Richtiger Umgang mit Behinderten

Hier könnt ihr alles loswerden, das nichts mit Inkontinenz zu tun hat!

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Richtiger Umgang mit Behinderten

Beitrag #1 von eckhard11 » 24 Apr 2005 20:21


Kennen Sie das?
Da hat man den Bekannten etliche Jahre nicht mehr gesehen und auch nichts von ihm gehört, und dann steht, ja viel schlimmer: „sitzt“ er doch plötzlich vor einem, im Rollstuhl.
Da weiß man doch gar nicht, was man sagen soll, besser gesagt, wie man dasjenige, was man nicht sagen kann, sagen soll.
Am liebsten würde man den Film einige Meter zurückspulen und an der letzten Kreuzung einen anderen Weg nehmen. Aber nun ist es passiert und man steht dem Menschen, den man von früher her ganz gut kennt, nun gegenüber und sieht, daß er behindert ist.

Blitzschnell durchsucht man seine geistige Festplatte nach den passenden Makros und bevor man sie auf Tauglichkeit gecheckt hat, nehmen sie selbstextrahierend ihren Lauf und man hört sich reden.
Weiß Gott, woher das Gedächtnis diese merkwürdigen Tipps hat, aber die Assoziationen überfluten einen nur so , und sie lassen sich auch nicht mehr stoppen.
Man hat den Drang, dem anderen seine Worte und Sätze abnehmen zu müssen, weil man ja schon weiß, was er sagen will oder zu berichten hat. Man muss da sicher als Nichtbehinderter die Initiative ergreifen, nur so lässt sich das Gespräch überhaupt in emotional halbwegs sicheren Bahnen steuern.

Behinderte sind ja von Natur aus traurig, deswegen sollten Sie Ihr Gegenüber schon einmal aufmuntern, bevor Sie überhaupt nur ein Wort sagen!

Tipp 1:
Hauen Sie ihm kräftig auf die Schulter!
Wenn er nicht sofort freudig strahlt, lassen Sie die eine Hand auf seiner Schulter, damit Sie sofort nachschlagen können, wenn nötig, und drücken Sie ihm kräftigst mit der anderen Hand die seine. Hart aber herzlich ist hier die Devise. Und brüllen Sie ihm ein deutliches „Na, lebst Du auch noch?“ ins Ohr. Behinderte sind ja nicht nur immer halb blind, sondern fast immer auch noch schwerhörig, deshalb sollten Sie keine unzutreffende Antwort abwarten.

Tipp 2:
Lenken Sie den Behinderten von seiner Behinderung ab! Erzählen Sie ihm, dass Sie auch nicht laufen können, weil Sie permanent Schmerzen im Knie haben und Ihnen die Wanderurlaube in den Dolomiten mittlerweile doch große Probleme bereiten.

Tipp 3:
Zeigen Sie dem Behinderten einen Weg aus seinem Dilemma auf! Berichten Sie ihm von der neuen Theorie, die Sie neulich gelesen haben, dass nämlich der Behinderte nur w o l l e n muss, um seine Behinderung zu überwinden. Er wird überrascht sein, wenn er erfährt, dass er eigentlich nur nicht laufen w i l l.

Tipp 4:
Wenn er das nicht glauben mag, dann erzählen Sie ihm wenigstens von dem Magnetarmband, welches Sie neulich gekauft haben, und das Ihre Leiden hat verschwinden lassen. Versprechen Sie ihm, dass Sie diese Magnetarmbänder preiswert besorgen können. Vergessen Sie nicht, zu erwähnen, daß ein Sechserpack für die Selbsthilfegruppe den Preis um 35% senken würde.

Tipp 5:
Klären Sie ihn unbedingt darüber auf, daß er die Räder seines doch offensichtlich sehr bequemen Rolli´s völlig falsch anfasst. Drücken Sie konsequent seine Hände in der richtigen Position auf die Räder, auch wenn er gerade durch einen Haufen Hundescheisse gefahren ist. Machen Sie ihm eloquent begreiflich, daß Sie als Normalo derartige Sachen viel besser, weil aus anderem Blickwinkel, beurteilen können.

Tipp 6:
Wenn er das auch nicht will, entlocken Sie ihm, weshalb er so depressiv ist. Entwickeln Sie einen Plan, wie er besser in die Gesellschaft integriert werden kann. Bieten Sie ihm an, Mitglied in Ihrem Bergsteiger- oder Taubenzuchtverein zu werden. Wischen Sie seine Bedenken mit einer Handbewegung vom Tisch, wiederholen Sie den Schlag auf die Schulter und bekräftigen Sie. „Wir kriegen das schon hin!“

Tipp 7:
Sollte der Behinderte sich immer noch widerspenstig zeigen, dann nehmen sie kein Blatt vor den Mund und fragen Sie einfach, weshalb Behinderte so aggressiv sind. Machen Sie ihm klar, dass er selbst Schuld ist, wenn er am Rande der Gesellschaft lebt, weil er sich ja gar nicht integrieren lassen will, und dass er wohl deshalb so aggressiv ist.

Tipp 8:
Stellen Sie für sich wieder einmal fest, was Sie schon immer wussten:
1 ) Behinderte sind traurig, weil sie nicht sehen können, dass andere auch Probleme haben.
2 ) Behinderte wollen ihre Behinderung gar nicht loswerden und auch kein Geld für ihr Leiden ausgeben.
3 ) Behinderte wollen sich nicht integrieren lassen und wenn man sie anspricht, werden sie aggressiv.

Fazit:
Man kann machen was man will, denen ist doch nichts recht zu machen. :aerger:

Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 24 Okt 2005 22:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Behinderte....

Beitrag #2 von Honk » 24 Apr 2005 21:23


Hallo Eckard,

:mrgreen: danke für diesen tollen Artikel, ich hatte lange nicht mehr so einen Spass - ganz ehrlich - beim Lesen eines Betrages... :mrgreen:

Jaaah, es ist schon ein Kreuz mit uns Krüppeln:

Wir klauen Euch die besten Parkplätze in der Innenstadt,
können umsonst Bus fahren,
wir stehen ständig im Weg,
brauchen auf dem Bürgersteigen unverschämt viel Platz,
und können überverhältnismäßig vieles von der Steuer absetzen! :mrgreen:

... und dann auch noch undankbar werden, wenn ein netter Mitmensch einen über die Strasse karrt (ohne dass man das wollte).

Es grüßt - immer noch lachend -

Honk
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Beitrag #3 von eckhard11 » 24 Apr 2005 23:06


Danke, Honk,

ich muß allerdings gestehen, daß ich solcherlei Sachen im Net finde, sie auf meine Art umschreibe und somit die geistige Urheberschaft klaue...
( Und ich gestehe auch, daß mir das ganz egal ist )

Kürzlich fand ich folgende Beitrag :
( Hier ging es um Horoskope. Nicht lustig, aber wahr(scheinlich) )

Sie glauben an Horoskope ???
Wenn ja, auch nicht schlimm, aber Vorsicht......

Sie sollten Ihre Pläne und Erwartungen drastisch reduzieren, denn das Schicksal hat Sie dazu ausersehen, nicht mehr in der Ihnen vertrauten Art weiterleben zu dürfen !
Schon in der nächsten Woche haben Sie einen Autounfall.
Gott sei Dank, Sie überleben diesen Unfall, werden aber bis an Ihr Lebensende gelähmt bleiben.

Doch trösten Sie sich, das Leben geht weiter, es wird nur alles ein bisschen schwieriger:

Sie kommen in der Wohnung nicht mehr zurecht.

Sie werden ihren Beruf verlieren, vielleicht ihren Partner und außer, dass sie Ihre Beine nicht mehr bewegen können, wird die Hälfte Ihres Körpers total gefühllos werden. Und die Bewegungsfähigkeit Ihres rechten Armes ist ebenfalls eingeschränkt, aber nur ein wenig.
Nur das Zittern der Hand ist unangenehm.

Sie können auch nicht mehr so wie gewohnt zur Toilette gehen, mit dem Bus oder der Bahn fahren, Sport treiben oder Freunde besuchen.
Selbst in Ihre Stammkneipe können Sie nicht mehr ( hat 2 Stufen ) und wenn Ihre wenigen verbliebenen Freunde Sie hineingetragen haben, dann kommen Sie nicht auf die Toilette ( ist eine Treppe runter, auch noch eine Wendeltreppe. )
Aber macht nix, Sie tragen dann ja eine dieser hochmodernen Windeln.

In Urlaub können Sie auch nicht mehr allein fahren, der Einkauf im Supermarkt wird zur Hürdenfahrt, an den Kassen halten Sie den ganzen Verkehr auf, müssen dämliche Bemerkungen überhören ( "Was will denn dieser Krüppel während der Haupteinkaufszeit hier? Kann der nicht abends kurz vor Acht kommen" ? )
Und wenn Sie abends kommen, dann hören Sie: "Den ganzen Tag mit dem Arsch im Rollstuhl, aber erst abends einkaufen. Als wenn er sonst keine Zeit hätte. Ja, ja, abends wird der Faule fleissig."
Im Straßenverkehr stören Sie die Nichtbehinderten nur mit Ihrem Platzbedarf auf dem Gehsteig und nehmen auch noch Sonder - Parkplätze weg.
Und so weiter und so weiter.
Von Ihrer Inkontinenz und der Darmlähmung mit unfreiwilligem Harn - und Stuhlabgang ganz zu schweigen....

Dafür bekommen Sie aber starke Arme, da Sie sich den ganzen Tag mit Muskelkraft fortbewegen müssen.
Und wegen der Höhe des Rolli´s sehen Sie die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel.
Das sind doch wiederum unschätzbare Vorteile, die Sie ansonsten gar nicht wahrgenommen hätten, nicht wahr ?
Seien Sie mal ehrlich: Hätten Sie sonst Ihre Armmuskeln trainiert ?
Wohl doch weniger, oder ?

Was sagen Sie da ??? Solch ein Horoskop wollen Sie gar nicht lesen ?
( Obwohl Sie doch sonst an Horoskope glauben. Besonders, wenn diese Ihnen gute Zeiten voraussagen. )
Aber wenn Ihnen das Horoskop Glück im Spiel verheißt, dann rennen Sie sofort in die nächste Lottoannahmestelle, gell ? Mit der Hoffnung auf einen Sechser...
Das ist normal.
Sie vergessen allerdings, daß Glück im Spiel auch Unglück in der Liebe bedeutet. ( Ihr Libido ist nämlich ebenfalls futsch... )

Aber trotzdem :
Die oben angeführte, unangenehme Horoskop - Voraussage tritt viel wahrscheinlicher ein als ein Sechser im Lotto. Übrigens auch dann, wenn Sie immer zweimal die Woche spielen. Alle Reihen.

In Deutschland gibt es ca. 7 Millionen Behinderte, aber nur 700 Lottomillionäre. ( Der Rest ist weggestorben oder hat sich totgesoffen )
Wie Millionen Anderer erhoffen Sie sich wöchentlich das fast Unmögliche, ( Chance 1 : 14.000.000, mit Superzahl 1 : 140.000.000 ), verdrängen aber das eher Wahrscheinliche, ( Chance 1 : 4.000, als Vielfahrer 1 : 900 )

(Quelle: Irgendwo im Net, allerdings stark verändert )

Ich leg mich wieder hin .sleep:
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endlich was zum lachen für heute!

Beitrag #4 von klaro (+16.05.2008) » 19 Jun 2005 11:51


hallo Eckhard
hallo Honk

tut grad gut, lachen zu können. Musste lachen über Honk seine Ausführungen, wo und wie weir immer im Weg stehen, die besten Sitzplätze beanspruchen, extra Vergünstigungen geniessen.

Das andere, ist ja für Gesunde Menschen nicht sichtbar. Sie sehen nur den Genuss, die Vorzüge, das Verzichten... müssen.... das wissen viele nicht, was das beinaltet.

Eckhards Satz machte mcih auch grad zum lachen!
"Die in Rolllis haben ja ne ganz andere Sicht oder Blickweise!!!"

der SAtz, der sitzt!! PERFEKT!!

Seit ich wieder laufen kann, komm ich mir im Alltag vor mitmeinen 175 cm, wie eine Giraffe.

Echt, wei ne Giraffe. (auch alchen muss). Die Türschlösser udn Türkklinken sind so enorm tief unten, so dass man kaum das Schlüsselloch trifft.

Im Lift vertippt man sich mit der TAste, weil sie früher soooo hoch oben war!

und plötzlich, kann man auf die Leute rutnersehen, die vorher immer nur auf "mich"runtergesenen haben!

Ist oft nicht so einfach, die Reaktionen der Menschen anzusehen, aber lustig. Vor allem merkt man nun die Unsichherheit in ihnen, dass SIE RAUF schauen müssen udn nicht mehr zu mir runter, auf jemanden, der weniger ist....

das sind oberkomsiche ERlebnisse!!

Ja udn die Sprüche überhören, das schaffe ich Selten! Sie tun fast imer weh! WEnn ich sie nicht ertrage, isoliere ich mich. Und seit ich laufen auch wieder kann, ist die Integration in die Umwelt noch einiges Verrückter.

mags nicth erzählen. Im Rollstuhl war superhart. abe ohne oder halb ohne, sind für mich die Probleme echt sehr viel krasser noch als mit. Gut, es gibts ja selten, dsss jemaand ausdem Roli raus kommt. Schön für mich. Aber di eLeute.... sie wissen nicht, wie umgehen, wie das für mich ist. Also, meide ich womöglich den Umgang, weil ich es oft nicht verkrafte.


aber dennoch: Das lachen taat mir grad echt super gut!!

"noch eben das gefühl in mir hab, ne GIRAFFE zu sein!" lach zwischen den tränen!

klaro :fleissig:



"WEnn gesunde Mesnchen doch nur schnallen würden, dass behinderte Menschen, dieselben Menschen sind!!!"
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klaro (+16.05.2008)
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