Weiss jemand Rat bei Überlaufinkontinenz?

Hier geht es um die Diagnostik und Behandlung von Inkontinenz und anderen Erkrankungen des Urogenitaltraktes.

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Beitrag #11 von ThomasF » 04 Mär 2005 23:54


Hallo Marco,

diesen Eindruck habe ich auch. Bis jetzt kam bei fast jedem Arzt zum Schluss nur noch eine "psychologische Ursache" in Frage. Ich fühle mich geistig ganz fit, habe keine Depressionen und bin auch im Alltag putzmunter. Daher glaube ich auch nicht an diese "psychologische Ursache". Aber trotzdem will ich mich darauf untersuchen lassen, um wenigstens diesen Grund ausschliessen zu können. Ich war diese Woche schon jeweils einmal beim Neurologen und beim Psychologen. Beide konnten ebenfalls keine Auffälligkeiten festellen. Aber es geht noch weiter und ich will nicht den Tag vor dem Abend loben.

Gruss

- Thomas
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Beitrag #12 von ThomasF » 01 Apr 2005 20:53


Hallo liebe Gemeinde,

nun habe ich alle Untersuchungen hinter mir und "bin so schlau als wie zuvor" (um mit Goethes Faust zu sprechen). Es sind weder physiologische noch neurologische Ursachen zu erkennen. Einerseits ist es ja ganz schön zu wissen, dass ich gesund bin. Aber andererseits hilft mir das auch nicht weiter. Mein Urologe hat mir zwar wieder Mictonorm verordnet, aber ich glaube, das war nur ein Verlegenheitsrezept, um den Fall nicht ganz tatenlos abzuschliessen. Ich hatte im letzten Jahr schon mehrfach über längere Zeit Mictonorm genommen und konnte keine Besserung erkennen. Im Gegenteil hatte ich manchmal den subjektiven Eindruck, dass es die Harnverhaltungen noch verstärkt. Nun überlege ich schon, ob ich das Rezept überhaupt einlöse oder ob ich es ganz sein lasse. Für akute Fälle habe ich auch wieder Katheter bekommen, die ja als Notlösung ganz brauchbar sind. Aber mir wär's doch sehr recht, wenn ich darauf verzichten könnte.

Wenn von Euch noch jemand eine Idee hat, wie ich diese Harnverhaltungen los werden könnte, bin ich für jeden entsprechenden Hinweis sehr dankbar.

Gruss

- Thomas
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Beitrag #13 von Helmut » 04 Apr 2005 11:44


Hallo Thomas,

also deiner Beschreibung nach stimmt das Zusammenspiel zwischen Blasenmuskel und Schließmuskel nicht immer. Diese Unstimmigkeit müßte aber bei der Urodynamik zu erkennen sein.

Viele Möglichkeiten gibt es nicht um einen Harnverhalt oder eine Überlaufinkontinenz dauerhaft zu beseitigen. Die erste Möglichkeit, eine Operation am Schließmuskel hast du schon genannt, sollte wirklich nur als letzte Möglichkeit betrachtet werden, da das Risiko einer bleibenden Inkontinenz doch relativ hoch ist. Es gibt dann noch die medikamentöse Behandlung, wie sie eigentlich bei Prostatabeschwerden eingesetzt wird. Dabei wird der Druck im Blasenhals beeinflußt und dadurch eine Blasenentleerung erleichtert. Leider haben diese Medikamente auch nicht ganz unerhebliche Nebenwirkungen und sollten daher nur kurzfristig genommen werden.

Die Tabletten, die du bekommen hast, wirken eigentlich nur direkt auf den Blasenmuskel selbst. Damit wird das Blasenvolumen vergrößert, weil die Reizschwelle die den Harndrang auslöst, etwas angehoben wird. Daß diese Tabletten bei dir wenig Wirkung zeigen ist eigentlich klar, da die Ursache, eine Abflußbehinderung des Harns nicht beseitigt wird. Es wird damit nur der einsetzende Harndrang etwas verzögert, was dann aber zu einem noch stärkeren Harnverhalt wird.

Zu guter Letzt bleibt wirklich nur noch der ISK (intermittierender Selbstkatheterismus), um die Blase mithilfe eines Katheters regelmäßig zu entleeren.

Du solltest wirklich auf eine noch genauere neurologische Abklärung deines immerwiederkehrenden Harnverhaltes drängen. Hast du auch an eine psychische Ursache für deinen Harnverhalt gedacht?

Gruß Helmut
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Beitrag #14 von ThomasF » 04 Apr 2005 20:19


Hallo Helmut,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Ich glaube, dass ich neurologisch bis zum letzten "durchleuchtet" wurde. Insgesamt habe ich vier CT's, sechs EEG's und bestimmt an die dreissig Sitzungen beim Neurologen bzw. Psychologen hinter mir. Vor zwei Wochen hatte ich sogar das Glück, dass ich gerade während einer Verhaltungsphase einen Termin beim Urologen hatte und er auch gleich die Gelegenheit für eine urodynamische Untersuchung nutzte. Dabei stellt er wieder fest, dass ich einen erhöhten Blaseninnendruck habe, der Schliessmuskel jedoch - auch gegen meinen Willen - standhaft dagegenhält. Er hat dann die Blase mit Kochsalzlösung gefüllt, bis ich glaubte, platzen zu müssen. Nach einigen Minuten hat sich dann mein Schliessmuskel erbarmt und nachgegeben. Danach hatte ich erst mal Ruhe, aber nach etwa einer Woche ging's wieder los.
Ich glaube eine Entlastung des Blasenhalses wäre genau das Richtige. Was sind den dass für Medikamente, die das können? Und welche Nebenwirkungen haben sie? Vielleicht würde es ja genügen, wenn ich sie nur kurzfristig einnehme, denn ich habe die Harnverhaltungen ja auch nur sporadisch und meist nur für zwei, drei Tage. Ich will mich natürlich nicht selbst behandeln, würde meinen Urologen aber gern mal danach fragen.

Gruss

- Thomas
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Beitrag #15 von Peter-Hamburg » 04 Apr 2005 23:11


Hallo Thomas,

ich habe deine Krankengeschichte laut deinen Beschreibungen verfolgt und kann dir nur raten die verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen. Der katheter ist bewußt durch die Bauchdecke eingelegt um regelmäßige Erfolgskontrollen durchzuführen, die du selbst vornehmen kannst.
Du klemmst den Katheter ab und benutzt ihn als "Sicherheitsventil", das heißt du öffnest nach dem Wasserlassen das Kathetervetil und misst di Urinmenge die nach dem Wasserlassen aus dem Katheter läuft. Diese Restharnmengen notierst du mal immer mit Datum und Uhrzeit und telst mir den Verlauf mal mit ?? ich denke wir werden bald den erwünschten Erfolg sehen.
gruß
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Beitrag #16 von Helmut » 05 Apr 2005 10:17


Hallo Thomas,

mir ist da noch etwas eingefallen, was vielleicht eine Ursache bei dir sein könnte, nähmlich eine sogenannte Paruresis. Bei Paruresis handelt es sich um eine psychisch bedingte Entleerungsstörung, bei der es dem Betroffenen in bestimmten Situationen unmöglich ist, seine Blase zu entleeren. Solche Situationen sind dadurch gekennzeichnet, daß man sich etwa durch die Anwesenheit anderer Personen oder aufgrund von Zeitdruck gestört fühlt. Beispielsweise ist dies in öffentlichen Toiletten, auf Reisen und Ausflügen oder bei Urintests der Fall. Aber auch zuhause kann das Problem auftreten, eben wenn man sich durch äußere Umstände gestört fühlt.

Sprich mal deinen Urologen darauf hin an. Die Paruresis wurde zwar schon etwa 1954 erstmals beschrieben, ist aber trotzdem relativ unbekannt bei vielen Ärzten. Sie gehört zu den psychischen Erkrankungen und kann durch eine Verhaltenstherapie behandelt werden. Vielleicht konnte ich dir damit noch etwas weiter helfen. Hier ist noch ein interessanter Link zum Thema Paruresis.

Gruß Helmut :wink:
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Beitrag #17 von mehlbox2001 » 14 Apr 2005 05:48


Hallo Helmut,

Danke für den Link. Allerdings ist der Begriff Paruresie ein bisschen okkupiert, denn mit "par" beginnen gewöhnlich alle unspezifischen "Nebenerkrankungen". Trotzdem ein Gewinn, denn das kleine Problemchen, auswärts nicht so gut zu "können", haben wohl wirklich ein paar mehr Leute ...

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Beitrag #18 von ThomasF » 15 Apr 2005 20:31


Hallo Peter und Helmut,

mit dem Katheter haben wir uns missverstanden. Ich habe keinen Katheter durch die Bauchdecke (Gott bewahre!!) sondern verwende sie nur im Notfall für die Selbstkatheterisierung durch die Harnröhre.
Die Möglichkeit der Paruresis hat der Neurologe auch mit mir erörtert, er war jedoch der Meinung, dass es bei mir auszuschliessen ist, weil die Harnverhaltungen ja nur sporadisch auftreten. Ansonsten habe ich, auch in öffentlichen Toiletten, überhaupt keine Probleme.
Helmut, welche Medikamente meintest Du denn letztens, die eine Entspannung des Schliessmuskels bewirken? Ich habe es nun doch nochmal mit Mictonorm versucht, aber letzte Woche hatte ich die gleichen Probleme wieder. Da muss es doch wohl noch etwas anderes geben, oder?

Gruss

- Thomas
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Beitrag #19 von Helmut » 16 Apr 2005 13:20


Hallo Thomas,

die Medikamente die ich meine, die wirken nur indirekt auf den Schließmuskel selbet. Es sind sogenannte Alpha-1-Blocker, die auf die Verminderung des Muskeltonus im Blasenhals, Prostata und Urethra wirken, dadurch kommt es zu einem Anstieg der maximalen Harnflussrate. Als Wirkstoffe werden Doxazosin und Terazosin verwendet, die eigentlich zur Behandlung von Bluthochdruck entwickelt wurden.

Die Mictonorm® mit dem Wirkstoff Propiverin bewirken eigentlich eine Dämpfung der Blasenhyperaktivität und werden bei einer Reizblase eingesetzt. Ich denke die Mictonorm® ist für deine Problematik nicht das richtige Medikament, sprich nochmal mit deinem Urologen darüber. Im Notfall bleibt dir wirklich nur der ISK zur Blasenentleerung.

Gruß Helmut
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Beitrag #20 von ThomasF » 22 Apr 2005 20:49


Hallo Helmut,

vielen Dank für Deine Infos bezüglich der Medikamente. Das ist doch mal was handfestes. Ich frage mich nur, warum ich solche Informationen erst hier im Forum bekomme, obwohl ich mit meinem Problem schon bei mindestens 12 Ärtzten gewesen bin und fast jeden nach solch einer Möglichkeit gefragt habe. Nicht einer ist auch nur andeutungsweise darauf eingegangen!
Am Mittwoch habe ich wieder einen Termin beim Urologen und werde ihn mal gezielt danach fragen. Bin wirklich gespannt, ob er mich nur als "Doktor allwissend" abstempelt, eine vernünftige Begründung gegen solche Medikamente hat, oder mit das Zeug zumindest probehalber verschreibt.

Also nochmals vielen Dank für die aufschlussreichen Infos, Gruss

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