Einmalkatheter ja - nein

Hier geht es um Probleme mit der Prostata und eine daraus entstandene Inkontinenz.

Moderatoren: Marco N., Georges

Einmalkatheter ja - nein

Beitrag #1 von SidM » 30 Jun 2010 21:56


Hallo, habe Prostataverengung und entsprechend Restharn.
Nach einigen Selbstversuchen mit Wochenkathetern (Rüsch-Gold) kann ich folgendes berichten:
Das mit dem Ballon Aufpusten ist murx, das ist nur was für Bettlieger. Daher schreibt die Firma Rüsch ja auch zur Verwendung der Katheter von 7 Tagen Liegezeit und nicht von Verweildauer!
Hat man aber den Katheter mit Ballon bei sich im aktiven Leben, möglichst noch mit ein wenig Sport, dann drückt das zu heftig innen an die Blase. Das habe ich stets nur 2 Tage ausgehalten.
Also schneide ich jetzt die ganze blöde obere Sache ab, stopfe das klitzekleine Loch mit einem Stift zu und tape das ganze, max. 2x am Tag. Das Tapen mache ich ganz raffiniert mit Panzerband! Zum Wasserlassen Stopfen raus und danach wieder rein. Das geht nun super und nach 7 Tagen gibt es eine neue Latexröhre!
Warum zum Teufel sollte man täglich bis zu 6 mal mit Einmalkathetern rumfummeln?
Nur wegen Sex?
Sagt es mir!

SidM (Selbst ist der Mann)
Benutzeravatar
SidM
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 82
Registriert: 30 Jun 2010 21:32
Wohnort: Köln
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: restharn / Prostata
Hilfsmittel: Gold-Katheter Rüsch

Beitrag #2 von Struppi » 30 Jun 2010 23:15


Hallo Sid,

mir wird grad ganz übel, wenn ich lese, was du dir da so zusammenbastelst... es dürfte doch wohl unstrittig sein, dass ein Verweilkatheter ein in ein Körperhohlorgan eingeführter Fremdkörper ist. Was den Harn abgeht läßt, läßt auch (potentiell) Keime eindringen, bei einem wie von dir verwendeten Katheter spricht man daher auch nicht umsonst von einem geschlossenen System - soll bedeuten: Wenn irgend möglich an einen Beutel mit Ventil anschließen und für ca. 7 Tage so belassen. Das sagt unter anderem auch das Robert-Koch-Institut, welches Ansprechpartner Nr. 1 für Hygienefragen ist.

Besagtes RKI vertritt zudem die Meinung, das ein Dauerkatheter wenn machbar nur 7 Tage lieben bleiben sollte und danach weitere Möglichkeiten gesucht werden müssen; zudem gibt es nur noch relativ wenige medizinische Indikationen für den DK, u.a. Harnverhalt.

Nimm' es mir nicht übel - und ich wünsche es dir wirklich nicht - aber ich glaube, du wirst über kurz oder lang mit deinen Manipulationen ernsthafte Probleme bekommen.

Nun die Frage, warum ISK...? Es hat z.B. bei mir nichts mit Sex zu tun, sondern damit, meinen Restharn (wie bei dir) möglichst gering zu halten. Außerdem kann ich mit regelmäßigem ISK ein Abgehen größerer Urinmengen vermeiden (z.B. tatsächlich beim Sex oder aber beim Arzt etc.); primäres Ziel ist aber immer der Schutz der Nieren.

Gruß

Hannes
Benutzeravatar
Struppi
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 407
Alter: 42
Registriert: 18 Nov 2006 17:58
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinko Grad III
Hilfsmittel: Katheter/Kondomurinal/Inkoslip

Beitrag #3 von SidM » 05 Jul 2010 15:56


Hallo Struppi / Hannes!
Hallo Trixi,
tut mir leid, daß Dir übel wurde! Ist aber nicht nötig:
Eingeführter Fremdkörper: Hast Du kein Botox in den Lippen, kein Silikon im Busen, kein Metallknie oder –hüfte, keine Stahlkugeln im Rückgrat, keine Kunststoff-Herzklappe oder gar ein solches Herz, kein Amalgam in den Zähnen oder ein Implantat? Die „Fremdkörper“ sind ganz klar auf dem Vormarsch!
Geschlossenes System: Also 7 Tage Urin-Ansammlung im Beutel geht gar nicht. Der Beutel wird regelmäßig kontrolliert, per „Wasserhahn“ abgesperrt, abgenommen und geleert, dann wieder dran und Ventil auf! Die Verweildauer der herkömmlichen Latexkatheder beträgt 7 Tage, danach ist die Gefahr des Eindringens von bakteriellen Keimen zu groß.
Dies ist nun keine gefährliche Sache, sondern Alltag in den Altersheimen. In denen herrscht diese Urinableitung wohl vor, gefolgt vom „Pampern“. Eine bis zu 6-malige Blasenentleerung mittels Einmalgeräten ist vom Zeit- und Kontrollaufwand gar nicht durchführbar. Und die 7-Tagefrist wird wohl häufig um das doppelte und mehr überschritten.
Mein Schwiegervater bekam in seinem Demenz-Zustand erst Pampers. Dann kam die Caritas 3-mal täglich ins Haus und Opa einen Verweilkatheter. Die ersten Einführungen waren noch dramatisch, er ging nicht rein, der Arzt 20 km weiter wurde eingeschaltet und lehrte das richtige Handling. Ich habe das Geschehen nur so alle 3-4 Wochen verfolgt, jedoch erschien mir der Katheterwechsel nur alle 2 Wochen zu passieren. Einmal habe ich so ein Ding aus Neugier aus dem Müll gefischt. Farbe gelb, also CH 16 nach meinem heutigen Kenntnisstand. Der Schlauch war voller kristalliner Ablagerungen und auf ca. 8 mm Dicke angeschwollen. Vorne nahe der runden Spitze war ein etwa 2 cm langer Riss. Wahrscheinlich hat Schwiegervater da so einiges gelitten. Das ging so etwa eineinhalb Jahre bis zu seinem Tod.
Einmalkatheter: Bei ca 5-6 mal Wasserlassen pro Tag macht das über 1800 Durchführungen im Jahr. Und das zu 100 % unproblematisch? Das möchte ich doch bezweifeln.
Mein Großvater väterlicherseits hinterließ in einem Schächtelchen eine Art Klistierspritze sowie ein paar Gummischläuche mit Einaugenspitze. Der Zweck der Gummis war mir, als ich die im Alter von 12 Jahren entdeckte, wohl klar. Aber wie haben die das desinfiziert? Alkohol oder Heißwasser? Denn die waren wohl nicht zur Einmalanwendung da.
Mein Vater wurde zweimal mit über 90 innen im Prostatabereich gehobelt.
An meine Prostata lasse ich keinen ran nach dem Motto von Prof. Hackethal: Wenn sich Dir ein Urologe nähert, reiß aus, so schnell Du kannst!
Ich frage mich nur, wann der hermetisch abschliessende Dauerkatheter, also eine Art künstliche Harnröhre, kommt. Technisch sehe ich da schon Möglichkeiten, aber die Katheterproduzenten wären dann wohl ihren Absatz los! Also kommt das eher nicht!
SidM.
Benutzeravatar
SidM
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 82
Registriert: 30 Jun 2010 21:32
Wohnort: Köln
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: restharn / Prostata
Hilfsmittel: Gold-Katheter Rüsch

Beitrag #4 von Sebald » 05 Jul 2010 17:21


Hallo SidM,

kleiner Bastler, nicht!? - Das meine ich jetzt gar nicht abwertend. Viele Erfindungen entstehen dadurch, daß Menschen mit handwerklichem Geschick sich mit einer bestehenden Lösung nicht zufrieden geben.

Wie Hannes allerdings schon sagt, ist die Blase alledings ein bißchen kompliziert. Wer hier ISk macht, macht das auch nicht einfach mal für ein paar Tage, sondern meist doch über Jahre oder Jahrzehnte. Und da ist Keimfreiheit auf lange Sicht einfach sicherer, und durchaus erprobt.

Klar. Man würde es auch ohne dieses Desinfizierungsgetue wegstecken. Deine Aussage "sechsmal mal Tag ISK - das kann nicht gut sein!" kann man an Deine Methode dann aber auch zurückgeben. Will sagen: Verfolge das Ganze einfach ein paar Monate weiter - und berichte über Deine Erfahrungen. Aber bitte ehrlich berichten, wenn sich Harnwegsinfekte einstellen.

Was ich aber wirklich nicht ganz verstehe, ist der Ansatz an sich: Warum experimentierst Du? Um Geld zu sparen? Um Müll zu reduzieren? Um zu zeigen, daß man(n) hart zu sich selbst sein kann(oder soll)? Weil's so schön technisch ist - und Leute die ISk machen, daß ja nur wegen dem Sex machen? (Speziell diesen Punkt habe ich ehrlich gesagt nicht ganz kapiert.)

Beste Grüße,
Sebald
Benutzeravatar
Sebald
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 236
Alter: 48
Registriert: 14 Nov 2009 17:26
Wohnort: südliches Bayern
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Neurogene Blase & Darm
Hilfsmittel: Katheter (ISK), Slips

Beitrag #5 von Struppi » 05 Jul 2010 18:10


Hallo SidM,

der ISK hilft mir dabei, ein halbwegs normales Leben möglichst ohne die von dir genannten "Pampers" zu führen, zudem schützen sie die Funktion meiner Nieren weil ein Rückstau durch regelmäßige Anwendung verhindert wird. Den ISK betreibe ich ca. 5 x am Tag seit den letzten ca. 8 Jahre. In diesen 8 Jahren hatte ich ca. 3 - 5 Harnwegsinfekte - allerdings meist dann, wenn ich durch Chemo oder andere Dinge immungeschwächt war, zu Verletzungen von Harnröhre oder Prostata ist es bei mir in dieser Zeit noch gar nicht gekommen.

In den 4 Jahren vor dem ISK hatte ich eine dauerhafte Ableitung durch die Bauchdecke (das gibt es also schon), einen sogenannten suprapubischen Dauerkatheter, mit dem ich auch nicht grade unglücklich war. Auch hier gab es keine Probleme mit der Hygiene, allerdings mußte das System vom Arzt ca. alle 4 Wochen gewechselt werden.

Prof. Hackethal war auch der Ansicht, es gäbe eine "friedliche Form des Krebses", der ohne Behandlung ein langfristiges Überleben möglich machen würde; eine Fehleinschätzung, wie sich zeigte, denn er verstarb an den Folgen seiner Krebserkrankung.

Die Handhabung in Alten- und Pflegeheimen läßt auf den hygienischen Sektor mitunter zu wünschen übrig (ich möchte allerdings hier keine Generalwatsche verteilen und die Arbeit in Heimen vorverurteilen oder schlecht machen; die Leute dort arbeiten am Limit und machen ihre Sache meist wirklich gut und mit großen Engagement) und es tut mir leid, was mit deinem Schwiegervater passiert ist. So etwas sollte nicht vorkommen.

Wie gesagt: Wenn dein System funktionert ist es ja okay... aber wie Sebald schrieb wäre es toll, würdest du hin und wieder mal berichten.

Gruß

Hannes
Benutzeravatar
Struppi
Profiautor (min. 150 Beiträge)
Profiautor (min. 150 Beiträge)
 
Beiträge: 407
Alter: 42
Registriert: 18 Nov 2006 17:58
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: Reflexinko Grad III
Hilfsmittel: Katheter/Kondomurinal/Inkoslip

Beitrag #6 von SidM » 05 Jul 2010 23:33


Ab und zu berichten! Tu ich!
Und Julius Hackethal hat, aus welchen Gründen auch immer, nicht den zahmen Haustierkrebs bekommen, sondern gleich die mortale Version des Lungenkrebses. Er hat sein Leben lang für seine Patienten und deren Krebs gekämpft und ich weiß ganz sicher: Die Standards, die er in der Krebsbekämpfung gesetzt hat, sind heute normal. D.h., so wird heute behandelt!!!
Eine kleine Anmerkung noch zu den sog. Krebs-Sonderheilern: Die wurden von der Schulmedizin insb. wegen der hohen Sterblichkeit innerhalb ihrer Patientenschaft gerügt!
Aber es ist doch klar, daß zu diesen Leuten wie Hacki und Dr. Issels und Co. überprozentual viele Todeskandidaten kamen.
Wie auch nach Lourdes, nur daß von deren nachträglichem Exitus niemand berichtet!
Nun aber zu meinem Experiment: Probleme gibt es bei mir nur, wenn ich nicht gewissenhaft 2x täglich RICHTIG tape! Auch der Schnulledaddel schwitzt wohl etwas und die Klebedinger ringsum müssen sorgfältig gewartet werden. Das ist es aber auch schon, was ich bisher berichten kann.
Wünsche allen gutes Strullen! SidM.
Benutzeravatar
SidM
(Themenstarter)
Starter (bis 15 Beiträge)
Starter (bis 15 Beiträge)
 
Beiträge: 3
Alter: 82
Registriert: 30 Jun 2010 21:32
Wohnort: Köln
Land: Germany (de)
Geschlecht: Männlich
 
Art der Inkontinenz: restharn / Prostata
Hilfsmittel: Gold-Katheter Rüsch


Zurück zu Blase und Prostata

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron