es weihnachtet schon

Hier könnt ihr alles loswerden, das nichts mit Inkontinenz zu tun hat!

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es weihnachtet schon

Beitrag #1 von papa0861 » 24 Nov 2006 22:59


kaum beginnt das neue jahr auszuklingen und das weihnachtsfest in greifbare nähe zu rücken,

bekommen wir immer öfters aufträge, die folgenden inhalt haben:


"fahrt mal hin, da hat sich wieder einer stranguliert", "nehmt mal die vermißtenanzeige auf "da hat einer einen abschiedsbrief hinterlassen",

merkwürdig! warum entscheiden so viele leute, sich gerade um weihnachten herum aus dem leben zu schleichen? warum tun die das nicht zu ostern oder pfingsten?

ich bin nun schon so eine verdammt lange bei der zunft. aber dahintergestiegen bin ich noch immer nicht. wieso ist gerade die weihnachtszeit so anfällig um den termin für sein ende zu setzten?

schon aus diesem grund kotzt mich die weihnachtszeit an. immer wieder muß man angehörigen sagen, daß die zeit des bangens nun vorbei ist. man hat den gatten, freund, kind ..... gefunden. kam zu spät.

heute in dresden drei fälle.

kann man weihnachten nicht einfach ausfallen lassen?

traurige grüße
jürgen
:-)) Wer Rechtschreibfehler findet kann sie behalten und einrahmen. :-))
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Beitrag #2 von Ference71 » 25 Nov 2006 11:43


Dass man einen exponentiell hohen Anstieg der Suicdrate um die Weihnachtszeit herum feststellt, hängt damit zu sammen, dass die Einsamkeit so extrem deutlich wird. Die Verzweifelung erreicht ihren Höchstpunkt - der inneren Leere ist nichts mehr entgegenzusetzen.

Es wird vom Fest der Liebe gesprochen - wenn diese Liebe einen aber nicht erreicht und man sich so unverstanden, einsam und ausgeschlossen vorkommt, ist ein Sucid in einigen Fällen die einzige Lösung, die man noch sieht, um den seelischen Schmerzen zu entkommen.

Hinzukommt die Dunkelheit, die die Depressionen verstärken oder auch erst auslösen (vgl. Winterdepressionen), weshalb man zu Ostern oder Pfingsten eine wesentlich niedrigere Rate registriert. Außerdem sind die familären Zusammenkünfte an anderen Festtagen nicht so verdichtet, wie zu Weihnachten.
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Beitrag #3 von mehlbox2001 » 28 Nov 2006 03:54


Hallo zusammen,

zum Glück haben die Bestatter trotzdem nicht mehr zu tun: Bei chronisch kranken Menschen kehrt sich das nämlich um, weil sie nochmal Weihnachten erleben wollen. In meiner Familie ist der 27. Dezember ein häufiger Todestag. Meine Großmutter hat sogar meinen 30. Geburtstag abgewartet, erst am Morgen nach der Feier rief das Krankenhaus an ...

Übrigens ... Hat Weihnachten nicht was mit christlichem Glauben zu tun? Unter den häufigen Kirchgängern sind Suizide eher selten ... Und wer Weihnachten wirklich allein ist und sich mit Einsamkeit quält: Ab in die Suppenküche und Brote schmieren! Die großen Kinderaugen zeigen wahrscheinlich mehr Dank und Friedlichkeit, als man je erwartet hätte ...

Andreas
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Beitrag #4 von Ference71 » 28 Nov 2006 07:44


Lieber Andreas,

dass es Menschen gibt, die "erst" nach bestimmten Begebenheiten, wie Geburtstagen, Hochzeiten, Festtagen, Prüfungsabschlüssen anderer oder dem Vollbringen selbst gesetzter Aufgaben aus dem Leben scheiden, ist seit langem bekannt und für mich - nach wie vor - ein Wunder, dass der menschliche Körper doch noch einige Zeit Kräfte derart mobilisieren kann.

Ein Paradebeispiel für für einen Psycho-somatischen-Prozess erster Klasse.

Andreas, dass die Bestatter derzeit nicht mehr zu tun hätten, als zu allen anderen Jahreszeiten, mag ich bezweifeln. Ich habe morgen eine Bestattung im Rahmen meines Praktikums zu absolvieren...und insgesamt sind es diese Woche 12 Beisetzungen, die meine Mentorin feierlich begehen muss. Die Woche darauf sind es es fünf...bis jetzt...
Im Frühling hingegen, gibt es wochenlang keine einzige Beisetzung, z. B.

Dass Weihnachten ein christliches Fest ist, wissen heutzutage immer weniger Menschen, dafür wird es jedoch als Familienfest immer beliebter und wird z. B. auch von vielen Muslimen in Deutschland gefeiert, was Weihnachten zu einem netten Familienfest macht, ohne jeglichen Bezug, zu dem was eigentlich gefeiert wird.

Depressionen sind eine komplexe psychogene Erkrankung, die Erkrankte massiv emotional beeinflusst; Religiosität meistens jedoch eine mental-kognitive Angelegenheit, weshalb es nicht richtig ist, dass es bei den "Kirchgängern" weniger Suicide zu verzeichnen gäbe.

Herzliche Grüße,

Andreas
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Beitrag #5 von mehlbox2001 » 29 Nov 2006 04:00


Hallo Andreas,

ich glaub, du meinst das nette Familienfest mit dem Tannenbaum, den Geschenken und den netten Leuten ... Wird sogar in Hongkong immer wieder gern gefeiert ... Da kann man wirklich deprimiert werden, wenn überall im Fernsehen "heile Welt" zu bekucken ist, bloß man selber hat das nicht ...

Glaub mir ;-) jetzt mal einfach, dass christlicher Glaube bei vielen Leuten nicht nur eine "mental-kognitive" Sache ist, sondern viel tiefer geht. Dabei nehme ich gern die Leute aus den bayerischen Dörfern aus, die nur zur Kirche gehen, weil sie sonst "unten durch" sind ... Geh mal "einfach zur Probe" einen Jahreskreis lang jeden Sonntag in einen Gottesdienst, und du wirst nicht nur eine große Vielfalt von Erlebnissen haben ... Das fängt doch mit der ganz banalen (und weltlichen) Erkenntnis an, dass das einer der wenigen Orte ist, wo Leute regelmäßig Live-Musik erleben und mitsingen -- wie sehr leben wir sonst doch "aus der Konserve" ... und geht über tiefe Spiritualität bis hin zu alltäglichem Miteinander ... Für Einsamkeit und Lebensmüdigkeiten ist da irgendwie wenig Platz ...

Andreas
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Beitrag #6 von Ference71 » 29 Nov 2006 07:36


Lieber Andreas,

ich fände es sehr schön, wenn ein "gewöhnlicher" agendarischer Gottesdienst den Menschen ihre Einsamkeit nimmt, das Singen Freude bereitet und vielleicht sogar ein wenig Spritualität spürbar wird für den einzelnen. Wenn daraus sich eine Gemeinschaft ergibt, die über den Sonntag hinaus bestand hat - durch verschiedene Aktivitäten und gegenseitiges Helfen, dann ist Kirche vor Ort auch das, was sie sein sollte und muss!!!

Die Einsamkeit wird aber dadurch spürbar, dass an Weihnachten nach dem Gottesdienst eben keiner mehr für einen da ist, wenn man keine Familie oder einen guten Freundeskreis hat. Alle feiern und man selbst ist allein. Ausgeschlossen.

Aber in erster Linie sind es ja die Menschen, die keinen Bezug zur Kirche haben und auch in anderen Organisationen nicht verankert sind, die sich an den Hohen Festagen suicidieren.

Aber wir wissen auch, dass sehr fromme Menschen sich das Leben nehmen, die fest in der Gemeinde verankert waren.

Eine einzige Ursache, gerade bei Kranken, scheint es nicht zu geben, das wäre zu einfach und dann könnte man vielleicht auch frühzeitiger intervenieren. Es ist alles sehr, sehr komplex.

Herzlichst,

Andreas
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Beitrag #7 von mehlbox2001 » 01 Dez 2006 04:37


Lieber Andreas,

jeder ist eingeladen, einen sonntäglichen G1-Gottesdienst mit eigenen Gedanken, Wünschen, Gebeten und Meditationen zu füllen -- obschon, es bedarf einer gewissen inneren Eigeninitiative ... Und das mit dem regelmäßigen Singen und dem "Live-Erlebnis" kennt ein Großteil der Bevölkerung nicht, wo Musik nur aus unterschiedlichsten Geräten rauskommt ... Zugeben, da ich als Nachteule gern Gottesdienste am Sonntagabend besuche, erlebe ich nicht sooo oft den normalen Sonntagmorgen -- und sowas war in Nürnberg sechs Jahre im Kirchenvorstand in der Dorfkirche in Großreuth ;-)

Und zur Einsamkeit an Weihnachten ... Weißt du, ich komm aus Hamburg, und im NDR haben Sie meine ganze Kindheit und Jugend hindurch die Tage vor Weihnachten nach Helfern für Suppenküchen, gemeiname Weihnachtsfeiern usw. gesucht ... Und am Heiligabend selber schaurig live von St. Pauli berichtet, wie die Damen des ältesten Gewerbes der Welt den Heiligabend mit Ihren Kunden verbringen ...

Ist sowas nicht ein ideales Anti-Suizid-Programm? Erstens geht's jedem besser als den (meist) jungen Damen, und wer rechtzeitig wo anruft und mithilft, hat nicht nur keine Langeweile, sondern dankbare Kinder an sozialen Brennpunkten vor sich ... Oder Seeleute aus Indonesien und Brasilien, die kein Deutsch und wenig Englisch können, aber sich unglaublich freuen, dass jemand Ihnen eine Weihnachtsfeier bereitet ...

Wer wirklich gar niemanden zum feiern hat -- DAS ist nun wirklich eine Alternative zum Hüpfen vor die Hochbahn, kostet keinen halben Cent (vormals Pfennig), und ist sogar dafür gut, andere Leute kennen zu lernen ...

Andreas
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Beitrag #8 von Ference71 » 02 Dez 2006 11:51


Lieber Andreas,

da kann ich Dir einfach nur zustimmen, das - vorallem so ein wichtiges Engagement zu Weihnachten - Menschen gleich auf zwei Seiten aus der Einsamkeit holt, wie Du es beschrieben hast.

Aber kranken Menschen ist das in vielen Fällen unmöglich. Die bleiben in der Einsamkeit oder suchen - im schlimmsten Fall - Erlösung im Suicid.

Herzlichst,

Andreas
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Beitrag #9 von mehlbox2001 » 06 Dez 2006 06:03


Lieber Andreas,

dann lass uns einfach mal hoffen, dass möglichst viele Leute zu Weihnachten diesen Thread lesen -- sicher sind wir beide gern mit Telefonnummern vor Ort behilflich, Google sei Dank.

Und lass uns hoffen, dass möglichst viele Leute die Aufrufe im NDR und anderswo hören, für Andere da zu sein am Heiligabend -- letztes Jahr hab ich sogar im Bayerischen Rundfunk sowas gehört ... Das erste Lichtlein der Hoffnung brennt ja schon ...

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Beitrag #10 von Ference71 » 07 Dez 2006 10:35


Lieber Andreas,

ja, so sollten wir verfahren: mit Rat, persönlichem Beistand und Informationen helfen, um der Einsamkeit ein klein wenig Liebe und menschliche Wärme entgegenzusetzen!!!


Auf friedliche hohe Festtage für jede und jeden hoffend,
grüßt herzlichst,


Andreas
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