Stuhlinkontinenz und MS

Du hast mit Darmschwäche, Stuhlinkontinenz oder sonstigen Darmproblemen zu kämpfen? Hier bist Du richtig!

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Stuhlinkontinenz und MS

Beitrag #1 von Hans » 03 Jul 2003 11:03


Hallo!
Ich habe zwar gestern schon einiges hierzu und mich betreffend geschrieben, aber mein Beitrag taucht nirgends auf.
Aufgrund meiner MS ist es zuerst zur Harninkontinenz gekommen, jetzt habe ich zusätzlich zunehmend Probleme mit der Stuhlinkontinenz.
Die Harninkontinenz habe ich zwar, bis auf kleinere "Unfälle", mit Kondomurinalen und Beinbeutel einigermaßen im Griff, aber der Stuhlinkontinenz stehe ich, trotz Verwendung von Windelhosen, ziemlich hilflos gegenüber. Auch die Feedback-Methode brachte keinen Erfolg.
Helmut hat in seinem Beitrag auf die "Irrigation" und ein noch nicht endgültig ausgeforschtes Verfahren hingewiesen.
Wißt Ihr hierzu näheres?
Viele Grüße
Hans
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Beitrag #2 von Helmut » 04 Jul 2003 00:52


Hallo Hans,

wann hast du gestern was dazu geschrieben?
Ich habe zwar gestern schon einiges hierzu und mich betreffend geschrieben, aber mein Beitrag taucht nirgends auf.

Ich habe mir das Backup der Datenbank angesehen, aber keinen Eintrag von dir gefunden. Vielleicht hast du vergessen auf "Absenden" zu klicken, damit der Beitrag übernommen wird. Es wäre nett, wenn du das nochmal hier schreiben könntest.

Helmut hat in seinem Beitrag auf die "Irrigation" und ein noch nicht endgültig ausgeforschtes Verfahren hingewiesen.

Ja die Irrigation bringt wirklich einiges an Freiheit, wenn sie richtig angewendet wird. Ich verwende diese Technik ja schon viele Jahre und muß sagen, daß es wirklich das beste ist, was es gibt. Bei mir kommt es vielleich noch 2 oder 3 mal im Monat vor, daß ich "volle" Windeln habe und das ist echt ok so für mich. Das andere Verfahren das ich gemeint hatte, ist der künstliche Afterschließmuskel. Ich persönlich würde mir keinen solchen künstlichen Schließmuskel einsetzen lassen, da ich noch relativ Jung bin und die Haltbarkeit eines solchen Implantates nur bei etwa 5 bis 8 Jahren liegt. Außerdem wird bei dieser Operation der Schließmuskel selbst geschlitzt und der Nerv durchtrennt, so daß diese Operation auch nicht rückgängig gemacht werden kann. Der zweite Nachteil ist der, wenn das Gewebe um den künstlichen Schließmuskel vernarbt, dann kann später kein neues Implantat mehr eingesetzt werden, du bis danach wirklich zu 100% Stuhlinkontinent.

Daher würde ich dir zur Irrigation raten, mit der du etwa eine 95%ige Sicherheit bekommst. Solltest du noch mehr Sicherheit brauchen (fast 100%), dann kannst du zusätzlich mit Imodium® die Darmaktivität soweit drosseln, daß du wirklich Ruhe hast. Ich mache das auch, wenn ich längere Zeit unterwegs bin (den ganzen Tag) und wirklich Sicher sein will daß kein "Unfall" passiert. Wenn du mehr darüber wissen willst, dann Meldest dich einfach nochmal.

Gruß Helmut
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Beitrag #3 von Hans » 04 Jul 2003 08:49


Hallo Helmut!
Vielen Dank für Deine Info. Auch Deine Äußerung, daß Du auch "Immodium" nimmst, hat mich etwas beruhigt, da "Immodium" für mich derzeit fast zum "täglich Brot" geworden ist und ich somit auch einen gewissen Gewöhnungseffekt befürchte.
Nur checke ich nicht so ganz, was man bei der Irrigation machen muß. Wo gibt es hierzu weitere Infos?

Das, was ich in meinem "verlorenen" Beitrag v. 2. 7.03 geschrieben habe, war im Wesentlichen das Gleiche, daß ich am 3.7.03 geschrieben habe. Kann sein, daß ich etwas nicht so ganz richtig gemacht habe, nachdem ich selbst an meinem Computer etwas "Chaos" fabrizieren kann, daß mein Sohn allerdings bisher immer bereinigen konnte.
Nochmals, vielen Dank!
Viele Grüße
Hans
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Beitrag #4 von Helmut » 04 Jul 2003 11:52


Hallo Hans,

nun das Imodium® nehme ich ich nur wenn es wirklich Notwendig ist und das kommt so 3 oder 4 mal im Monat vor. Wenn du nun Imodium® regelmäßig nimmst, dann gewöhnt sich der Darm auch daran und die Wirkung läßt nach, darum solltest es nur nehmen wenn es notwendig ist.

Also die Irrigation ist so eine Art Einlauf/Darmspülung. mit deren Hilfe du deinen Darm reinigst. Der wesentliche Unterschied zu einem normalen Einlauf liegt darin, daß du nur den Enddarm mir Wasser füllst und nicht den ganzen Darm. Die Irrigation selbst wird sitzend auf der Toilette durchgeführt. Dabei wird etwa 1/2 bis 1 Liter Wasser ziemlich schnell, innerhalb von einer bis zwei Minuten über ein Darmrohr mit Kegel in den Enddarm geleitet. Den Kegel drückst du fest an den After, damit kein Wasser heraus fließen kann. Wenn das Wasser im Darm ist, dann behälst du das Darmrohr noch so etwa 2 Minuten drinnen, damit ein starker Entleerungsdrang ausgelöst wird. Jetzt kannst das Darmrohr entfernen und dich entleeren. Diese Spülung solltest mit einer Pause dazwischen von etwa 5 Minuten 3 bis 5 mal wiederholen. Nach der letzten Spülung bleibst noch etwa 20 Minuten auf der Toilette, bis sich alles entleert hat. Danach hast du für die nächsten 24 bis 30 Stunden Ruhe. Wenn wirklich noch was kommt, dann ist es nur Flüssigkeit und die wird gut von der Windel aufgenommen, dabei entstehen auch keine Gerüche. Wichtig bei der Irrigation ist wirklich, daß das Wasser nur im Enddarm bleibt und nicht weiter in den Darm eindringt, sonst hast genau das Gegenteil erreicht. Eine Bedieningsanleitung einer elektrischen Irrigationspumpe findest du unter "Zur Community --> Downloads --> Hilfsmittel". Auch auf der Themenseite Hilfsmittel findest etwas zur Irrigation.

Du darfst von der Technik nicht erwarten, daß es schon die ersten paar Mal richtig klappt, denn der Darm muß sich erst daran gewöhnen. Bei mir hat das so 3 oder 4 Wochen gedauert. Mit den Jahren bekommst da Routiene hinein und es klappt dann echt super. Ziel sollte es sein, daß nich mehr als 5 "Unfälle" im Monat vorkommen. Und wie gesagt, nimm das Imodium® nur wenn du wirklich die Sicherheit brauchst, wie zum Beispiel bei wichtigen Besprechungen die lange dauern.

Gruß Helmut
[schild=13 fontcolor=0000FF shadowcolor=C0C0C0 shieldshadow=1]der die Technik beherscht![/schild]
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Beitrag #5 von Hans » 05 Jul 2003 09:40


Hallo Helmut!
Vielen Dank für Deine schnelle Antwort.
Das mit der Irrigation ist ja ganz schön heavy. Ich kann mir vorstellen, daß das ganz schön schlaucht. Ich glaube aber, daß das für mich nicht unbedingt der derzeit gangbare Weg ist, da aufgrund meiner MS auch die Feinmotorik der Hände betroffen und gestört ist.
Nochmal, vielen Dank und weiterhin alles Gute.
P.S.: Ich werde in meiner MS-Selbsthilfegruppe auf diese Internet-Seite hinweisen, zum einen, weil wir MSler zu einem großen Teil häufig auch von Harn- und, wenn auch in geringerer Zahl, von Stuhlinkontinenz betroffen sind.
Zum anderen, weil hier offen und in verständlicher Weise eine Problematik bespochen wird, die durch "ja nicht darüber reden" und durch "Tabuisierung" in keinster Weise angegangen werden kann.

Viele Grüße
Hans
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Beitrag #6 von Helmut » 05 Jul 2003 11:50


Hallo Hans,

also wenn bei dir die Feinmotorik zu sehr beeinträchtigt ist, dann ist es natürlich etwas schwierig, die Irrigation durchzuführen. Hier würde es auf einen Versuch ankommen, ob du wirklich das Darmrohr selber einführen könntest. Wenn ja, dann ist es nur eine Sache der Übung.

Als Alternative könnte ich mir auch Vorstellen, daß du es mit Abführzäpfchen (z.B. Dulcolax®) und Analtampons versuchst. Diese Tampons werden nach der Darmentleerung in den Darm eingeführt und dichten den After von inner her ab. Die Handhabung ist in etwa die Selbe, wie wenn du dir ein Zäpfchen einführst. Du bekommst die Analtampons in verschiedenen Größen, um die für dich geeignete Größe zu finden. Von der Firma Medsse gibt es so Probesets, die dir dein Arzt verschreiben kann. Wenn du die richtige Größe gefunden hast, dann lässt du dir ein Rezept darüber ausstellen und bekommst diese Tampons direkt vom Hersteller. Es erfordert schon etwas Gewöhnung, da diese Analtampons am Anfang doch sehr unangenehm zu Tragen sind. Du hast dann immer das Gefühl zur Toilette zu müssen, aber nach 2 bis 3 Wochen hat sich dein Darm in der Regel an den Fremdkörper gewöhnt. Auf die Homepage der Firma kommst du, wenn du unten auf das Wechselbanner klickst, wenn Medsse angezeigt wird.

Ja das mit der "Tabuisierung" ist immer noch ein Problem in unserer Gesellschaft und genau da wollen wir mit dem Verein und der Homepage ansetzen. Wir werden in den nächsten Monaten und Jahren zunehmend an die Öffentlichkeit gehen und so versuchen, das Thema Inkontinenz "Gesellschaftsfähig" zu machen. Es ist ein weiter und steiniger Weg dort hin, aber ich denke, wir werden es schaffen. Erste Ansätze sind schon geschaft, denn durch unsere Kontakte zu den großen Herstellern von Hilfsmitteln sind diese jetzt darauf Aufmerksam geworden, daß auch sehr viele junge Menschen von Inkontinenz betroffen sind, die noch voll im Berufsleben stehen. Die Entwicklung neuer Produkte geht daher auch stärker auf die Bedürfnisse mobiler Personen ein. Das kannst du jetzt schon an der Werbung im Fernsehn erkennen, daß die Hersteller nun auch junge Menschen zeigen, die solche Hilfsmittel verwenden.

Gruß Helmut
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Beitrag #7 von Ginevra » 04 Aug 2003 00:23


Hallo Hans,

Du sprichst von der Feedback-Methode bei Stuhlinkontinenz. Was ist das ? Wie funktioniert es ? Ich habe bei MS das gleiche Problem.

Danke für Deine Antwort.

K.
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Beitrag #8 von Hans » 04 Aug 2003 06:23


Hallo K!
Diese biofeedback-Methode soll durch entsprechende Stimulation des Schließmuskels zu dessen Kräftigung führen.
Das ganze funktioniert mittels eines von der Fa. "tic Medizintechnik" vertriebenen Gerätes.
Das ganze funktioniert so:
Das etwa Handteller große Stimulationsgerät wird mit einer Analsonde verbunden. Diese Analsonde wird dann in den Enddarm eingeführt. Jetzt werden elektrische Reizimpulse übertragen, wodurch mit entsprechendem Programmablauf es nach ca 3 - 6 Monate je nach Inkontinenzstärke und -form zu einer Reduzierung der Symptomatik kommen soll. Man soll das ganze ca. 2 -3 mal am Tag mit einer jeweiligen Dauer von 20 Minuten durchführen.
Dieses Gerät wird auch zur Behandlung von Harninkontinenz eingesetzt, natürlich mit einer anderen Sonde.
Wenn Du näheres zu diesem Gerät wissen möchtest, dann setzt Dich am besten mit der
Fa. tic Medizintechnik
Bahnhofstrasse 40
48599 Gronau
Tel.: 02562-912167

in Verbindung.
Bei mir hat es leider nicht geholfen, aber einen Versuch wars wert.
Wenn Du weitere Infos brauchst, kannst Du Dich jederzeit rühren.
Alles Gute noch
Hans
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Beitrag #9 von Helmut » 04 Aug 2003 10:08


Hallo Hans,

ich habe selbst die Elektrostimmulation eine Zeit lang so etwa 2 Jahre verwendet, aber einen spürbaren Erfolg brachte es nicht. Das Problem bei unserer Form der Stuhlinkontinenz liegt ja in der Schädigung der Nerven und nicht in einer Schwäche des Schließsmuskels. Darum kann die Elektrostimmulation auch bei uns so gut wie keine Wirkung zeigen. Das einige was du damit bezweckst ist, daß du einem Abbau der Muskulatur im Beckenboden vorbeugst und somit den aktuellen Stand der Stuhlinkontinenz nicht weiter verschlechterst.

Was bei einer Stuhlinkontinenz mit neurologischer Ursache hilft, ist die Sakralnervenstimulation, bei dem eine Art Schrittmacher implantiert wird, der die Nerven im Rückenmark reizt und somit auf den M. sphincter ani externus also den äußeren Schließmuskel wirkt. Diese Methode kann aber nur verwendet werden, wenn der Schließmuskel selber noch Intakt ist.

Dann gibt es noch die Möglichkeit, sich einen künstlichen Afterschließmuskel implantieren zu lassen, was aber nicht bei allen Betroffenen möglich ist. Auch kann die Überlegung angestellt werden, sich ein Stoma also einen künstlichen Darmausgang anlegen zu lassen. Dies sollte aber wirklich als letzte Möglichkeit überlegt werden, wenn der Leidensdruck zu hoch wird.


Gruß Helmut :wink:
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