müssen behinderte unbedingt alles tun, was "gesunde" machen

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müssen behinderte unbedingt alles tun, was "gesunde" machen

Beitrag #1 von papa0861 » 07 Mai 2007 23:13


hallo leute,

ich möchte diese provokative frage mal in den raum stellen.

hintergrund ist die taufe des ersten rollstuhlgerechten großseglers.

die politik brüstet sich nun mit der fast fertigstellung dieses schiffes und vergißt dabei, daß die ganze aktion auf rein privater ebene erfolgte.

wie seht ihr das? würdet ihr euch freiwillig einer solchen gefahr aussetzten?

der rolli nebst insassen ist zwar gut verstaut, es sind ja genügend lifte vorhanden. aber wie lange dauert es, das teil aus dem sinkenden boot zu hieven?

siehst du hier:

http://ruegenbote.de/wordpress/2007/05/ ... utschland/

@matti

auf deine antwort bin ich besonders gespannt.

lg
jürgen
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Beitrag #2 von Matti » 08 Mai 2007 18:30


Hallo Jürgen,

dass freut mich aber, dass du auf meinen Kommentar gespannt bist. Nun, dann will ich dir auch gerne darauf antworten.

Immer wieder höre ich, dass ich an den Rollstuhl gefesselt sei. Ich frage mich dann immer warum mich niemand losbindet.

Im Ernst: Diese gerne benutze Formulierung, gegen die sich viele Rollstuhlfahrer, wie ich wehren, ist aus der Sicht von den meisten Rollstuhlfahrern paradox. Zu der Information "Der Mann sitzt im Rollstuhl" wird mit der Formulierung "an den Rollstuhl gefesselt" gleich die Bewertung mitgeliefert: Ist alles ganz schlimm. Und das ist einfach nicht richtig.

Der Rollstuhl sichert mir meine Mobilität, er gehört zu mir. Er gibt mir Freiheit und ermöglicht mir die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Niemand würde von sich behaupten, er sei an sein Auto gefesselt. Und trotzdem sind viele Leute darauf angewiesen. Die meisten finden das aber ganz normal - so wie ich es normal finde, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein.

Falls Du also mal jemanden siehst, der an einen Rollstuhl oder - schlimmer noch - an das Bett gefesselt ist, löse bitte die Fesseln oder ruf wenigstens die Polizei.

Selbstverständlich sind mir als Rollstuhlfahrer manchmal Grenzen gesetzt, deshalb nennt man es wohl auch Behinderung. Wer hier wen oder was behindert ist allerdings eine andere Frage.

Das Bundesland Mecklenburg Vorpommern verfolgt ein Gesamtkonzept um möglichst viele Möglichkeiten für mobilitätseingeschränkte Menschen zu schaffen. Dies ist doch lobenswert, bedenkt man auch die demografische Entwicklung.

Als Rollstuhlfahrer hast du im Not und Fluchtplan meist schlechte Karten. Aber sollen bzw. wollen wir keine Rollstuhlfahrer mehr im Flugzeug oder z.B. der Bahn transportieren? Wollen wir in mehrstöckigen Gebäuden auf Aufzüge verzichten, weil sie im Brandfall eh nicht benutzt werden dürfen?

Ich sehe auch keine größere Gefahr bei der Nutzung eines Schiffes. Was glaubst du wieviele Nichtschwimmer schon eine Kreuzfahrt unternommen haben.

Es ist immer eine Frage der Sichtweise, lieber Jürgen. Als nicht Rollstuhlfahrer siehst du Dinge bestimmt anders als ein Betroffener.
Noch in den 70er ist ein Buch mit den Titel „Dürfen Behinderte heiraten?“ erschienen. Ersetzt man einmal das Wort behinderte durch Menschen würde die Frage lauten: „Dürfen Menschen heiraten“. Dies würde wohl niemand fragen, oder? Im Umkehrschluss: Sind behinderte also keine Menschen? Ersetz mal in deiner Überschrift das Wort Behinderte durch Menschen, deine Frage würde völlig absurd sein, oder? Im übrigen sind die meisten Rollstuhlfahrer nicht krank! Deshalb passt auch der zweite Teil deiner Überschrift nur sehr bedingt.

Die Nichtbehinderten sehen das Hilfsmittel Rollstuhl als „schreckliches Gefängnis“ an. Und so argumentieren sie dann zumeist auch.

Gruß

Matti
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Beitrag #3 von papa0861 » 08 Mai 2007 23:42


hallo matti,

danke für deine antwort. ich hatte schon die befürchtung, daß mein beitrag bei jemanden in den falschen hals kommen könnte.

hintergrund ist eigentlich die frage, ob sich jemand freiwillig einer solchen gefahr aussetzen würde. klar, es mag auch viele nichtschwimmer auf schiffen geben, aber die haben zumindest die chance, per fuß ins rettungsboot zu gelangen.

freilich, es gab ja auch diesen blinden, der einen ultraleichtflieger steuerte, aber der hatte ja zum glück seinen sehenden copiloten dabei.

ich bin auch dafür, daß die umwelt behindertengerecht (ich mag den begriff nicht und sage lieber gehindertengerecht) gestaltet wird. barrierefreie zugänge zu öffentlichen einrichtungen, hotels, behörden, ämtern.

aber irgendwo sollte doch eine grenze sein. ich empfinde dieses segelboot als vermeidbare gefahr.

da fällt mir gerade ein buch ein, das ich in meiner jugendzeit regelrecht verschlungen habe.
vielleicht ist es sogar damals bei euch verlegt worden.

wilhelm und elfriede thom "rückkehr ins leben" es gab dann noch ein zweites buch, den titel weiß ich aber leider nicht.

dieses buch schildert schonungslos das leben eines nva-offiziers nach einem autounfall, der ihn in den rollstuhl beförderte.

selten, daß solch gesellschaftskritische literatur in der ddr verlegt wurde.

lg
jürgen


p.s. hab grad mal meine onlinezeiten abgerufen. eigentlich müßte ich mich umbenennen. vielleicht nachteule oder so.
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Beitrag #4 von Gulliam » 09 Mai 2007 08:28


Warum eigentlich sollte behinderte Menschen nicht die gleichen Interessen haben als nicht Behinderte.
Ich komme von der niederländischen Grenze, und dieses Land ist das beste Land für Behinderte, das fängt schon mit der Einstellung der Holländer an, sie sagen nicht mein Kind ist 60 % behindert, nein sie sagen, mein Kind ist 40 % Intakt.
Wenn ich das nun mit Ungarn vergleiche, dort wird eine Behinderung noch als eine Strafe Gottes empfunden.
Vor 50 Jahren hat man in Aachen angefangen an den Übergängen die Bürgersteige ab zu senken.
Behindertentelefone wurden eingerichtet. Dies war ein Anfang.
Heute haben Behinderte eben viele Hilfsmittel, warum sollen sie den immer den Kranken spielen( müssen)
Mein Sohn macht Marathon auf Inlineskates.
In Köln kommen zuerst die Rollstuhlfahrer an, das sind die schnellsten. Wenn man mal sieht, mit wieviel Spass die Leute bei der Sache sind, auch bei den Zuschauern bekommen die noch mehr Applaus als die normalen Marathonläufer.
Das ist nur ein Beispiel, was man eben fortführen könnte.
Was noch fehlt, ist, das eben viele Menschen Berührungsängst mit Behinderten haben.
War bei mir früher auch so.
Aber ich war bei meinen Campingurlaube viel mit holländischen Behindertenlehrer zusammen, und habe viel von ihnen gelernt.
Viele Grüsse
Gulliam
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Beitrag #5 von Matti » 09 Mai 2007 10:03


Hallo,

ein Satz von Gulliam gefällt mir besonders gut:

...warum sollen sie den immer den Kranken spielen (müssen)


Jürgen, niemand, ob nun behindert oder nicht, kann sich vor den Gefahren des Lebens völlig schützen. Wer damit anfängt hört auf zu leben!

Ein Schiff geht meist nicht aus heiterem Himmel unter. Und nur weil es untergehen kann wäre es doch paradox es nicht zu benutzen. Dann dürfte ich auch in kein Hochhaus, weil im Notfall eine Rettung wohl wesentlich problematischer. Ein Tunnel, Flugzeug, Bahn oder ein großes Fest, der Diskosbesuch mit wenigen Notausgängen usw. All dies könnte ich wohl nicht wahrnehmen, weil im Notfall dies immer mit Schwierigkeiten verbunden ist. Bist du noch nie Fahrrad gefahren" Weißt du wie gefährlich das sein kann? Oder als Fußgänger? Da sterben täglich unzählige Menschen! Wer sich vor all diesen Gefahren schützen will, der muss sich zuhause einigeln. Und dort besteht noch die Gefahr, dass dir (im wahrsten Sinne des Wortes) die Decke auf den Kopf fällt.

Wer so lebt, schließt sich von der Gesellschaft aus!

Vielleicht hast du in den letzten Tagen einen Bericht über den "Trabber" Sohn im Fernsehn gesehen. Er ist vor einem Jahr am Hochseil abgestürzt und seit dem behindert. Er hätte wohl vor seinem Unfall gesagt: So will ich nicht leben. Und nun, lebt er! Das scheint ihm wichtig zu sein. Menschen die keine Krankheit oder Behinderung haben können sich nur sehr schlecht ein Leben mit Behinderung vorstellen. Kommen sie dann in die Situation stellt sich ihr Leben ganz anders da. Es ist begleitet vom täglichen Kampf. Wieder sprechen oder ein paar Schritte laufen zu können ist ein riesiger Erfolg. Die Sichtweise wird eine ganz andere, die Prioritäten verschieben sich total.

Nein Jürgen, gefahren lassen sich nicht aus unserem Leben verbannen. Ich lebe lieber, als mir täglich den Kopf darüber zu zerbrechen, was alles sein könnte, wenn mal nicht alles nach Plan A läuft. Es gibt immer noch Plan B!

Ich wohne im zweiten Stock einer behindertengerechten Wohnanlage. Meine Wohnung ist nur über einen Aufzug zu erreichen. Im Brandfall nützt mir das recht wenig.
Allerdings kommt dann Plan B ins Spiel. Wie Plan B aussieht, sieh selbst:

Bild

Bild


Auf den Fotos werde im übrigen ICH gerettet! Und da ich dir noch antworten kann, habe ich wohl überlebt!

Du solltest aufhören, sicherlich aus eigener Sorge, dass Leben anderen gestalten zu wollen.

Gruß

Matti
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Beitrag #6 von Matti » 09 Mai 2007 18:07


Hallo Jürgen,

ich habe mir noch einmal ein paar Gedanken über deine Logik gemacht. Nach dieser dürfte eigentlich kein Rollstuhlfahrer in einem Haus wohnen. Häuser neigen nun einmal dazu ein schönes Fressen für Flammen zu sein. Natürlich brennen Häuser ebenso wenig oder oft ab wie Schiffe untergehen, die Gefahr ist aber allgegenwärtig.

Eigentlich müssten Rollstuhlfahrer auf einer grünen Wiese stehen, welche sich im Idealfall direkt neben einen Krankenhaus befindet. Dort könnten sie aber vom Blitz getroffen werden, weil Metall ja bekanntlich Blitze regelrecht anzieht. Hm, vielleicht eine Höhle? Nein, da könnte jemanden ein Stein auf den Kopf fallen. Auf dem Wasser geht ja nicht, in der Wüste kommt man mit den schmalen Reifen nur sehr schlecht voran.

Ich bin ein wenig Ratlos. Anscheinend gibt es gar keinen gefahrlosen Raum oder Ort für behinderte Menschen.

Vielleicht sollten Rollstuhlfahrer ihr Leben gleich von Anfang an in einem Atombunker verbringen, dies scheint mir noch am sichersten. Schön abgeschottet von dem Rest der "gesunden" Gesellschaft, damit diese nicht jeden Tag das ganze Elend mit ansehen muss.

Ich hoffe, dass du aufgrund meiner humorvollen Worte ein wenig die Unsinnigkeit deiner Frage verstehst.

Gruß

Matti
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Beitrag #7 von papa0861 » 09 Mai 2007 23:44


hallo matti,


ich finde keineswegs, daß meine anfrage unsinnig (ebenso, wie ich deine antwort als witzig empfinde) ist. zeigen doch die antworten, daß man sich gedanken über dieses thema macht.

ich möchte dir auch gern den grund meiner anfrage sagen.

in einem anderen board (dort wo unsere gilde zugange ist), kam eben diese frage auf.

viele bezeichnen die idee des segelschiffes als aberwitzig und unverantwortlich, irrsinnig. hier würden gefahren erzeugt, die nicht steuerbar sind. auf kosten der lobby werden dinge gezaubert, die am ende zum supergau werden könnten.

wohnumfeld, private leidenschaften .... alles keine frage. aber ein zusätzliches gefahrenpotential schaffen und sich dem freiwillig aussetzen?!


hier eine meinung eines nutzers des andern boardes:

"Blinde die mit Ultraleichtflugzeugen um die Welt fliegen. Beinamputierte die den Mount Everest erklimmen und jetzt Großsegler Rollstuhlgerecht.

Ne ich weiß nicht.

Integration von Behinderten, nicht ausgrenzen, alles okay. Aber ob man das alles so weit treiben muss."



deshalb sind mir eure meinungen wichtig um hier und da gegenargumentieren zu können.

viele meiner kollegen kennen die rollizunft doch maximal aus der dienstlichen sicht. sie haben doch mit behinderten meist nur zu tun, wenn diese probleme haben. behandeln sie oft oberflächlch. verstehen nicht, daß ihre aus unserer sicht kleinigkeiten oftmals unüberwindbare berge sind.

eigentlich schade, daß sich nur so wenige betroffene melden.

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Beitrag #8 von Ference71 » 10 Mai 2007 14:35


Lieber Jürgen,

ich denke, dass - insbesonderen in Zeiten wie diesen, in denen die Politik immer mehr versucht, in die Lebensbereiche des Einzelnen "regulierend" einzugreifen, es wichtig ist, dass wir für alle Menschen die Möglichkeit schaffen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das gilt auch für den Sport,- Freizeit-und Urlaubsbereich mit all seinen Varianten. Die Verantwort muss jede und jeder für sich selbst übernehmen und kann diese nicht abschieben auf den Staat. Verstehst Du, wichtig ist, dass alles für jede und jeden angeboten und wahrnehmbar wird und bleibt.

Risken abzuschätzen, ist elementarer Bestandteil von Verantwortungsübernahme für unsere eigene Person.

Es ist wunderbar, dass das Segelschiff rollstuhlgerecht konzipiert ist. Daran gibt es keine Kritik.
Ob behinderte Menschen oder - zumindest auf den ersten Blick äußerlich Nichtbehinderte - das Schiff besteigen, ist ihre ureigenste Entscheidung, die aus bereits Erfahrenem getroffen wird.

Ein Leben ohne Risko, ohne Gefahren ohne Angst ist nicht zu haben (hier bin ich sehr nah bei Matti).

In diesem Sinne, fangt an zu leben Leben, Freunde!!!!!
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Beitrag #9 von papa0861 » 10 Mai 2007 23:43


hallo ference,


gerade darum geht es mir ja bei dieser frage. eine rein private sache wird plötzlich zum politikum.

der eigner baut dieses wunderbare (meines erachtens nach aber sehr gefährliche schiff) und plötzlich kommt frau ministerin und meint: "sehr schön"

trotzdem bin ich der meinung, daß hier auf kosten der lobby ein gefahrenpotential geschaffen wird, was nicht beherrschbar ist.

freilich, wer dieses schiff nutzt, muß sich über die eventuellen folgen im klaren sein. auch meßner ist geklettert und hat sich die zehen abgefrohren.

alltagsgefährdungen, gut und schön. die sind unvermeidbar. auch ich kann mal im dusel über die rote ampel laufen. aber ich würde mich doch niemals bewußt der gefahr aussetzen.

im moment ist man in meinem anderen board noch garnicht bei der frage angelangt, was leute heute verlangen, die sich bewußt einer gefahr ausgesetzt haben und im rollstuhl gelandet sind. nach dem motto: "ich war böd" aber staat zahle nun mal für meine extrawünsche.

ich weiß jetzt nicht, ob ich richtig rübergekommen bin, hoffe es aber.

matti hat mit seiner einstellung recht. er kann nichts für seine lage. er verlangt berechtigt bestimmte sachen.

aber steht das gleiche recht dem jugendlichen raser zu, der auf grund seiner lebensweise im rolli landete?



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Beitrag #10 von Matti » 11 Mai 2007 11:24


Hallo Jürgen,

so manchmal habe ich den Eindruck, dass du immer verschrobener, weltfremder und verbitterter wirst.

Deine Argumentationen könnte man in jeder Eckneipe hören. Der Staat ist scheiße, dass System ist scheiße und allen geht es besser als einem selbst. Mein Gott Jürgen, mach was aus deinem Leben und höre auf dich selbst zu bemitleiden.

Es währe sehr nett, wenn du damit aufhören würdest als Vormund für behinderte Menschen aufzutreten. Glaubts du das alle Rollstuhlfahrer nicht selbst für ihr Leben und Handeln verantworlich sind? Dazu gehört es auch vermeintliche Gefahren einzuschätzen und die Lust am Leben mit dem evtl. bestehnden, und in diesem Fall völlig irrelevanten, Riskio selbst abzuwägen. Wer schreibt dir den vor was du zu tun und zu lassen hast?
Und nur weil ein Mensch seine Beine nicht bewegen kann maßt du dir an über diese Menschen entscheiden zu können, was sie zu tun haben und was sie zu lassen haben.

Klar kann ich dich ein wenig verstehen. Bei deinem Beruf hats du bestimmt unzählige Knallköpfe gesehen, welche aus reinem Übermut, Unvernunft und Leichtsinn ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben. Daraus erwächst aber nicht automatisch deine Aufgabe über das Leben anderer bestimmen zu wollen.

Das ein nagelneues Boot (Schiff) untergeht ist so unwahrscheinlich wie das der Pabst bei der nächsten Wahl weiblichen Geschlechts ist. Ein Auto kann auch in einem Unfall verwickelt sein, und würdest du deshalb keines mehr benutzen?

Du bist ja immer schnell mit dem Zitieren von Gesetzen.

Was hälst du den von diesen:

Artikel 3, Absatz 3 unseres Grundgesetzes: "Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden".

Zudem gibt es in Deutschland ein Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (Allgemeine Handlungsfreiheit).


Und nun noch mal zu den selbst verursachten Gefahren: Was sagst du dem Dachdecker der vom Dach fällt und sich dabei einen Querschnitt zuzieht? Selbstdran schuld, hättest ja Kindergärtner werden können, nun zahl mal schön selbst?

Was ist mit den Menschen, welche trotz besseren Wissen ihre Inkontinenz damit im Griff zu bekommen versuchen, dass sie selbst bei hochsommerlichen Temperaturen ihre Flüssigkeitszufuhr auf ein Minimum reduzieren? Wenn diese dann aufgrund ihres verdickten Blutes einen Schlaganfall erleiden müssten die nicht aufgrund der selbst herbeigeführten Gefahr ihre Kosten selbst tragen, oder?

Wir sollten vielleicht sämtliche Freizeitaktivitäten einstellen. Beim Sport besteht immer Gefahr, Fahrrad fahren oder noch schlimmer Motorradfahrer birgt eine hohe Gefahr.
Wir sollten auf keinen Fall in die Berge fahren oder ins Wasser gehen. Im Schwimmbad könnte einem jemand vom drei Meter Brett aufs Genick springen!

Zebrastreifen sollten wir meiden, weil ja immer ein Knallkopf uns übersehen könnte. Gleiches gilt für Ampeln.

Jürgen, wenn du aufgehört hast zu leben, dann ist dies bedauerlich. Versuche allerdings nicht anderen den Spaß am Leben zu verderben, weil du dir Sorgen um Dinge machst die dich gar nichts angehen.

Gruß

Matti

Sitze im Atombunker und denke an all die schönen Dinge die ich nun nicht mehr machen kann. Aber sicher ist sicher!
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