Auseinandersetzung mit einer verdammten Krankheit

Hier geht es um Probleme mit der Prostata und eine daraus entstandene Inkontinenz.

Moderatoren: Marco N., Georges

Auseinandersetzung mit einer verdammten Krankheit

Beitrag #1 von eckhard11 » 12 Aug 2005 23:09


Ich denke, ich erzähle euch einmal meinen Krankheitsverlauf.
( Irgendwie muss ja mal was in diesem Forum passieren, hi,hi )
_____________________________________________________________________________
Vor meiner Erkrankung bzw. deren Feststellung ging ich 4-5 mal täglich pinkeln und entleerte dabei jedesmal meine Blase mit einem kräftigen, langen Strahl.

Irgendwann vor ca. 4 Jahren, im Herbst 2001, bekam ich Schwierigkeiten beim Pinkeln.
Zuerst war es nur ein unangenehmer Schmerz, welcher sich beim „rausdrücken“ der letzten Urintropfen bemerkbar machte. Außerdem mußte ich immer häufiger auf die Toilette.
Etwa alle 1 1/2 Stunden hatte ich Druck. Die Urinmenge war für diesen - teilweise sehr starken und plötzlich auftretenden - Druck recht gering, vielleicht eine halbe Tasse bis max. eine Tasse voll.
Ich war der Meinung, ich hätte mir eventuell die Blase etwas erkältet, da es zu dieser Zeit in unserer Firmenhalle recht kühl war, aber eben noch nicht so kühl, daß man die Heizung anstellen mußte.
Dies ging etwa 2 Wochen lang so, bis ich eines Tages einen sehr starken und dunkelroten Strahl pinkelte. Ich wäre fast hintenübergefallen, so sehr hatte mich dieser dunkelrote Urinstrahl erschreckt.
Jetzt sagte ich mir : „Petersmann, es ist die Zeit gekommen war, einen Urologen aufzusuchen.“

Ich war zu diesem Zeitpunkt 58 Jahre alt und noch nie organisch krank, zumindestens nicht so krank, daß ich deswegen einen Arzt aufsuchen oder gar ins Krankenhaus mußte, sieht man einmal von einer Gelbsucht im Jahre 1948 und von einer Blinddarmentzündung mit erfolgter Operation im Jahre 1959 ab.
Dem Urologen Dr. Schinkel in meiner Heimatstadt Hohenlimburg habe ich gesagt, daß ich Blut pinkeln würde und Schmerzen beim Wasserlassen hätte.
Dr. Schinkel machte eine Ultraschalluntersuchung und diagnostizierte eine Entzündung in der Blase direkt an der Harnröhre.
Eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel wurde ebensowenig durchgeführt wie eine Blasenspiegelung.

Heute nehme ich an, daß dies wohl ein entscheidender Fehler war.

Aber da ich selber kein Fachmann bin und daher einen solchen aufgesucht habe, hatte ich mir auch weiter keine Gedanken gemacht, vor allem deswegen nicht, weil die Tabletten, welche mir Dr. Schinkel verschrieb, sofort, d.h. innerhalb von 4-5 Stunden, anschlugen und meine Beschwerden wie weggeblasen waren.
Bei der am darauffolgenden Tag bei der Nachuntersuchung habe ich dies noch sehr lobend erwähnt....

2 Jahre hatte ich Ruhe, bis um den 20. September 2003 wieder diese Schmerzen beim Pinkeln auftraten und auch etwas Blut im Urin war.
„Na ja,“ dachte ich mir, „geh zum Schinkel und laß Dir diese Wundertabletten nochmal verschreiben“
Inzwischen hatte Dr. Schinkel seine Praxis aber an einen jungen Arzt, Dr Schacht, übergeben.
Da dieser sicherlich auch die Patientenakten übernommen hatte, habe ich um einen Termin ersucht.
Wie´s der Teufel wollte, war der Tag, als ich anrief, der letzte Arbeitstag des Doktors vor einer 2 - wöchigen Praxisschließung wegen Urlaub.
Ich fand dies nicht so wichtig, da ich mit der Sache vorher gelebt hatte und auch die 2 Wochen noch rumkriegen würde.
Dann allerdings mußte ich mittlerweile auch jede Nacht mindestens 3 bis 4 mal aufstehen, da meine Blase mich weckte. Es wurde immer unangenehmer, weil ich nicht mehr ausschlafen konnte. Als Eigentümer einer kleinen Firma konnte ich nicht immer übermüdet ins Büro kommen.....
Daher war ich froh, als die Praxis wieder geöffnet war und ich meinen Untersuchungstermin wahrnehmen konnte.

( Falls Interesse besteht, demnächst weiter..... )

Ich leg mich jetzt erst mal wieder hin .sleep:

Eckhard
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Beitrag #2 von Jens Schriever » 13 Aug 2005 05:21


Hallo Eckhard

Dein Krankheitsverlauf ist recht interessant. Nur wo es richtig spannend wird hast du aufgehört zu erzählen.
Wann kommt der 2. Teil?
Bin schon sehr gespannt darauf.



Gruß Jens
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Beitrag #3 von Ramona » 13 Aug 2005 09:29


Hallo eckhard!

Ich finde es echt toll, daß Du uns an Deinen Verlauf der Erkrankung teilhaben läßt. Ich denke, daß es für viele eine Hilfe sein wird. Auch ich warte schon auf die Fortsetzung! :wink:

Gruß Ramona
GESTERN ist vorbei,
MORGEN ist noch nicht da
und HEUTE hilft der Herr.

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Beitrag #4 von eckhard11 » 13 Aug 2005 10:29


Hallo, Leute,

na ja, es ist eine etwas längere Geschichte.

Deshalb werde ich sie als Fortsetzung schreiben, damit ihr mir auch bei der Fahne bleibt, hi,hi.

Ich bin doch etwas erstaunt, dass es seit gestern spätabends ( immerhin habe ich erst um ca. 23:00 Uhr eingestellt ), bis jetzt, ergo nur ca. 11 Stunden später, schon so viele Zugriffe sind.

Dies zeigt doch ein gewisses Interesse an der Geschichte.

Und genau deshalb muss ich auch dieses Interesse etwas hochhalten.

Ihr solltet aber nicht vergessen, dass es sich um ein recht persönliches Tagebuch handelt, welches ich direkt vor und nach meiner Operation geführt habe.
Da sind natürlich einige Emotionen nicht zu vermeiden gewesen.

Die Eintragungen sind original aus jener Zeit, ich habe nichts ( !! ) daran geändert, ( ausser meiner kursiven Anmerkung bei dem renitenten Bettscheisser ).

Jetzt lege ich mich erst einmal wieder hin, da ich für den BVB ( gegen das Gesockse aus Schalke ) ja wieder aufstehen muss .sleep:
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Beitrag #5 von eckhard11 » 13 Aug 2005 22:41


Na ja,
das Gesockse aus Schalke hat - wieder einmal - in Dortmund gewonnen......

_____________________________________________________________________________

Donnerstag, der 09.10.03

Ich schilderte Dr. Schacht die Symptome und sagte ihm natürlich auch, daß ich bei Dr. Schinkel behandelt worden war. Na ja, das war ihm selbstverständlich aus der Krankenakte bekannt.
Auch Dr. Schacht machte als erstes eine Ultraschalluntersuchung.
Außerdem hatte ich eine Urinprobe abgegeben.
Dr. Schacht machte noch die „Hafenrundfahrt“ und befand die Prostata als ganz ausgezeichnet, ohne jenen Makel. Nebenbei fragte er mich, wie ich denn meinen Leistenbruch pflegen würde.
„Welchen Leistenbruch?“ fragte ich zurück.
„Na, Ihren. Sie haben einen richtig schönen, typischen und schon alten Leistenbruch.“
( Diese etwas größere Erhebung an meiner linken Leiste habe ich schon seit einigen Jahren, wußte aber nicht, daß es sich um einen Leistenbruch handelt, sondern dachte mehr an eine Fettansammlung. Na ja, Muskeln und Samenstränge usw. usw. Ich habe nämlich, bei 193 cm Körperhöhe, ein Gewicht zwischen 111 kg und 113 kg mit einem entsprechenden Bauchansatz, aber eine schmale Taille und einen recht kleinen Hintern. Ergo hätte der Dr. Schinkel diesen Leistenbruch vor 2 Jahren ebenfalls bemerken müssen !! )
Bei den anschließenden Gespräch sagte mir Dr. Schacht jedoch, irgendetwas in der Blase würde ihn stören, daher wollte er auf jeden Fall noch eine Blasenspiegelung durchführen.
Als Termin vereinbarten wir den folgenden Montag, den 13.10.03. um 15:00 Uhr.
Ich sagte, er solle mir etwas gegen den Harndrang geben, damit ich wenigstens übers Wochenende etwas Ruhe bekäme.
Dies verweigerte er mir mit dem Hinweis, wenn ich so lange nachts gepinkelt hätte, wären die 3 Tage auch noch auszuhalten. Er gäbe mit nichts, was - eventuell - die Untersuchung beeinflussen könnte.

Montag, der 13.10.04

Zu meinem Erstaunen wurde ich als erstes in einen Röntgenraum geführt und bekam ein Kontrastmittel geträufelt, welches für eine Röntgenaufnahme von Niere, Harnleiter und Blase bestimmt war.
„Besser ist besser“ meinte Dr. Schacht auf meine Frage.
Nach Auswertung der Röntgenaufnahme war er schon etwas aufgeregter und bestand auf eine sofortige Blasenspiegelung, welche er dann auch durchführte.
( Übrigens hatte ich schon mehrfach gehört, wie unangenehm eine solche Blasenspiegelung sei, aber ich habe fast gar nichts davon bemerkt. Dr. Schacht meinte, dies läge an meiner sehr gut ausgebildeten Prostata, an welcher er glatt und problemlos vorbeigekommen wäre.)
Es ging alles recht fix. Dr. Schacht bemerkte noch: „Scheiße, jetzt habe ich es doch noch verletzt“ und sagte mir, noch während ich auf dem Gynokologenstuhl hockte, ich solle im Wartezimmer warten, er wolle erst die Akutfälle behandeln, bevor er sich mit mir unterhalten müsse.
„Au,au,“ sagte ich, „das hört sich aber gar nicht gut an.“
„Ja,“ erwiderte er, „das ist auch gar nicht gut.“
In dem Moment wußte ich natürlich, was auf mich zukam.
Dr. Schacht fragte, ob er offen mit mir reden könne. Er sagte mir schonungslos, ich hätte ein recht großes Karzinom in der Blase, unglücklicherweise auch noch direkt neben dem Harnleiter der rechten Niere. Die rechte Niere und der Harnleiter seien mit Flüssigkeit gefüllt, was darauf hindeuten würde, daß der Urin der rechten Niere nicht oder nur sehr langsam abgeführt würde. Dies wiederum ließe darauf schließen, daß das Karzinom den Harnleiter zudrücken würde oder gar schon in diesen hineingewachsen sei.
Auf dem Röntgenbild konnte man die linke - schwarze - Niere und den linken - weißen und sehr dünnen - Harnleiter sehr gut und sauber erkennen.
Die rechte Niere war fast weiß, was auf sehr viel Flüssigkeit deutete, und der rechte Harnleiter ( im Verhältnis zum linken Harnleiter ) ebenfalls weiß und so dick wie mein kleiner Finger. Und mein kleiner Finger ist nicht gerade dürr......
Dr. Schacht empfahl eine sofortige Einweisung in ein Krankenhaus und nannte dabei die Urologie des Allgemeinen Krankenhauses Hagen, Chefarzt Dr. Hahn.
Er machte mich auf die Folgen einer Verschleppung dringlich aufmerksam und erläuterte mir offen, daß er damit rechne, daß mir nicht nur die Blase, sondern auch der Harnleiter und die Nieren entfernt werden würden, wenn ich noch länger warten würde.
Selbst so, im Blasenspiegel, sähe das Karzinom schon sehr bösartig aus.
Dr. Schacht empfahl mir, nicht länger als 2 Wochen mit einer entsprechenden Blasenausschälung zu warten, am besten wäre es, ich ginge am nächsten Tag, also am Dienstag, den 14.10.03, ins Krankenhaus.
Eine entsprechende Überweisung gab er mir sofort mit und erwähnte, alle Unterlagen sofort an das Krankenhaus zu faxen.
Die Röntgenbilder händigte er mir aus.
Da ich selbständig bin und daher vorher einige Dinge zu regeln hatte, rang ich Dr. Schacht eine Frist bis Montag, den 20.10.03 ab.
Seit der Blasenspiegelung pinkele ich Blut, mal mehr, mal weniger, aber immer ist der Urin etwas gefärbt.
Das Krankenhaus rief mich dann am Donnerstag, den 16.10.03 an und teilte mir mit, daß ich am Donnerstag, den 23.10.03 um 08:00 Uhr eintreffen solle. Ich würde am Freitagmorgen, den 24.10.03 operiert bzw es würde das Karzinom mit einer Schlinge ausgeschält.
( Mir war das lieb, denn ich hatte dem Krankenhaus gesagt, ich zahlte einen Privatzimmerzuschuß für ein Einzelzimmer. Ich selber bin Schnarcher, kann aber auf gar keinen Fall einen anderen schnarchen hören.... Und ab dem 23.10.03 war das Einzelzimmer - übrigens das einzige Einzelzimmer auf der Urologie - frei )

Morgen mehr....

Ich leg mich jetzt hin .sleep:
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Beitrag #6 von eckhard11 » 14 Aug 2005 14:23


Donnerstag, der 23.10.03:

Nach der Anmeldung bei Frau Schindler wurde mir das Zimmer 218 zugewiesen, ein sehr kleines Einzelzimmer mit Nasszelle, aber ohne Dusche.
( Die Dusche befand sich im Nebenzimmer, nur über den Flur erreichbar. Ein äußerst idiotische, architektonische Meisterleistung, da ohne jedes Problem beide Räume hätten zusammengelegt werden können. Vor allem, weil die ganze Station kurz vorher komplett renoviert worden war. Der Baderaum, welcher zum Zimmer 218 gehört, wird eh´ nur als Abstellkammer für Gehhilfen, Rollstühle, Toilettenstühle usw. verwendet. Ich war doch etwas enttäuscht, immerhin bezahlte ich täglich zusätzlich 72,00 Euro für das einzige Zimmer auf der Station, welches keine Dusche hat...... )
Aber es darf und soll nicht unerwähnt bleiben, daß ich sehr freundlich aufgenommen wurde.
Alle Schwestern und Pfleger stellten sich vor und waren äußerst zuvorkommend.
Vormittags kam ein Dr. Vieler, nahm reichlich Blut ab und machte eine Ultraschalluntersuchung. Danach kamen die obligatorischen Fragebögen, welche ich ausfüllte.

Inzwischen hatte ich mein Laptop angeschlossen und bemerkt, daß es in dem Krankenhaus recht schwierig war, ins Internet zu kommen, da ich meistens 10 bis 12 Wählversuche brauchte, um eine Verbindung herzustellen, wenn überhaupt.

Es kam eine Schwester und fragte mich nach meinem Appetit, da ich die Möglichkeit hätte, mein Frühstück und Abendessen mengenmäßig selbst zu bestimmen.
Das Mittagessen konnte aus einer von 3 Speisen ausgewählt werden, da ich aber privat lag, hatte ich die Möglichkeit, aus einer zusätzlichen - sehr umfangreichen - Karte für 3 Tage im Voraus zu wählen.
Da ich gern esse, habe ich natürlich reichlich bestellt.

Ein Schock war aber dann schon das Mittagessen. Ein Stück Putenfleisch mit Soße und etwas Reisähnlichem....

Der Anästhesist Dr. Mufti kam, um mit mir über die Narkose zu sprechen. Ich entschied mich für eine örtliche Betäubung in die Wirbelsäule, welche nur den Unterkörper betäubt. Den Fachausdruck dafür habe ich vergessen.

Da ich Raucher bin, wollte ich mir eine ziehen. Und da ich in einem großen Krankenhaus lag, war ich der Meinung, es gäbe so etwas wie eine Raucherecke in einer Cafeteria oder ähnliches. Gibt es auch. Das einzige „Raucherzimmer“ im ganzen Krankenhaus, und dies direkt auf meiner Station am Ende des Ganges. Aber es ist nur ein „geduldetes Raucherzimmer“.

Aber was für eine Zumutung :

Ein Schlauch von ca. 6,00 m Länge und 1,20 m Breite, in einem erbärmlichen Gelb gestrichen, mit einem alten Gartentisch und 4 Stück kunststoffbezogenen, völlig durchgesessenen Stahlstühlen. In dem Raum gibt es keine Heizung, alle Fenster stehen auf Kippe, damit auch ja kein Fitzelchen Rauch auf den Flur dringen kann. In einer Ecke eine künstliche Sansiverie, an der Wand drei Fotografien. Das war´s.

Und schmutzig. Die Putzfrauen hatten von der Krankenhausleitung die Vorgabe erhalten, dieses "Raucherzimmer" nicht zu säubern.

Schweinekalt ist es in dieser „Loggia“ ( das steht nämlich an der Tür ). Es fehlen eigentlich nur die Gitter vor dem Fenster. Schlimmer kann es im Knast auch nicht sein.
Ich jedenfalls finde eine derartige „Raucherecke“ menschenunwürdig und menschenverachtend.

Aber noch viel schlimmer dran sind ja die Patienten in den anderen Gebäuden !! Da herrscht überall absolutes Rauchverbot. Die Kranken sitzen bei Wind und Wetter draußen vor dem Haupteingang, um sich eine Zigarette zu rauchen. Bei Regen und Schneefall ebenso wie bei bitterer Kälte. Vorgestern und gestern war es ja nun mal richtig nasskalt und teilweise hat es am Samstag sogar geschneit.
Trotzdem saßen die Patienten da draußen und torften sich eine, weil ihnen im Gebäude die Befriedigung ihrer Sucht „ im Interesse der Allgemeinheit“ untersagt ist. Dabei wäre es doch wirklich kein unlösbares Problem, z. B. in der Cafeteria durch den Einzug von 2 Stück Wänden eine Raucherzone zu schaffen bzw. in den vielen Gebäuden einige Raucherecken zu finden. Das Krankenhaus wird momentan modernisiert. Jedem Alki und jedem H-Süchtigen wird geholfen, aber für Raucher wird in Krankenhäusern nicht einmal eine Raucherecke geschaffen.

Wenn man weiß, daß etwa 35 % aller Deutschen über 16 Jahren rauchen und wenn man gleichzeitig den - neuen - Hinweisen auf den Zigarettenschachteln glaubt, daß Rauchen nicht nur krank, sondern auch tot machen kann, eine faltige Haut schafft und im übrigen ein Raucher eh´ im Krankenhaus landet, dann ist anzunehmen, daß etwa 50 bis 55 % aller Patienten rauchen ( die anderen sind ja diesen Krankmachern nicht so extrem unterworfen... )
Anstatt also auf diese gehörige Menge Menschen einzugehen und entsprechende Raucherzimmer zu schaffen, werden die Raucher vollkommen ausgeschlossen.
Geradeso, als wüßten weder die Architekten noch die Krankenhausträger, daß Nikotin ein Nervengift und daher ein Suchtmittel ist.
Raucher werden in diesem unserem Staat mehr kriminalisiert als ein richtiger Ganove, und der Staat zockt über die Tabaksteuer auch noch richtig ab. Weint dabei aber Krokodilstränen ( siehe Aufschriften auf den Zigarettenschachteln ). Ich nenne dies Staatsprostitution.
Aber ebendies sollte einmal gesagt werden. Auch oder gerade ein Krankenhaus muß wissen, welchen Qualen es die Raucher durch ein absolutes Rauchverbot aussetzt. Und daß die Raucher unter den Patienten eine Lungenentzündung riskieren, wenn sie draußen vor der Tür eine torfen.

„Und wenn schon. Dagegen haben wir Antibiotika. Gestorben ?? An einer Lungenentzündung ?? Selber schuld... Hätte sich doch nicht draußen hinsetzen müssen, um zu paffen.“


Abends fand ich dann eine Scheibe Graubrot und eine dieser glibberigen, weichen Toastbrotschnitten in Verbindung mit einem Döschen halbfetter Diätmargarine, einer Scheibe Wurst und einer Scheibe Käse auf dem Teller.
Mir schwoll schon der Hals. Meine Frau ging in den Küchenraum, um zu erfahren, wie ein ausgewachsener Mensch von einem solch erbärmlichen Abendessen satt werden sollte. Es wurde ihr dann gesagt, eine entsprechende Abstimmung der Speisen könnte erst am nächsten Tage erfolgen.

Nachdem mein geliebtes Eheweib gegangen war, erhielt ich eine Spritze, zur Beruhigung, obwohl ich keinesfalls aufgeregt war.
Mein Blutdruck war 120 zu 80, mein Puls 82.

Man legte mir schon einmal Thrombosenstrümpfe und ein hinten offenes OP-Hemd hin.
Die Matratze in den Bett war eine Zumutung, viel zu hart für mich.
Ich konnte kaum schlafen, da mir Wirbelsäule, Hüfte und Nacken schmerzten, dazu kam die verdammte nächtliche Pinkelei, sodaß ich am Freitagmorgen wie gerädert aufwachte.


Morgen mehr......

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Beitrag #7 von eckhard11 » 15 Aug 2005 13:50


Freitag, der 24.10.03

Ich hatte gerade das Hemd an und noch eine Beruhigungstablette geschluckt, als ich auch schon in den OP-Raum geschoben wurde.
Dr. Mufti setzte mir eine Spritze in den Rücken, dann wurde ich auf den OP-Tisch gelegt, Beine hoch, Kopfhörer auf die Ohren.
Mich berieselte so eine Art sphärische Musik, nicht unangenehm. Mir kam das Ganze fast so vor wie in einem Film mit Charlton Heston und Edward Robinson, in welchem die Verstorbenen zu Energiepacks verarbeitet werden.
Bekannter Film, ich habe aber den Titel vergessen. Die Sache hatte so etwas seltsam Esoterisches an sich

Als mir der Kopfhörer abgenommen wurde, tauchte der Kopf des Operateurs, Oberarzt Dr. Hakemi, auf. Ich fragte ihn, wann er denn endlich anfangen wolle, worauf er erwiderte, er wäre bereits fertig.
Ich blickte auf die Wanduhr und tatsächlich, gerade war es noch 08:00 Uhr, jetzt war es 09:00 Uhr.
Obwohl ich nicht eingeschlafen oder gar betäubt war, habe ich den Zeitsprung gar nicht bemerkt.
Dr. Hakemi sagte mir noch, er wolle sich am Nachmittag mit mir über die Ergebnisse unterhalten, dann kam ich in den Wachraum.
Trotz allergrößter Anstrengungen war es mir nicht möglich, auch nur einen Zeh zu bewegen. Ich hatte das Gefühl, ich hätte keinen Unterkörper mehr. Obwohl ich meine Füße sah, hatte ich dazu keinerlei Beziehung.
Von der Hüfte aufwärts war ich so beweglich wie vor. Erstaunlich....

Am Fußende stand ein Ständer, an welchem ein großer Plastikbehälter mit der Aufschrift NA C hing, einer Kochsalzlösung zum Spülen. Schläuche führten unter die Bettdecke und ich hörte Wasser in ein Gefäß tröpfeln. Daß dieses Wasser aus meiner Blase kam, wurde mir gar nicht bewußt, da ich ja nicht das geringste spürte

Mit der Zeit kam die Bewegung und das Gefühl zurück. Um kurz vor 12:00 Uhr wurde ich auf mein Zimmer gefahren. Man sagte mir, ich solle tunlichst den ganzen Tag im Bett verbringen, da man mit Nachwirkungen der Narkose rechnen könne und ich eventuell umfallen könnte.
Mittlerweile bemerkte ich auch, daß mir ein Doppel-Katheter gelegt worden war, durch welchen die Kochsalzlösung in die Blase floß und - unter Mitnahme des Originalurines - wieder hinaus in den Behälter.


Außer eines etwas unangenehmen Gefühles in meinem Lümmel hatte ich keine Beschwerden.
Die kamen erst, wenn ich durch Umwälzen oder andere Bewegungen den Fluß der Kochsalzlösung zum Erliegen brachte. Dadurch, daß der Durchfluß unterbrochen war, kam nur noch der Urin der heilen Niere in die Blase. Es entstand ein starker Pinkeldrang, welcher aber durch den Katheter nicht befriedigt werden konnte. Dies war eigentlich das Unangenehmste, was ich ertragen mußte. Wenn die Kochsalzlösung wieder lief, war sofort wieder Ruhe.

Kurz vor 15:00 Uhr kam der Pfleger Ralf mit einem Mittagessen, welches die guten Leute auf der Station extra für mich aufbewahrt und warmgehalten hatten. Mann, hatte ich einen Kohldampf.
Nach dem Essen bin ich natürlich sofort aufgestanden, da ich mich absolut fit fühlte. Den Auffangbehälter für die Kochsalzlösung habe ich an den Ständer gehängt, an welchem die Beutel anhängen, meinen Bademantel angezogen und bin dann mit dem Ständer auf den Flur, mir einen Kaffee holen und eine RothHändle torfen.

Am späteren Nachmittag sprach ich dann mit Dr Hakemi, welcher mir mitteilte, daß er - soweit es überhaupt ging - das Karzinom abgeschält hätte, aber ein Ende wäre nicht zu erkennen gewesen.
Er habe auch den Harnleitereingang nicht erkennen können, daher wäre davon auszugehen, daß das Krebsgeschwür in keinem Falle komplett entfernt worden sei.
Um eine radikale Zystektomie ( komplette Harnblasenentfernung mit Harnableitung ) würde ich wohl nicht herumkommen.

Da ich mit ähnlichem gerechnet hatte, war ich nicht sonderlich geschockt.

Dr. Hakemi sagte dann noch, er wolle am Samstagmorgen die betroffene Niere punktieren bzw. drainieren, um den Flüssigkeitsstau zu entfernen und um festzustellen, ob die Niere noch arbeite, da er ja bei der Ausschälung den Harnleitereingang nicht sehen und daher auch einen Flüssigkeitsablauf nicht feststellen konnte.
Ansonsten verlief der Freitag ereignislos.


Morgen mehr.....

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Beitrag #8 von eckhard11 » 16 Aug 2005 16:21


Na,

dann will ich nicht länger auf die Folter spannen,
damit ihr auch heute abend noch etwas davon habt, hi,hi :


Samstag, der 25.10.03

Um 08:00 Uhr wurde mir der Katheter aus der Blase entfernt. Es schrinnte etwas, dann war es vorbei.
Dann hatte ich ein längeres Gespräch mit Dr. Hakemi, in welchem mir dieser noch einmal erläuterte, daß ich um eine Blasenentfernung nicht herumkommen würde.
Pünktlich um 09:00 Uhr war ich im OP, wo mir Dr. Hakemi den Schlauch in die Niere einbrachte.

Heute war es kein großes Getöse mit Musik und ähnlichem, sondern ganz profan einige kleine Einstiche in die Haut, nachdem Dr. Hakemi mehrfach durch einen starken Druck mit einer Fingerkuppe die richtige Stelle gesucht hatte, dann ein Einstich, ein ganz kurzer Schmerzzucker und schon war es erledigt. Bereits beim ersten Ablass konnte man die Flüssigkeit, welche aus der Niere trat, regelrecht strömen hören.
Ich hatte wegen der Drainage in der rechten Niere keinerlei Schmerzen oder ähnliches. Allerdings hatte ich recht starke Schmerzen beim „normalen“ Pinkeln und auch die Urinmenge war sehr gering.

Nachdem ich wieder auf meinem Zimmer war, wurde mir von Pfleger Ralf ein Formular gegeben, auf welchem ich doch bitte die Menge Urin, welche aus der Niere treten würde, aufschreiben sollte.
Da auf dem Beutel eine Skala aufgedruckt war, war dies kein Problem.
Um 09:45 wurde mir ein neuer Beutel ausgehändigt, um 11.15 Uhr hatte sich darin eine Menge von 1.200 cm³ gesammelt, welche ich ausleerte.
Um 13:00 Uhr waren es 600 cm³, um 14:30 waren es 650 cm³ , um 16:00 Uhr nochmals 600 cm³ und um 18:00 Uhr wiederum 700 cm³
Dies bedeutete, daß meine vorher so geschädigte Niere innerhalb von etwas mehr als 8 Stunden fast 4 Liter Urin produzierte.

Danach ging es etwas langsamer. Um 22:00 Uhr nochmal 600 cm³, um 01:00 Uhr, als ich die Uhr um eine Stunde auf 24:00 Uhr zurückstellte, ( Winterzeit ) wieder ca. 400 cm³
Da ich Pfleger Ralf um ein Schlafmittel gebeten hatte, damit ich mal durchschlafen würde und er mir sagte, dies würde rasch wirken, hatte ich die beiden Pillen mit je 10 mg Wirkstoff um 24:00 Uhr eingenommen. Um meinen Nierenbeutel würde sich die Nachtschwester kümmern, da konnte ich sicher sein.

Um 01:30 Uhr war ich dann das erste Mal auf dem Lokus zum Pinkeln, um 03:00 das zweite Mal.
Als die Nachtschwester um 05:00 Uhr das Zimmer betrat, um den Beutel zu leeren, sagte ich : „Guten Morgen“
Nee. nee, Herr Petersmann“ erwiderte diese, „bleiben Sie ruhig liegen, es ist erst fünf.
Soviel zu den „schnellwirkenden“ Schlaftabletten.
Wieviel Urin meine Niere in der Nacht noch produziert hat, weiß ich nicht, ich habe nur von Dr Hakemi gehört, daß es nach der Drainage insgesamt über 6 Liter gewesen sein sollen. Da muss wohl doch ein erheblicher Stau in der Niere und dem Harnleiter gewesen sein.
Die Schmerzen beim normalen Pinkeln waren noch immer vorhanden und auch die Urinmenge war weiterhin sehr gering.


Sonntag, der 26.10.03

Dr. Hakemi war ganz begeistert, daß die Niere wieder so gut arbeiten würde, was ja auch bedeutet, daß sie anscheinend nicht geschädigt ist, für mich ganz, ganz wichtig.

Er gab mir eine „Dokumentierte Patientenaufklärung“ als Basisinformation zum Aufklärungsgespräch, in welcher all das aufgeführt ist, was passieren kann und welche Möglichkeiten vorhanden sind, trotz einer fehlenden Blase noch ein einigermaßen würdiges Leben zu führen. Wir werden sehen..... ( Anm.: Von Inkontinenz stand da nichts drin )

Ich habe mich heute morgen gewogen und festgestellt, daß ich seit Donnerstag 2 kg zugenommen habe. 114 kg. Ich esse einfach viel zu viel, dazu die Langeweile und die fehlende Bewegung. Ich habe mir vorgenommen, ab sofort nur noch die Hälfte zu essen.

Als ich Pfleger Ralf am Nachmittag von dem Erfolg seiner Schlaftabletten berichtete, sagte er, ähnliches hätte er sich schon gedacht. Er hätte dem Arzt vorgeschlagen, mir 50 mg zu geben, bei meinem Körperbau wäre das vielleicht ausreichend. Das wäre aber vom Arzt abgelehnt worden.

Am Nachmittag hatte ich das erste Mal seit Mittwoch wieder Stuhlgang. Nicht viel, aber der Mensch freut sich. Ich konnte jetzt etwas mehr Urin ausscheiden und die Schmerzen dabei wurden geringfügig weniger.

Zum Abendessen ( gegen 17:00 Uhr ) habe ich 3 Scheiben Brot, ein Kraftsüppchen und eine Banane gegessen. Den Rest der bestellten Mahlzeit habe ich schamhaft unter dem Teller versteckt und das Tablett sofort ganz unten in den Abräumwagen verstaut.

Pfleger Ralf sagte mir, daß morgen ein Patient käme, welcher eine Neoblase hätte. Eventuell sollte ich mich einmal mit diesem über seine Erfahrungen unterhalten.
Habe heute seit 09:00 Uhr bis jetzt, 21:30 Uhr, über die Drainage 2 Liter Urin ausgeschieden. Aber der letzte Urin ist doch recht rot, hoffentlich ist die Niere nicht doch kaputt.....

Heute Nacht hat sich der Nierenschlauch gelöst und die ganze Suppe ist ins Bett geflossen.
War recht unangenehm, wurde von der Nachtschwester aber schnell behoben.


Morgen mehr.....

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Beitrag #9 von Tanita » 18 Aug 2005 10:33


Hallo zusammen

Ihr werdet mich kaum kennen, weil ich eher stilles Rehlein und Mitleserin bin.

Eckhards Bericht ist meines Erachtens sehr interessant und finde es super toll dass er so offen über seine Krankheit redet bzw. schreibt. Ich bewundere genau diese Art weil ich selber mit meiner Inkontinenz hadere und hätte sehr sehr gerne gelesen wie es ihm weiters ergangen ist. Denke viele andere User hier hätten sein Tagebuch weiters gerne verfolgt, würd vielleicht anderen Betroffenen mit derselben Krankheit sogar helfen.

Im Allgemeinen lese ich Eckhards Beiträge immer sehr gerne weil sie der etwas anderen Art sind, er nicht der Ja-Sager-Typ zu sein scheint.

Als Normaluser kann ich im internen Bereich nicht lesen.

Ich weiss nicht was hier abgeht aber ich find es schade.

Entschuldigt dass ich hier mich einmische aber das musste ich loswerden :aerger:

Liebe und traurige Grüsse
Eure Tanja
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Beitrag #10 von eckhard11 » 18 Aug 2005 11:35


Hallo Tanita,

nachdem sich meine erste Wut über einige unerfreuliche Vorkommnisse im Vorstandsbereich gelegt hat, bin ich wieder ansprechbar.
Meine gestrige Reaktion hinsichtlich meiner Postings hier in diesem Forum war etwas übertrieben, denn ich wollte ja nicht als Mitglied dieser Gemeinschaft aussteigen.
Schliesslich haben die User und "stillen Mitleser", wie Du sagst, ja nichts mit diesem Krach zu tun und sollen daher auch nicht darunter leiden ( sondern nur unter meinem Bericht, hi, hi )

Damit auch Du jetzt wieder richtig leiden kannst, hier die nächsten Tage :
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Montag, der 27.10.03

Wegen des gelösten Schlauches konnte ich nicht mehr richtig einschlafen.
Außerdem taten mir heute wieder die Hüfte und die Beine weh, da mir die Matratze einfach zu hart war. Ich bat um eine Auflage, welche mir auch sofort gebracht wurde. Jetzt war das Liegen viel angenehmer.

Bin daher um 06:30 aufgestanden, habe die Morgentoilette durchgeführt und mir dann aus meinem mit dem Abendbrot gelieferten „Spätschmankerl“ und dem Mitbringsel meiner Frau erst einmal eine vernünftige Scheibe Brot vorgefrühstückt.
Danach habe ich mir eine RothHändle reingezogen, das Laptop angemacht und den Bericht weitergeschrieben.
Jetzt momentan bin ich allerdings müde wie ein Hund und lege mich noch etwas hin.....

Mein Gott: Ich sitze gerade gemütlich bei meinem - zweiten - Frühstück, da fliegt um 07:50 Uhr die Tür auf und die Visite kommte herein, vornweg der Chefarzt Dr. Hahn, welcher heute den ersten Tag nach seinem Urlaub wieder in der Klinik ist. Braungebrannt, gutaussehend, wallende Mähne, ein richtiger Adonis. Aber insgesamt sehr sympatisch und ansprechend.
„Sabbel sabbel, quakquakquak. Sie sind ja wegen eines unangenehmen Befundes hier. Wir werden uns heute über die weitere Vorgehensweise unterhalten müssen.“ Weg war er wieder......

Jetzt hole ich mir noch ´ne Tasse Kaffee ( sofern noch da ) und zieh mir erst mal ´ne RothHändle rein.
Im „Rauchersalon“ treffe ich besagten - frierenden - Patienten, Herrn Peddinghaus, mit seiner - ebenfalls frierenden - Gemahlin. Er erklärte mir, daß er - bisher - mit der Neoblase zufrieden wäre. Er hat diese im Frühjahr erhalten.

Gott sei Dank hätte er keine Metastasenbildung gehabt. Dr. Hahn hätte ihm gesagt, es wäre bei ihm nicht „fünf vor zwölf“, sondern „zwei vor zwölf“. Er wolle erst einmal einen „Schnellschnitt“ machen, um zu sehen, ob noch andere Organe befallen wären. Das wäre bei ihm aber nicht der Fall gewesen.... Sonst hätte Dr. Hahn ihn gar nicht weiter operiert.

Anfangs wäre es etwas schwierig gewesen, das Wasser zu halten bzw. zu bemerken, wenn die Blase entleert werden müßte. Vor allem dann, wenn man aus dem Bett steigen würde, käme es anfangs immer zu einer unwillkürlichen Blasenentleerung, daher würde er grundsätzlich eine entsprechende Windel tragen, aber mit der Zeit bekäme man ein Gefühl dafür, da sich ein bestimmter Druck im Unterleib bemerkbar machen würde. Auch würde er mindestens zweimal in der Nacht zum pinkeln aufstehen. Daran müßte man sich einfach gewöhnen.
Außerdem gäbe es bestimmte Übungen zur Stärkung der Unterleibsmuskulatur, welche außerordentlich hilfreich beim Entleeren der Neoblase wären.

13 Tage gäbe es nix zu essen, 3 Tage vor der OP nicht, da der Darm gänzlich geleert sein müsse, nach der OP 10 Tage lang nicht, damit der Darm in Ruhe heilen könne. Ernährt würde man intravenös über einen Schlauch. Trinken könne man soviel wie man wolle, da die Nieren beide punktiert wären und die Flüssigkeit erst gar nicht in die neue Blase eintreten könne. Insgesamt kämen 8 Schläuche aus dem Körper. Das heißt, ich sehe nach der OP aus wie ein Igel....

So, jetzt heißt es warten auf das Gespräch mit dem Chefarzt Dr. Hahn....
Von 08:45 Uhr bis 13:15 Uhr hat die rechte Niere über den Schlauch übrigens 1.050 cm³ ausgeschieden, jetzt wieder bernsteinfarben.

Bei der normalen Blasenentleerung des Urines der linken Niere ist es immer noch sehr wenig Urin und es schmerzt auch noch immer. Aber es ist etwas besser geworden.
Ich kann mir nicht helfen, aber es kommt mir so vor, als wenn die geschädigte rechte Niere jetzt mit aller Macht aufholen wolle und dadurch die linke gesunde Niere viel weniger tut als vorher.

Ansonsten kann ich mir den doch enormen Unterschied der Urinmenge ( sicherlich ein Verhältnis von 8 : 1 ) in keiner Weise erklären.

Um 16:00 Uhr soll ich beim Chefarzt sein.
Während der ganzen Zeit hatte ich keinen Bammel vor der Krankheit, hatte die ganze Sache erfolgreich verdrängt, ( ich bin in solcher Hinsicht recht realistisch und pragmatisch ), aber als ich auf Dr. Hahn warte, habe ich das erste Mal gehörigen Schiß vor der Diagnose bzw. dem Ergebnis des patologischen Befundes. In diesem Moment habe ich mich doch recht stark bemitleidet.....

Nach einer kurzen Wartezeit werde ich hineingebeten und nehme in einem der schwarzen Ledersessel Platz. Dr. Hahn fragt mich zuerst nach meinen Lebensumständen, da er „gern über die Leute, welche er operiert, näheren Bescheid wüßte.“ Da geht es mir schon viel besser, denn jemanden, der Metastasen hat, operiert Dr. Hahn nicht.

Da auch ich mich - durch Erkundigungen bei dem Krankenhauspersonal - vorbereitet habe, weiß ich, daß Dr. Hahn passionierter Jäger ist.
Selbstverständlich lenke ich das Gespräch in diese Richtung und so sabbeln wir eine Viertelstunde über dieses und jenes. Meine Erwähnung meines Bekannten Prof. Engelmann in Köln erzeugt Eindruck, die weitere Erwähnung von meinem Freund Prof. Gall ebenfalls. Ich kann regelrecht sehen, wie ich die Leiter der Achtung emporsteige.....

Dann endlich der erlösende Satz:
„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Metastasen, Herr Petersmann.“
Der Pathologe hat keinerlei Anzeichen dafür gefunden.
Mann, was bin ich froh.
Aus dem momentanen Glücksgefühl heraus biete ich Dr. Hahn einen Deal an. Er soll mich erfolgreich operieren und ich werde dafür das sogenannte „Raucherzimmer“ renovieren und komplett einrichten lassen.

Zu meiner Überraschung ist Dr. Hahn - als überzeugter Nichtraucher - sofort einverstanden, trotzdem muß er die Zustimmung der Krankenhausverwaltung einholen. ( Ein Chefarzt ist auch nicht mehr das, was er früher einmal war, nämlich der Alleinherrscher in seinem Bereich..... )
Wir einigen uns darauf, daß ich am Freitagmorgen, dem 07.11.03, wiederkommen werde und dann am Montag, dem 10.11.03 operiert werde.
Dr. Hahn bietet mir an, bereits heute das Krankenhaus zu verlassen, aber ich will doch lieber erst am Dienstag gehen.

Diestag, der 28.10.03

Heute morgen habe ich das Krankenhaus verlassen. Zuerst bin ich in die Firma, um die - geringfügig - aufgelaufenen Unstimmigkeiten abzuarbeiten, dann kümmere ich mich um den Kauf von 2 Stück Radiatoren sowie die Bestuhlung für das Raucherzimmer.
Nachdem dies erledigt ist, fahre ich nach Hause zu meinem geliebten Eheweib.

Mittwoch, der 29.10.03

Der Schlauch hat sich wiederum gelöst. Ich natürlich sofort auf die Station zur Reparatur. Liegt ja am Wege in die Firma, fahre ich ja eh´ täglich dran vorbei.

Morgen weiter.....

Ich leg mich jetzt wieder hin .sleep:
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 30 Dez 2005 11:55, insgesamt 1-mal geändert.
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