Beckenbodentraining

Hier geht es um Probleme mit der Prostata und eine daraus entstandene Inkontinenz.

Moderatoren: Marco N., Georges

Beckenbodentraining

Beitrag #1 von eckhard11 » 20 Mär 2006 21:28


Hallo Leute,

es tauchen immer wieder einmal Fragen nach einem Beckenbodentraining auf.
Daher stelle ich hier einmal einen Beitrag ein, welchen ich irgendwann schon einmal
irgendwo eingestellt hatte.
Mir persönlich hat dieses Training sehr geholfen....

Aber bitte, es hat natürlich keine Erfolgsgarantie, sondern sollte nach eigenen Mustern zusammengestellt und durchgeführt werden.
Nur finde ich, dass ein solches Training viel einfacher und angenehmer durchgeführt werden kann als die Trainingseinheiten mit Ball und ähnlichem, vor allem deswegen, weil ich dieses Training immer in der Badewanne durchgeführt habe bzw. noch durchführe, hi, hi.....
____________________________________________________________________________

Die Holländerin Prof. Dr. Marijke van Kampen von der Uni Leuven äußert sich mit vielen unverständlichen, weil medizinischen und daher überflüssigen Wörtern insofern, als daß sie ein “kräftiges Beckenbodentraining” nicht nur empfiehlt, sondern regelrecht vorschreibt.
Außerdem rät die gute Frau von einem Einsatz von Biofeedback und Elektrosimulation eher ab.....

ganz im Gegensatz zu der Aussage des Prof. Dr. Ulrich Otto von der Klinik Birkental in Bad Wildungen.
Dieser wiederum rät - nach ebenso vielen unverständlichen, weil medizinischen und daher überflüssigen Wortspielereien - zu einem geradezu entgegengesetztem Behandlungskonzept, bei welchem das Beckenbodentraining nur so sanft und “anstrengend wie ein Lidschlag” sein soll. Außerdem ist er ein Befürworter von Biofeedback und Elektrostimulation....

Jetzt frage ich euch : Wem soll ich als betroffener Laie nun glauben ??

Es ist doch Irrsinn, ein halbes Jahr oder gar ein Jahr lang den Beckenboden so wie von der Frau Prof. van Kampen empfohlen zu trainieren und dann - wenn sich kein Erfolg eingestellt hat - auf die andere Weise, nämlich nach der Methode des Prof. Otto, umzusteigen....

Da ich in derartig widersprüchlichen Argumentationen keinen Sinn sah, blieb mir nichts anderes übrig, als mir mein eigenes Beckenbodentraining zusammen zu stellen, nämlich :

10 mal nacheinander den Beckenbodenmuskel sehr schnell und sehr stark anspannen, diese Anspannung ganz langsam ( ca 10 sek. ) lösen und dazwischen immer 10 sek Pause, ( Sturmflut )

danach, nach einer Pause von ca. einer Minute, jeweils 10 mal nacheinander den Beckenbodenmuskel langsam ( innerhalb von 5 sek ) mit mittlerer Kraft anspannen und innerhalb von 5 sek. wieder lösen, zwischen diese Übung immer eine Pause von ca. 10 sek.
( Ozeanbrandung, lang und kräftig )

dann, nach einer Pause von einer Minute, jeweils 10 mal ein kurzes, leichtes Anspannen über eine Zeit von 3 sek., dann 3 sek. lang lösen, dazwischen immer eine Pause von ca. 5 sec
( Ostseebrandung, leicht und schnell )

zu guter Letzt ein “Flattern” des Beckenbodenmuskels, schnell und ganz leicht anspannen und wieder lösen, ca. 100 mal hintereinander ( ähnlich dem beschriebenen Lidschlag des Prof. Otto )

Die ganze Übung nimmt ca. 12 bis 14 Minuten in Anspruch

Man muß nur dranbleiben und auf gar keinen Fall aufgeben!
Vor allem der Kopf muß mitmachen !! Die Muskeln sind ja vorhanden.....

Und bitte keinesfalls annehmen, nach drei Wochen wäre die Sache gegessen !!
Je nach Trainingsintensität sollte eine Besserung nach drei bis vier Monaten zu erwarten sein

Mir war nach der OP angeraten worden, dieses Programm anfangs sogar dreimal täglich durchzuführen ( was ich auch tat )
Dann aber hatte ich wohl einen Muskelkater, auf jeden Fall tat mir alles unterhalb des Bauchnabels weh und ich konnte überhaupt keinen Harn mehr halten.
Mich schmerzten Muskeln, von denen ich gar nicht wußte, daß ich sie hatte.....
Andererseits ist der Beckenboden bei uns Normalbürgern ja doch sehr untrainiert, sodaß
zumindestens ein Anfang geschaffen werden mußte.

Danach habe ich nur noch einmal am Tag trainiert.

Wie ihr lesen könnt, ist es ein großes Problem, sich auf den Rat eines Fachmannes zu verlassen. Die unterschiedlichen Auffassungen der Fachleute über die richtig Trainingsmethode sind für einen Betroffenen doch recht verunsichernd und verwirrend.
Deswegen habe ich mir dieses Training zusammengebastelt und habe gut daran getan, wie die Erfolge gezeigt haben.

Aber mir hat der Chefarzt auch gesagt, ich solle keinesfalls damit rechnen, daß eine erhebliche Verbesserung oder gar eine komplette Kontinenz - wenn überhaupt - vor dem Ablauf eines bis eineinhalb Jahres überhaupt zu erwarten sei. Die Zeit würde schon sehr helfen. Allerdings sollte ein leichtes Training immer durchgeführt werden.
Und schaden kann es ja nicht.
Übrigens hatte ich seit Mitte Juni 2004 die “Ozeanbrandung” ausgelassen und trainiere seit Herbst 2004 nur noch maximal zweimal in der Woche, und nur noch die Ostseebrandung und den Lidschlag

Anmerkung :

Mittlerweile trainiere ich nur noch einmal in der Woche den Lidschlag.
Ob es noch nötig wäre, weiss ich nicht, will es aber auch nicht herausfinden.
Jedenfalls bin ich - einer von den 30 %, die nach einer Blasenkrebs-OP Tag
und Nacht inkontinent sein sollte - durch das Training tagsüber komplett kontinent geworden.



Ich leg mich jetzt wieder hin .sleep:
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 14 Mai 2006 01:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Beckenbodentraining

Beitrag #2 von madwoman65 » 21 Mär 2006 12:00


Hilfe...welches ist bitte mein Beckenbodenmuskel???
Weiß nicht, wie ich den anspannen soll, wenn ich keinen blassen Schimmer hab, wo das Ding ist...
ciaaoiii, Ilona
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Beckenbodenmuskel

Beitrag #3 von Chris » 21 Mär 2006 13:29


Hallo Ilona,

das ist gar nicht so schwierig:

der Beckenbodenmuskel zieht sich in "Schlangenlinien um die unteren Öffnungen" - genaueres Google, oder Wikipedia oder jedes Lexikon.

Wie kannst du den spüren - einfach mal den Poo zusammenkneifen, da kannst du schon einen Teil spüren, oder auf der Toi, den Strahl unterbrechen - auch da ist der beteiligt. Und dann hier den Teil zum Beckenbodentraining lesen - nicht nur im Forum, da gibts eine ganz lange Abhandlung.

In diesem Sinne - viel Spaß beim üben

Chris
Kinder sind uns als Lehen gegeben, wir müssen sie sorgfältig behandeln
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Beitrag #4 von eckhard11 » 21 Mär 2006 13:32


Hallo Ilona,

ich empfehle Dir folgenden Link :

[url]/www.medizinfo.de/urologie/inkontinenz/beckenbodentraining.shtml[/url]

Weisst Du, Du musst so tun, als wolltest Du mit dem Damm ( dem Stück zwischen After und Vagina ) eine Nuss oder ähnliches aufheben.
Nicht nur die Pobacken zusammenkneifen !
Das unterstützt zwar auch den Beckenboden, aber nicht die richtigen Muskelstränge.
Fühlen kannst Du als Frau den Beckenbodenmuskel durch ein Abtasten innerhalb der Vagina während des Muskelanspannens.

Männer können den Muskel viel besser fühlen.
Mit dem Mittelfinger zwischen After und Scrotum ( Hodensack ) auf den Damm drücken.
Dann fühlt man(n) etwas ähnliches wie eine starke Sehne.
Wenn das Ding beim Training unter dem Finger hin-und herflutscht, dann bewegt ihr genau das richtige Teil.....

Selbstverständlich kannst Du auch das Training ähnlich durchführen, wie es in dem Link beschrieben wird.

Gruss
Eckhard
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danke

Beitrag #5 von klaro (+16.05.2008) » 21 Mär 2006 14:15


Mann Eckhardt

So hat es mir doch noch nie jemand beschreiben. Das mit dem Beispiel“so tun, als ob man ne Nuss aufheben möchte.“

Habe mich eben mächtig geärgert, dass NIE jemand dazu imstand war…. Ne so genaue Instrukdzion. zu geben.

Meine, nebst Inko, Physiotherapie hatte ich ja auch 4 Kids… und da kam das Thema ja auch nie zu kurz. Aber so bildlich hat es nie jeamadn erklärt und auf jedenfall fühld es sich auch ganz anders an. Diese Anspannung ist nid dieselbe, wie die die ich je gelernt hab…

Darum weiss ich eben das Forum so zu schätzen weil man fiel mehr lenrt, als bloss von Aertzten oder Therapeuten…. Weil’s Betroffene viel besser rüberbringen können, erklären etc.

Auch ziehe ich das Forum Selbsthilfe Gruppe einer Realen vor. Ich vergleiche mal mit der SHG ADHS.. wo man alle 2 Monate ein Treffen hätte…(falls ich denn überhaupt gehen mag abends). Zudem sind da einige und nid alles hat Platz was man fragen oder sagen möchte. Nur ein Bruchteil dessen…

Darum möchd ich noochmal betonen, dss ich für mich mehr Wert lege auf ein SH Forum… da ist es für mich unabhängig meiner körp/seelsichen Verfassung möglich“dabei“zu sein. Auch wie heute… wo mein Tag einfach mit Schmerzen belegt ist…. Aber ich dennoch hier sein kann und sogar noch was lernen.

Find ich enorm…. Danke Eckhard
Das bildliche Denken, ist das was für mich „kopfbar „ ist,. meine vertsändlich…..klaro
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Beitrag #6 von Hajo » 18 Apr 2008 13:53


Ich habe monatelang dieses Training probiert..eine leichte Besserung war zu verzeichnen und ich habe mich schon gefreut--- dann kam immer wieder der Rückschlag, bei Erkältung, Anstrengung, Stress ist de Urinabgang so stark, dass die Vorlage ganz rasch gewechselt werden muss (Größe 4 und 5), und trotzdem gibt es immer wiede mal eine nasse Hose. Für 3 - 5 Prozent der Patienten hilft das alles nichts. Wohl denen, die das Problem nicht haben.
Hans
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