aus Lifeline.de - ganzheitlicher Ansatz

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

Moderatoren: Helmut, MSN, Marco N., Georges

Beitrag #11 von mehlbox2001 » 06 Nov 2005 06:10


... nur eine schnelle Einrede vorm Zubettgehen, Eckhard: Die Dame im Altersheim, die absichtlich etwas schneller die Hosen voll hat, als gewöhnlich, weil sie mal eine Schwester sehen will, ist eh schon ziemlich pflegebedürftig, denn sonst hätte sie nicht solche Unterwäsche an ...

Natürlich hat das nichts mit primären Ursachen ihrer eigentlichen Inkontinenz zu tun, und du hast Recht, das ist nur bedingt mit bettnässenden Kindern zu vergleichen ... Der Hilfeschrei ist hier bewusst und direkt ... Vielleicht ein etwas hinkender Vergleich, aber wenn man's mal ganzheitlich betrachten will: Kinder tun unbewusst, was andere bewusst tun, und das war glaub ich der Ansatz.

Andreas
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Beitrag #12 von eckhard11 » 06 Nov 2005 11:00


Ich will eure Einreden ja gar nicht bestreiten oder als nicht akzeptabel hinstellen,
denn sicherlich habt ihr beide mit euren Argumenten recht.

Was ich aufzeigen will, ist , dass irgendwo ein Artikel erscheint, welcher
pseudowissenschaftliche Argumente aufführt, die einer näheren Betrachtung nicht standhalten.

Natürlich hat das Mädchen Schlimmes erlebt, wenn es sich - um Schutz zu finden - einnässt und sich eine Windel umlegt......
Natürlich ist die Seniorin vereinsamt und sehnt sich nach Gesellschaft, wenn sie ihre Windel häufiger einnässt als normal......

Aber beide Argumente lassen doch keinesfalls auf eine psychische Inkontinenz schliessen, sondern das Einnässen ist gewollt und damit das Resultat der Lebensumstände !!

Das Mädchen müsste sich nicht einnässen, wenn es nicht wollte und die Seniorin ebensowenig.
Selbst wenn das Mädchen sich ihr Leben lang einnässen würde, und sei es darum, sich auch vor anderen Männern zu schützen, wäre es doch noch immer nicht inkontinent.

Beide beherrschen willendlich ihre Schliessmuskeln und sind daher m. E. nicht als inkontinent zu betrachten.

Und genau deswegen finde ich derartige Artikel weder aufklärend noch hilfreich, weil sie weder die tatsächlichen Ursachen einer tatsächlich vorhandenen, psychisch oder neurologisch bedingten Inkontinenz erwähnen geschweige denn auch nur den Ansatz einer Idee zur Hilfe darstellen.
Etwas anderes wäre es, wenn sich aus den beschriebenen Umständen eine Zwangsneurose bilden würde, welche durch den seelische erlittenen Schaden entstanden wäre.
Aber davon wird in dem Artikel nicht gesprochen.

Andererseits zeigen derartige Berichte eindrucksvoll die Hilflosigkeit, mit welcher die Medizin den Ursachen einer psychischen oder neurologischen Inkontinenz tatsächlich begegnen.

Selbstverständlich, mein lieber René, soll bzw. muss in unserem Forum - gerade besonders, da sicherlich häufiger vorkommend als eine körperliche Behinderung - den psychisch oder neurologisch erkrankten Inkontinenten eine Plattform geboten werden !!
Aber für die Moderation eines solchen Themas wäre ich ganz sicher nicht der geeignete Mann, da ich manche Argumente ganz einfach nicht verstehen kann und sicherlich in manchen Fällen den Teufel mit dem Beezlebub würde austreiben wollen.

Ich bitte darum, meine Argumente als diejenigen von jemandem zu sehen, welcher durch einen körperlichen Schaden inkontinent wurde und damit keinesfalls ein psychologisches Problem hat.
Ich hab gut reden......

Aber dadurch, dass ich kein psychologisches Problem habe, werden die Fakten in dem Bericht aus Lifeline.de doch nicht realer.


Ich leg mich wieder hin .sleep:
Eckhard
Zuletzt geändert von eckhard11 am 06 Nov 2005 21:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag #13 von serena » 06 Nov 2005 16:25


eckhard,
eben weil du mit der ganzen sache so offen und selbstkritisch umgehst und dabei wenigstens nicht ausschliesst, dass es auch andere argumente geben koennte, hast du meinen hoechsten respekt!
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Beitrag #14 von eckhard11 » 06 Nov 2005 17:51


Danke, Serena.

Natürlich versuche ich, die Dinge so auszudrücken, wie ich sie sehe,
aber das bedeutet ja nicht, dass ich keine anderen Meinungen neben
der meinen gelten lassen würde.

Ich habe schliesslich die Weisheit nicht gepachtet,
( auch wenn sich das manchmal so anhört, hi, hi..... )


Jetzt lege ich mich wieder hin
( aber in die Wanne, zum Beckenbodentraining ) .sleep:
Eckhard
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Beitrag #15 von frosch » 06 Nov 2005 20:40


Andererseits zeigen derartige Berichte eindrucksvoll die Hilflosigkeit, mit welcher die Medizin den Ursachen einer psychischen oder neurologischen Inkontinenz tatsächlich begegnen.

Hallo lieber Eckard,

genau an dieser Stelle hoffe ich, werden noch viele psychisch Betroffene Ihre Erfahrungen anderen mitteilen.

Vielleicht liest dann ja hier mal ein Mediziner oder Psychologe mit und wirkt als Multiplikator.

Übrigens stimme ich Dir voll und ganz zu, dass der Lifeline-Breicht viel zu kurz ist, um nicht pseudowissenschaftlich zu wirken.

Aber es ist doch immerhin ein kleiner Anfang.

Mir hat es in meiner Krankheitsgeschichte immer geholfen, wenn ich wieder irgendwo einen Hinweis bekommen konnte, der mich ein ganz kleines bischen schlauer machte, die Zusammenhänge zu verstehen.

Interessant ist Dein Hinweis auf Zwangsproblematiken. Das würde bestimmt den Rahmen des Forums hier sprengen, aber auch diese psychische Störung sollte aus dem Mantel der Tabuisierung und Lächerlichkeit geführt werden. Genauso wie Inkontinenz.

Ich grüße Dich herzlich und finde gar nicht, dass Du kein geeigneter Moderator wärest. Ich erlebe Dich hier immer sehr differenziert und aufgeschlossen.

Und Deine lustigen Gedichte möchte ich auch nie missen.

Machs gut!

René
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Beitrag #16 von Matti » 07 Nov 2005 00:23


Hallo,

beim Lesen der Beiträge ist mir ein Satz ganz besonders aufgefallen. Es ging um selbstverletztendes Verhalten in Bezug auf körperliche Schädigung. Dieses Verhalten ist nicht nur ein Mittel den Schmerz zu Überdecken, sondern auch den Körper Wahrzunehmen. Viele Menschen die dies tun empfinden ihren Körper nicht so, wie es wohl Normal währe. Der Ausdruck "Ich fühle mich leer" trifft es wohl.

Ich denke das dies aber auch auf einige Inkontinenzbetroffene zutrifft. Das Einnässen wird als Selbstbestrafung durchgeführt, was auch die große Scham vieler erklären würde. Die Scham Resultiert aus dem Schuldgefühl.

Wieder andere werden das Einnässen dazu nutzen um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen, und sei es nur im engsten Familienkreis. Wieder andere Benutzen die Windel als Ersatz für etwas was ihnen im Leben fehlt, meist wird es sich um Geborgenheit und Fürsorge handeln. In der "Babyrolle" empfinden sie sich als Beschützenswert, ihre Hilflosigkeit nimmt reale Züge an, letztendlich ist es aber ein Hilfeschrei nach Zuwendung.

Dies alles hat aber nichts mit Inkontinenz im klassischen Sinne zu tun.

Inkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit Urin oder auch Stuhl bewusst zurückzuhalten.

Die modernen Inkontinenzhilfsmittel machen es vielen heute einfach mit dem Einnässen umzugehen. Sauber und diskret. Und doch ist es nicht die Lösung des Problems bei einer psychisch bedingten Inkontinenz. Eine so schwerwiegende Form der Psychosomatik bedarf dringender Behandlung und zieht sich zwangsläufig auch in vielen alltäglichen Handlungsweisen wie en roter Faden durchs Leben. Es währe ja Paradox zu Behaupten das es auf der einen Seite zum Einnässen kommt weil der innere Druck so gro0 ist, sonst aber alles im Leben in den richtigen Bahnen verläuft. Gerade deshalb sollte sich niemand mit einer Inkontinezhilfe abfinden, weil die "Baustelle" dafür zu groß ist.

Matti
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Beitrag #17 von frosch » 07 Nov 2005 08:00


Hallo Matti, hallo Eckhard, hallo Serena und Andreas!

Der psychische Druck, der sich wie ein roter Faden durchzieht, bedarf auf alle Fälle dringender Betreuung - Vollkommen richtig.

Meint Ihr denn, dass in diesem Forum diesen Thematiken Raum gegeben werden sollte, oder haltet Ihr es zu weit entfernt von der nach Meinung einiger "echten" Inkontinenz?

Ich würde mich freuen, wenn sich auch noch andere Forenteilnehmer dazu äußern würden.

Lieber Gruß, René
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Beitrag #18 von der Blinki » 07 Nov 2005 09:24


Hallo@ all

Meine Meinung ist, das es doch egal ist ob die Inkontinenz nun körperliche oder/ und psychische Ursachen hat.

Bei mir ist es nun die körperliche Inkontinenz durch einen Rückenmarkschaden ( Syringomyelie ) und doch hat sie mich so dermaßen runtergezogen, das ich Depressionen und letzendlich einen Suizidversuch hinter mir gebracht habe.
Zu guter letzt hat man mir auch noch eine Bordrerline -Diagnose untergejubelt , die dann meistens zu Tage kommt , wenn wieder etwas in die Hose geht, und man mich darauf anspricht ( Verhalten, Geruch etc. )

Was ich damit sagen möchte ist, das mann sowohl körperliche und sellische Inkontinenz haben kann.
Jeder hat sein Päckchen mit der Inkontinenz zu tragen, und ich weigere mich die Inkontinenz so zu thematisieren , das sich ein Forenteilnehmer sich nicht mehr wohl in seiner Haut fühlt und uns dann den Rücken zukehrt.

Ich denke das wir es immer geschafft haben die richtigen Antworten zu geben, und das sich die Forenteilnehmer hier die konkreten und richtigen Antworten bekommen können


Wie gesagt meine Gedanken.

Lieben Gruß
Marco
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Beitrag #19 von Brandy » 07 Nov 2005 20:56


Hallo Marco!

Danke für deinen tollen Beitag. Auch ich habe mit der Spina bifida prinzipiell eine eindeutig neurologisch bedingte Inkontinenz.

Ich kann aus meiner Erfahrung nur unterstreichen, dass die Inkontinenz auch für mich einen eindeutigen Einfluss auf die Psyche hat.

Es versteht sich von selbst, dass wir im Forum versuchen sollten, allen von Inkontinenz irgendwie Betroffenen und ehrlich Interessierten Teilnehmern mit unseren Erfahrungen weiter zu helfen.

Gruß
Brandy
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Beitrag #20 von serena » 07 Nov 2005 21:38


wenn ich es richtig verstehen, behandeln die aerzte alles als inkontinenz, was fuer den betroffenen zur last wurde. also macht es fuer sie keinen unterschied, wie der zustand entstanden ist.
ob das forum nur fuer eine bestimmte form der ursache offen steht, oder alle moeglichen ursachen besprochen werden, ist aber eine andere frage. ich schlage wie eckhard und andere vor, tolerant zu sein und wenn moeglich wechselseitige hilfe anzubieten. aber natuerlich kenne ich nicht alle gruende, warum es noetig sein koennte, nur organisch bedingte inkontinenz im forum zu betreuen.
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