Auseinandersetzung mit einer verdammten Krankheit

Hier geht es um Probleme mit der Prostata und eine daraus entstandene Inkontinenz.

Moderatoren: Marco N., Georges

Beitrag #11 von eckhard11 » 19 Aug 2005 12:20


Donnerstag, den 30.10.03 bis Mittwoch, den 05.11.03

Die Niere arbeitet wie verrückt, die Menge des ausgeschiedenen Urines dieser einen Niere liegt täglich zwischen 3 und 4 Liter. Um zu verhindern, daß der Beutel zu voll wird und ein Rückstau in die Niere steigen kann, ( was sehr unangenehme Kolliken zur Folge haben soll ), habe ich mir einen zweiten Wecker gestellt, welcher mich um 02:30 Uhr weckt, damit ich den Beutel leeren kann. In diesen passen nämlich nur ca. 1,50 Liter, die mache ich nachts locker.
Samstag hat sich wieder der Schlauch gelöst.
Die Krankenschwester hat mir angeboten, einen sogenannten „Beinbeutel“ anzubringen, was ich aber ablehne, da ich mich mittlerweile an den größeren Hüftbeutel gewöhnt habe und in den Beinbeutel nur 500 cm³ passen.

Montag war ich wieder auf der Station, um den Schlauch neu legen zu lassen.
Pfleger Ralf überredete mich doch zur Nutzung eines Beinbeutels. Dieser ist ganz eindeutig viel besser zu tragen, hat aber den Nachteil der viel kleineren Aufnahmekapazität und auch, daß er abends beim Zubettgehen gegen den Hüftbeutel ausgetauscht werden muß. Der Hüftbeutel wird dann während des Schlafes an den Bettrahmen gehängt.
Ich lasse mir natürlich eine größeren Hüftbeutel mit 2 Liter Fassungsvermögen geben, damit ich nachts nicht mehr aufstehen muß.
Aber die Sache hat einen gravierenden Nachteil: Die Kupplung des Schlauches ist so weit auf meiner Seite, daß ich Schwierigkeiten habe, den einen Schlauch abzuziehen und den anderen Schlauch aufzustecken. Da der Urin während dieses Prozesses weiterläuft, ist beim Beutelwechsel jedesmal der Verband durchnässt.
Außerdem löse ich die Befestigung des aus der Niere herausstehenden Schlauches immer wieder dadurch, daß ich nicht richtig an die Kupplung reichen kann.
Mein Bauch ist mir ganz einfach im Weg.

Am Dienstag räumen wir zuhause die Küche aus, da am Donnerstag die neue Küche montiert wird und vorher der Küchenraum gestrichen werden soll. Ich trage die Verantwortung, denn ich gebe die Anweisungen und verweigere alle körperlichen Tätigkeiten mit dem Hinweis auf meine Nierenpunktion.
Diese Hinweise haben erstaunliche Erfolge: Ich brauche nix anzufassen.....

Am Mittwochmorgen bemerke ich, daß sich der Schlauch gelöst hat. Es kann zwar nicht lange gewährt haben, da ich um 05:15 Uhr noch auf der Toilette war, aber es reichte, um die Matratze gut anzunässen. Damit muß man bei einer solchen Krankheit rechnen.

Matratze aus dem Rahmen nehmen, Bezug runter, Matratze quer vor´s Bett stellen, Ventilator auf Stufe 3 und den ganzen Tag blasen lassen, dann ist alles wieder trocken. Immer noch besser als auf einem Gummituch schlafen und sich dann eventuell stundenlang in seinem eigenen Urin wälzen.
( Anm.: Damals hatte ich ja noch keine Ahnung von Betteinlagen oder ähnlichem )

Mag sein, daß Urin ein ganz besonderer Saft ist ( lt. Carmen Thomas ) oder eine Eigenurinbehandlung für manche Sachen gut sein soll, ( auch lt Carmen Thomas ), aber so, wie beschrieben, ist es mir lieber.
Ich habe den Beinbeutel umgeschnallt und die Schläuche mühsam miteinander verbunden.
Auf der Fahrt in die Firma merke ich, daß sich in dem Beutel noch gar kein Urin gesammelt hat.
Da dies bei meiner Urin-Produktion nach ca. 1 Stunde auf gar keinen Fall sein kann, bin ich sofort auf die Station, da ich die Befürchtung habe, beim Zusammenfügen der beiden Schlauchenden ein Stück Papier oder Gaze mit in ein Kupplungsstück gedrückt zu haben und dadurch der Abfluß des Urines unterbunden ist.

Pfleger Ralf sieht nach und sagt mir, daß ich bei meinen unbeholfenen Bemühungen den „Kükenhahn“ verdreht und daher den Durchlauf des Schlauches unterbrochen habe.
Ich sage ihm, er solle eine Verlängerung von ca. 15 cm anbringen, damit ich die Kupplung besser erreichen kann.

Pfleger Ralf verweigert den neuen Verband, da ich plötzlich Blut in dem Schlauch habe. Ich sage, daß dies von dem Zusammendrücken der Kupplung kommt, welches dann jedesmal den Schlauch in der Niere sehr stark bewegt.
Ralf will aber, daß Dr. Hahn einen Blick darauf wirft. Nach kurzer Zeit kommt er mit der Aufforderung zu einer Röntgenaufnahme zurück.
Ich werde geröntgt, Dr Hahn sieht sich die Aufnahme auf dem Bildschirm an und befindet alles für gut.

Dabei erfahre ich, daß ich erst am Samstagmorgen kommen und am Dienstag operiert werden soll, da das Bett bis Freitag belegt ist.
Dr. Hahn sagt, er habe mit der Verwaltung betreffend das Raucherzimmer gesprochen, aber bisher noch keine Entscheidung gehört. Ich sage ihm, die Sachen wären mittlerweile in meinem Büro und warteten dort auf ihre Bestimmung.
Der Röntgenologe macht mir einen neuen Verband und legt mir die gewünschte Verlängerung.
Jetzt komme ich ohne jedes Problem an diese verdammte Kupplung.

Ich fahre mit etwas Verspätung in die Firma. Morgen früh kommt die neue Küche.


Morgen weiter, damit ihr auch übers Wochenende etwas davon habt, hi,hi.
Ich leg mich jetzt hin .sleep:
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Beitrag #12 von eckhard11 » 19 Aug 2005 23:54


Hallo Leute,

wundert euch bitte nicht, wenn ihr verschiedene Beiträge, die eigentlich auch nichts mit meinem Krankenbericht zu tun hatten, nicht mehr findet :

Diesmal habe ich selbst diese Beiträge gelöscht, damit wenigstens in diesem Thema Ruhe herrscht, hi, hi.

Ich muß einfach einmal meine Freude zeigen und mich für euer Interesse an dem Bericht bedanken.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass dieses Thema, in welchem es sich ja nur um einen Krankenbericht dreht, in sieben Tagen derartig häufig aufgerufen wird ( jetzt gerade 447 mal !! )
( Davon gehen natürlich die Hälfte auf mich, weil ich mich selbst so gern lese...... :lol: :lol: )

Also nochmals vielen Dank und macht weiter so !

( Wem das Herz voll ist, dem läuft die Hose über, hi, hi. )

Jetzt leg ich mich erst einmal wieder hin .sleep:
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Beitrag #13 von nikki » 20 Aug 2005 01:53


hi Eckart,
also warum du die Berichte gelöscht hast verstehe ich nicht, aber interessant waren sie alle mal und ich habe sie gelesen obwohl ich davon absolut nicht betroffen bin.
Nun was solls
denke du wirst deine Gründe haben und irgendwann was neues einstellen,
bis dahin laß es dir gut gehen und nen schönen Gruß
Claus
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Beitrag #14 von eckhard11 » 20 Aug 2005 11:18


Hallo nikki, Du Saftnase,

ich habe nur diejenigen Beiträge gelöscht, welche sich mit der Auseinandersetzung innerhalb des Mitgliederforums befassten, nämlich sowohl meinen - dämlichen - Beitrag, als ich schrieb, ich wollte hier nicht mehr weiterschreiben,
als auch Helmuts Beitrag, als er erläuterte, dass er etwaige Auseinandersetzungen löschen würde.

Natürlich habe ich weder ein Kapitel meines Krankenberichtes noch einen Beitrag der Leser gelöscht.

Diese sind selbstverständlich alle noch vorhanden.

Genau wie ich, der sich jetzt wieder hinlegt .sleep:
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Beitrag #15 von eckhard11 » 20 Aug 2005 11:39


Donnerstag, der 06.11.03

Um 07:00 bemerke mich, daß der Schlauch wieder ab ist.
Ich sofort auf die Station. Pfleger Ralf ist da und legt mir eine neue Drainage. Diesesmal umwickelt er diese verfluchte Anschlußstelle mit festem Pflaster, um einen zusätzlichen Halt zu bekommen.
Um ca. 09:00 kommt der Küchenmonteur.
Bei der Menge wird der heute niemals fertig, obwohl ihm meine Mitarbeiter tragen helfen und sich auch sonst hinsichtlich der Montage nützlich machen

Freitag, der 07.11.03

Die Küche ist um ca. 18:00 Uhr fertig montiert.
Mein geliebtes Eheweib hat mich um 17:15 Uhr noch zum Friseur geschickt, damit ich auch vernünftig aussehe, wenn ich morgen ins Krankenhaus gehe. Immerhin würde ich ja ca. 4 Wochen keinen Friseur mehr besuchen können, sagt sie.

Heute abend war der Schlauch wieder raus. Wegen des Pflasters war es recht mühsam, die beiden Enden wieder zusammen zu fügen. Ich mußte erst das Pflaster in der Länge offenschneiden, um es überhaupt von dem Kükenhahn runter zu bekommen. War ein recht mühsames Unterfangen, hat aber dann doch geklappt.
Dann habe ich mir den Schlauch mit dem Krankenhauspflaster, welches mit Pfleger Ralf mitgegeben hat, auf der Hüfte fixiert. Die Nacht über hatte ich keine Probleme.


Samstag, der 08.11.03

Um 08:00 Uhr bin ich erst in die Firma gefahren, um das Laptop und die anderen Sachen zu holen, welche ich mitnehmen wollte. Pedersen kam so gegen 10:00 Uhr, um mich hinzubringen und den Wagen wieder mitzunehmen.

Nachdem Laptop etc.angeschlossen war, ist Pedersen nach Hause gefahren.
Ich habe eine Bohnensuppe erhalten, da der Pfleger Domröse meinte, dies sei heute das Beste.

Pfleger Domröse erklärte mir auch recht genau, wie die nächsten Tage ablaufen werden:
Heute nachmittag bekäme ich noch 2 Scheiben Brot, heute abend einen Einlauf.
Morgen müsse ich über den Tag hinweg ca. 4 Liter eines Abführmittels trinken, welches mich sicherlich den ganzen Tag in der Nähe der Toilette halten würde.

Übermorgen, also am Montag, noch einmal dieselbe Prozedur, damit ich richtig und komplett entleert sei. Dies sein - verständlicherweise - sehr wichtig wegen der Darmoperation zur Verhinderung einer Infektion. Der Stuhlgang müsse sein wie Wasser usw. usw.

Gegen 16:00 Uhr kommt Tanja, meine Tochter. Sie findet mich im „Rauchsalon“, für dessen Renovierung ich noch immer keine Freigabe durch die Krankenhausverwaltung habe.
Um 17:15 Uhr erhalte ich meine beiden Scheiben Brot mit etwas Aufschnitt, aber Diät-Margarine.

Ich fordere Butter und bekomme diese auch.

Wenn ich richtig verstanden habe, sind diese Brotscheiben für ca. 2 Wochen die letzte feste Nahrung, die ich erhalte.
Trotzdem haben sie nicht anders oder besser geschmeckt als jede andere Brotscheibe auch.

Gegen 18:30 Uhr kommt eine Schwester und macht den Einlauf.
Äußerst unangenehm, zumal die Schwester recht jung und drall ist.
Sie sagt, ich solle versuchen, das Mittel ca. 10 Minuten im Darm zu belassen.
Geht nicht, sage ich, ich muß schon jetzt kacken......

Dauerte ca eine 5-Minutensitzung, dann war der Effekt des Einlaufes verflogen, besser gesagt ausgedödelt. Da habe ich normal schon größere Haufen geschissen......
Jetzt ist es 19:54 Uhr und ich rauche mir erst mal eine Zigarette.

Sonntag, der 09.11.03

Die Nacht verläuft ereignislos. Ich wache nur einmal kurz auf, als Nachtschwester Erika den Urinbeutel leert.
Um 07.30 Uhr kommt Pfleger Domröse, um Blutdruck und Temperatur zu messen. 120 zu 80 und 36,4° C, besser kann es gar nicht sein.

Meine Freude darüber trübt er sofort mit dem Hinweis, daß ich ab sofort nichts mehr zu essen bekomme, dafür aber reichlich zu trinken. Nämlich Abführmittel. Ich soll heute möglichst 6 Liter davon zu mir nehmen, weil diese Menge eine erheblich bessere Wirkung bringen würde als z.B. nur 4 Liter.
Und wenn möglich, die Menge, aufgeteilt in 3 x 2 Liter, jedermal sehr schnell, weil dann die Flüssigkeit direkt in den Darm gehen und nicht erst vom Körper anderweitig aufgenommen würde.

Kurz darauf kommt er mit eine großen Kaffeekanne voller Mittel, aufgelöst in Wasser.
Ich trinke die ersten beiden Gläser, aber der Geschmack sagt mir gar nicht zu. Die Plürre schmeckt nach Soda und irgendwie taub. Wie vergorene Pferdepisse. Ich hole mir eine Tasse Kaffee und trinke immer nach jedem Glas einen Schluck daraus. Jetzt geht es schon viel besser. Es schmeckt nur noch wie Pferdepisse....

Nach einem Liter mache ich eine Pause und rauche mir erst einmal eine Zigarette.
Dann hole ich mir eine 2.Tasse Kaffee. Schwester Daniela fragt mich, ob ich nicht das Mittel in Apfelsaft aufgelöst haben möchte. Sie gibt mir einen Beutel Apfelsaft mit und ich verdünne den noch vorhandenen Liter immer mit Apfelsaft, ungefähr 40 : 60. Schmeckt zwar noch immer nicht, geht aber viel besser als nur mit dem Wasser. Allerdings nehme ich dadurch auch erheblich mehr Flüssigkeit auf. Den Kaffee trinke ich nach jedem Glas sozusagen als Abrundung.

Um 08:30 Uhr sind die 2 Liter weg. Zusammen mit dem Apfelsaft und dem Kaffee habe ich jetzt sicherlich 3 Liter Flüssigkeit im Magen. Mehr passt auch nicht mehr rein. Mein Bauch ist prall.....

Um 10:00 Uhr kommt Oberarzt Dr. Gertenbach zur Visite. Er erläutert mir noch einmal, was am Dienstag gemacht werden soll.
Aus dem Stück Dünndarm, dort, wo er in den Dickdarm mündet, etwa 50 - 60 cm lang, wird eine neue Blase „geformt“. Die (Blut-) Versorgungsstränge und Nervenstränge würden selbstverständlich erhalten bleiben, da der umgeformte Dünndarm ja weiterhin versorgt sein müsse. Ich solle mir nicht vorstellen, daß es so wäre, als würde man den Dünndarm wie ein Stück Rohr herausschneiden, sondern der Dünndarm würde nur entsprechend abgetrennt und zur Seite gelegt.

Dann würden die beiden Darmenden wieder miteinander vernäht. Das Stück Dünndarm würde aufgeschnittet „wie eine Fleischwurst“ und daraus würde dann die neue Blase geformt.
Es wäre eine große Operation von ca. 5 - 6 Stunden Dauer. Dann käme ich wohl für einen Tag auf Intensiv und danach bis Freitagmittag auf die Wachstation und dann wieder in mein Zimmer.

Nicht, das ich denken solle, sie wollten etwas anderes machen, aber während der Operation könnte es zu Komplikationen kommen, welche eine weitere Operation erforderlich machen könnte.
Dafür solle ich ihm die Genehmigung unterschreiben. Tat ich dann auch...

Nach einer kurzen Sitzung werde ich jetzt ein wenig lesen. Mary Higgins Clark´s : Nimm Dich in acht ( You belong to me ). Nicht schlecht, ich habe schon wesentlich schlechtere Thriller gelesen.
Zwischendurch schaue ich immer mal wieder ins E-Mail, aber kein Mensch schreibt mir. Immer nur dieselben verdammten Reklamen für Potenzpillen, Penisverlängerungen ( bis 3 1/2“ !!! ) usw.

Um 16:15 Uhr erhalte ich den nächsten Liter. Innerhalb von 5 min. trinke ich aus, immer mit einem Schluck Kaffee hinterher. Das Getränk ist zwar nicht süffig, aber man gewöhnt sich dran.

Um 16:30 Uhr kommt Ulrike. Unser Gespräch wird von zwischenzeitlichen Sitzungen unterbrochen. Da kann man nicht gegen ankämpfen, das Gesöff ist stärker.

Kurz nachdem Ulrike gegangen ist, ruft Schwager Leonhard an. Er dachte, ich sei bereits operiert worden, und wollte sich erkundigen.
Der BVB hat 4 : 1 gegen Bayern verloren, schade. Schalke hat 3 : 1 gegen Leverkusen verloren, gut, gut.

Jetzt gehe ich in den Rauchsalon und zieh mir eine RothHändle rein.

Aber vorher gehe ich noch einmal zur Toilette, ich habe ein so merkwürdiges Gefühl in der betreffenden Gegend.....
Das Gefühl hat nicht getrogen. Der Ausschuß wird immer heller. Morgen werde ich nochmals 3-4 Liter schlucken.
Spät abends rauche ich mit Nachtschwester Erika noch eine Zigarette, dann ab in die Kiste...


Und genau darein lege ich mich jetzt wieder, .sleep:
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Beitrag #16 von Matti » 20 Aug 2005 19:08


Hallo,


ich hätte jedem der sich so eine Mühe macht meinen Dank Ausgesprochen. Das es sich nun einmal gerade um Eckhard handelt, der diese wirklich tollen Berichte hier Veröffentlichst ist um so Schöner.

Diese Beiträge gehören meiner Meinung nach genau an diese Stelle - Öffentlich, für jeden Interessierten direkt, weil Themenspezifisch auf die Forenrubrik abgestimmt, Abrufbar.

Mach weiter so.

Toll wäre es natürlich, wenn dies Schule machen würde und auch andere ähnliche Erlebnisse Erzählen würden.
Es kann sich ja auch um alltägliches Handeln z.B. Arztbesuch usw.


Gruß

Matti
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Beitrag #17 von eckhard11 » 21 Aug 2005 12:22


Montag, der 10.11.03

Morgens sofort wieder eine Blutabnahme, die Dritte, seit ich in Behandlung bin.
Danach Fieber und Blutdruck messen. 36,2°C und 120 : 80. Besser geht nicht.....

Danach den nächsten Liter trinken. Die Visite ist schnell vorüber. Dr. Hahn sagt, die Verwaltung hätte grünes Licht für das Raucherzimmer gegeben. Ich erwähne meinen Leistenbruch, den sich Dr. Hahn ansehen und eventuell sofort mit reparieren will.
Danach gehe ich duschen und dann wird der Verband gewechselt.

Ich werde gefragt, ob ich einverstanden sei, wenn mein Bett in den nächsten Tagen anderweitig belegt würde. Dies würde aber bedeuten, daß alle meine Sachen entfernt und irgendwo verschlossen würden.
Zuerst bin ich nicht einverstanden. Aber dann überlege ich mir, daß es ja letztlich nichts bringt, da ich mich eh` für 3-4 Tage nicht in dem Zimmer aufhalten werde. Und die Station braucht Umsatz.

Ich gehe also hin und erkläre mich einverstanden, wenn mir zugesichert wird, daß ich nach dem Wachraum auch sofort wieder mein Zimmer bekomme und nicht einen Tag länger auf der Wachstation liege, nur weil das Zimmer nicht frei geworden ist. Die Zusicherung will mir Pfleger Ralf nicht geben, also warte ich auf die Visite..... Mir wird gesagt, daß ich eh´ nur bis Freitag im Wachraum bleibe, da ab Freitagmittag der Wachraum immer übers Wochenende geschlossen ist.

Ich spreche wegen des Raucherzimmers mit der Verwaltung, einem Herrn Stöcker. Dieser will mir sofort Vorschläge machen, wie das Krankenhaus sich die Sache vorstellt. Gemach, Gevatter, gemach, sage ich. Ich habe meine eigenen Vorstellungen. Ja, ja, sagt er, er wolle nur nicht, daß ich mich damit belaste.

Er will dafür sorgen, daß sich die Werkstatt mit mir in Verbindung setzt. Aber heute noch, sage ich, morgen werde ich operiert, dann kann ich nicht mehr gefragt werden......
Stephan und Torsten, meine Mitarbeiter, welche die Sache durchführen werden, sind gekommen und nehmen das Raucherzimmer in Augenschein, um das Material etc. abzuschätzen und zu besorgen. Dann ziehen die beiden los.

Ich gehe zum Röntgen der Harnröhre. Alles bestens in Ordnung, sagt Dr. Hacemi.
Danach wird ein Ruhe - EKG gemacht.
Den nächsten Liter habe ich bereits schon intus. Die Erfolge sind aber doch recht gering. Es baut sich gar kein Druck auf.
Gerade bringt man mir das Formular für die Narkose. Das werde ich jetzt erst einmal ausfüllen.

Es geht die Tür auf und zwei Leute von der Verwaltung kommen ins Zimmer. Ich bitte darum, draußen zu warten. Einer heißt Uscoreit oder ähnlich und ist mir - auf der Stelle - unsympatisch.
Kleiner, arroganter Pinsel, ganz sicher ein Bodybuilder, gelackt angezogen. Es ist merklich, daß die Abneigung sofort und augenblicklich beiderseitig ist.
Wir gehen in das Raucherzimmer, wo ich darlegen will, was gemacht werden soll. Als der Herr Uscoreit hört, daß ich einen Radiator bzw. deren zwei einstellen will, ist er sofort dagegen.
„Die laufen dann Tag und Nacht, das geht überhaupt nicht“
„Wie wollen Sie denn sonst Wärme hier reinbringen?“ frage ich.
„Gar nicht. Die werden dann nie ausgestellt und hier drüber ist auch noch die Kinderstation“
( Was die Kinderstation damit zu tun hat, entzieht sich allerdings meinem Verständnis )

„Aber wenn hier keine Wärme reingebracht wird, ist unser Gespräch doch überflüssig“, sage ich, „es geht doch nicht nur um Farbe, neue Stühle und Tische, sondern vor allem um Wärme.“
Ich versuche, ihm klarzumachen, daß die Raucher süchtig sind und sich auf jeden Fall in dieses Zimmer setzen würden, egal, wie kalt es ist. Dies wäre am Besten daran zu erkennen, daß die Raucher immer die Ersten sind, welche nach einer Operation auf den Beinen wären, nur um sich eine zu torfen.

Das interessierte den Mann aber nicht.
Er wolle keinen Präzedenzfall schaffen. Sonst kämen alle Stationen und wollten ebenfalls ein Raucherzimmer. ( Was für ein Schwachsinn, denn dieses Raucherzimmer ist ja eh´ vorhanden.... )
Ich erwähnte die Leute, die immer vor dem Haupteingang sitzen müßten, um sich eine Zigarette zu rauchen.

„Ja, dann müßte eben für´s ganze Krankenhaus ein Raucherzimmer im Hauptgebäude eingerichtet werden“ sagt er, um gleich darauf selber zu bemerken, welchen Unsinn er da redete, da er sofort fortfährt: „Aber was sollen dann die Bettlägigen dazu sagen?“ ( Ebenfalls Schwachsinn, da diese bettlägigen Patienten ja auch nicht das - vorhandene - Raucherzimmer auf der Station aufsuchen können.... )

Der Mann will einfach nicht. Was natürlich auch mit der herzlichen gegenseitigen Antipathie zu tun hat.

Nachdem wir uns in eine gewisse Erregung geredet haben, wobei ich ihm bzw. der Klinikleitung meine Meinung über die menschenverachtende Situation vor dem Haupteingang vorwerfe, vor welchem die Raucher bei Wind und Wetter und ungeschützt ihrer Sucht nachgehen müssen, da die Klinikleitung auf einem absoluten Rauchverbot beharren würde, sagt mir dieser Mensch doch tatsächlich ( ich zitiere ) : „Unser Krankenhaus muß ja nicht aufgesucht werden von Leuten, die rauchen. Es steht ja jedem frei, in ein anderes Krankenhaus zu gehen.“

„Wie bitte,“ frage ich, „soll das heißen, daß dieses Krankenhaus genausogut auf die 50% Patienten, welche rauchen, verzichten kann ? Die hätten ja ein anderes Krankenhaus aufsuchen können ? Meinen Sie das tatsächlich im Ernst ?“

Er bemerkt, daß er da wohl doch etwas gesagt hat, was ihn in Schwierigkeiten bringen kann und versucht sofort, abzuschwächen : „So habe ich das nicht gemeint. Ich wollte sagen, daß niemand ins Krankenhaus kommen muß, um zu rauchen.“ ( Man muß sich einmal diesen grotesk blödsinnigen Erlärungsversuch reinziehen. Als ob es irgendjemanden gäbe, der ein Krankenhaus deswegen aufsucht, um dort eine Zigarette zu rauchen. )

Letztendlich hat er wohl doch genau das gemeint, was er mit der ersten Aussage ausdrücken wollte, nämlich daß ein rauchender Kranker eigentlich in diesem Krankenhaus fehl am Platze ist und sich gefälligst von vornherein entweder ein anderes Krankenhaus sucht oder das Rauchen zumindestens für die Zeit seines Aufenthaltes aufgibt oder sich draußen in den Regen zu setzen hat, wenn er sich unbedingt eine ziehen muß.

Es war mir nicht bewußt, daß sich eine Krankenhausleitung diese Einstellung in der heutigen Zeit leisten kann.

„Sie werden sicherlich noch davon hören und lesen,“ sage ich dem Manne in etwas gehobenem Tonfall und gehe.
Sofort rufe ich den Verwaltungsvorgesetzten an, um mich zu beschweren. Mir wird gesagt, man wolle sich nach meiner morgigen Operation mit mir darüber unterhalten, da man heute leider keinerlei Zeit hätte.
Man bittet mich, vor diesem Gespräch doch nichts zu unternehmen, schon gar nicht etwas, was dem Krankenhaus schaden könne. Es hätten ja nicht alle Leute eine derartige Meinung usw. usw.
( Ich hatte nämlich mit einem Freund gedroht, welcher eine Hagener Zeitung führt und für den die Veröffentlichung derartiger Sachen immer ein innerer Parteitag sind ).

Ich sage, daß mich diese Aussage etwas verwundert, da ja wohl eindeutig diese Meinung in der Krankenhausleitung herrschen müsse, denn sonst hätte man, besonders weil das Haus in den letzten Monaten sehr großzügig umgebaut worden sei, doch längst schon derartige Räume geschaffen.
Ich rufe meine Mitarbeiter an und beende für´s erste diese Farce. Wollen mal sehen, was man mir nach der Operation mitteilt......


Wieder 2 Liter getrunken, reicht aber noch nicht, noch zu viel Sperrmüll im Ausguß.

Ulrike, Tanja, Stephan und Torsten kommen nachmittags.
Stephan und Torsten vor allem deswegen, weil sie wissen wollen, was da passiert ist und warum es nicht weitergehen soll.

Dann kommt Dr. Hahn, um sich mit mir noch einmal über die morgige Operation zu unterhalten.

Ulrike und Tanja warten noch etwas, die beiden anderen verabschieden sich.
Dann gehen auch meine beiden Muckelchen.

Ulrike ruft kurz darauf noch einmal an, um zu erfahren, was Dr. Hahn mit mir besprochen hat.
Ich erkläre es ihr, bis mich ein innerer Drang befällt.
Ich kacke bzw. entwässere meine beiden Liter und rufe noch einmal zurück.
Ullemäusken will doch getröstet werden. Mein geliebtes Eheweib leidet viel mehr als ich.

Ich suche den Pfleger Markus, weil ich noch 2 Liter Abführmittel haben will. Ich denke, es ist nicht verkehrt, soviel wie möglich zu trinken, da dann auch so viel wie möglich aus dem Darm gespült wird.

Die beiden Liter habe ich getrunken, der Erfolg gut. Ich habe mich noch eine Weile mit Pfleger Markus unterhalten, bis dieser Feierabend macht.

Dann gehe ich auf die Toilette und flirte ein letzte Mal mit Fräulein Faust. Man hatte mir ja gesagt, ab morgen wäre eine Ejakulation nicht mehr möglich.
Bedauernd sehe ich die Einwohnerzahl eines ganzen Landstriches im quirlenden Wasser des Toilettenbeckens verschwinden.
( Anm.:In diesem Moment war mir noch nicht richtig klar, dass sich nicht nur mein Leben, sondern auch mein ganzes Geschlechtsleben abrupt ändern würde. )

Mittlerweile ist es 22:10 Uhr. Ich denke, ich mache jetzt auch die Kladde zu.

Ich hoffe, diesen Bericht in einigen Tagen weiterführen zu können. Aber das liegt - leider - nicht in meiner Hand.


Morgen weiter.....

Jetzt lege ich mich erst einmal wieder hin .sleep:
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Beitrag #18 von eckhard11 » 22 Aug 2005 12:37


Dienstagnachmittag, der 11.11.03 ( Operationstag )

( Die Tage bis Samstagmittag schreibe ich aus dem Gedächtnis, da ich mich erst am Samstagmittag wieder ans Laptop setzen kann )

Um 07:30 Uhr werde ich abgeholt. Ziemlich genau um 08:00 Uhr bin ich in Narkose.

Ich bin auf der Intensivstation aufgewacht. Es ist ca. 14:30 Uhr, wie ich sehr verschwommen auf einer Wanduhr erkennen kann.
Ich bemerke, daß Ulrike und Tanja neben mir stehen. Erst halte ich die beiden wegen der weißen Kittel für Ärzte. Ich habe kaum Schmerzen, nehme die Hände von beiden in mein Hände, um Kraft zu tanken, dann sacke ich wieder weg. Hinterher sagen beide, ich hätte richtig gut ausgesehen. ( Sollen die auch mal was anderes sagen.... )

Es wird die schlimmste Nacht meines Lebens. Nicht wegen Schmerzen, sondern weil nur 2 m neben mir eine ältere Dame liegt, die alle 5 Sekunden schreit. Nicht Schreie im eigentlichen Sinn, sondern kurze Sätze wie : „Karl, wo bist du“ oder : „Mein Gott, hol mich ab“ und ähnliches. Ich glaube auch nicht, daß die vor Schmerzen schreit, sondern im Schlaf. Als ich sie mal anblaffe: „Jetzt halt endlich einmal das Maul“, dann schreit sie alle 5 Sekunden: „Ich halte jetzt das Maul“.....

Ich bin am Morgen fix und fertig, da ich keine Sekunde geschlafen habe. Dazu kommen noch die Nachwirkungen der doch sehr schweren Operation und der Narkose.
Ich verstehe allerdings nicht, warum man sich nicht in der Lage sah, entweder die Dame oder mich um einige Meter zu verlegen. Dann wäre es - vielleicht - etwas besser auszuhalten gewesen.
Als ich einen Arzt darum bitte, wird der regelrecht pampig, schnauzt mich an und faselt etwas von "gegenseitiger Rücksichtnahme". Wenn ich hätte lachen können, dann hätte ich gelacht.....
Genauso pampig ist daher meine Antwort. So könne er mit seiner Frau reden oder seinem Vater, aber nicht mit mir.
Ich werde trotzdem nicht verlegt.....
( Es war furchtbar !! Ich bin wahrlich belastbar, aber diese Nacht war furchtbar. )

So leide ich noch heute ( Anm.: Nicht vergessen, ich habe den Bericht erst am Samstagvormittag weitergeschrieben. So lange habe ich nicht mehr richtig schlafen können ! ) des Nachts unter den Folgen dieses Geschreies, sodass ich auch im Wachraum, in welchen ich am Mittwoch verlegt werde, tagsüber wegen der Übermüdung nur etwas eindusele und dann nachts wachliege.


Mittwoch, der 12.11.03, bis Freitag, den 14.11.03, ( 1. Tag bis 3. Tag nach der Operation ) )

Im Wachraum ist es fürchterlich langweilig.
Tagsüber dusele ich vor mich in, aber nachts liege ich fast ausschließlich wach. Besuche sind im Wachraum absolut untersagt.

Aufgrund der Operationsart muß ich permanent auf dem Rücken liegen. Ich werde zwar zum Waschen oder Abführen ab und zu mal hin und her gedreht, aber 98 % der Zeit liege ich bewegungslos auf dem Rücken.
Die einzigen Schmerzen, welche ich habe, kommen vom Abhusten meines Raucherschleimes. Diese Schmerzen sind schon enorm. Wenn ich merke, daß ich husten muß, hänge ich mich immer an die Stange, welche über dem Bett angebracht ist, und ziehe mich etwas hoch. Das hilft ein wenig, weil der Körper dann nicht so durchgeschüttelt wird. Die Wunde selbst schmerzt überhaupt nicht.

n der Nacht von Donnerstag auf Freitag riskiere ich es einfach und drehe mich auf die linke Seite, soweit es die 8 Stück Schläuche, welche in meinem Körper stecken, zulassen.

Sofort alamiert der Überwachungsmonitor. Der Pfleger kommt und fordert mich auf, mich wieder in die Rückenlage zu begeben. Ich weigere mich und fordere ihn wiederum auf, einen Schlauch, der etwas kurz ist und dadurch die kompletten Seitenlage verhindert, zu verlängern.
Das Ende vom Lied ist, daß er problemlos den Schlauch verlängert, ich auf der Seite liege und das erste Mal seit 60 Stunden 2 Stunden richtig schlafe. Als ich aufwache, drehe ich mich auf die andere Seite und schlafe nochmal 2 Stunden. Mann, war das schön.

Ulrike sagt den Pflegern, sie sollten mir doch ein Raucherpflaster aufkleben, damit ich wegen des Nikotinentzuges nicht noch nervöser und noch mehr geschwächt werde. Nach Rücksprache mit dem Arzt bekomme ich das Pflaster.

Freitagmittag komme ich auf mein Zimmer.

Ich fühle mich schon wie zuhause.
Mein Bruder Jochen kann mich nach 5 vergeblichen Versuchen endlich telefonisch erreichen. Egal, wie kollerig er auch sein mag, so ist er doch ein Familienmensch und sehr besorgt. Dies liegt sicherlich auch darin begründet, daß sein ältester Sohn Jörg ( mein Patensohn ) sehr schwer erst an Hodenkrebs und danach - metastasenbedingt - auch noch an Lungenkrebs erkrankt ist.

Herr Stöcker ruft mich wegen des Raucherzimmers an. Wir einigen uns erst einmal darauf, daß die Stühle und Tische aufgestellt werden.
Ulrike und Tanja kommen zu Besuch und gehen gegen 18:00 Uhr, zusammen mit meiner Sekretärin Frau Petzka, welche gegen 17:30 Uhr auftaucht und eine Kiste teurer Zigarren mitbringt.

Pfleger Domröse sagt mir zu, mich am Montag, wenn er wieder zugegen ist, zu duschen.


Samstag, der 15.11.03 ( 4. Tag nach der Operation )

Seit heute mittag schreibe ich diesen Bericht weiter, aber das Vorbeugen zum Laptop ist doch noch recht schmerzhaft.
Ansonsten kann ich mich schon viel besser bewegen. Auch das Abhusten des Schleimes ist leichter, tut aber noch immer recht weh.
Samstagmorgen wird meine Nierenfistel ( Schlauch ) abgeklemmt. Die Arbeit soll jetzt der linke Harnleiterkatheter mit übernehmen.

Damit entfällt schon einmal einer der Plastikbeutel für die Urinaufnahme. Diese Teile stören doch sehr, da ich jedesmal 6 Stück Beutel ordnen muss, wenn ich das Bett verlasse oder wieder aufsuche.
Jetzt sind es aber nur noch 5 Beutel: linker und rechter Harnleiter, Wunddrainage ( der sog. „Robinson“ ), Cystostan und Blasenkatheter.

Nachmittags bringen Pedersen und Barczakowski die Tische und Stühle. Einen Stuhl lasse ich gleich in mein Zimmer stellen, da der Swinger gegenüber dem vorhandenen Holzmostrum 10 x bequemer ist.

Danach kommt die Anästhesie und entfernt die Schmerzpumpe, natürlich nicht, ohne mich vorher zu fragen. Wieder ein Eingangsschlauch weniger. Später kommen Ulrike und Tanja.
Bevor Ulrike geht, erzählt sie mir einige unangenehme Dinge, die in der Firma passiert sind, während ich im Wachraum lag. Diese Dinge werde ich am Montag kurzfristig klären.


Morgen mehr....

Ich leg mich jetzt hin, ich muss mich ja schliesslich von der OP erholen, hi,hi .sleep:
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Beitrag #19 von eckhard11 » 23 Aug 2005 13:47


Sonntag, der 16.11.03. ( 5. Tag nach der Operation )

Um 04:00 Uhr wache ich auf, da ich einen Drang verspüre. Ich erledige den Stuhlgang mit Erfolg. Da ich mir eh´ nach jedem Stuhlgang den Hintern wasche, ( was aufgrund des Anhebens eines Beines gar nicht so einfach ist ), denke ich mir, ich kann auch sofort die Morgentoilette erledigen. Ich rasiere mich und wasche mich erst recht kalt, dann warm und dann noch einmal kalt Gesicht, Arme und Brust.

Nach dem Zähneputzen fühle ich mich wohl. Ich ziehe meinen Morgenmantel an und gehen 6 x den Flur rauf und runter, jedesmal ca. 50 m, mithin gesamt fast 300 m. ( Die Beutel habe ich an den Ständer gehängt, an welchem gemeinhin die Glukoseflaschen hängen. Den Querträger oben habe ich abgemacht und in Kniehöhe an das Rohr geklemmt. So kann ich mit allen fünf Beuteln laufen, ohne diese tragen zu müssen, da der Ständer Rollen hat )

Danach bin ich fix und foxi. Ich muß etwas ruhen, deshalb setze ich mich in den hervorragenden Sessel und schreibe diesen Bericht weiter. Aber dies ist nicht ganz einfach, da ich nicht lange vornübergebeugt sitzen kann und mich daher nach kurzer Zeit nach hinten anlehnen muß. Dann muß ich sozusagen mit „ausgestreckten“ Armen schreiben. Das geht ganz schön in die Knochen, die armen alten.....

Die Visite wird durch Dr. Hakemi durchgeführt. Der nimmt eine Skalpell, zerschneidet eine Nahtstelle und zieht den Faden. Dann zieht er den Robinson ( Wunddrainage ) raus, bevor ich überhaupt reagieren kann. Mindestens 40 cm Schlauch zieht er aus meinem Bauch heraus. Ich merke fast nichts !! „So, wieder einen Beutel weniger“ sagt er.

Ansonsten verläuft der Tage ereignislos, wenn ich von dem Besuch meiner beiden Lieben, dem Anruf meines Bruder Jochen sowie dem Auftreten der Fußball - Nationalmannschaft gegen Frankreich einmal absehe.
Abends lasse ich mit eine Schlafpille geben und wache jede Stunde regelmäßig auf.....
Was aber wichtig ist: Ich habe in diese Nacht - ohne Abführmittel - zweimal Stuhlgang.

Montag, der 17.11.03. ( 6. Tag nach der Operation )

Ich bin wie gerädert. Der fehlende Schlaf macht mir immer mehr zu schaffen und ich bin schlecht drauf. Das merken natürlich auch die Schwestern und Pfleger und es spricht sich sofort auf der Station herum, daß der Lieblingspatient schlechte Laune hat. Die Leute kommen und wollen mich aufheitern.

Das schafft aber erst Dr. Hakemi, als er anordnet, die beiden Harnleiterkatheter mit einen Y- Sück zu verbinden und nur noch durch einen Schlauch abzuleiten. Wieder eine Tüte weniger....

Kurz nach Mittag kommt Pfleger Domröse und wir gehen duschen, nachdem er die Verbände alle entfernt hat. Ich sitze weit über eine Stunde unter der Dusche und lasse das Wasser von allen Seiten über mich hinwegrieseln. Mann, ist das eine Wohltat.

Nachdem Pfleger Domröse alle Verbände wieder gelegt hat, will er mir die Stützstrümpfe anziehen. Ich verweigere dies mit dem Hinweis auf eine sehr druckempfindliche Entzündungsstelle, welche ich ca. 15 cm unterhalb des rechten Knie´s an einer Krampfader habe. „Au“, sagt er, „daß ist gar nicht gut“. Er bringt mir eine Salbe, welche ab sofort jede Stunde aufgetragen wird. Ich soll diese Entzündung unbedingt morgen während der Visite dem Dr. Hahn zeigen.

Ich rufe einen Anstreicher an, der sich zwecks Streichen das Raucherzimmer ansehen soll.
Erstaunlicherweise ist der Mann innerhalb von einer halben Stunde da. Es stellt sich heraus, daß er momentan sowieso im Krankenhaus tätig ist. Innerhalb von 10 Minuten sind wir uns einig. Er will am nächsten Tag den Raum streichen.

Nachmittags ruft noch einmal mein Bruder Jochen an. Kurz darauf meine Schwester Dörte und mein Schwager Leo. Später am Nachmittag kommte Ulrike zu Besuch. Frühabends dann noch der Anruf meines Freundes Horst Forschner.

Als Tanja dann etwas später kommt, bin ich so müde, daß ich einschlafe.
Gegen 22:00 Uhr wache ich auf und glotze etwas in die Glotze. Dann lasse ich mir eine starke Schlaftablette geben. Um 22:15 Uhr kommt Nachtschwester Erika auf mein Zimmer. Schwester Erika hatte eine Woche frei, da sie ausschließlich Nachtdienst macht, und fängt heute abend wieder damit an.

Bezüglich Schlafmittel: Ich wache regelmäßig jede Stunde auf.

Gegen 03:00 Uhr höre ich Hilferufe. Da ca. 1 min. lang keine Schwester zu hören ist, suche ich das betreffende Zimmer, dessen Tür nur angelehnt ist, auf und betrete es. Ein nasenbetäubender Gestank schlägt mir entgegen. Ein fetter Mann liegt nackt im Bett und raunzt mich an, ihm gefälligst zu helfen, aus dem Bett zu kommen, dessen Sperrbretter aber extra hochgezogen sind, um genau dies zu verhindern.
Ich sage ihm dies und verweigere meine Hilfe. Daraufhin beschimpft er mich wüst. Ich sage ihm, er solle sich seinen Mund doch mit der Scheiße auswaschen, in der er liege, drücke den Notknopf und entferne mich. In dem Moment kommt Nachtschwester Erika und kümmert sich.

Später kommt sie in mein Zimmer und sagt, es handele sich um einen ausgesprochen renitenten und vulgären Patienten, der immer mutwillig und extra ins Bett scheißen würde. Mit seiner Bauchsonde habe er auf der Urologie eigentlich nichts zu suchen, aber bei derartigen Patienten bestände unter den Stationen eine Absprache, daß solche Patienten immer von einer Station zur anderen geschoben werden, damit nicht eine einzelne arme Station so eine Drecksau über längere Zeit aushalten muß.

Um 04:00 Uhr habe ich Stuhlgang, um 05:00 Uhr und um 06:00 Uhr nochmals.
Um 07:00 Uhr ist der renitente Scheißer von der Station verschwunden.
( Anm.: Es handelte sich nicht um einen Stuhlinkontinenten !! )


Morgen weiter....

Ich leg mich jetzt - sauber und gut riechend - wieder hin .sleep:
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Beitrag #20 von eckhard11 » 24 Aug 2005 13:56


Dienstag, der 18.11.03. ( 7. Tag nach der Operation )

Um 08:00 Uhr ist Visite. Dr Hahn ist sehr zufrieden und will anordnen, daß ich bereits ab heute mittag mit festerer Kost beginnen kann. Ich interveniere, da ich noch min. 2 Tage künstlich ernährt werden will. Dabei bleibt es. Ich zeige Dr. Hahn die Entzündungen der Krampfadern. Er ist gar nicht zufrieden und ordnet das Wickeln des Beines an.

Ich kann als Getränk weder Pfefferminz - noch Kamillentee mehr ertragen. Ich bestelle Mineralwasser für den heutigen Tag.

Ich rufe in der Firma an und stelle fest, daß es, bis auf kleine Ausnahmen, recht gut läuft.
Jakubek von JHT Kovos hat angerufen und will am Wochenende kommen, um mich zu besuchen und dabei auch Geld mitzunehmen. ( Anm.: Jakubek ist einer meiner Dreher in der Slowakei und holt immer nur Bargeld. )
Ca. 13.000.-- Euro gebe ich für ihn frei.

Nachmittags kommt Pedersen und entwickelt mir die Telefon - und anderen Kabel, welche sich mittlerweile zu einem Knäuel aufgedreht haben.
Tanja ruft an und sagt, daß sie heute nicht kommen wolle, da sie unbedingt einkaufen müsse.
Danach kommt Ulrike und Forschner ruft an.

Die Visite kommt. Dr. Hahn will die Ernährung jetzt ab morgen mittag anfangen, umzustellen. Nur noch eine Glukosebombe täglich, dafür Wasser - Haferschleim. In Ordnung, wenn er unbedingt will.....

Der Anstreicher ist an der Arbeit und nach 3 Stunden ist das Raucherzimmer fertig gestrichen.
Schon sieht es ganz anders aus. Mit den neuen Möbeln sogar richtig gemütlich. Aber arschkalt.

Schwager Leo ruft an: Er hat wegen der Versuche mit Caterpillar USA gesprochen. Diese haben in Grenoble angerufen und Grenoble hat bei Leo zurückgerufen. Die Versuche waren wohl positiv.
Caterpillar will mich in Hagen aufsuchen. So in zwei Wochen. Besser in drei Wochen, sagt Leo und erläutert den Leuten, daß ich krank und in zwei Wochen sicherlich noch reskonvaleszent sei.
Eine die Gesundung sehr beschleunigende Nachricht......

Forschner und Ulrike rufen noch einmal an
Abends glotze ich etwas in die Glotze. Dann versuche ich zu schlafen, mit gleichem Mißerfolg wie in den letzten Tagen.


Mittwoch, der 19.11.03. ( 8. Tag nach der Operation )

Es ist jetzt 04:40 Uhr. Ich habe die Morgentoilette hinter mir, sozusagen in beiden Fällen, ha,ha.

Ich laufe meine 300 m und liege dann dumm rum, bis die Morgenvisite kommt.
Dr. Hahn will mich diesmal selbst verbinden, da er an dem vorhandenen Verband etwas zu bemäkeln hat, irgendwann im Laufe des Tages.
Ich sage ihm, er solle einen genaueren Zeitpunkt festlegen, da ich vorher, nämlich nach Entfernung der Verbände, zu duschen wünsche. Da sollte er 1 1/2 Stunden Vorlauf einrechnen.
Er will mir über Pfleger Domröse Bescheid geben.

Mittags bekomme ich erstmals „feste Kost“, nämlich wassergebundenen Haferschleim. Schmeckt wie eine alte Oma in der Achselhöhle, ist aber ein Meilenstein auf dem Wege der Gesundung.

Von Dr. Hahn nix gehört, gehe um 11:30 Uhr zum Duschen. 12:30 Uhr fertig, eine ganze Stunde, eine Wohltat. Pfleger Domröse legt mir neue Verbände.

14:30 Uhr kommt Ulrike und geht um 15:30 Uhr wieder, da jetzt Visite ist. Dr. Hahn strahlt, von seinem „Selbstverbinden“ ist keine Rede mehr. Er war morgens nur schlecht drauf gewesen.

Abends erhalte ich 6 Stück Zwiebäcke, zu welchen Fencheltee gereicht wird. Den Tee schüttet Tanja, welche gerade da ist, weg. Ich trinke Wasser.

Dann erscheint Markus und legt einen frischen Verband und macht seine merkwürdigen Zeichnungen darauf. Außerdem wickelt er das Bein neu.

Ich lasse mir eine starke Schlaftablette geben. Der Abend verläuft ereignislos, wenn man mal von den merkwürdigen Fußballergebnissen absieht

Die Tablette nehme ich gegen 23:00 Uhr und schlafe bis 02:15 Uhr. Immerhin.... Ich stehe auf und gehe auf dem Flur 6 Längen, ergo ca. 300 m.
Ich hoffe nicht nur, daß ich dadurch müde werde, sondern auch meine Verdauung angeregt wird, da ich trotz festerem Essen und Abführmittel noch keinen Stuhldrang verspürt habe.

Ich bin zwar nach der Wanderung müde, kann aber weder knödeln noch schlafen.



Morgen weiter......

Ich hätte ja gern den Bericht mit einigen Fotos versehen, da ich während der ganzen Zeit im Krankenhaus Aufnahmen des Heilungsprozesses gemacht habe ( digitale Kamera und ausgestreckter Arm, hi, hi. Mein Lümmelchen ist darauf natürlich zu sehen, aber es würde ja wohl niemand blind werden...... )

Helmut, kannst Du mir sagen, wie das geht ?

Ich leg mich dann so lange hin .sleep:
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