Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #11 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:42


Der Balaton für Sportler

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Als ich das erste Mal am Balaton war durfte man noch mit Motorbooten fahren. Das war für die Nicht-Bootbesitzer sehr unangenehm. Wenn man aus dem Wasser kam, roch man nach Benzin, überall sah man Öl auf dem Wasser, das in Regenbogenfarben schillerte. Diese Zeit wünsche ich mir eigentlich nicht zurück.
Aber dann kam die Zeit, wo die Surfbretter aufkamen. Mein Sohn hatte sich hin und wieder ein Surfbrett geliehen, und es sah einfacher aus, als es war. Natürlich musste ich, der alte Jeck, das auch mal probieren, wie das denn so geht. Nach drei bis vier Parlinkas ging es denn los aufs Brett. Der Balaton ist zum Lernen sehr gut geeignet, da er nicht tief ist. Man kann also sehr gut aufs Surfbrett steigen. Wer mal versucht hat, in tiefen Wasser sich aufs Brett hoch zu ziehen, der weiß wovon ich rede.
Na ja, also aufs Brett, das Segel im Wind. Ging eigentlich sehr gut. So schwer war es also nicht wie die meisten sagten. Klar zog das Segel ganz schön an den Armen, aber warum hatte man denn Muskeln?
Plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund, es war Tamás der Surflehrer: Willi, wenn du das Schwert einklappst, dann nimmst du auch Fahrt auf, im Moment steckt das Schwert im Boden. Natürlich brach alles in Gelächter aus. Ich hatte wieder mal ungewollt dazu beigetragen, dass die anderen etwas zum Lachen hatten.
Warum ich immer? Nie mehr habe ich versucht auf ein Brett zu steigen. Aber mein Sohn hat es sehr gut gelernt. Er ist ein exzellenter Surfer geworden. Und so teilen wir uns wieder die Aufgaben: Ich transportiere das Surfbrett, und mein Sohn fährt damit.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #12 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:44


Drachenfliegen

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Wie ist das doch oft, wenn man nicht gut drauf ist, und man denkt, jetzt legst du dich für eine Stunde hin, dann kommt so ein Krawallmacher und es ist mit der Ruhe vorbei. Muß der denn unbedingt in der Mittagszeit seinen Rasen mähen? Mal sehen wo der steckt. Doch was ist das? Da fliegt doch einer mit einen Segel und einen Rasenmähermotor durch die Luft, direkt über unseren Campingplatz. Mal sofort zu meinen Freund gehen. Lothar, hast du schon mal so ein Ding gesehen? Na klar, sagt der, das ist ein Motordrachen, da kann man mitfliegen, mein Schwager ist schon damit geflogen, die starten vom Automozi [Autokino].
Du, das gehen wir uns aber mal ansehen. Wir also ins Auto rein, und ab zum Autokino. Nach den Preis gefragt, kostete so was um die 50DM eine halbe Stunde. Der flog dann bis über Tihany. Meine Frau gefragt, ob sie mitfliegt. Sie, noch nie ist sie auf ein Karussell gefahren, und jetzt mit so ein Drachen? Nein, nicht für 1000DM. Doch wie das so ist, 3 vom Campingplatz waren schon geflogen, und alle runtergekommen. Noch ein bisschen Charme von mir dabei, nach 2 Stunden gab sie ihre Einwilligung, ohne 1000 DM versteht sich.

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Was soll ich sagen: Ich flog zuerst, und es war traumhaft schön. Ich war schon mit so ziemlich allen geflogen, aber das übertraf fast alles. Man saß so wie in einen Campingstuhl, und die Natur zog so unter einen hinweg. Man sah Dinge, die man sonst nicht sieht, so z.B. das auf Tihany noch ein grosser See ist.
Als ich dann auf dem Rückflug über den Campingplatz kam und auf meinen Wohnwagen zeigte, drehte der Pilot 3 Runden dort. Später zurück, sagte mein österreichischer Freund: Die mit den Dingern sind bekloppt. Jetzt drehen die schon Runden hier.
Und ganz stolz war ich darauf, das meine Frau den Mut hatte mit zu fliegen.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #13 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:45


Ballonfahren

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War schon das Drachenfliegen eine schöne Sache, so gibt es eine noch viel schönere, und zwar das Heissluftballonfahren.
Wir sind also nach Siofok-Kiliti gefahren auf den Flugplatz und haben uns dort angemeldet. Man sollte ganz früh dorthin fahren, oder abends. Denn nur dann gefahren wird, weil der Temperaturunterschied groß sein muss. Noch etwas: Man sollte sich am Anfang vom Urlaub darum kümmern, denn es kann sein, dass man ein paar Mal hin muss. Denn wenn ein Gewitter in der Luft liegt oder bei starken Wind darf nicht gefahren werden. Und bei Regen will auch keiner fahren. Wir sind beim 3. Termin gefahren. Der Preis war direkt ein Sonderangebot, war noch in DM Zeit und kostete 120 DM. Zum Vergleich, in Aachen zu der Zeit 450 DM.
Der Kapitän, Várgá Joszef, ist zwar ein kleiner Mann, so ca. 170 cm, aber so ein direkter Frauentyp. Blitzende Augen und der Schalk stand ihm so richtig im Gesicht geschrieben. Vor allen Leuten schnappte er sich seine sehr junge Dolmetscherin, und tat so, als wollte er ihr in den Hintern beißen. Er war bekleidet mit einen Tarnanzug, und man hätte ihn in einen Kriegfilm stecken können, da hätte er gut reingepasst. Also immer schön auf eure Frauen aufpassen.
Ich berichte jetzt von meiner 2. Fahrt, denn das war die schönere. Anwesend war also meine Frau, mein Sohn und dessen Freundin, sowie ich.
Der Ballon wird vom Anhänger genommen und ausgerollt. Dann nimmt er einen Ventilator mit Benzinmotor, 2 Leute halten die Öffnung auf und mit dem Ventilator wird in den Ballon reingeblasen. Der Korb wird vor dem Ballon gelegt, und der Kapitän schließt eine Gasflasche an den Brenner an. Dann wird gezündet, und die Luft wird erwärmt.
Nach kurzer Zeit hebt sich der Ballon, und stellt auch den Korb auf. Jetzt heißt es einsteigen. Der Ballon wird noch geheizt, bis er fast schwebt. Dann wird der Schlauch von der Gasflasche getrennt, und an den inneren 4 Gasflaschen angeschlossen.
Ganz langsam fängt der Ballon an zu schweben, und steigt dann immer schneller. Bis auf 1100m sind wir gestiegen. Man schwebt über die Landschaft. Man sieht viel Wild, und wie viel Wald dort steht. Das habe ich vorher nie mitbekommen. Man hat eine wunderbare Rundsicht, auf der einen Seite der Balaton mit Tihany und Kirche, auf der anderen Seite bunte Felder, Wiesen, Wald und Dörfer. Wenn man über Dörfer fliegt, und der Kapitän zündet den Brenner, das macht ja Geräusch (Mütze mitnehmen, sehr heiß) dann bellen in dem Dorf alle Hunde. Die Fahrt war sehr schön aber was wäre das Leben ohne Probleme, es kam Wind auf. Der Kapitän setzte zur Landung an.
Seine Stimme war beruhigend. Vorsicht Landung ... Vorsicht festhalten ... Landung ... Kamera festhalten.
Der Ballon setzte auf, es ruckte sehr stark und wie in Zeitlupe fiel nach ein paar Mal aufsetzen der Korb um. Wir lagen also alle 5 im Korb. Meine Frau unten. Und der Ballon zog uns so 200m über den Boden. Da war Gras gemäht, und in so große Rollen gepackt. Davon haben wir 3 Stück zur Seite geschoben. Aber alles war gut gegangen, meine Frau hatte nur den Verbandskasten zertrümmert.
Dann geht es weiter. Der Ballon wird zusammengelegt, wobei alle mithelfen sollen. Dann in so einen Sack gelegt, ist so ca. ein Kubikmeter groß. Die das erste mal geflogen sind, müssen sich über den Ballon legen und die schon einen Ballonfahrernamen haben, dürfen dann so richtig hinten drauf hauen.
Dann kommt der Ballon auf den Anhänger. Das Zugfahrzeug ist so ein russischer Bus mit Allrad, und dann geht es zum Haus vom Kapitän. Man bekommt Frühstück und dann kommt die Taufe. Man muss niederknien. Der Kapitän liest vor von den Gebrüder Montgolfiers, man bekommt Erde aufs Haupt gelegt, mit einen Feuerzeug ein paar Haare abgesengt, und natürlich Sekt aufs Haupt geschüttet. Dann bekommt man eine Urkunde ausgehändigt, mit seinen Ballonfahrername drauf, meiner ist Kiliti-Buszaföld-Essy.
Mein Sohn hat so einen richtigen Zungenbrecher bekommen, heißt auf deutsch in etwa: zwischen grossen Traktoren gelandet.
Mein Sohn hat noch einen Zusatz, bei großen Wind gelandet.
Den Namen sollte man gut behalten, denn wenn man in irgendeinem Land, egal wo, nocheinmal Ballon fahren will, dann wird man gefragt: Ist das ihr Erstflug? Sagt man nein, kommt die Frage: Wie ist denn ihr Name? Weiß man den nicht, darf man sofort eine Runde Sekt ausgeben, das Getränk der Ballonfahrer.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #14 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:46


Tandemsprung

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Ach da gibt es noch was Schönes, das heißt Tandemfliegen.
Also, auch hier geht es nicht ohne Termin. Wir sind also Freitags zum Flugplatz Siofok-Kiliti gefahren und haben uns über den Tandemsprung informiert. Mein Sohn, seine Freundin, mein Neffe und ich haben uns für einen Sprung angemeldet. Meiner Frau habe ich es freigestellt, aber sie wollte nicht. Es waren Jungs aus Cottbus. Die hatten eine 35 Personenmaschine Iljuschin. Sie haben uns dann auch noch gesagt, dass sie eine Helmkamera hätten und uns ein Video vom Flug machen könnten. Damit waren wir natürlich einverstanden. Aus rechtlichen Gründen flogen die Jungs aber für einen Ungarn mit dem wir auch einen Vertrag hatten.
Am Montag sollte es dann losgehen. Von dem Tag an habe ich nicht mehr ruhig geschlafen. Ich, der sehr wenig träumt, hatte immer Träume von Kirchen, die man von oben sah. So klein wie Streichholzdosen. Als Kind, wenn irgendwo ein Gerüst stand, dann kletterte ich hoch, setzte mich in die Dachrinne, und liess die Beine runterbaumeln. Ich hatte dann so ein komisches Kribbeln im Bauch, und dieses Gefühl hatten ich im Traum auch.
Als wir Montags nach Kiliti kamen, war die Maschine weg. Oh, war das toll. Der Ungar bot uns eine andere Maschine an, doch versuchte ich, immer einen Nachteil zu finden damit wir nicht hoch mussten. Ich führte an, wir hätten ein Video bekommen, was jetzt nicht der Fall wäre. Der Ungar sagte: Wir hätten doch 2 Kameras, wir könnten doch einen von uns mit hochschicken, der könnte von oben aufnehmen, der andere von unten. Der Mensch war so zuvorkommend, jeden Nachteil hat er entkräftet.
Na ja, es blieb mir also nichts anderes übrig. Mein Neffe und ich waren also das erste Paar, das springen sollte. Es war ein altes Flugzeug. Die Sitze und eine Seitentür waren ausgebaut, sodass hinten 2 Tandemspringer sitzen konnten. Nach einer kurzen Einleitung wie wir uns verhalten sollten ging es also los. Man merkte, dass das Flugzeug Schwierigkeiten hatte hoch zu kommen. Der Flugzeugführer kurvte auch immer zur offenen Tür hin, was wieder das Kribbeln verursachte.
Dann, plötzlich, sagte jemand: noch 100m. Von da an habe ich mir nur noch Vorwürfe gemacht, was bin ich doch bekloppt, habe ich das nötig, werde jetzt 60 Jahre muss ich mir das noch beweisen? Wenn zu diesen Zeitpunkt jemand gesagt hätte, sollen wir mit den Flugzeug landen ohne zu springen, dann hätte ich gesagt, ja mach das. Das hat aber keiner gesagt, statt dessen hieß es jetzt: raus. Die Bilder, die ich schon im Traum gesehen hatte, waren Wirklichkeit geworden. Kiliti lag so klein da. Also, dann eben los. Wir schwenkten zur Seite, der Springer schob uns immer weiter raus, und plötzlich waren wir unterwegs. Es verschlug mir fast den Atem. Nach ein paar Sekunden lagen wir stabil in der Luft und rasten auf die Erde zu. Mein Gott, war das ein herrliches Gefühl. Ich bin heute noch nicht in der Lage, das zu beschreiben. Man sah auch schon Einzelheiten: da war also der Wohnwagen, wo meine Leute waren und warteten. Ich habe überhaupt kein Zeitgefühl mehr, wie lange wir im freien Fall waren. War es eine halbe Minute oder mehr?. Die schönen Zeiten gehen immer sehr schnell vorbei. In diesem herrlichen Gefühl knallt es plötzlich fürchterlich, als wenn einer neben meinem Ohr eine Pistole abgeschossen hätte. Der Fallschirm hat sich geöffnet. Die Gurte reißen furchtbar an den Beinen. Man hat das Gefühl, man wird hoch gerissen. Und dann kommt die Phase, in der manganz leicht zum Boden schwebt. Beim Aufsetzen ruft einer Hoppla und alle klatschen. Man ist froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.
Es war wunderschön, aber würde ich es noch mal machen? Ich glaube nicht. Noch mal soviel Angst ausstehen? Einmal im Leben reicht mir.
Am meisten Angst hatte ich, dass ich oben meine Angst nicht hätte überwinden können und gesagt hätte, dass ich nicht springe. Diese Option hatte ich ja, Aber so ist alles gut gegangen.
Wenn man sich das Bild ansieht: So habe ich noch nicht ausgesehen als ich krank war. Man sieht die Angst, die ich dort hatte
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #15 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:47


Der Trabbifahrer

Mein Sohn wollte sich sein Auto in Ungarn neu spritzen lassen. Wir wollten uns dafür ein Auto bei einer Leasingfirma ausleihen. Da sagt meine Freundin Ildiko, du kannst doch meinen Trabbi haben, ist kein Problem. OK, ich habe den Trabbi genommen. Eine ganze Woche hatten wir das Fahrzeug. Und immer wenn wir irgendwo hin mussten, haben wir uns den Trabbi genommen.
Wenn ich das Auto parkte, gab es freundliche Ungarn, die dann sagten: Hello Lampa. Immer wieder vergass ich, das Licht auszumachen. Das "Tit Tit Tit" was mein Auto machte fehlte mir.
Nun war das auch nicht so das große Problem. Das Auto schob sich ja sehr gut an und wenn ich dann im Auto saß und meine Frau schob, dann gab es immer eine ungarische Hand, die mitschob.
Aber schlimm waren die mitleidigen Blicke der Touristen aller Couleur. Bisher habe ich das überhaupt nicht so mit bekommen. Man merkt das wirklich erst dann, wenn man selbst betroffen ist. Na ja, mein rheinischer Humor verträgt einiges.
Ich weiß heute noch die Nummer CTS ***, die vergesse ich nicht weil CTS mal für Conti Tyre System stand.
Wenn an der Ampel ein großer Wagen stand, dann fuhr ich so schnell an wie es ging. Oft habe ich gewonnen. Hinterher habe ich oft gedacht: warum machst du das, das tust du doch sonst nicht.
Aber dann kam ein Erlebnis, was ich nie vergessen werde: Ich fuhr nach Siofok raus, und am Ende musste ich dann auf die Hauptstrasse. Glaubt ihr da hätte mich einer reingelassen? Es war viel Verkehr dort, und die fuhren mir einfach immer die Kreuzung zu. Da sagt meine Frau: Da kommen 2 Aachener. Ich die Hand raus, den kleinen Finger abgespreizt, und schon hupten sie und winkten ich solle reinfahren. Und freundliches Winken begleitete mein Reinfahren. Ich denke mal, in Aachen haben die erzählt: Da war ein Ungar, der kannte unseren Gruß.

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Dazu muß ich erklären: Der Aachener Gruß ist das Abspreizen des kleinen Fingers der ausgestreckten Hand. Das ist noch aus der Zeit, als es in Aachen sehr viele Nadelfabriken gab. Die Frauen sortierten die Nadeln mit dem abgespreizten Finger.
Wir haben in Aachen davon ein Denkmal. Versucht es mal, wenn ihr ein Auto seht mit AC: spreizt den Finger. Kommt keine Antwort, ist es ein Zugereister.
Ach für Nicht- Aachener: Der kleine Finger heißt bei uns Klenkes.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #16 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:48


Ein Besuch im Budapester Zoo

Im Frühjahr 2002 war in der Budapester Zeitung ein Preisausschreiben. Zuerst wollte ich nicht teilnehmen, da ich noch nie etwas gewonnen habe. Na ja, was soll es, man muss ja nichts einzahlen, probier es mal. Als dann die Gewinnliste veröffentlich wurde, habe ich mit Freude festgestellt, dass ich eine Familienkarte für den Budapester Zoo gewonnen hatte. Als ich die Gewinnerliste durchging war auch noch ein Herr Pencz eingetragen.
Aha, noch jemand aus den Forum. Sofort habe ich dem PAnton gratuliert über Intra, aber er schrieb mir dann, es wäre ein anderer Pencz, er nicht.
Gewinne sollte man einlösen, und so sind wir dann im Jahre 2002 nach Budapest gefahren.
Wie immer haben wir unser Auto am Südbahnhof auf der Allee abgestellt. Nah am Bordstein fahren, die Räder stark einschlagen, Lenkrad einrasten, Stecker von dem Dieselabschaltventil ziehen, soviel Zeit muss sein. Dann mit der U-Bahn weiterfahren.
In den 80er Jahren war ich schon mal im Veszpremer Zoo, und war damals entsetzt über die Tierhaltung, und so ging ich dann mit meiner Frau und einen komischen Gefühl im Budapester Zoo rein.
Was mir sofort gefallen hat war die Gartenanlage. Es gibt einen Teil, der ist wie ein japanischer Garten angelegt. Dort gibt es Bonsaibäume und natürlich auch mannshohe Bäume, die so geschnitten sind, wie man es nicht kennt.
Ich bin schon in vielen Zoos gewesen und jeder Zoo hat immer etwas, was im aus der Reihe der Zoos heraushebt. In den 80er Jahren, im Veszpremer Zoo, war ich zwar von der Tierhaltung entsetzt, aber auch die hatten etwas, was sie hervorhob. Das waren damals Dingos.
Der Budapester Zoo hat etwas, was ich bis dato noch nie gesehen hatte: Ein Schmetterlinghaus. Man ging durch eine Schleuse rein und innen flatterten hunderte Schmetterlinge, in allen Größen und Farben. Es war einfach traumhaft schön. Ich kenne nichts von Schmetterlingen, aber das macht nichts. Man kann sich an den Farben und Formen erfreuen.
Dann gibt es ein grosses Aquarium, mit Fischen drin, die man nicht kennt. Zum Beispiel Störe. Die habe ich zwar schon mal auf einem Bild gesehen, aber noch nie in echt.
Ein Terrarium mit Schlangen, Vogelspinnen und Waranen, von klein bis gross. Natürlich sind die meisten Tiere nicht so attraktiv, Schlangen bewegen sich fast nicht, man könnte auch ein Plastikschlange reinlegen, würde nicht auffallen. Auch die Warane bewegen sich kaum. 6-8 cm lange Heuschrecken die bewegen sich, sie sind das Futter für die Kleinwarane.
Natürlich gut besucht ist immer der Affenfelsen. Da kann man sich nur schlecht von wegreissen. Es gibt immer was zu sehen, und sie sind uns Menschen so ähnlich.
Etwas weiter kommt ein Tropenhaus. Dort gab es auch sehr viele exotische Tiere vom Alligator bis zur Eidechse. Man hatte Schwierigkeiten, die Tiere zu finden, da die sich verstecken. So nebenbei habe ich dann aber auch festgestellt, das ich nicht tropentauglich bin.
Dann kamen Tiere, die man eigentlich überall sieht. Anschliessend aber dann etwas, was eben auch nicht alltäglich ist: das Elefantenhaus. Es war im Stil einer Moschee gebaut, mit Kuppeldach, und es gibt sogar ein Minarett. Alles ist in Blau gehalten, und sieht sehr gut aus. Ich war schon so richtig platt, aber meine Frau ist hochgestiegen. Als sie dann runterkam, hat sie gesagt: Da musst du rauf, man hat eine wunderschöne Aussicht über Budapest und kann direkt ins Szechenybad reinschauen. Ich also hoch, immer im Kreis, meine Frau noch mal mit. Wer hat eigentlich den Unsinn aufgebracht, Frauen sind das schwache Geschlecht? Es ist wirklich lohnenswert.
Ich meine es war ein schöner Gewinn, aber es lohnt sich auch, rein zu gehen, wenn man bezahlen muss.

Vom Minarett des Elefantenhauses hat man einen schönen Ausblick auf das Szechenybad
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #17 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:49


Vom Telefon in den Weinkeller

Mein Sohn wollte am Balaton telefonieren. In 1987 war das in Ungarn garnicht so einfach. Vor den Telefonzellen standen Schlangen und Handys gab es noch keine. Eine gute Möglichkeit war eben, in den Hotels zu telefonieren. Mein Sohn ging also zum Hotel. Nach einiger Zeit kam er zurück, und sagte, das ist die Judit. Es stellte sich dann raus, dass sie studierte und Lehrerin werden wollte. Sie hatte auch Urlaub und hat dann in dem Hotel nebenbei gearbeitet, was also damals so üblich war. Hin und wieder kam sie eben mit auf den Campingplatz und abends gingen die jungen Leute in der Gruppe zur Disco.
Es entwickelte sich so eine schöne Urlaubsfreundschaft.

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Es entwickelte sich so eine schöne Urlaubsfreundschaft.
Das heißt, die Judit lud uns nach Kaposvar zu ihren Eltern ein. Der Vater ist im Nebenberuf Imker, und macht denn auch so nebenbei noch Wein im Garten. Er hat einen sehr großen Garten, mit einen Steinhaus und Weinkeller.
Wir mussten also mit in den Weinkeller. Vorher wurde ausgelost wer zurück fahren muss. Mein Sohn hatte das kurze Streichholz gezogen. Im Keller wurde Rotwein gereicht, einen blauen Portogießer.
Diese Urlaubsfreundschaft ist bis heute noch erhalten. Das es letztendlich nur bei Freundschaft blieb, war ganz einfach: Judit wollte nicht nach Deutschland, da sie noch im Studium war, und mein Sohn sah in Ungarn keine Möglichkeit, sein Geld zu verdienen.
Wir sind heute immer noch befreundet. Judit ist verheiratet, hat eine kleine Tochter und wohnt jetzt in einen anderen Ort, wo sie als Deutschlehrerin arbeitet.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #18 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:50


Sendeschluss

In einen österreichischen Campingforum hat jemand gefragt, welchen Fernseher wir benutzen. Da fiel mir ein, wie schön es war, als es noch keine Parabolantennen gab. Also habe ich diese Geschichte geschrieben. Ich will sie euch aber auch nicht vor enthalten:

Hallo Ihr Fernsehgucker
Jetzt weis ich auch, warum abends ab 20 Uhr Totenstille auf den Campingplätzen ist. Ach war das eine schöne Zeit, wo man abends schon mal auf den Platz zusammen saß, und etwas trank, Lieder sang und so.

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Ich weiß noch, es war vor langer Zeit in Ungarn, die Vorparabolspiegelzeit. Etwas neben uns auf dem Campingplatz in Ungarn stand ein Ungar. Wir nannten ihm der Lurzi.
Eines Tag kommt eine Freundin von uns und sagt: Ihr müsst mal heute Nachmittag den Lurzi beobachten. Ich sage. Warum? Och, sagt sie, wirst schon selber drauf kommen. Macht der jeden Tag.
Es war glühend heiß. Unser Lurzi kam, setzte draußen seinen Sohn ins Gras. Er war so 5 Jahre alt. Lurzi ging ins Zelt, zog den Reißverschluss so halb zu, und dann ging es los, Elternsprechtag war angesagt.
Der Sohn lauerte an der Zelttüre rein. Plötzlich kam Lurzi raus, verhaute dem Sohn den Hosenboden, und dann wieder rein.
Abends, es war so nach 23 Uhr, haben wir draußen noch gesessen, Wein getrunken Lieder gesungen. Mit Sicherheit waren wir etwas zu laut. Plötzlich beim Lurzi, der Reißverschluss, *rrrrrrrrrrritsch*, der Kopf schaute oben raus, und er hat etwas geknurrt, was wir zwar nicht verstanden haben, aber wir wussten schon, wir sollten leiser sein.
Das waren wir auch. Aber nach einiger Zeit war der Lärmpegel wieder zu hoch. Jetzt ging der Reißverschluss ganz auf, Lurzi kam wütend raus, was wir verstanden. Televisi, sagte er zu seiner Frau. Er stellte so ein Koffergerät auf den Dachträger vom Auto, und wollte jetzt uns Krach machen. Wir schauten interessiert zu.
Plötzlich wurde er ganz wütend, und schimpfte. Wir schauten uns an. Was ist denn jetzt los? Bis wir dahinter kamen: Das ungarische Fernsehprogramm war beendet. Einer sagte das denn auch, da brach bei uns alles in schallendes Gelächter aus.
Zu der Zeit damals haben wir oft von der Wachmannschaft eine Ermahnung bekommen. Meisten aber haben wir die Nachbarn eingeladen, sodass wir keine Probleme hatten
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #19 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:50


Der schnelle Wohnwagen

Ich kam aus Ungarn. Ich fuhr damals noch den Knaus 610 Doppelachser, und auf der Autobahn von Nürnberg nach Hockenheim fuhr ein Trabbi vor mir. Der stank, und haute hinten eine starke Ölfahne raus. Es gibt dann nur 2 Möglichkeiten, entweder man fährt langsamer, oder man fährt schneller. Ich entschied mich für das schneller fahren. Als ich so neben den Trabbi war, sagte ich zu meiner Frau: Schau mal, was da für ein schönes Auto fährt. Das war natürlich ein Polizeiauto. Ich wurde ganz brav, fuhr immer langsamer. Aber eigenartigerweise das Polizeiauto auch. Der Trabbi überholte das Polizeiauto und plötzlich ging eine Lichtleiste auf: Bitte folgen, Bitte folgen blinkte es immer in den Auto. Siehste, ging es dann los, meine Frau fing dann an, immer fährst du zu schnell. Das hast du nun davon. Ich legte mir schon zurecht, was ich sagen wollte: Meine Herren, um eine objektive Messung zu erreichen müssen Sie 500 m hinter mir herfahren. Ohne den Abstand zu verändern. Erst dann können sie beweisen, dass ich zu schnell gefahren bin.
Wir wurden also auf eine Raststätte geführt. Der Polizist stieg aus. Ich hatte schon die Antwort auf der Zunge, da sagt der, ich wolle mal meinen Wohnwagen überprüfen, ob der nicht überladen sei.
Wow, jetzt stand ich aber blöde da.
Was wollte ich machen, na ja lass sie mal.
Die beiden Polizisten nahmen 2 kleine Waagen aus dem Kofferraum.Rechts und links eine und ich musste immer auf die Waagen fahren. Nachdem sie das 4 X gemacht hatten waren alle Achsen gewogen. Dann fing er noch an zu rechnen und kam das Ergebnis: Auto ist ok, Wohnwagen 200 Kg zu viel. Das kostet 100 DM und ich weiß nicht mehr wie viele Punkte.
Mein Sohn war mit einem Freund im eigenen Auto hinterher gefahren. Ich habe mir die Waagen angeschaut. Da war bis 500Kg ein roter Bereich. Der Polizist hatte links pro Achse 470Kg gewogen rechts 480Kg. Abzüglich Toleranz kamen dann die 200Kg raus. Ich habe mir die Waagen angeschaut, da stand Wiegebereich von 500Kg bis 10to.
Den Freund von meinen Sohn habe ich dann gerufen. Du Walter, lies mal auf der Waage. Folgendes musst du dir merken: Wiegebereich von 500Kg bis 10to. Die Herren hätten meinen Wohnwagen nicht wiegen dürfen, da unter 500Kg. Da sagt der Polizist wir können auch noch auf 20 DM runtergehen.
Was, sage ich, wusste nicht das man mit Ihnen handeln kann. Aber lassen Sie mal ich zahle überhaupt nichts. Ich gehe mal davon aus, Sie fahren jetzt auf die Dienststelle. Da wird doch wohl einer sein, der davon Ahnung hat.
Heute mit den Einachser wäre ich dran, dann wären die Waagen in Ordnung.
Nach 14 Tagen bekam ich von der Dienststelle Bescheid, ganz lapidar: Das Verfahren gegen Sie wurde eingestellt.
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Re: Wie Ungarn zu meinen Lieblingsreiseland wurde

Beitrag #20 von Gulliam » 31 Mär 2020 16:51


Budapest


Alle Wehmut nützt nichts. Wir müssen also jetzt unser *Urlaubsleben* alleine leben. Und so kommt es, dass wir mal was unternehmen können, was uns sonst immer verwehrt war.
Wollten wir mal eine Woche nach Budapest, dann war es so, dass mein Sohn sagte: Mensch, es ist doch so schönes Surfwetter. Können wir das nicht auf nächstes Jahr verschieben? Und so haben wir verschoben verschoben verschoben.

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Aber jetzt war es so weit. Wir waren allein und konnten dann eine Woche nach Budapest fahren. Wir sind auf den Campingplatz Romai gefahren. Der liegt hinter Budapest, in Richtung Szentendre. Direkt bei den römischen Ausgrabungen. Bis zum Donauufer sind es ca. 500m.
Wir haben uns eine Wochenkarte für die Budapester Verkehrsbetriebe gekauft. Die war ziemlich preiswert und es war auch schön mal ohne Auto unterwegs zu sein.
Am Budapart kann man auch schön mit dem Fahrrad an der Donau fahren. Es gibt Radwege auf denen man bis Szentendre fahren kann. Wir sind dann auch nach Szentendre gefahren, waren im Kavéhaz Nosztalgie Kavé trinken.

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Und dann fängt es doch an zu regnen. Och, sage ich, ist nicht schlimm. Dann fahren wir mit der HÉV (so was wie eine S-Bahn) nach Hause. Die Wochenkarte gilt zwar auch auf dieser Bahn, aber nur bis zur Stadtgrenze. Wir haben früher schon mal im Zug nachbezahlt. Das wollte ich jetzt auch machen. Aber der Schaffner erklärte mir, das ginge nicht mehr. Ich müsste am Bahnhof nachzahlen, so kostet das 3000Ft Strafe. Ich habe dann gesagt, dies hätte ich nicht gewusst, ich würde also aussteigen und nachzahlen.
Als wir rauskamen hatte es aufgehört zu regnen und wir konnten uns wieder auf die Räder setzen.
Am Budapart waren so kleine Restaurants, da konnte man sehr gut essen. Die Wochenkarte haben wir weidlich ausgenutzt.
Meine Frau kam dann auf die Idee, wir könnten ja auch eine Nachtfahrt auf der Donau machen. Wir also runter nach Pest zum Pier 7. Dort war eine junge Dame. Sie sagte, wenn sie heute fahren, dann haben wir eine Überraschung für Sie. Und was wäre das? Ach das sage ich Ihnen nicht sonst ist es doch keine Überraschung. Ich habe alles versucht, um das Geheimnis der jungen Dame zu entlocken. Aber sie blieb eisern. Gut, wir haben uns 2 Karten gekauft und sind dann abends zum Pier 7 gefahren

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Viele Leute waren dort. Aber alle sprachen Englisch. Kein einziger sagte ein Wort in einer anderen Sprache. Eine junge Dame vom Schiff habe ich gefragt: Bin ich hier richtig? Nein, sagt sie, Sie müssen auf das andere Schiff. Dies hier ist eine geschlossene, amerikanische Gesellschaft.
Auf unseren Schiff wurde Sekt ausgeschenkt, und als ich sagte, das ist wohl die Überraschung, hieß es: Nein, die kommt noch. Um es kurz zu machen: Die Überraschung war ein Feuerwerk, von einem Schiff in der Donau abgeschossen.
Es war ein traumhaft schönes Erlebnis. Mit dem Schiff zu fahren, beleuchtete Kettenbrücke, Parlament. Aber am besten hat mir das beleuchtete Hotel Gellert gefallen. Leider war die Woche Budapest viel zu schnell vorbei.
Am Donauknie entlang ging dann unsere Heimfahrt durch eine wunderschöne Landschaft nach Hause.
Viele Grüsse
Gulliam
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Gulliam
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