Informationen aus der Fachpresse

Hier geht es um Probleme mit der Prostata und eine daraus entstandene Inkontinenz.

Moderatoren: Marco N., Georges

Beitrag #21 von eckhard11 » 16 Jan 2006 23:05


Ehe hilft bei Harnblasenkrebs

13.01.2006
Verheiratete haben bessere Überlebenschancen als Unverheiratete

Die Unterstützung durch einen Ehepartner kann bei einer Krebserkrankung nicht hoch genug geschätzt werden. Bei Patienten mit Harnblasenkrebs wirkt sie offenbar sogar lebensverlängernd, wie eine US-amerikanische Studie in der Fachzeitschrift Cancer (104:6, 1188-1194) berichtet. Demnach haben Verheiratete, die an einem bösartigen Tumor der Harnblase erkrankt sind, bessere Überlebenschancen als Unverheiratete.

John L. Gore und seine Kollegen von der University of California in Los Angeles analysierten die Daten von 7.262 Patienten. Allen war wegen einer Krebserkrankung die Harnblase entfernt worden. Die Forscher berücksichtigten in ihrer Untersuchung verschiedene Faktoren wie Stadium des Tumors, Befall von Lymphknoten sowie Alter, Geschlecht und Herkunft des Patienten.

Verheiratete Patienten überlebten die Krebserkrankung signifikant länger als verwitwete oder Singles. Der Ehestatus erwies sich als eigenständiger Einflussfaktor auf das Überleben: Selbst unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter oder Tumorstadium war das Risiko für Singles, während des Untersuchungszeitraums an den Folgen der Erkrankung zu sterben, um 26 Prozent höher als bei Verheirateten.

Die Ursachen für den beobachteten Effekt sind noch unbekannt. Möglicherweise werden Verheiratete durch ihren Ehepartner ermuntert, schon bei frühen Krankheitssymptomen einen Arzt aufzusuchen. Ebenso denkbar wäre, dass eine Partnerschaft im Anschluss an die Krebstherapie eine gesündere bewusstere Lebensweise fördert, bei der z.B. Risikofaktoren für einen Rückfall wie das Rauchen vermieden werden. Auch eine Beeinflussung des Immunsystems, das die Zerstörung von Tumorzellen bewirkt, schließen die Forscher nicht aus.

Quelle(n):
Gore, J.L., Kwan, L.: Marriage and mortality in bladder carcinoma. Cancer, Vol. 104, pp. 1188-1194 (02.08.2005)


Ich leg mich jetzt wieder hin .sleep:
Eckhard
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Beitrag #22 von eckhard11 » 13 Feb 2006 14:15


Prostatakrebs durch Pflanzenoele

Omega-6-Fettsäuren lassen Krebszellen wachsen

Immer mehr Menschen verzichten größtenteils auf tierische Fette und verwenden stattdessen bevorzugt Maiskeimöl und andere Pflanzenöle. Jetzt entdeckten amerikanische Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen dem gestiegenen Prostatakrebsrisiko und dem hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren in diesen Ölen.

Die Forscher um Millie Hughes-Fulford von der University of California in San Francisco, USA, stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass Laborkulturen von Prostatakrebszellen deutlich schneller wuchsen, wenn sie dem Nährmedium Omega-6-Fettsäuren zusetzten. Außerdem aktivieren diese Fettsäuren einen biochemischen Signalweg in Prostatazellen, den so genannten PI3-Kinase-Signalweg, durch den verschiedene Gene eingeschaltet werden, die an Entzündungsreaktionen und der Krebsentwicklung beteiligt sind.

Die Forscher vermuten aufgrund ihrer Studienergebnisse, dass zwischen dem in den vergangenen Jahrzehnten verstärkten Konsum von Maiskeimöl und anderer Pflanzenöle mit einem hohen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren und dem ebenfalls gestiegenen Risiko für eine Erkrankung an Prostatakrebs ein Zusammenhang besteht. "Es ist nicht auszuschließen, dass ein zu hoher Anteil dieser Form von ungesättigten Fettsäuren in der Nahrung dazu beitragen könnte, das Prostatakrebsrisiko zu erhöhen", schreiben die Forscher im medizinischen Fachjournal Cancer Research.

Zu den Omega-6-Fettsäuren gehören beispielsweise die Arachidon- und Linolsäure. Diese sind vor allem in pflanzlichen Fetten enthalten. Für eine gesunde Ernährung ist es wichtig, Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren in einem ausgewogenen Verhältnis von ungefähr 5:1 aufzunehmen.

Quelle : onmeda
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Schluss mit dem Gesundheitsterror

Beitrag #23 von eckhard11 » 18 Feb 2006 22:57


Hallo Leute,

ich habe da gerade einen Artikel im PM-Magazin "Welt des Wissens" gelesen, welchen ich euch nicht vorenthalten möchte.
Er ist zwar etwas länger, aber interessant zu lesen, besonders Trick 2 und 3 :



P.M. Magazin 01/2006

Medizin
Schluss mit dem Gesundheitsterror



Auf der einen Seite unsere Sehnsucht nach einem langen Leben. Auf der anderen eine geschäftstüchtige Medizin-Industrie. So ist ein völlig neues Phänomen entstanden: Gesundheit ist zur Religion geworden. Aber diese Religion setzt ihre Gläubigen unter Druck und macht sie krank. Welches sind die Tricks der Gesundheits-Lobby? Und wie können wir uns wehren?

Haben Sie ein reines Gewissen? Sind Sie sicher, dass Sie heute wirklich alles für Ihre Gesundheit getan haben? Sind Sie ausreichend gejoggt, selbstverständlich nach vorschriftsmäßigem Aufwärmen und Stretching? Haben Sie dabei den Puls kontrolliert? War nicht der Blutdruck nach dem Aufwachen etwas zu hoch? Musste das zusätzliche Knäckebrot beim Frühstück unbedingt noch sein? Haben Sie auch Ihre tägliche Ration an Vitaminpillen und den cholesterinsenkenden Fitnessdrink nicht vergessen? Enthielt die Fischmahlzeit am Mittag die richtigen Omega-3-Fettsäuren? Das Gläschen Weißwein – war es wirklich notwendig? Und Hand aufs Herz: Zeigte die Waage nicht ein paar Gramm mehr an als gestern?

Für das höchste Gut, die Gesundheit, ist uns keine Mühsal zu groß. Denn die Belohnung für alle Entbehrungen ist ein langes, gesundes Leben. Wirklich?

Das oberste Gebot für die Aufnahme in den strengen Orden der Gesundheitsapostel ist die schlanke Linie: Du sollst kein Übergewicht haben, und wenn doch, sollst du es mit allen Mitteln bekämpfen. Aber wie vorgehen? Bis vor kurzem galt Fett mit seinen neun Kalorien pro Gramm als das Böse schlechthin – verschrien als Hauptverursacher von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Krankheiten. Also schworen wir der Schweinshaxe und der Sahnetorte ab und begnügten uns mit Pasta, Reis und Brot. Bereitwillig nahm die Nahrungsmittelindustrie die Low-Fett-Lehre an und beglückte uns mit entfetteter Leberwurst, LightkäseSchöpfungen und Magermilchjoghurt-Kreationen. Doch der Erfolg ist – langfristig – ausgeblieben.

»Was ist, wenn alles nur eine dicke fette Lüge war?«, titelte die New York Times am 7. Juli 2002, denn maßgebliche Studien hatten ergeben, dass fettarme Kost auch nichts Wesentliches gegen das Übergewicht ausrichten kann. Nach zwanzig Jahren Fett-Verteufelung geriet das Dogma ins Wanken. Immer mehr Fachleute vertreten jetzt die Meinung, dass die Fettspar-Empfehlungen ebenso wirkungslos wie falsch waren. Denn wie sich herausstellte, waren es in den westlichen Gesellschaften nicht etwa die renitenten Fett-Konsumenten, die häufiger unter Herzbeschwerden litten – sondern die Folgsamen, die hauptsächlich Kohlenhydrate aßen. Noch bevor unser Gehirn die volle Brutalität der Erkenntnis, dass Fett gar nicht so schädlich ist, akzeptieren konnte, wurde bereits ein neuer Feind ausgemacht: Diesmal waren es die eben noch heilig gesprochenen Kohlenhydrate – und die konnte man natürlich nur vermeiden, indem man fleißig »Low-Carb«-Produkte kaufte.Was bis heute bleibt, ist grenzenlose Verwirrung. Und dabei schien der Kampf um die schlanke Linie doch geradezu auf wissenschaftlicher Basis stattzufinden: Der Body-Mass-Index (BMI) sagte dem gläubigen Gesundheitsapostel, ob er abspecken musste. Dieser Wert – ermittelt aus dem Körpergewicht, geteilt durch die Körpergröße zum Quadrat – wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 1997 erneut strenger gefasst. Das geltende Dogma besagt: Bis zu einem BMI von 25 sind wir schlank, zwischen BMI 25 und 30 haben wir bedenkliches Übergewicht und ab BMI 30 ein ernstes Gesundheitsproblem. Eine Einteilung, die heute weltweit als Standard gilt. Pech für Kinder, die gerade auf ihren nächsten Wachstumsschub warten, aber auch für Muskelprotze und Menschen mit schweren Knochen oder anderen abweichenden Merkmalen: Für sie ist das BMI-Raster falsch – und für manchen sogar kränkend.

Wer erst einmal als zu dick gilt, wird in der Öffentlichkeit wie ein armer Sünder gegeißelt und zur Buße verpflichtet. So werden in einigen Bundesstaaten der USA die BMI-Werte von Schulkindern sogar im Internet veröffentlicht, Eltern bekommen regelmäßig »Fettbriefe«. Ob sie ihr Kind abtreiben würden, wenn es eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit hätte, dick zu werden, wurden junge amerikanische Paare gefragt – 75 Prozent antworteten mit Ja. In England wehren sich Aktivisten mit dem Slogan »Fett ist das neue Schwarz« gegen die zunehmende »Rassendiskriminierung« der Dicken.

Auch in Deutschland werden Dicke in der Öffentlichkeit immer öfter gehänselt – aber die »ketzerischen« Stimmen gegen den herrschenden Schlankheitswahn werden lauter. So schreibt Udo Pollmer, wissenschaftlicher Leiter des Europäischen Instituts für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften, in seinem provokanten Enthüllungsbuch »Esst endlich normal«: »Übergewicht ist ebenso wenig eine Krankheit wie Übergröße, deshalb kann man es auch nicht mit Diäten, Sport oder gar Verhaltenstraining ›behandeln‹. Aber es wird wahrscheinlich noch Jahrzehnte dauern, wahrscheinlich Millionen von Menschen in tiefes Leid stürzen und nicht wenige Todesopfer fordern, bis diese Einsicht auch die Medizin durchdringt.« Die Aussagekraft des BMI hält Pollner schlicht für einen Aberglauben. Er findet es falsch, alle Menschen über einen Kamm zu scheren. Außerdem basiert der BMI auf uralten Erhebungen von Versicherungen aus dem Jahr 1951 – Daten, die nicht unter kontrollierten Bedingungen erfasst wurden und die nicht einmal unterscheiden zwischen Alter, unterschiedlichem Körperbau oder ethnischen Besonderheiten.

Im April 2005 platzte schließlich eine Bombe, die das zentrale BMI-Dogma der Gesundheitsapostel zum Einsturz brachte. Die amerikanische Medizinerin Kathrin Flegal hatte mit ihrem Team die repräsentativen Daten von drei groß angelegten amerikanischen Erhebungen der »National Health and Nutrition Examination Surveys« ausgewertet. Das überraschende Ergebnis: Die »Normalgewichtigen« mit einem BMI unter 25 starben im Durchschnitt früher als die »Übergewichtigen« mit einem BMI zwischen 25 und 30! Erst ab einem Wert von mehr als 35 stieg das Sterberisiko merklich an. Aber das tat es auch bei einem BMI unter 18,5 – also bei Untergewichtigen!

»Das eigentliche Übel«, sagt Paul Campos, Mediziner und Autor des Buches »Mythos Fettleibigkeit«, sei nicht das Übergewicht, sondern »der Diätwahn einer essgestörten Mittelklasse und ihrer ›Anti-Fett-Krieger‹«. Tatsächlich können Diäten mit ihrem nachfolgenden Jojo-Effekt gefährlich sein. Langzeitstudien in Großbritannien, Norwegen und Amerika belegen: Menschen, deren Gewicht stark schwankt, leben mit einem höheren Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben. Nur rund fünf Prozent schaffen es tatsächlich, mit einer Diät dauerhaft abzunehmen, wie der Potsdamer Ernährungsmediziner Andreas Pfeiffer errechnet hat.

Wenn das alles bekannt ist – warum schützen Ärzte ihre Patienten dann nicht besser vor dem Diätwahn? Jerome Kassirer, der frühere Chef des New England Journal of Medicine und einer der besten Kenner der amerikanischen Medizin-Szene, gibt die Antwort: »Auf dem Gebiet des Übergewichts haben Ärzte stets eng mit der pharmazeutischen Industrie zusammengearbeitet. Diese Verquickung ging in vielen Fällen sehr weit.« So weit, dass »parteiische Daten produziert, parteiische Vorträge gehalten und parteiische Fachartikel zum Thema Fettleibigleit veröffentlicht« wurden. Wegen der Komplizenschaft von Medizin und Big Business macht sich Kassirer ernsthaft Sorgen um die Gesundheit der US-Bürger.

Bei uns läuft es nicht anders. Während die ausufernden Kosten das Gesundheitssystem überfordern, laufen die Geschäfte der Pharmaindustrie glänzend. Für das Marketing gibt die reiche Branche inzwischen mehr Geld aus als für die Forschung. In seinem Bestseller »Die Krankheitserfinder. Wie wir zu Patienten gemacht werden« beschreibt der renommierte Wissenschaftsautor Jörg Blech die Strategie, mit der die Pharmaindustrie neue Märkte für Medikamente aufbaut: Mithilfe von willigen Ärzten, Fachorganisationen und Public-Relations-Agenturen wird trickreich ein gesundheitliches Problem erfunden – das sich selbstverständlich nur mit neuen vorbeugenden Medikamenten lösen lässt.

Trick 1: Normale Prozesse des Lebens werden zu einer Gesundheitsgefahr erklärt. Das Kunststück, eine gesunde Bevölkerungsgruppe in behandlungsbedürftige Hormonmangelwesen umzudeuten, haben Pharmakonzerne und Ärztegruppen schon einmal hinbekommen: In Deutschland schluckt heute jede vierte Frau über 40 Jahre irgendein Östrogenpräparat. Inzwischen sind auch die Männer reif für den künstlichen Hormonstoß: Testosteron-Mittel boomen.

Trick 2: Persönliche und soziale Probleme werden zu medizinischen Problemen umdefiniert – und medikamentös behandelt. So erfindet man im Umkreis von Depression und Angst immer neue Störungen. Schüchternheit zum Beispiel wird zur »sozialen Phobie«.

Trick 3: Gesundheitliche Risiken werden zur Krankheit erklärt. Dazu setzt man die Normwerte etwa für den Blutdruck und den Cholesterinspiegel oder den Body-Mass-Index so weit herunter, dass der Kreis der Kranken ständig wächst – und die Vorsorge-Industrie boomt. Besonders beliebt sind neuerdings Laboruntersuchungen, die so genannte Tumormarker messen. Das sind Messwerte, die unter bestimmten Umständen Hinweise auf eventuelle Krebserkrankungen geben sollen. Beispiel: die Aminosäure Serotonin. Liegt ihr Wert über 200, gibt er als »Tumormarker Dünndarm« Anlass zur Sorge, dass im Verdauungstrakt ein Karzinom entstehen könnte. Liegt der Wert unter 200, erscheint die »seelische Befindlichkeit« gestört. Mit anderen Worten: Egal, welcher Wert gemessen wird – er liefert immer einen Anlass, dem Patienten weitere Untersuchungen zu empfehlen. Zum Beispiel eine Computertomografie. In den USA stehen Tomografen sogar schon in einigen Einkaufszentren bereit.


Trick 4: Seltene Symptome werden zur grassierenden Seuche erklärt. So breitet sich seit der Einführung von Viagra die Impotenz in der Männerwelt erstaunlich aus: Laut Internetseite des Viagra-Herstellers sind bereits 50 Prozent der Männer zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr davon betroffen! Das widerspricht jeder Lebenserfahrung.

Trick 5: Leichte Symptome werden als Vorboten schwerer Leiden verkauft. Diffuses Bauchgrimmen wird so zu einem schwer zu therapierenden »Reizdarmsyndrom«.

Inzwischen ist eingetreten, was der Schriftsteller Aldous Huxley (»Schöne neue Welt«) schon vor Jahrzehnten prophezeit hat: »Die Medizin ist so weit fortgeschritten, dass niemand mehr gesund ist.« Wie gut, dass es Mittel gegen dies und das heute nicht mehr nur in der Apotheke, sondern sogar im Supermarkt gibt. Denn auch die Nahrungsmittelindustrie hat sich unserer Sorge um die Gesundheit angenommen und neue, besonders »gesunde« Produkte entwickelt. Statt Low-Fett- und Low-Carb-Produkten essen wir nun »Probiotic plus Oligofructose«, »LC-1« oder mit Omega-3-Fettsäuren versetzte Eier – so genanntes Functional Food, ein Zwitter aus Lebensmittel und Medikament. Die mit künstlichen Vitaminen, Mineralien, Antioxydantien oder Mikroorganismen angereicherte Nahrung soll das Immunsystem stärken oder sonstige Wunder vollbringen und gilt als Megatrend. Bereits im Jahr 2000 wurden in Deutschland mit Functional Food 1,5 Milliarden Euro umgesetzt, Prognosen sagen einen Marktanteil von bis zu 50 Prozent voraus.

Das Geschäft mit den Vitaminen dagegen läuft schon lange. Fast alle nehmen sie zur Nahrungsergänzung, denn wer ist schon sicher, dass er mit dem Essen alle Nährstoffe in optimaler Dosis zu sich nimmt? Verschwiegen wird aber gern, dass die Wirkungszusammenhänge der Ergänzungsmittel kaum erforscht sind. Auch ist keineswegs nachgewiesen, dass Vitamine in Pillenform ähnlich wirken wie solche in natürlicher Nahrung. Sogar die vorbeugende Wirkung von natürlichen Vitaminen in Obst und Gemüse wurde überschätzt, wie die Deutsche Krebsgesellschaft zugibt. Auch sie hatte zunächst »5 am Tag« unterstützt: die Kampagne eines gleichnamigen Vereins in den USA. Fünf Stück Obst jeden Tag sollen der Entstehung von Tumoren vorbeugen, propagiert der Verein – der sich vor allem aus Saftherstellern, Konservenfabrikanten und Fruchthandelsgesellschaften zusammensetzt.

Schon immer war Angstmacherei eine fabelhafte Geschäftsgrundlage. Was heute die Angst vor Krankheit ist, war früher die Angst vor dem Jüngsten Gericht. »Diätbewegungen gehen als wellenförmige Massenbewegungen übers Land, in ihrem asketischen Ernst die Büßer- und Geißlerbewegungen des Mittelalters bei weitem übertreffend«, sagt der Psychiater und Theologe Manfred Lütz. Für ihn handelt es sich bei dem neuen Gesundheitsbewusstsein, das beinahe die ganze Gesellschaft erfasst hat, um eine Ersatzreligion, die umfassende Unterwerfung fordert: »Nie hätte ein mittelalterlicher Beichtvater gewagt, seinem Beichtkind Bußwerke aufzuerlegen, wie sie heute jeder Hausarzt ohne mit der Wimper zu zucken dem ganz gesunden Herrn Müller auferlegt. Da gibt es Verhaltensvorschriften im Stil verschärfter Ordensregeln, die das ganze Leben betreffen, von morgens bis abends, von Arbeit bis Freizeit, von Essen bis Trinken.«

Zur langen Litanei der empfohlenen Bußübungen gehört auch das Joggen: ein sportlicher Nachklang des protestantisch-calvinistischen Denkens, wonach man sich erstens mächtig anstrengen müsse, auf dass man zweitens Erfolg habe, der einen drittens in den Rang der Erwählten Gottes erhebe. Jeder vierte Deutsche schnürt sich mittlerweile mehr oder weniger regelmäßig die Trainingsschuhe und hetzt durch Wälder, Parks und Straßenschluchten. In Städte-Marathons zeigen Führungskräfte ihr Durchhaltevermögen. »Zu schnell«, »zu weit« oder »zu oft«: So kommentieren Sportmediziner das Training der meisten Jogger. Fast die Hälfte der Läufer bekommt früher oder später Probleme mit Knie, Schienbein oder Achillessehne.

Ein hoher Preis für einen Gesundheitswahn, den ein Heer von Sportartikelherstellern mit immer neuen Hightech-Modellen wie »dem ersten intelligenten Schuh der Welt« oder dem »Barfußschuh« immer weiter nährt. Wer nicht joggen mag, praktiziert wenigstens Nordic Walking. Doch hier braucht man neben Puste auch einige Zivilcourage, denn nicht selten müssen die Stecken schwingenden Walker den Spott »ungläubiger« Passanten über sich ergehen lassen. Die notorischen Besucher von Fitnessstudios sehen sich ebenfalls den mitleidigen Blicken von untrainierten Couch-Potatoes ausgesetzt – aber die werden schon sehen, wohin die Faulheit führt. Glaubensfest halten die Fitnessjünger an ihren Bußübungen fest, unangefochten von Untersuchungen, die vor den Gefahren des allzu eifrigen Joggens, Walkens oder Bodybuildings warnen.

Wer hart an seinem Körper arbeitet, gehört oft auch zu jener Art von Gesundheitsaposteln, die ständig und geradezu zwanghaft überprüfen, ob sie auch wirklich gesund sind. Eine wichtige Informationsquelle über mögliche Erkrankungen ist das Internet. Für jedes Symptom finden sich hier unzählige passende Krankheiten. Gibt man etwa das Symptom »Schwindel« ein, hat man die Wahl zwischen Hunderten von Krankheitsbildern wie Tinnitus, Defekte der Hörnerven, Angsterkrankungen oder Schädigungen des Hirnstamms bzw. des Kleinhirns. Bernd Nissen, Leiter der Arbeitsgruppe Hysterie und Hypochondrie bei der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung, hat beobachtet, dass sich Hypochonder über das Internet regelrecht »anfixen« und mit »Stoff« versorgen, der die Furcht vor nachlassender Gesundheit und Vitalität wohltuend anheizt. Dabei gibt es nationale Unterschiede: In Deutschland konzentrieren sich Krankheitsängste besonders auf Herz und Kreislauf, Franzosen sorgen sich um den Zustand ihrer Leber (Stichwort: »crise de foie«), und Amerikaner fürchten vor allem, sich durch Keime zu infizieren.

Aber nicht nur durch gesunde Ernährung und Sport punktet der wahre Gesundheitsapostel – seine gesamte Lebensführung unterwirft er dem Diktat, dass Gesundheit machbar sei. Und weil Lachen ja so gesund ist, sieht man in größeren Orten gelegentlich Lachgruppen zusammen trainieren. Ho ho ho ha ha ha, wiehern sie im Chor – aber nicht etwa, weil sie die lustigen Seiten des Lebens entdeckt hätten, sondern weil sie ihre siebzehn Hauptgesichtsmuskeln trainieren, ihre gesamte Muskulatur entspannen und den Sauerstoffgehalt des Blutes erhöhen wollen! In Berlin z. B. kann man in Lachjoga-Kursen das »richtige«Lachen erlernen. Sex wurde endlich ebenfalls zum Herz-Kreislauf-Hausmittel umdefiniert – wer dabei auch noch von Herzen lachen kann, dürfte gesundheitsmäßig schon auf dem Weg zum ewigen Leben sein. Auf jeden Fall sollte man heiraten: Es erhöht die Lebenserwartung beträchtlich!

Sogar der Glaube an Gott soll gesund sein: »Als kürzlich Untersuchungen feststellten, dass Menschen, die beten und fromm sind, gesünder sind und länger leben, kam es zum Offenbarungseid der real existierenden offiziellen Religionen«, schreibt Manfred Lütz. »Mit Begeisterung wurden diese Berichte dort aufgenommen. Kirchliche Zeitungen druckten die Meldung ab, mit dem Unterton, das sei doch endlich mal eine frohe Botschaft. Man stelle sich vor: beten und fromm sein – nicht, um möglichst sicher in den Himmel zu kommen, sondern um möglichst spät und möglichst gesund in den Himmel zu kommen.« Wo bleibt eigentlich die Lebensfreude, fragt sich Lütz, wenn sich alles nur um ein Ziel drehe, das man auf Dauer gar nicht erreichen könne? Denn am Ende gewinne doch immer der Tod.

Was die Anhänger der Gesundheitsreligion nicht wahrhaben wollen, ist, dass Gesundheit eben nicht machbar ist. Im Gegensatz zu Krankheiten, die sich genau definieren lassen, entzieht sich der scheinbar selbstverständliche Begriff Gesundheit einer genauen Bestimmung. Ist nur gesund, wer nicht oft genug untersucht wurde, wie der Volksmund behauptet? Fest steht, dass die Anzahl der ermittelten krankhaften Werte mit der Zahl der Untersuchungen ansteigt. Auch was die WHO als Definition anbietet, führt nicht weiter: Gesundheit sei der Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Wenn man die Messlatte so hoch legt, dürfte es auf Erden nur sehr wenig Gesunde geben.

Die alten Griechen waren der begrifflichen Engführung viel weniger erlegen als die heutigen Gesundheitsapostel. Sie hielten Gesundheit für ein Geheimnis, für eine geradezu göttliche Kraft, die in jedem Menschen aus sich heraus wirkt.»Gesundheit ist nicht feststellbar wie eine Krankheit und daher auch nicht herstellbar«, schreibt Manfred Lütz, »denn herstellbar ist nachweislich nur etwas, was hinterher zumindest feststellbar ist. Man gewinnt fast den Eindruck: Gerade dann, wenn man der Gesundheit zu nahe tritt, entweicht sie ins Unwägbare.«

»Über die Verborgenheit der Gesundheit« lautet denn auch der Titel eines Buches, in dem der berühmte deutsche Philosoph Hans Gadamer seine Gedanken zum Thema zusammengefasst hat: Demnach ist Gesundheit verborgen – wie alles Wichtige im Leben. »Trotz aller Verborgenheit kommt sie in einer Art Wohlgefühl zutage, und mehr noch darin, dass wir vor lauter Wohlgefühl unternehmungsfreudig, erkenntnisoffen und selbstvergessen sind und selbst Strapazen und Anstrengungen kaum spüren – das ist Gesundheit.« Macht über sie habe aber niemand, auch nicht die Medizin.

Ein Gesundheitsapostel sieht das selbstverständlich anders. Und wenn es nur um seine eigene Person ginge, könnten wir ihn lächelnd links liegen lassen. Aber die Risiken und Nebenwirkungen der neuen Gesundheitsreligion gehen uns alle an. Denn die Vorstellung, dass das Leben nur lebenswert ist, wenn man gesund, schön und sexuell aktiv ist, hat sozialpsychologische Folgen: Sie degradiert Kranke, Alte und weniger Schöne zu Menschen zweiter Klasse. Manfred Lütz denkt noch weiter: »Um jemandem ein in diesem Sinne würdeloses Leben zu ersparen, fügt man den Schlussstein in die Gesundheitskathedrale ein: Wer definitiv nicht gesund, nicht schön oder sexuell nicht befriedigt ist, dem feiert die Gesundheitsreligion ein sorgfältig inszeniertes Requiem.« Eine Totenmesse für die Zweitklassigen, die es auszumerzen gilt – Lütz scheut sich nicht, dieses Endziel des Gesundheitswahns auszusprechen: »Euthanasie nennt man das, den ›guten Tod‹ geben.«

Dass wir als Gesellschaft nicht auf »die tödliche Schattenseite des Gesundheits-, Schönheits- und Sexualitätsideals« (Lütz) geraten wollen, darüber dürfte Konsens herrschen. Der grassierenden Gesundheitshysterie entgegenzutreten ist nicht nur notwendig – sondern auch ganz einfach, und jeder kann es, wenn er will: statt auf die Heilsversprechen der Gesundheitsapostel auf die Botschaften des eigenen Körpers hören – der weiß am besten, was ihm gut tut. Immun werden gegen den Machbarkeitswahn und sich von der puren Lust am Leben anstecken lassen – so bleiben wir wir selbst. Denn darum geht es doch: um Selbstbestimmung. Wenn jetzt die nächste Welle von Frühjahrsdiäten auf Sie zurollt, können Sie gleich damit anfangen: einfach ignorieren! Wenn schon Diät, dann empfehlen wir Ihnen die P.M.-Frühjahrsdiät: Essen Sie doch einfach, was Ihnen schmeckt. Das macht richtig Spaß!




Autor(in): Marianne Oertl

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Informationen zu Cholesterin
http://www.3sat.de/nano/cstuecke/72601/index.html


Gut, dass ich als Hobbykoch eh alles gern esse, was ich so koche.
Und das ist ganz sicher nicht diätisch, hi,hi....

Jetzt lege ich mich ermattet wieder hin .sleep:
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 01 Apr 2006 00:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag #24 von mehlbox2001 » 28 Feb 2006 03:59


Hallo Eckhard,

Danke für den großen Artikel! Dazu noch zwei Lesetipps: Die Krankmacher Wie Ärzte und Patienten immer neue Krankheiten erfinden von Werner Bartens und Die Krankheitserfinder. Wie wir zu Patienten gemacht werden. von Jörg Blech -- einfach mal beide bei Amazon ankucken ;-)

Wat'n Glück, dass ich auf ganz normale Lebensmittel aus dem Bioladen steh, und nicht so'n durchgestyltes Zeug ess :D

Viele Grüße von Hobbykoch Andreas
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mehlbox2001
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