bin schon lange dabei, aber kennt ihr mich so?

Hier könnt ihr alles loswerden, das nichts mit Inkontinenz zu tun hat!

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Beitrag #21 von eckhard11 » 16 Jun 2007 23:38


Ich empfehle die Lektüre des “Spiegel” Nr. 24,
“Widerstand zwecklos”

Originalauszug :

Diese Scharmützel-Woche beginnt mit dem Samstag von Rostock, der die Farbe lange vorgibt:
Das Schwarz der Autonomen.
Die friedliche Protestbewegung versagt an diesem Tag, lässt sich überrollen, allerdings nicht nur sie. Auch für die Polizei ist es ein schwarzer Tag. Dass es zur Straßenschlacht kommt, ist tatsächlich auch ihre Schuld, wenn auch nicht so, wie es der Schwarze Block gern hätte: Die Polizei provoziert nicht. Sie verhält sich an diesem Samstag nur dümmer, als die Polizei erlaubt.

Es gibt Männer aus dem Sicherheitsapparat, die erklären das Demo-Desaster mit Eifersüchteleien unter den Einsatzführern der „Kavala“, wie sich die Polizeisondereinheit für den Gipfel nennt.
Im Mittelpunkt: Kavala-Chef Knut Abramowski. „Zaunkönig“ nennen sie den Mecklenburger Beamten, wegen des zwölf Kilometer langen Sperrzauns rund um Heiligendamm, aber nicht alle meinen den Spitznamen als Kompliment.
Er gilt als äußerst selbstbewusst, was Lageeinschätzungen angeht.
Die Meinung anderer Polizeiführer soll nicht besonders gefragt gewesen sein, klagen Beamte, fast jede Entscheidung habe Abramowski persönlich fällen wollen.
„Da kann man, wenn es eng wird, schon mal durcheinander kommen“, hämt ein Berliner Polizeiführer.
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Schon vor Beginn der Demo weiß der Kavala-Stab, dass der Schwarze Block in Rostock einfallen wird. Gegen 10:30 Uhr melden Beamte der Bundespolizei, dass in Zügen aus Berlin und Hamburg rund 500 gewaltbereite Linksautonome nach Rostock unterwegs seien.

Spätestens gegen 14 Uhr müsste den Verantwortlichen im Lagezentrum dann endgültig klar sein, dass es ernst wird. Denn die genehmigte Demo-Route, auch von der Kavala abgenickt, führt ausgerechnet an einem mit Schottersteinen gefüllten Gleisbett der Straßenbahn entlang – ein Sonderangebot an Wurfgeschossen.
Schnell werden Einkaufswagen aus Supermärkten organisiert und gefüllt. Niemand stoppt die Steinesammler, die Polizei greift selbst dann nicht ein, als die ersten Brocken die Scheibe einer Filiale der Ostsee-Sparkasse zertrümmern.

Sicher ist, dass Hunderte Autonome ab 15:30 Uhr werfen, was Einkaufswagen und Rucksäcke hergeben. Der Auslöser: ein Polizeibus, Funkname „Weintraube 3220“, aus Bamberg. Als der Fahrer den Befehl bekommt vorzurücken, beginnt die Randale.
Bald hat der Wagen ein paar Scheiben weniger und Rostock die schlimmste Straßenschlacht der vergangenen Jahre in Deutschland – auch weil die Polizeiführung viel zu zaghaft vorging.
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Noch peinlicher, dass die Kavala der rechtsextremen NPD heikle Informationen zuspielt: Sie untersagt die NPD-Demo am folgenden Tag – mit einer Verbotsverfügung an die Rechten, die zuhauf interne Erkenntnisse von V-Leuten über die militante Szene in den Camps enthält.
Im Lager Grenzschlachthof Rostock etwa hielten sich, so das Polizei-Papier für die Rechten, 6000 Personen auf, von denen „ca. 500 bis 700 Personen der Klientel ,rot‘ (hohe Gewaltbereitschaft/Strafen sind zu erwarten/mit unkalkulierbaren Aktionen ist zu rechnen) zweifelsfrei zuzuordnen sind“.
Es gebe dort Holzknüppel, größere Mengen Flaschen für Brandsätze, schreiben die Beamten.
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Am Donnerstag beginnt es unter den Polizisten zu rumoren. „So einen beschissen geführten Einsatz hab ich noch nie erlebt“, sagt ein Bundespolizist, als der Feldbeobachter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) seine Runde dreht: Einheiten werden an Orte verlegt, an denen nichts passiert, andere werden irgendwohin geschickt, ohne konkreten Auftrag.
„Ich wundere mich, dass nach zwei Jahren Vorbereitung auf den Gipfel alles so schlecht klappt“, sagt GdP-Mann Jörg Radek.

Die Kräfteökonomie sei „katastrophal“, eine „Strategie der Führung nicht erkennbar“.
Manche Hundertschaften sind schon seit 33 Stunden im Dienst, andere stehen vorn am Zaun und haben seit 24 Stunden nichts mehr zu essen bekommen.
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„Widerstand ist zwecklos“ – manchmal hat man an diesem Donnerstag den Eindruck, die Warnung gelte inzwischen vor allem für die Polizei.
Zu Tausenden haben sich die G-8-Gegner etwa durch den Forst hinter Steffenshagen geschlichen, vermummte Autonome, Attac-Sympathisanten, junge Mädchen und bärtige Mittfünfziger.
Die Polizei hat alle Straßen abgesperrt, aber jedes Mal, wenn es einem neuen Pulk gelingt, durch das Unterholz zu stürmen, gibt es lautes Gejohle.
Protestierer rufen sich Codewörter zu, „Störtebeker nach links“, „Neustadt hier“, und überall macht die Clowns Army – eine Spaßtruppe mit Pappnasen und weißen
Gesichtern – aus Polizisten Knallchargen. Die Clowns stellen sich neben die Beamten, äffen sie nach. Das hat den übermüdeten Polizisten noch gefehlt.
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Nur die Wasserschutzpolizei hat am Donnerstag weiter Dampf genug.
Als Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace mit acht Schlauchbooten in die Verbotszone einbrechen, werden sie von einem Schnellkampfboot („Combat“-Klasse) gejagt, abgedrängt.
Und dann fährt ein Polizei-Schlauchboot auf eines der Greenpeace- Dingis – mit hochdrehenden Propellern im Wasser ein mörderisches Unternehmen.

„Unsere Jungs haben richtig Schwein gehabt“, sagt Greenpeace-Sprecherin Svenja Koch.
Die Polizei auch. Die zieht Bilanz am Freitagnachmittag in Rostock: „Wir haben einen störungsfreien Ablauf gewährleistet“, sagt Kavala-Chef Abramowski.
Doch dafür haben auch Tausende von friedlichen Demonstranten gesorgt.
Bei der Abschlusskundgebung der G-8-Gegner in Rostock am Freitag ist der Schwarze Block umzingelt und infiltriert, weniger von Polizisten als von Demonstranten, die sie beschwichtigen, ruhighalten.
Sie sollen nicht das letzte Bild setzen.

Quelle : Spiegel Nr. 24 vom 11.06.07
Auszug aus dem Beitrag “Widerstand zwecklos”
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Beitrag #22 von papa0861 » 17 Jun 2007 00:01


hallo ecki,

danke für diese laudatio.

ein gut gelungener abriß der geschehnisse.

am rande sei geagt, daß du vergessen hast zu erwähnen, daß der ersteinsatzleiter ein begnadeter "wessi" war, der nichts aber auch garnichts gerafft hat. er wurde nicht umsonst sofort von einem berliner kollegen abgelöst.

unbestritten ist, daß einiges schiefgelaufen ist und auch viele kollegen grund zur beschwerde hatten (allgemeine organisation, unterbrinung, verpflegung, einsatzstrategie). letztendlich muß man aber auch anerkennen, daß eine solche situation erstmalig und einmalig für deutschland war.

ich hoffe, daß man bei den auswertungen des einsatzes zu dem schluß kommen wird, daß eine engmaschige überwachung spezieller truppenteile unbedingt und mit allen mitteln notwendig ist. demgegenüber stehen aber wieder diese weicheipolitiker und selbsternannten verfassungsrichter (-interpretierer) die gegen eine überwachungsstaat sind.

daß der schwarze block besser organisiert war, als der polizeiapparat sei und ist aus meiner persönlichen sicht unbestritten.

ich werde dem innenministerium aber einen vorschlag unterbreiten.

den nächsten einsatz leitest du. auf grund deiner analysen wärst du der beste mann.

klaugschieten kann hinterher jeder.

nächster und gerade laufender einsatz wäre die zur zeit laufende brn in dresden.

also gutes gelingen.

lg
jürgen

p.s. trotz aller makel war dieser g8 in deutschland ein voller erfolg, auch wenn es noch in zwei jahren leute geben mag, die sich noch immer an kleinen unzulänglichkeiten hochziehen und leute auffordern werden, ihr geschäft in ihrem schlafzimmer zu verrichten. diesen leuten geht es nicht um das thema allgemein, sondern lediglich um unruhestiftung im allgemeinen. und dazu ist ihnen jedes mittel recht. mein vorschlag dazu:
polizeiwitze schreiben.
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #23 von mehlbox2001 » 20 Jun 2007 04:58


papa0861 hat geschrieben:... dabei wäre noch anzumerken, daß ecki unterschlug, daß in heiligendamm durch die so friedlichen g8 gegner bei weitem mehr flurschaden angerichtet wurde als durch dieses schwarze volk auf den grundstück. diese friedlichen leute haben hektarweise getreidefelder überrannt und die ernten vieler anlieger vernichtet. doch davon redet keiner.



... doch, das kam in den Tagesthemen, und ich glaub halb Deutschland hat sich kaputtgelacht, dass die Polizei geglaubt hatte, es würde reichen, die Straße zu sperren, wo die Demonstranten durch die Felder sind. Der ARD-Kommentar war auch entsprechend süffisant.

Einen politischen Eklat und eine Tragödie wie 2001 in Genua -- der Kopfschuss auf Carlo Giuliano* hat bis heute zu keinem Prozess geführt -- hat es zum Glück nicht gegeben ...

Andreas


* Einfach den Namen in der Google-Bildersuche eingeben, und man sieht, was wie diesmal nicht wieder hatten ...
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