Stoma bei Stuhlinkontinenz

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Stoma bei Stuhlinkontinenz

Beitrag #1 von roli » 04 Mär 2006 12:19


Hallo, hat sich jemand ein Stoma anlegen lassen, anstelle von anderen Op-Versuchen?
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roli
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Art der Inkontinenz: Stuhl
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Beitrag #2 von Matti » 04 Mär 2006 15:17


Hallo Roli,

die Anlage eines Stomas ist ein schwerwiegender und häufig nicht reversiver Eingriff.
Trotzdem hat er in der Therapie einer Stuhlinkontinenz seine Berechtigung.

Es gibt einige Alternativen:

Eine Anus - Schließmuskel - Prothese ist ein künstliches System, welches vom Chirurgen implantiert werden kann und die Funktion des analen Schließmuskels simuliert. Das A.M.I. Soft Anal Band-System ist ein kleines, flüssigkeitsgefülltes System, welches unter der Haut im Körper als Ganzes implantiert wird.

Die A.M.I. Prothese wurde für die Behandlung von schwerer bis totaler Stuhlinkontinenz entwickelt. Unter schwerer Stuhlinkontinenz versteht man den unkontrollierten Verlust von Stuhl (einmal bis mehrmals wöchentlich).

Das System simuliert die natürliche Funktion des Schließmuskels und bietet damit dem Betroffenen eine bessere Kontrolle über die Darmaktivitäten.

Das System aus reinem Silikon besteht aus verschiedenen Bauteilen, die alle in Ihrem Körper, unter der Haut implantiert werden.

Ein Beispiel möglicher Anordnungen des Systems:

Bild

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Schließmuskelersatzoperation

Sollten die Reparaturoperationen am Schließapparat nicht zum gewünschten Erfolg einer zufriedenstellenden Kontinenzleistung führen, so kann chirurgisch ein Ersatz für den Schließmuskel geschaffen werden. Dazu wird ein schlanker Muskel (M. graziles) von der Innenseite des Beins schleifenförmig um den Analkanals gelegt und mit Nähten befestigt. (Daher die Bezeichnung Grazilisplastik.) Mit einem speziellen Schrittmacher, der am Unterbauch unter die Haut implantiert wird, kann der Muskel über zwei Elektroden gereizt werden, so dass er sich zusammenzieht und den Analkanals verschleiert. Wird der Simulator vom Patienten mittels eines Magneten von außen abgeschaltet, dann erschlafft der Muskel und die Stuhlentleerung kann erfolgen. Wird das Gerät wieder eingeschaltet, dann spannt der Muskel wieder an. Durch die anhaltenden elektrischen Impulse ändern sich die Skelettmuskelfasern in ermüdungsarme Muskelfasern, die eine Dauerspannung aufrechterhalten können. Es bedarf einer längeren Schulungs- und Übungsphase der Patienten, bis bei etwa zwei Dritteln der sonst auf andere Weise nicht zu behandelnden Inkontinenz zufriedenstellende Ergebnisse erzielt werden und anfängliche Schwierigkeiten Überwunden sind.

Bei der Irrigation handelt auch um ein Hilfsmittel bei Inkontinenz. Durch die Irrigation kann eine Stuhlinkontinenz verhindert oder gemindert werden. Damit stellt die Irrigation eine gute Möglichkeit da die Folgen einer Stuhlinkontinenz zu minimieren.


Irrigation

Bei der Irrigation wird durch Einspülen einer bestimmten Wassermenge ( meist 800 - 1000 ml ) in den Darm eine Massenperistaltik ausgelöst. Es kommt zu einer Dehnung des Enddarms was wiederum die Entleerung des Darms herbeiführt. Die Irrigation wird möglichst auf der Toilette sitzend durchgeführt. Durch das einfließen von lauwarmen Leitungswasser durch einen Schlauch in den Darm ( Irrigationssets gibt es in jeder Apotheke ) und einer etwas halbstündigen Verweildauer dieses Wassers, wird der Konus der zur Abdichtung dient entfernt und es kommt zur Stuhlentleerung. Die Kontinenz wird dadurch erreicht das es eine Zeit lang dauert bis die Stuhlsäule ( der verbliebene Stuhl im Darm ) wieder den Enddarm erreicht, was dann wieder zu einer Inkontinenz führen würde. Bei Beginn einer Irrigation kann erst nach 3-4 Tagen mit einer sicheren Kontinenz gerechnet werden.

Sakralnervenstimulation - Blasenschrittmacher

Eine alternative bei neurologisch bedingter Stuhlinkontinenz.


Hierbei handelt es sich um ein Elektrotherapieverfahren, das sich bei der Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz bewährt hat. Es gleicht der Elektrostimulation, aber die elektrischen Impulse regen die Nerven an, die zum Beckenboden und der Schließmuskulatur des Afters und der Harnblase führen und stellen somit die Kontrolle des Organs wieder her. Ähnlich einem Herzschrittmacher werden die Stromimpulse von einem Generator abgegeben, der unter die Haut eingepflanzt wird. Die Elektroden werden dabei in die Öffnungen der Kreuzbeinwirbel gelegt und reizen dort die Nerven, die das Rückenmark verlassen. Das Verfahren ist bei Patienten anwendbar, bei denen die Nerven im kleinen Becken intakt sind und der Schließmuskel des Afters keine Schäden aufweist. Es wird auch bei Rückenmarkverletzten oder Querschnittsgelähmten Patienten angewendet. Zuerst wird von außen geprüft, welcher Nerv die beste Kontraktion der Muskulatur auslöst. In einer längeren Testphase wird der Nervenschrittmacher getestet und die Verbesserung der Stuhlinkontinenz festgestellt. Erst dann werden der Impulsgenerator und die Elektroden operativ implantiert und vom Patienten von außen gesteuert.


Hoffe dir ein paar Alternativen zum Stoma aufgezeigt zu haben, auch wenn es deine Frage nicht direkt beantwortet. Geruchsdichte Kleidung gibt es wohl laut Werbeaussagen, du solltest aber bedenken das bei Kleidungsstücken aus den keine Luft entweichen kann, auch keine Luft an die Haut kommt. Dies könnte mehr als Kontraproduktiv sein.

Gruß

Matti
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