Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Du hast mit Darmschwäche, Stuhlinkontinenz oder sonstigen Darmproblemen zu kämpfen? Hier bist Du richtig!

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Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Beitrag #1 von Demian » 13 Okt 2014 07:47


Hallo!

Ich bin seit Geburt wegen einer Analatresie Stuhlinkontinent und mache seit rund 10 Jahren einen Einlauf mit Schwerkraftsystem von Coloplast (1511 Beutel mit Konus) (Link Bild).

Bis vor kurzem stand ich nach Studium komplett im Beurfsleben, machte sehr viel Sport und hatte überhaupt keine Probleme. Doch seit mehreren Monaten habe ich zunehmend Probleme mit meiner Darmflora. Ich habe einen extremen Blähbauch und teilweise Verstopfung und selten Durchfall. Es ist 24h am Tag sehr viel Luft im Bauch (auch im Röntgen und Ultraschall deutlich sichtbar), dass bei mir stark aufs Zwerchfell drückt und auch das atmen erschwert.

Dieses Coloplast System, welches ich benutze, bekomme ich in Österreich jedes halbe Jahr neu über Krankenkasse. In dieser Zeit sammeln sich natürlich die ein oder anderen Bakterien an bzw. auch bei gründlicher Pflege ist es nach einigen Monaten nicht mehr einwandfrei sauber. Hier dachte ich an Bakterien/Pilze. In einer Coloskopie wurden jedoch keine Darmpilze nachgewiesen.

Auf jeden Fall ist meine Darmflora zimlich im Eimer und eine Irrigation klappt kaum (sehr schwer das Wasser reinzubringen, da soviel Luft überall ist). Ich fühle mich auch entsprechend schlapp und hin und wieder starke Übelkeit.
Nahrungsmittelunverträglichkeit/Allergien und ähnliches wurde bereits alles ausgeschlossen.

Jetzt habe ich mehrere Fragen:
1) Hat jemand Erfahrungen, ob eine solange tägliche Irrigation die Darmflora beschädigen kann? Hier gibt es ja Leute die das auch schon jahrelang machen. Vielleicht habe ich unabsichtlich manchmal einen zu tiefen Einlauf gemacht und die Darmflora im Dünndarm beschädigt?
2) Was könnt ihr mir empfehlen im Sinne eines aufbaus der Darmflora. (ich dachte zuerst an einige Tage Fasten nach Buchinger, gefolgt von einem gezielten aufbau der Darmflora - was ist hier zu beachten?)
3) Welche alternativen habe ich statt einer Irrigation, um meine Darmflora nicht noch mehr bzw. noch einmal zu ruinieren? Täglich Klistier?


Schöne Grüße aus Österreich,
Demian
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Re: Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Beitrag #2 von Helmut » 13 Okt 2014 15:50


Hallo Demian,

ich mache die Irrigation auch schon fast 20 Jahre, meine Darmflora ist noch ok. Klar habe ich auch immer mal wieder Blähungen, selten mal Verstopfung, aber fast gar nie Durchfall. Von daher glaube ich nicht, dass man mit der Irrigation seine Darmflora kaputt machen kann wenn die Irrigation richtig ausgeführt wird. Beschreibe doch einmal wie du die Irrigation machst, wie viel Wasser du nimmst, wie viele Spülzyklen usw. vielleicht passt da was nicht.

Hast du dich schon mal auf Reizdarm oder Laktose-Intolleranz testen lassen?

Ich nehme schon einige Jahre täglich indische Flohsamenschalen, die sind gut für den Darm, besonders bei Reizdarm und haben einen positiven Einfluss auf die Stuhlbeschaffenheit.

Alternativen zur Irrigation sind nur ggf. Abführzäpfchen und Analtampons, wobei ich davon nicht so begeistert bin, das habe ich die ersten Jahre so gemacht. Das Problem dabei sind die Zäpfchen, wenn du welche mit Bisacodyl (Dulcolax) oder Glyzerin nimmst, dann kannst die Schleimhaut im Enddarm mit der Zeit schädigen durch die ständige Reizung und bei den CO² Zäpfchen (Lecicarbon) hast das Problem dass der After schon soweit dicht sein muss weil sonst das CO² austritt und nicht den Dehnungsreiz erzeugt. Klistiere mit Phosphat wie Fekra-Clyss schädigen auf Dauer den Elektrolyt-Haushalt deines Körpers, diese darfst auch nicht dauernd verwenden, gleiches gilt für Glyzerin-Klistiere wie etwa Babylax, Microlax usw. Dann kommt noch dazu dass die Analtampons ja auch nicht jedermanns Sache sind, manche haben da immer einen ständigen spürbaren Stuhldrang.

So gesehen ist schon die Irrigation die beste Lösung bei Stuhlinkontinenz.

Gruß Helmut
Ich bin nicht ganz dicht .......na und!
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Re: Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Beitrag #3 von Demian » 20 Okt 2014 16:07


Ich machte die Irrigation immer mit ca. 0,7 L (also 0,1L/10kg Körpergewicht). Manchmal kam es sicher vor, dass ich rund 1 L aufgenommen habe, vielleicht auch etwas mehr. Gerade wenn es gut rein geronnen ist, habe ich es meist einfach weiter rein rinnen lassen bis ich wieder neuen Druck hatte. Vielleicht war das manchmal Zuviel des Guten?
In den meisten Fällen war es immer nur 1 Zyklus. Wobei ich zu beginn immer den Enddarm (?) einige male ausspülte (also mit nur 0,1-0,3 L). Sobald der leer war, konnte ich dann bei entsprechender Entspannung die 0,7 L aufnehmen.
Und ich benutzte immer reines Wasser, ohne Zusätze. Im Ausland wo ich vor einem Jahr öfters war auch stark chlorhältiges über 1 Woche. Jedoch hat mir vor 6 Jahren über 3 Wochen chlorhältiges Wasser im Ausland nicht geschadet. Manche reagieren ja bereits beim Zähne putzen mit chlorhältigem Wasser schlecht. Bei mir zeigten sich jedoch nie akute Symptome.

Ich war vorige Woche wieder bei Prof. Pfeifer in Graz (also angeblich einer der Experten in Europa). Er meinte auch, dass die Darmflora im Eimer ist. Auch die Darmgeräusche sind typisch dafür (so ein komisches quietschen, das ich bisher nie hatte). Jetzt nehme ich 2x täglich das StressRepair von Omnbibiotic mit den 9 Bakterienstämme. Die Irrigation ist seit einigen Wochen schon pausiert.

@Helmut
Weißt du welche elektrischen Hilfsmittel es derzeit am Markt gibt? Ich habe mit meiner Krankenkasse (Stoma Abteilung) telefoniert, aber die kennen nur eines für Stomapatienten. Ich würde gerne eines haben, dass ich "sauber" halten kann und mit elektrischer Pumpfunktion (um unabhängig von der Schwerkraft zu sein).
Ich weiß nicht wie es bei dir ist, aber das von Coloplast ist ohne Ventil, wodurch es durch den Schlauch rauf immer "schmutzig" wird, wenn es mal kurz zurück rinnt. Auch ist es absolut unpraktisch zum trocknen. Es bleibt immer nass und der Schlauch ist so lang, dass die Feuchtigkeit ewig drinnen bleibt und sich wohl auch Schimmel oder schlechte Bakterien bilden. Auch wenn ich es aufhänge nützt es nichts.

Ich werde Prof. Pfeifer jetzt auch mal auf die Stammzellentherapie ansprechen. Eine Stromtherapie mit Elektroden über die Wirbelsäule (letzten 4-6 Löcher in das Becken) habe ich vor 10 Jahren erfolglos schon versucht.
Wenn man nicht selbst alles nachfragt, erfährt man leider überhaupt nichts.
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Re: Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Beitrag #4 von Brandy » 20 Okt 2014 18:28


Hallo Demian,

am letzten Freitag habe ich einen Vortrag von Dr. Gerhard Wallner gehört. Ich finde diesen Arzt super und werde ihn auch persönlich aufsuchen. Ich stelle dir mal den Link zu seiner Homepage hier rein. Er ordiniert in Wien und Hollabrunn. Vielleicht ist das ja auch mal was für dich.

Und nun der LInk: http://www.darm-doktor.at

LG
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Re: Darmflora im Eimer bei täglicher Irrigation?

Beitrag #5 von Helmut » 20 Okt 2014 22:13


Hallo Demian,

also ich mache immer 2-3 Spülzyklen und verwende dafür im Durchschnitt so etwa 750ml klares handwarmes Wasser dafür. Mehr als 1000ml für einen Spülzyklus solltest du nicht nehmen, da sonst das Wasser zu weit in den Darm eindringt. Du solltest das Wasser möglichst rasch einlaufen lassen damit der zunehmende Druck die Darmtätigkeit anregt, dann reicht auch schon weniger Wasser als beim normalen Einlauf. Weniger als 500ml solltest du auch nicht nehmen, da sonst kein genügend hoher Druck im Darm entsteht und der nötige Reiz zu schwach ist.

Ich selber verwende zuhause vom B.Braun die elektrische Irrimatic R Pumpe, die lässt sich gut reinigen und im Schlauch ist vorne ein Rückschlagventil drinnen so dass kein verschmutztes Wasser zurück in den Schlauch laufen kann. Die Reinigung gestaltet sich einfach, du kannst die Pumpe selber gut mit einem Handtuch trocknen und den Schlauch selber gut von Restwasser befreien. Für Unterwegs habe ich jetzt immer Das Set von Qufora, das funktioniert ähnlich wie das Set von Coloplast.

Ich kenne nur zwei elektrische Irrigationspumpen, beide werden vom gleichen Hersteller (Schaefers Medizintechnik GbR) produziert, das etwas ältere Modell wird unter dem Namen Irrimatic R von B.Braun GmbH vertrieben, das etwas neuere Modell Irrimed classic vertreibt dagegen die Firma Dunker Medizin- und Röntgenprodukte GmbH. Das neuere Modell habe ich noch nicht getestet, aber soweit ich aus den technischen Daten entnehmen konnte, wurde nur eine digitale Temperaturanzeige hinzu gefügt und kleinere Verbesserungen vorgenommen.

Ich weis es nicht wie es bei euch in Österreich ist, aber bei uns in Deutschland haben die Irrigationsgeräte alle Hilfsmittelnummern und werden somit von den Kassen bezahlt.

Gruß Helmut
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