umgang mit dem tod

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Re: umgang mit dem tod

Beitrag #11 von Gulliam » 23 Feb 2015 00:39


Die letzte Reise
Wie es denn so ist, irgendwann ist immer Schluss. Und ich sagte zu meiner Christa, so in der 6. Woche, am Donnerstag packen wir, fahren Freitag und sind dann so am Wochenende zu Hause. Normal fährt sie dann auch gerne nach Hause, aber jetzt sagte sie, du Willi, wir haben doch keine Verpflichtungen, schau doch mal nach, wie viel Tabletten wir noch haben. Dann können wir doch so lange bleiben. Sie mußte neben Marcumar noch 14 andere Tabletten einnehmen.

Ich hatte noch für eine Woche Tabletten. Also wollten wir noch bleiben. Montag nach dem Bad kommt sie und sagt, vorne liegt noch Holz, sollen wir noch mal ein Lecso kochen? Dann müssen wir aber einkaufen gehen.

Wir sind dann einkaufen gegangen. Als wir zurück waren, habe ich gesagt, Christa, du kennst doch mein Glück, 6 Wochen Sonnenschein, aber wenn ich am Donnerstag einpacke, dann regnet es bestimmt. Also packe ich jetzt ein, die paar Tage kann doch Tisch und Stühle auch mal draussen stehen.

Gut, sagt sie, aber mir geht es nicht gut, ich lege mich was hin. Wenn du Hilfe brauchst, dann rufst du. Ich habe dann alles eingepackt und so um 18 Uhr sage ich, Schatz, willst du nicht mal aufstehen, was willst du heute Nacht machen? Sie ist dann kurz aufgestanden, hat sich aber wieder hingelegt. Dann bekam sie Magenschmerzen und ich habe ihr einen Magentee gemacht, den sie aber nicht beibehielt. Dann habe ich unsere Freundin angerufen, sie soll uns einen Notarzt schicken. Der Notarzt war auch sehr schnell dort und wies sie ins Krankenhaus nach Dombovar ein. Ich habe meinen Sohn angerufen. Er kam mit dem nächsten Flugzeug. Um es kurz zu machen, sie bekam eine Infusion gegen Schmerzen. Uns schickte man nach Hause. Früh am nächsten Tag war ich gleich früh wieder da. Man hatte sie ins Koma gelegt, um sie schmerzfrei zu machen. Der Arzt sagte dann, sie hätten sie in die Röhre gesteckt und dadurch etwas im Gehirn gesehen. Sie würden sie nach Kaposvár schicken denn dort ist ein Gehirnzentrum.

So um 10 Uhr kam der Chefarzt und sagt mir, es baue sich ein großer Druck im Kopf auf und sie wissen nicht woher das käme. Die Lage sei sehr kritisch, und sie würde noch kritischer. Sie könne heute Nacht sterben oder in 4 Tagen, oder sie könne überleben. Aber dann käme sie nie mehr aus dem Bett. Er könne weder in der einen oder der anderen Richtung etwas sagen.

Mir war es, als zieht mir jemand den Boden unter den Füssen weg.

Ich wollte in der Nähe von meiner Christa sein. Ich bin auf dem Flur sitzen geblieben und habe gebetet. Doch unser Herrgott hat mich nicht gehört. Um 13:30 Uhr kam die Schwester. Sie sagte mir, Christa ist verstorben.

Jetzt stehe ich im Moment ganz orientierungslos hier, und muß mir einfach meinen Kummer vom Herzen schreiben.

Ich habe noch nicht begriffen, dass sie nie mehr kommt.

So wie ich immer die Berichte von unseren schönen Urlaubfahrten geschrieben habe, so schreibe ich eben auch jetzt den Bericht vom schlimmsten Urlaub in meinen Leben.




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Sie liebte das Land und die Menschen,
nun ist sie von ihrer letzten Reise nach Ungarn zurückgekommen.

„Nem múlnak el Ök, Kik szivünkben élnek,
Hiába szállnak, szárnyak, álmok, évek“


Das war das der schlechteste Tag in meinen Leben, ich hate da auch an suizit gedach, aber dann hätte mein Sohn ja beide Eltern verloren.
Ich vermisse sie noch heute, sie war im September 5 Jahre Tod.
man versteht einfach die Welt nicht mehr. Und doch hat man vergessen, das es in jeder Ehe so geht, mal ist der Allein., mal der Partner.
Fängt etwas komisch an, ist aber aus eine Urlaubsreihe raus genommen.
Viele Grüsse
Gulliam
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Re: umgang mit dem tod

Beitrag #12 von Ditta59 » 25 Feb 2015 14:15


Hallo Willi,

erstmal mein Beileid zu Deinem großen, schmerzhaften Verlust. Sogar nach 5 Jahren kannst Du es immer noch nicht begreifen, dass Deine Liebste nicht mehr zurückkommt auf diese Welt. Vielleicht tröstet Dich der Gedanke etwas, dass Deine Liebste im Jenseits auf Dich wartet, bis Du zu ihr nach Hause kommst?
Ich weiss nicht, ob Du gläubig bist, mir hilft der Glaube an Gott ungemein, ohne Glauben könnte ich es auf dieser Welt oft einfach nicht aushalten, auch wenn es schöne Momente, Zeiten und Erinnerungen gibt, die mir helfen, weiter zu machen. Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können, hat ein kluger Mensch schon vor mir erkannt, daran denke ich oft.
Wäre es Dir lieber gewesen, Deine Frau wäre jetzt ein schwerer Pflegefall und Du müsstest jeden Tag mitansehen, wie schwer sie von ihrer Krankheit und ihrer Behinderung gezeichnet ist und sich Tag für Tag abquält? Dann wäre sie zwar physisch noch bei Dir, aber sie wäre nicht mehr die Frau, die alles mit Dir teilen kann, was auch Dir Freude bringt, lieber Willi.
Ich schreibe hier aus eigener Erfahrung und es gibt hier Tage für mich, an denen ich auch denke, wäre es nicht besser gewesen, mein Mann hätte den schweren Schlaganfall nicht überlebt und müsste sich hier mit seinen vielen Handycaps Tag für Tag abquälen? Einen schwerkranken Menschen jahrzehntelang zu pflegen ist kein Zuckerschlecken, Willi. Ich mache es gerne und aus Liebe und freiwillig, doch mein eigenes Leben ist durch die Krankheit meines Mannes schon auch sehr eingeschränkt und bescheiden geworden. Ich bin natürlich dankbar, dass ich ihn noch habe und er noch am Leben ist, aber ich weiss auch, dass es mir nicht erspart bleiben wird, ihn eines Tages nach Hause gehen zu lassen, nämlich dann, wenn Gott findet, es ist jetzt die Zeit dafür. Dann werde auch ich erstmal vollkommen ins Bodenlose fallen, Weinen und Trauern, das ist ja auch ganz normal so, denke ich. Es ist immer ein großer Schmerz und Schock wenn wir von unseren Liebsten getrennt werden und wir sind nie wirklich darauf vorbereitet, so habe ich es zumindest erlebt.
Du hattest bestimmt sehr viele gute Jahre und Zeiten mit ihr gemeinsam erlebt. Wir dagegen waren gerade mal 2 Jährchen verheiratet, als der Unfall uns aus allen Wolken gerissen hatte. Ich fand das von Gott nicht fair und habe geklagt und geweint und gefragt warum gerade wir? Doch gibt es dafür einfach keine befriedigende Antwort, das weiss ich heute auch. Das Leben wird vorwärts gelebt und erst rückwärtig verstanden, so ist das nunmal.
Bedenke Mensch, das Du sterblich bist, das hat Jesus uns gesagt und da kommt keiner von uns dran vorbei, dieses Leben ist eben nur eine Durchgangsstation.
Halt`einfach die Ohren steif und bleibe uns hier lange erhalten, lieber Willi.

Alles Liebe und Gottes Segen wünscht Dir Ditta59.
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Re: umgang mit dem tod

Beitrag #13 von Gulliam » 25 Feb 2015 15:35


Danke Ditta, für die tröstenden Worte, wir hätten ein paar Wochen später die goldene Hochzeit gehabt. Sie fehlt mir auch heute noch, aber du hast Recht, für sie ist es bestimmt besser gewesen.
Jetzt kommen wieder verstärkt Gedanken auf, denn im Mai werde ich zu ersten Mal Opa, ich denke, das hätte sie doch auch noch erleben können.
Ich freue mich so auf das Enkelkind.
Unser Leben war sehr schön, ich könnte es mir schöner nicht vorstellen.
In Hobby habe ich aus unseren Leben Reiseberichte eingestellt, wir sind immer mit den Wohnwagen gefahren.
Ich fahre heute noch mit den Wohnwagen nach Ungarn, wo ich viele Freund besitze.
Viele Grüsse
Gulliam
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