wieder. Wie geschildert: Trennung von der Frau und meinen Kindern, Probleme im Beruf usw.

Mir hat immer schon Liebe und Zuneigung gefehlt. Jetzt bin ich ganz alleine und ich denke schon, daß mein einnässen und einmachen das alles symbolisiert.

Meine Befürchtung ist eben, daß beim Arzt die psychosomatischen Aspekte meines Falles bei der Diagnostik meiner Inkontinenz keine Rolle spielt.

Nun will ich noch Deine Fragen beantworten:

Warum ich nachts noch trocken bin und nur tagsüber in die Hose mache, kann ich Dir nicht sagen. So, wie sich mein Problem aber zur Zeit verstärkt, habe ich die Befürchtung, daß es nicht mehr lange dauern wird, daß ich mich auch nachts nass mache.

Ich glaube weniger, daß dies alles mit Verstand zu tun hat, sondern vielmehr mit meinen Gefühlen, die ich nicht verstehen und auch nicht steuern kann.

Wie gesagt, hab ich es unterwegs bisher immer gerade so geschafft, auch, wenn meine Unterhose schon mal ein wenig nass geworden war. Aber auch das alles hat mit dem Gefühl von Sicherheit zu tun. Ich weiß nicht, wie ich das verständlich erklären soll. In meinen eigenen vier Wänden habe ich das unterbewußte Gefühl sicher zu sein. Ich halte den Harn und Stuhl dann unterbewußt länger, als es mir gut tut. Wenn mir dann alles in die Hose geht, ärgere ich mich zwar darüber, aber denke dann, es ist nicht so schlimm, weil ich ja zuhause bin und es keiner mitbekommt. Ich bin sowieso immer alleine.

Unterwegs gibt mir meine Windel dann diese Sicherheit. Dann verlasse ich mich auch voll und ganz auf die Inkontinenzslips!

Meine Therapeutin kommt sehr gut mit meiner Inkontinenz klar. Ich fürchte aber, daß ein Arzt mich für verrückt erklärt und mich für einen Spinner abtut. Auch schäme ich mich sehr dafür, dem Hausarzt sagen zu müssen, daß ich wieder einnässe und einmache. Ich glaube, der Hausarzt würde mir nicht glauben und mich auch nicht verstehen. Andererseits fürchte ich, daß ich die Inkontinenzslips einfach brauche.

Das alles ist ein riesiges Problem für mich. Ich fürchte, bald nicht mehr ohne Windelhosen leben zu können. Dabei würde ich gern darauf verzichten und ganz normal sein.

Gruß, Robert
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Roberti
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Beitrag #12 von Matti » 30 Dez 2004 17:26


Hallo Roberti,


ich habe selten hier im Forum so offene Worte gelesen. Deshalb denke ich auch nicht das Du ein Spinner oder Verrückt bist. "Verrückt" bist du schon aber im Wörtlichen Sinne des Wortes. In deinem Leben scheint einiges Verrückt zu sein. Ich denke das du dir selbst etwas vormachst wenn du sagst das du wirklich Inkontinent bist. Als Inkontinenz bezeichnet man die Unfähigkeit Urin oder auch Stuhl bewusst zurückzuhalten. So wie ich deine eigenen Aussagen Interpretiere bist du sehr wohl in der Lage deine Ausscheidungen zu Kontrollieren.
Wenn keine Organische Ursache bei dir vorliegt (davon bin ich jedenfalls jetzt überzeugt) wirst du es schwer haben Hilfmittel auf Rezpt zu bekommen. Trozdem solltest du eine Urologische Diagnostik machen lassen, wenn du wirklich unbewusst Einässt. ( Wenn nicht kannst dir die Untersuchungen sparen und der Allgemeinheit die Kosten.)

Ich werde jetzt meine eignen prinzipien brechen und über ein Thema berichten was hier eigentlich nicht hingehört. Sollte ich mich in dir getäuscht haben und du warst oder bist nur auf Antworten Geil weil dir meine folgende beschreibung eh schon klar ist oder war dann hab ich halt einmal mehr meine Zeit verschwendet.

Ich denke bei deinen problemen handelt es sich um:

Windelfetischismus

Windelfetischismus ist eine Form des Fetischismus, bei der Personen durch das Tragen oder Benutzen von Windeln sexuell erregt werden. Es gibt aber auch Fetischisten, die keine sexuelle Erregung durch die Windeln verspüren, sondern einfach das Gefühl geniessen, in Windeln "verpackt" zu sein, weil es sie an die unbeschwerte, umsorgte Zeit als Baby erinnert. Oft ist es eine Flucht vor dem Alltagsstreß. Die Ursachen, die Verbreitung und eventuelle Therapiemöglichkeiten des Windelfetischmus sind bisher ebenso wie bei anderen Formen des Fetischismus noch unzureichend wissenschaftlich erforscht.
Windelfetischismus wird, wie alle Fetischismen, weit häufiger von Männern ausgelebt, als von Frauen. Zahlen über Windelfetischisten sind bis heute nicht bekannt, da dieser Fetischismus bislang nur unzureichend wissenschaftlich untersucht wurde. Eine Fixierung auf das Objekt Windel erfolgt bei Menschen, die Windelfetischismus betreiben, oftmals bereits im Kindes- oder Jugendalter (vor oder während des Einsetzens der Pubertät; viele berichten von ersten bewussten Erfahrungen im Alter von ca. 8 Jahren).
Zu unterscheiden sind aktive, passive und kontemplative Formen des Windelfetischismus, wobei Mischformen untereinander und auch mit anderen sexuellen Ausprägungen häufig sind:
Bei der aktiven Form besteht die Befriedigung im Tragen von medizinischen Erwachsenenwindeln (Inkontinenzhilfen), um einzunässen oder bei manchen Betroffenen auch einzukoten. Dabei besteht gewöhnlich keine tatsächliche Inkontinenz. Diese Fetischisten bezeichnen sich in den Internet-Foren als "Windelliebhaber" oder englisch als DL (Diaper Lover).
In der passiven Form helfen Windeln und sonstige Kindergegenstände (wie Schnuller und dgl.) um in der Fantasie in frühere Alterstufen zu regredieren (psychosexueller Infantilismus). Diese Form des Ageplay hat aber keinesfalls mit der Pädophilie zu tun; Betroffene haben kein sexuelles Interesse an Kindern, sondern wollen selbst wieder zum Kind werden und auch als Baby behandelt werden. Deshalb bezeichnen sich die Fetischisten auch als "Erwachsenenbaby" oder englisch als AB (*SPERRE* Baby).
In der kontemplativen Form führen Bilder von Windeln bzw. erwachsenen Personen (meist Frauen) in Windeln zur sexuellen Erregung.
Im BDSM Umfeld werden Windeln zur Demütigung des Windelträgers eingesetzt. Er bleibt z.B. solange gefesselt, bis er eingenässt hat. Die Erregung kommt hier nicht durch das Tragen der Windel, sondern durch den Akt der Demütigung.
Neben den zuvor genannten sexuellen Varianten tauchen in letzter Zeit zunehmend Berichte über sogenannte "Convenience Diaper Wearer" (Windelträger aus Bequemlichkeit) auf. Diese Personen, die öfters auch eine schwache Blase haben, tragen Windeln in Situationen, wo wie zum Beispiel beim Skifahren, auf langen Autofahrten oder im Kino, keine Toilette verfügbar ist und/oder wo sie die unangenehm dreckigen Toiletten z.B. an Autobahn-Rastplätzen nicht benutzen nöchten.
Der Grad der Fixierung ist dabei recht unterschiedlich: Manche Betroffenen führen ein weitgehend durchschnittliches Ehe- und Familienleben mit oder ohne Einbeziehung ihres Partners in ihren Fetischismus, bei anderen geht die Fixierung bis zur Sucht und normale Sozialkontakte finden kaum noch statt.
Eine Theorie besagt, dass Kinder, die von den Eltern frühzeitig und übertrieben zum selbstständigen Toilettengang angehalten wurden, eher anfällig für Windelfetischismus sind.
Auch der zunächst krankheitsbedingte Kontakt mit Windeln aufgrund einer aufgetreten Inkontinenz, kann bei manchen Menschen dazu führen, dass sie später die Notwendigkeit Windeln zu tragen als angenehm empfinden und auch nach der Heilung der Inkontinenz weiterhin gerne Windeln tragen.
Eine weitere Theorie geht davon aus, das erste sexuelle Erfahrungen im Kindesalter, wie z.B. ein erster Orgasmus nach nächtlichem Einnässen, eine sexuelle Prägung begünstigen können.
Darüberhinaus wird vermutet, daß starke Liebesentbehrungen, bzw. übermäßige Verzärtelung während der frühen Kindheit zum Windelfetischismus führen können.
All das sind aber unbestätigte Theorien.
Windelfetischismus ist in der Öffentlichkeit noch ein Tabuthema ebenso wie die Inkontinenz. Im Sinne der heutigen Psychologie zählt Windelfetischmus zu den Paraphilien, stellt aber keine Abnormalität dar und ist somit nur dann behandlungswürdig, wenn sich weitere subjektiv negative Folgen für das Leben eines Betroffenen daraus ergeben. Eine "Heilung" im echten Sinne scheint nur selten zu gelingen, Ziel von Therapien ist daher wohl eher, dem Betroffenen die Möglichkeit zu geben, entweder seine Vorlieben guten Gewissens und ohne allzu große Heimlichkeit in Maßen auszuleben, oder aber die Möglichkeit, dem weiterhin vorhandenen Wunsch danach, nicht mehr nachzugeben.


Wenn ich deine Beiträge gelesen haben erinnert mich das zumindest stark an diese Beschreibungen.


Gruss

Matti

Im übrigen ist es Vereinsbeschluss und Interesse über das Thema Fetischismus hier keine Diskusionen zu führen !! Deshalb auch die Wortsperren im Text.
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Beitrag #13 von eckhard11 » 30 Dez 2004 17:35


Hallo Robert, hallo Matti,

ich bin ein sehr logisch denkender Mensch, schon von Berufs wegen.

Daher versuche ich einmal mit Logik die Tatsache, daß Du, Robert, entgegen aller Regeln tagsüber einnässt und nicht des Nachts, zu verstehen bzw. zu begründen :

Robert, Du schreibst, Du hättest Lebensangst und ein nur schwach ausgebildetes Selbstwertgefühl.
Wieso es dazu gekommen ist, lassen wir hier einmal dahingestellt und betreiben keine Ursachenforschung. ( Wenn es nicht tatsächlich ein Windelfetischismus ist.... )

Mir scheint, Du hast die Dich bedrückenden Gefühle und Ängste nur tagsüber, also bei Bewusstsein.

Einigeln ist richtig, denn wenn es mir in die Windel geht, fühle ich mich dabei durch meine Windelhose völlig von der Umwelt geschützt..... Warum ich nachts noch trocken bin und nur tagsüber in die Hose mache, kann ich Dir nicht sagen.


Des Nachts, wenn Dein Bewusstsein ausgeschaltet und Dein Unterbewusstsein viel stärker ausgeprägt ist, hast Du diese Ängste anscheinend gar nicht oder jedenfalls nur sehr minimal. Dies bedeutet, sie bedrücken Dich nur tagsüber und sind noch nicht so ausgeprägt, daß sie bereits im Unterbewustsein verankert wären.
Das wäre doch ein positiver Aspekt, den Du nutzen solltest.

Ich könnte mir vorstellen, daß Du - bedingt durch diese Tatsache - eine sehr große Chance hast, unter Mithilfe Deiner Psychologin diese ( Tages ) Ängste und die daraus resultierenden Beschwerden zu besiegen.
Allerdings muß der Kopf mitmachen. Es ist alles immer nur eine Sache des Kopfes......

In den wesentlichen Verstehens- und Vorgehensweisen haben Ferenczis ( ein Freud - Schüler ) Erkenntnisse bis heute Gültigkeit:
Wird ein sehr kleines Kind, das in seiner Hilflosigkeit auf die Unterstützung seiner wichtigsten Bezugspersonen angewiesen ist, in seinen elementaren Bedürfnissen missverstanden, so verliert es das Vertrauen in die Liebe, das Verständnis und den Schutz der Umwelt.
Es verliert sein Urvertrauen.
Für den so erwachsen Gewordenen gehen Jahrzehnte seines Lebens vorbei, von denen er später den Eindruck hat, “gar nicht richtig gelebt zu haben”, weil ihm nicht bewusst werden konnte, dass er nur unter Abwehr dieser frühen Erfahrungen sein Leben bewältigt hat - zumeist in Identifikation mit dem Erzieher - unter Abwehr der frühen Erfahrungen von Verlust, von Ungeliebtsein, von Ängsten, Verzweiflung und Traurigkeit.

Es ist der ständige Wiederholungszwang im Reinszenieren familiärer Konflikte, der die vielfachen seelischen Leidenszustände bedingt. Über Wiedererinnern und Nacherleben der familiären Missverständnisse im analytischen Bewusstwerdungsprozess geschieht die Heilung, indem die früh determinierten und ständig reinszenierten intrafamiliären Beziehungskonflikte verstanden und aufgelöst werden.

( Quelle : Psychoanalyse der Gegenwart, Dr. Christiane Bassyouni, Googlestichwort : Psychologe, 1. Seite unten rechts: Psychoanalyse Frankfurt / M )

Ich wünsche Dir, Robert, und Dir, Matti, sowie allen andern Usern ein erfreuliches neues Jahr

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Beitrag #14 von eckhard11 » 30 Dez 2004 17:51


Menschenskind,

ich sehe gerade :
Jetzt bin ich schon " U L T R A A U T O R "

Was gibt es denn noch für Steigerungen ?
Gigaautor ? Mega-Gigaautor ? Gigantischer Gigaautor ? Milleniumsautor ?
Master of the Sonnensystem ? Milchstraßenschreiber ? Universum - Writer ????

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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Ausrede?

Beitrag #15 von Sakura13 » 30 Dez 2004 19:55


Ne das ist keine Ausrede nur ich muss halt in Sauerland mit dem Zug besitze kein Auto oder Führerschein und mache dort eine Ausbildung in einem INternat daher auch so gut wie keine möglichkeiten andere Ärzte als in der direkten umgebung aufzusuchen
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Beitrag #16 von Matti » 30 Dez 2004 21:52


Hallo Sakura,

bei dir weis ich nicht mehr weiter, deshalb noch einmal:
Grundsätzlich sehen die gesetzlichen Krankenkassen die aufsaugenden Inkontinenzhilfsmittel als Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens an, die nicht erstattungsfähig sind.
Dies ist der Fall, wenn sie ausschließlich zur Erleichterung hygienischer und pflegerischer Maßnahmen dienen.
Die Verordnung von Inkontinenzhilfen zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung kommt jedoch dann zum Tragen, wenn der Einsatz der Inkontinenzhilfen
medizinisch indiziert,
im Einzelfall erforderlich ist oder
den Versicherten in die Lage versetzt, Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu befriedigen.

Eine Kostenerstattung ist also durchaus möglich, denn in den meisten Fällen trifft einer dieser drei Punkte zu.
Darüber hinaus gibt es noch die folgenden drei anerkannten Fallgruppen, bei denen Inkontinenzprodukte verordnet werden können.
Im Zusammenhang mit der Behandlung einer Krankheit, z.B. bei Hauterkrankungen wie Wundliegen oder Entzündungen.
Prävention bei schweren Funktionsstörungen, d.h. ohne den Einsatz dieser Hilfsmittel sind Hauterkrankungen zu befürchten, z.B. bei Lähmungen.
Inkontinenzprodukte ermöglichen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.


Was auf dich zutrifft kann ich nicht Beurteilen, einen Arzt kannst oder willst du nicht aufsuchen, also kann ich dir nicht mehr weiterhelfen.

Gruss
Matti
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Beitrag #17 von Matti » 30 Dez 2004 22:00


Tja, Eckhard ab dem 126 Beitrag bist du wieder Starter :lol:

Matti
( so mit diesem Käsebeitrag steigere ich mich zum Master of the Univers.)
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Beitrag #18 von Roberti » 30 Dez 2004 22:21


Hallo Matti,

erst mal herzlichen Dank für Deine ehrliche Antwort.

Daß in meinem Leben einige Dinge verrückt sind, um Deine Worte aufzugreifen, hat mir meine Therapeutin auch schon erklärt.

Schön finde ich es, daß Du meine offenen Worte begrüßt. Schade, daß gewisse Themen in diesem Forum offiziell wohl keinen Platz finden.

Schade deswegen, weil es Menschen gibt, wie mich, die sich ernsthaft mit ihrem Problem auseinandersetzen. Ich möchte mit meinem Problem ernst genommen werden. Hier habe ich jetzt erfahren, daß dies auf dieser Seite auch möglich ist. Danke Dir, Matti. Anderswo geht das nämlich leider gar nicht!

Lieber Matti, wenn ich nur auf Antworten geil wäre, hätte ich ganz sicher nicht hier geschrieben. Ich suche schon ernsthaft Hilfe.

Deine Beschreibung trifft zu. Ich habe mich darin wiedergefunden. Allerdings hat es mir noch nie jemand dermaßen fundiert und genau erklärt und differenziert, wie Du. Das hilft mir wirklich sehr viel weiter.

Die wesentlichen Ursachen meines Problems habe ich innerhalb der Therapie schon herausgefunden. Die Probleme zu lösen und das Leben zu ändern, teilweise fast um 180 Grad zu drehen, ist eine andere Sache, die sich schwierig gestaltet.

Behandlungsbedürftig ist die Sache deswegen, weil ich mit massiven Selbstvorwürfen lebe, die schließlich zu schwersten Depressionen führen. Wobei das nicht alleine der Grund für meine Depressionen ist, sondern meine Vergangenheit und mein Leben im Allgemeinen. Ich stecke da in einem Teufelskreis. Es geht nicht mit und nicht ohne Windelhosen.

Was tut man bewußt, was unterbewußt? Wie klar läßt sich das eine von dem anderen trennen? Ich versuche Dir mein Dilemma zu erklären: Ich gebe Dir recht, inkontinent im klassischen Sinne, also aufgrund organischer Probleme, bin ich höchstwahrscheinlich nicht. Ich bin bewußt in der Lage meine Ausscheidungen zu kontrollieren, möchte aber unterbewußt einmachen und einnässen. Das bedeutet, daß ich sehr wohl die bewußte Kontrolle über mein Tun verliere. Wenn ich, ich nenne es jetzt mal das Spiel, also damit angefangen habe, kann ich es nicht mehr beenden, bis nicht alles in der Hose bzw. Windel gelandet ist. Wobei das ganze nicht mal unbedingt bewußt, sondern auch unterbewußt startet. Die Unterscheidung über bewußt und unterbewußt fällt mir dann schon schwer und ich kann es mit dem Verstand auch nicht mehr steuern. Erst recht dann, wenn ich in den eigenen sicheren vier Wänden bin oder mir eine Windel die Sicherheit dazu bietet.

Ich kann den Ärger der "echten" Inkontinenten gegenüber den Fetischisten verstehen. Nämlich dann, wenn der Inkontinente sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich sauber zu sein und auf Inkontinenzhilfen verzichten zu können und dann sieht, wie ein Fetischist die Inkontinenzhilfen zu seinem persönlichen Vergnügen und seiner Befriedigung benutzt.

Für mich ist das Windeltragen aber alles andere als ein Vergnügen! Bei allen positven Gefühlen, die das Windeltragen und benutzen schafft, hat es doch einen allzu bitteren Nachgeschmack. Es macht mir nicht wirklich Spaß, dieser Vorliebe nachgehen zu müssen. Ja, müssen! Lieber wäre es mir, ich bräuchte dieses Hilfsmittel nicht als Seelentröster. Es ist aber nun mal so, und ich leide unter meiner psychischen Inkontinenz mindestens genauso, wie ein organisch Inkontinenter.

Matti, ich hoffe, Du bist mit mir einer Meinung, daß Du deine Zeit eben nicht mit mir verschwendest.

"Ziel von Therapien ist daher wohl eher, dem Betroffenen die Möglichkeit zu geben, entweder seine Vorlieben guten Gewissens und ohne allzu große Heimlichkeit in Maßen auszuleben, oder aber die Möglichkeit, dem weiterhin vorhandenen Wunsch danach, nicht mehr nachzugeben."

Das zweite dieser beiden Ziele ist das meine.

Warum ich ausgerechnet hier schreibe, Matti:

Mein Problem ist nicht sooo weit weg von den Inkontinenten hier. Die Symptome sind ja die gleichen, nur die Ursachen grundverschieden!

Auf den Psychotherapieseiten stösst man entweder auf wenig Verständnis oder es heißt, dann leb deine Vorliebe doch einfach aus. Mit beidem ist mir nicht geholfen.

Warum ich auf Fetischseiten keine Hilfe erwarte, kannst Du dir ja denken. Die lassen einen der ihrigen nur sehr ungern aus ihrem Kreis gehen!

Ich wünsche allen hier einen guten Rutsch ins neue Jahr

Gruß, Robert
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Beitrag #19 von Peter P. » 30 Dez 2004 22:26


Hallo euch allen!
Ich habe hier seit längerem auch mal wieder reingelesen und muss mich doch mal zu Wort melden.
Es geht mir besonders um den Beitrag von Roberti und die Antwort von Matti darauf.

Zu dir Roberti, ich glaube ich kann deine Probleme teilweise verstehen, bei mir gibt es seit über 4 Jahren eine persönliche Pechsträhne, Partnerinverlust, Arbeitslosigkeit, Inkontinenz, Alkohol, Angststörung, wobei das nicht alles hintereinander aufgetreten ist sondern auch teilweise paralell
gekommen ist. Gut bei mir ist am Anfang die unheimliche Angst gewesen überhaupt Windeln zu tragen, deshalb auch etwas die Flucht in den Alkohol. Bei mir hat die Inkontinenz auch nachts begonnen, und kam dann immer mehr auch tagsüber zum tragen, dafür habe ich jetzt immer noch mit meinen Angstzuständen zu kämpfen. Ich habe die ganze Geschichte hier auch schon mal im Sommer in dem Forum diskutiert, da ging es mir aber noch viel schlechter.
Was mir jetzt seit ein paar Monaten gut hilft sind meine Medis, ich nehme jetzt 3x1 Normoc und bin damit wesentlich angstfreier, aber die Lösung ist das natürlich noch nicht.
Inzwischen habe ich die ganzen urologischen Untersuchungen hinter mir, es wurde nichts festgestellt, aber meine Inko ist da. Aber eben auch die Angst, jetzt ohne Windel klar zu kommen. Als es anfing hatte ich Angst eine Windel anzuziehen!!
Jetzt schaffe ich es aber auch irgendwie nicht, ohne klar zu kommen, wobei mir auch nicht klar ist, wie das gehen soll, aber der Urologe meint, es müsste gehen.

Um jetzt zu dir Matti zu kommen, ich bin zumindestens bei mir sicher, das es kein Fetisch ist, ich habe die Windeln gehasst, und ich mag sie immer noch nicht, aber ich komme ohne irgendwie nicht klar, ich denke die psychische Sache ist doch verbreiteter als man denkt.
Ich weiss auch nicht was da nicht richtig funktioniert, aber ich merke wirklich immer erst, wenn es passiert ist, das etwas passiert und ohne Windel geht es bei mir nicht. Ich bin gespannt, ws das neue Jahr bringen wird, auch ich hoffe irgendwie auf meinen Psychologen, aber wir sind da wohl noch ganz am Anfang einer langen Reise.

Und zum Abschluß, Windeln auf Rezept, ist bei mir kein Problem, ein Anruf beim Hausazt genügt. Ich denke Roberti du musst notfallls mal den Arzt wechseln.

Roberti, wenn du magst, mail mir doch mal direkt, ich glaube wir haben da so einige Gemeinsamkeiten. Kopf hoch, und vielleicht wenn es dir sehr schlecht geht, nimm mal so als kleine Auszeit ein paar Monate Medis ein, gegen die Angststörungen, da kannst du wieder etwas Kraft schöpfen, mir hats geholfen.

Alles gute euch allen!

Peter
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Beitrag #20 von Matti » 31 Dez 2004 00:00


Hallo Peter,


bei dir mache ich mir auch so meine Gedanken. In vorherigen Beiträgen schreibst du von deiner Alkoholsucht. Mir ist bei deinem Beitrag in den Sinn gekommen das du deine Sucht eigentlich nur Verlagert hast nach dem Motto: " Mit Entspannung in die Sucht ". Dies bezieht sich vor allem auf deine Medikamenteneinahme eines Benzodiaepans " Normoc".
Benzodiazepine sind ein Medikament in der Wirkstoffgruppe der Diazepane zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen, sowohl Einschlaf- wie auch Durchschlaf-Störungen, die durch Angst, Erregung oder innere Unruhe hervorgerufen werden, in zunehmendem Maße als Sucht- und Ausweichdroge mißbraucht. Für 2002 wird im Jahrbuch Sucht für Deutschland ca. 1,1 Mio. Abhängige !!, bevorzugt Frauen, angegeben.

Während Suicide mit Benzodiazepinen allein praktisch nicht vorkommen, besteht bei gleichzeitigem Konsum mit anderen ZNS-wirksamen Substanzen wie Alkohol, Barbituraten, Opiaten etc. die Gefahr einer additiven bis stark potenzierenden Wirkung, die oft zu Todesfällen geführt hat. Einige Präparate wurden auch als sogenannte KO-Tropfen verwendet.

Physiologische Wirkung
Alle Benzodiazepine docken an speziellen Bindungsstellen der Nervenzellen im zentralen Nervensystem an und verstärken die Wirkung des körpereigenen Botenstoffes Gammaaminobuttersäure (GABA). GABA hemmt die Aktivität von Nervenzellen und wirken dadurch schlafanstoßend, entspannt die Muskeln und löst Krämpfe.

Psychische Wirkung
Zusätzlich zur angstlindernden Wirkung mindern Benzodiazepine die bewußte Wahrnehmung und Intensität von Gefühlen, verringern die innere Spannung und dämpfen Aggressionen.

Nebenwirkungen
Benzodiazepine machen müde und verringern die Aufmerksamkeit und Konzentration. Dadurch kann es zu Beeinträchtigungen beim Führen von Kraftfahrzeugen oder Bedienen von Maschinen kommen. Ebenso werden, besonders zu Beginn der Einnahme oder bei Dosissteigerungen, Einschränkungen der geistigen und intellektuellen Leistungsfähigkeit angegeben. Gelegentlich können auch Gelenkbeschwerden, Muskelschwäche, Störungen des Gleichgewichtssinnes oder der Muskelsteuerung auftreten und damit die Gefahr von Stürzen oder Unfällen erhöht werden.
Bereits nach vierwöchiger Einnahme kann eine psychische Abhängigkeit entstehen !!. Zwar besteht keine Tendenz zur Dosissteigerung. Ohne das Medikament treten jedoch alle Symptome, deretwegen es genommen wurde, verstärkt wieder auf !!, z.B. Angst, Unruhe, Reizbarkeit oder Schlafstörungen. Bei hoher Dosierung und plötzlichem Absetzen können auch Krampfanfälle auftreten. Daher empfiehlt sich ein "ausschleichender Entzug" mit ständiger Verringerung der Dosis.
Ich denke das du dich im Kreis drehst. Du behinderts dich selbst, was man an deiner Aussage festellen kann das du erst einmal in einer Therapie nicht das Problem der Inkontinenz angehen willst. Die Inkontinenz ist ein so schwerer Eingriff in alle Sozialen und Menschlichen bis hin zu den Zwischenmenschlichen Beziehungen, das es meiner Ansicht nach ein grosser Fehler wäre dieses Übel nicht anzugehen. Im gegensatz zu vielen, vielen anderen Inkontinenten die durch organische Erkrankung überhaupt keine möglichkeit auf Rehabilitation ihrer Inkontinenz haben besteht bei dir doch dir möglichkeit der Heilung.
Du musst mal versuchen aus deinem Teufelskreis auszubrechen, dir nicht nur Ziele setzen , sondern auch angehen. Mit Medikamenten und Inkontinenzhilfsmittel kommst du auf Dauer nicht weiter.
Ich habe selbst jahrelang Theapie gemacht, weiss also was Depressionen bedeuten, auch Angst kenne ich. In den Zeiten der Therapie ( auch Stationär) habe ich von den Ärzten 13 !!! verschiedene Medikamente am Tag bekommen, mir ging es damit ganz gut. Aber auf meine Familie, Freunde und Bekannten muss ich erschreckend gewirkt haben. Ich selbst war in meiner "Medikamentösen Glückseeligkeit" so gefangen das ich das gar nicht mitbekommen habe. In einen zweiten Stationären Klinkaufenthalt kurz nach dem geschilderten ersten, habe ich auf alle !!! Medikamente verzichtet. Keine einzige Tablette habe ich genommen. Und? Die ganzen Mitpatienten wirkten auf einmal auf mich irgendwie " Zombihaft". Vollgestopft mit Medikamenten, oftmals nicht Herr ihrer Sinne, ja, so wirkte ich wohl ein paar Wochen vorher auch auf meine Familie. Aber den größten Schritt habe ich bei mir selbst gemacht. Ich war nicht in irgendwelchen Dauerdilierien und konnte mit klarem Verstand meine Therapie angehen. Diese hat 15 !! Wochen gedauert. Nicht gleich nach der Entlassung hat sich mein Leben verändert, ganz im gegenteil. Zuhause warteten wieder die Problme auf mich und der Alltag hat schon so manchen Fertiggemacht. Aber ich hatte Strategien entwickelt wie ich Dinge anders angehen konnte um nicht immer wieder in den Alten Rytmus zu Verfallen. Das schlimmste was man sich vornehmen kann ist nämlich die Krankheit mit dem Motto versuchen zu Besiegen " Ach wenn doch nur alles so wie früher wäre ". Wenn alles so wie früher würde dann würde dich der Weg ja Rückwärts führen und letzlich wieder dahin wo du jetzt stehst. Ich bin nicht allgemein gegen Medikamente den oftmals ermöglichen sie erst eine Geistige Aufnahme des Patienten zur Therapie. Aber "Alternative" zur "Arbeit an sich selbst" sollten sie nicht sein.

So jetzt hab ich soviel wie nie zuvor von mir hier im Forum erzählt.

Bei Kommentaren lest bitte den Artikel gründlich, ich habe kein Bock wieder auf unzählige Artikel zu Antworten von Authoren die meinen Beitrag gar nicht gelesen haben.
1.Ich bin nicht gegen Medikamente
2. Ich weis was Psychische Krankheiten sind.


Also

Gruss

Matti
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