Bettnässen mit 22?

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Bettnässen mit 22?

Beitrag #1 von doribln » 28 Jul 2006 16:12


Hallo,

um mich kurz vorzustellen. Ich bin 22 Jahre alt und seit anfang des Jahres nässe ich Nachts unkontrolliert ins Bett. Ich habe mich bis heute selbst mit Inkontinenzprodukten versorgt auch die Kosten. Mein Lieferant sagt nun ich solle doch zum Arzt gehen und Sie mir verschreiben lassen. Zur Zeit Harnverlust in der Nacht: 2000ml etwa. Ich nutze derzeit tena Maxi Slip/Abri Form X-plus.

Ich habe Angst zum Arzt zu gehen weil ich denke das er mich nicht ernst nimmt mit meinem Problem und mich eher zum Psychiater schickt oder so.

Auch ist es schwer für mich einen Partner zu finden mit meinem Problem.
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Beitrag #2 von Chris00 » 28 Jul 2006 16:46


Hi,

erstmal willkommen. *gg*

Ich kann dir als erstes nur ans Herz legen, dir mal die Beiträge hier über Bettnässen ("Enuresis nocturnae") durchzulesen. Einfach oben Link auf den blau-orangenen Button "Zum Thema" gehen und dann auf "Bettnässen".

Es ist tatsächlich so, dass wenn es zu einer "sekundären Enuresis" kommt (wie in deinem Fall), dass in vielen (nicht ALLEN) Fällen auch psychologische Ursachen beteiligt sein können. Aber soweit ich weiß, werden, wenn du einen Urologen oder besser einen Andrologen ("Männerarzt") aufsuchen solltest, erstmal alle urologisch-organischen Möglichkeiten abgecheckt - erst wenn sich dabei nichts von Belang finden sollte, wird der Arzt zu der Diagnose "psychosomatisch" kommen - was nichts weiter heisst als: "Symptome sind da, ich finde nur keine Ursache".

In diesem Fall wird dir vielleicht ANGERATEN, doch mal bei einem Therapeuten vorbei zu schneien, ob es da was im Busch ist.

Aber soweit ich weiß, sind Hilfsmittel "nur" für die Nacht nicht verschreibbar - weil sie nicht "zur Teilnahme am öffentlichen Leben" nötig sind. Tja...
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Beitrag #3 von doribln » 28 Jul 2006 18:44


ja das hat der der lieferant auch gesagt er meinte ich solle dann noch sagen das mir am tag auch ein paar unfälle passieren doch dann würde ich ja lügen
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Beitrag #4 von Matti » 28 Jul 2006 19:24


Hallo doribln!

Bevor du irgendwelche Prioritäten auf die Beschaffung von Hilfsmitteln setzt, solltest du einmal in dich gehen und dich fragen wie wichtig dir dein eigener Köper und somit deine Gesundheit ist.

Krebs, Multiple Sklerose, chronische Harnwegsinfekte können allesamt Auslöser deines Einnässens sein. Meinst du nicht es wäre wichtig dies einmal abzuklären? Die Scham und Angst einmal bei Seite zu schieben?

Du strebst die Versorgung deines Problems an, viel wichtiger wäre aber die Diagnostik und Therapie deiner Probleme.

Kein verantwortungsvoller Arzt wird dir ein Rezept ausstellen, wenn ihm die Ursachen deines Einässens nicht bekannt sind. Richtig ist es im übrigen das reines Bettnässen in der Regel zur Ablehnung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse führt.

Du solltest auch keinen Gedanken daran verschwenden irgendwelche Geschichten zu erfinden um an deine Hilfsmittel zu kommen. Dies nennt man Sozialbetrug und der ist strafbar! Ausserdem ist es nicht erstrebenswert sich mehr zu behindern als man es eh schon ist.

Es gibt im übrigen auch noch andere Hilfsmittel als Windeln, z.B. ein Kondomurinal.

Der richtige Arzt ist der Urologe, ein Androloge ist für die Fortpflanzung zuständig und dies würde dir vielleicht nur helfen, wenn es sich um eine junge attraktive Ärztin handelt. :wink:

Also, auf zum Arzt!

Gruß

Matti
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Beitrag #5 von Chris00 » 29 Jul 2006 11:20


Matti hat geschrieben:Kein verantwortungsvoller Arzt wird dir ein Rezept ausstellen, wenn ihm die Ursachen deines Einässens nicht bekannt sind.


Doch, wird der Arzt. Und zwar um während der Diagnostik, die mehr als einen Besuch erfordern kann, dem Patienten den Stress zu nehmen. Sicher keine Dauerverordnung. Aber alles andere würde für mich an unterlassene Hilfeleistung grenzen. Auch temporäre Episoden des Einnässens gehören (selbst bei unklarer Unrsache) erstmal versorgt. Und DANN kann man sich in Ruhe um die Diagnostik kümmern.



Matti hat geschrieben:Ausserdem ist es nicht erstrebenswert sich mehr zu behindern als man es eh schon ist.


Seit wann behindern Windeln? Vorallem, wenn man tatsächlich einnässt? *staun*
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Beitrag #6 von Matti » 29 Jul 2006 13:33


Hallo chris00,

ich habe aus vielen Rückmeldungen erfahren, dass eine Verordnung von Inkontinenzhilfsmittel als Versorgung bei Bettnässen nicht von den Krankenkassen übernommen wird.

Dies ist auch die Aussage des Gesetzgebers und der Krankenkassen:

Nach Mitteilung der Krankenkassen kommt eine Verordnung von Inkontinenzhilfen zu Lasten der GKV dann in Betracht, wenn

- diese im direkten Zusammenhang mit der Behandlung einer Krankheit (bei Harn- und/oder Stuhlinkontinenz, z. B. im Rahmen einer Dekubitusbehandlung oder bei Dermatosen) notwendig werden,

- oder neben der Harn- oder/und Stuhlinkontinenz so schwere Funktionsstörungen (z. B. Halbseitenlähmung mit Sprachverlust) vorliegt, daß ohne Einsatz von Inkontinenzhilfen der Eintritt von Dekubitus oder Dermatosen droht, der Betroffene die Harn- und/oder Stuhlabgabe nicht kontrollieren kann und sich insoweit auch nicht bemerkbar machen kann,

- oder der Versicherte nur durch den Einsatz von Inkontinenzartikeln aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Das ist dann der Fall, wenn der Versicherte - ggf. unter Zuhilfenahme von Mobilitätshilfen - selbständig das Bett verlassen kann und ihm dadurch eine auch von den Pflegekräften nicht ständig überwachte Alltagsgestaltung ermöglicht wird.

Ist eine der obengenannten Voraussetzungen erfüllt, besteht die Leistungspflicht unabhängig davon, ob sich der Betroffene in häuslicher Umgebung aufhält oder in einem Alten- oder Pflegeheim untergebracht ist.

Ausschließlich der Erleichterung hygienischer und pflegerischer Maßnahmen dienende Inkontinenzhilfen begründen keine Leistungspflicht der gesetzlichen Krankenversicherung.

Der Begriff Lebensqualität rechtfertigt demnach keine Leistungspflicht durch die Krankenkassen.

Verwechsel bitte nicht diese Aussagen mit persönlichem Empfinden, sie decken sich auch nicht unbedingt mit meiner Meinung!


Seit wann behindern Windeln? Vorallem, wenn man tatsächlich einnässt? *staun*


Über diese Aussage bin ich etwas erstaunt!

1. ist dein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen! Mein Kommetar bezieht sich nicht auf die "Behinderung" durch Windeln, sondern auf das erfinden von weiteren gesundheitlichen Beschwerden um in die Leistungspflicht der Krankenkassen zu kommen.
2. behindern Windel doch wohl erheblich, glaubt man den vielen, vielen Beiträgen dieses Forums. In jedem 5. Beitrag (die Zahl muss nicht wörtlich genommen werden) geht es um das Verstecken und die Problematik des Wechselns, der Angst vor Entdeckung und der verminderten Lebensqualität, z.B. wenn ein Inkontinenter verreisen möchte oder sich modisch Kleiden will. Windeln behindern also wohl doch viele Menschen. Allerdings ist dies eigentlich auch wieder der falsche Denkansatz. Nicht die Windeln behindert sondern die Inkontinenz, die Windel ist nur das "sichtbare (notwendige) Merkmal" der Erkrankung bzw. Behinderung.

Etwas ganz anderes kommt noch hinzu. Wenn sich jemand aus Angst oder Scham nicht zum Arzt traut und sich somit einer evtl. erfolgreichen Therapie verweigert, sich aber selbst mit Hilfsmitteln versorgen kann hat er damit vielleicht nicht dirket ein Problem. Bricht sich aber dieser Mensch z.B. ein Bein und die Selbstversorgung ist aus diesem Grund nicht mehr möglich ist dieser Betroffene ein Pflegefall! Das ist dann Behinderung, glaub es mir, ich weiß was es heist auf andere angewiesen zu sein und vor allem welche Kosten dann entstehen.

Eines sollten sich die Forenteilnehmer wirklich einmal zu Herzen nehmen. Inkontinenz kann als Folge einer schweren, ja, lebensbedrohenden Krankheit begleitend entstehen. Deshalb sollte jeder Fragesteller zunächst erst einmal aufgefordert werden sich in fachärztliche Behandlung zu begeben, falls dies noch nicht erfolgt ist. Die Frage der Versorgung ist wichtig, ungeklärt führt sie häufig zu einem "Teufelskreis", welcher aus Isolation und Rückzug bestehen kann. Allerdings nützt es wenig die richtige Versorgung gefunden zu haben, wenn man ein halbes Jahr später tot ist!

Im übrigen bedeutet "Psychosomatik" auch nicht, das es Sympthome ohne Ursache gibt. Psychosomatik oder Psychosomatische Medizin ist die medizinische Disziplin, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen seelischen, körperlichen und sozialen Vorgängen befasst. Die theoretischen Modelle zur Erklärung dieser Wechselwirkungen veränderten sich im Verlauf mehrerer Jahrtausende zeit- und wissensbedingt erheblich. Verallgemeinernd kann man davon sprechen, in der Medizin "nicht dem Körperlichen weniger, sondern dem Seelischen mehr Aufmerksamkeit zu schenken" (nach Edward Weiss und O. Spurgeon English, 1949).

Neben einem solchen, die ganze Medizin umfassenden Ansatz entwickelte sich in Deutschland die Psychosomatische Medizin auch als ein klinisches Sonderfach, das diesen komplexen Ansatz in Theorie und Praxis zu verwirklichen versucht.

Klinische Beispiele

Zum klinischen Bereich der psychosomatischen Medizin zählen:

körperliche Erkrankungen mit ihren biopsychosozialen Aspekten (z.B. Krebskrankheiten und ihre Bewältigung)

physiologisch-funktionelle Störungen als Begleiterscheinungen von Emotionen und Konflikten

Konversionsstörungen: körperliche Symptome, die auf unbewusste Konflikte zurückgehen

Hypochondrie: Die Überzeugung, an einer Krankheit zu leiden und krankhaftes Interesse an Gesundheit und Beschwerden

gestörtes Gesundheitsverhalten und dessen Folgen (z.B. Übergewicht, Rauchen)

seelische Störungen, die mit körperlichen Missempfindungen einhergehen: neurotische Störungen, Persönlichkeitsstörungen, reaktive Störungen.

Als Sonderform psychosomatischen Geschehens beschäftigt sich die psychosomatische Medizin mit Somatoformen Störungen, bei denen kein organischer Befund nachweisbar ist und psychische Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der Symptome eine bedeutsame Rolle spielen.

Häufig vorkommende Beschwerden, die dieser Gruppe zuzuordnen sind, sind u.a. funktionelle Beschwerden des Herz-Kreislauf Systems, Magen-Darm-Bereiches und des Skelett- und Muskelsystems.

Ein Beispiel für einen psychophysiologischen Zusammenhang: Angst führt dazu, dass im Körper Adrenalin ausgestoßen wird, was u.a. die Magen-Darm-Peristaltik hemmt und bei längerem Bestehen zu Verdauungsstörungen führen kann. Hier erzeugt also die Psyche (in diesem Fall "Angst" einen körperlichen Vorgang (ausschüttung von Adrenalin), welcher zu Beschwerden führt.


Gruß

Matti
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Beitrag #7 von Chris00 » 29 Jul 2006 15:51


Hi,

nun, ich fürchte, jetzt habe ICH mich missverständlich ausgedrückt, deswegen:

Matti hat geschrieben:ich habe aus vielen Rückmeldungen erfahren, dass eine Verordnung von Inkontinenzhilfsmittel als Versorgung bei Bettnässen nicht von den Krankenkassen übernommen wird.


Das ist mir bekannt und ich habe nichts anderes behauptet (z.B. in meinem ersten Posting). Mein Klarstellung bezog sich auf deine allgemeine Aussage, dass ein Arzt ohne fertige Diagnose keine Hilfsmittel verschreiben wird - denn das ist falsch. Jedoch kann der Arzt IMMER nur das verschreiben, was von Krankenkassen übernommen wird - aber eben UNABHÄNGIG davon, ob er mit der Diagnostik schon durch ist, oder nicht.

Matti hat geschrieben:1. ist dein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen! Mein Kommetar bezieht sich nicht auf die "Behinderung" durch Windeln, sondern auf das erfinden von weiteren gesundheitlichen Beschwerden um in die Leistungspflicht der Krankenkassen zu kommen.


Akzeptiert. Den Schuh zieh ich mir an, da habe ich dich ehrlich falsch verstanden. Natürlich, das Übertreiben oder gar Erfinden von Symptomen ist Dreck und führt im Schlimmsten Fall zu fatalen Fehldiagnosen.



Matti hat geschrieben:2. behindern Windel doch wohl erheblich, glaubt man den vielen, vielen Beiträgen dieses Forums. In jedem 5. Beitrag (die Zahl muss nicht wörtlich genommen werden) geht es um das Verstecken und die Problematik des Wechselns, der Angst vor Entdeckung und der verminderten Lebensqualität, z.B. wenn ein Inkontinenter verreisen möchte oder sich modisch Kleiden will. Windeln behindern also wohl doch viele Menschen.


Das ist aber nur in den Köpfen der Leute. Wenn du danach gehst, könnte sogar ein dicker Bauch behindern, denn auch da gibt es viele, die sich überlegen, was sie Anziehen, wie sie ihn verstecken und was sie alles nicht machen können (schwimmen gehen, Saune, etc...). Und da gibt es auch GENUG Foren drüber.

Wer seine Lebensqualität danach bemisst, der sollte mal tief in sich hören, ob er nicht eventuell ein stark vermindertes Selbstwertgefühl hat.

Für mich ist es eher umgekehrt: Ich könnte ohne Hilfsmittel (in meinem Fall eben Windeln) NICHTS machen. Aber echt GAR NICHTS. Für mich ist die Grundlage meiner umtriebigen Freiheit, meines sicheren Auftretens und meiner extremen Lebensfreude, dass ich Windeln trage.
Und das war nicht immer so, da meine Eltern lange Zeit mich NICHT zum Arzt schicken wollten, weil Windeln für sie TABU waren und sie meinten, mit HARTER Erziehung kann man mir meine "Unfähgikeit" schon austreiben. Und solange die Hosen nass werden, darf ich eben ausser Schule nicht aus dem Haus. Kein Sport, kein Spielen draussen, nicht zu Freunden gehen. Und wie Kinder mit nassen Hosen in der Schule behandelt werden - na, da reicht deine Fantasie sicher für aus.
Und du willst mir sagen, dass Windeln behindern? Dass sie die Lebensqualität senken? Mein Gott, ich bin doch nur inkontinent. Wenn ich dein Avatar richtig deute, sitzt du im Rollstuhl. DAS finde ICH schlimm. Und da gegen sind Windeln ja wohl genaus so schlimm wie ... fällt mir nichts ein. Dagegen sind Windeln überhaupt nicht schlimm.



Matti hat geschrieben:Allerdings ist dies eigentlich auch wieder der falsche Denkansatz. Nicht die Windeln behindert sondern die Inkontinenz, die Windel ist nur das "sichtbare (notwendige) Merkmal" der Erkrankung bzw. Behinderung.


Schon besser. Und nicht mal Inkontinenz muss einen behindern. Nur wenn man es zulässt. Warum verstecken? Ich bin Ich!

Matti hat geschrieben:...Allerdings nützt es wenig die richtige Versorgung gefunden zu haben, wenn man ein halbes Jahr später tot ist!


Um Gottes Willen: NATÜRLICH!!! Und ich habe nie irgendwo was anderes behauptet, oder?



Matti hat geschrieben:Im übrigen bedeutet "Psychosomatik" auch nicht, das es Sympthome ohne Ursache gibt. Psychosomatik oder Psychosomatische Medizin ist die medizinische Disziplin, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen seelischen, körperlichen und sozialen Vorgängen befasst.


Lies meinen Text richtig. Ich schreibe dort etwas ganz anderes, als du mir in den Mund legen willst (warum eigentlich? was habe ich dir getan? *verzweifel*)
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Beitrag #8 von eckhard11 » 29 Jul 2006 17:52


Guten Tag allerseits,

schön, dass hier ein Meinungsaustausch stattfindet, in welchem nicht sofort wegen unterschiedlicher Meinungen draufgehauen wird....

Hallo doribln,

Du solltest bei der Menge Deines Harnverlustes einmal zu Urinalkondomen mit Bettbeutel greifen.
( Nehme ich schon seit fast zwei Jahren und bin begeistert.) www.manfred-sauer.de

Ziemlich unverständlich ist es mir, dass ein Zweiundzwanzigjähriger, welcher seit über einem halben Jahr nachts ins Bett schifft, und dies mit der - wahrscheinlich zu hoch gegriffenen - Menge von 2.000 ml, nicht längst beim Urologen war......
Wärst Du auch bis heute nicht zum Arzt gegangen, wenn Du Dir Sylvester das Bein oder den Arm gebrochen hättest ?
Dein Harnverlust hat eine Ursache, welche es zu erforschen und zu behandeln gilt.
Dass Du angibst, der Arzt könnte Dich nicht für voll nehmen und Dich zu einem Psychiater schicken, sehe ich als eine Schutzbehauptung Deinerseits an. Damit entschuldigst Du nur Deine Angst vor der Untersuchung an sich respektive Deine Angst vor dem Ergebnis.
Damit bist Du gar nicht einmal allein.
Ich denke, dass ca. 50% aller Menschen, vor allem Männer, welche Probleme mit dem Urinieren haben, gar nicht zum Arzt gehen, zum Teil aus Scham, aber zum grösseren Teil wohl aus Angst vor der Diagnose.
Die Friedhöfe sind voll von diesen Leuten.......

Also geh gefälligst sofort zum Urologen.
Der hat damit täglich zu tun und verdient dadurch seine Brötchen. Und dies gar nicht einmal so schlecht, hi, hi.

Hallo Matti,

auch ich hätte gesagt : “Erst wenn der Urologe absolut keine Ursache finden kann, dann wird er auf die psychosomatische Schiene fahren.”
Für mich ist psychosomatisch eben alles, was nicht unter die Grundsätze einer körperlichen oder organischen Krankheit fällt. Und ich glaube, so wie ich denken viele.
( Selbst wenn es für psychosomatisch auch andere, richigere oder bessere Erläuterungen gibt )
Ich denke aber auch, dass ein Arzt sehr wohl - bei nächtlichem Einnässen - einige Hilfsmittel verschreiben wird.

Hallo Chris00,

Du gehörst anscheinend - so wie auch ich - zu den Pragmatikern, welche sich mit der Inko arrangiert haben, da sie eh´ nicht zu ändern ist.
Da nutzt kein Jammern, man braucht tagsüber eine Vorlage und, zumindestens ich, ein Urinalkondom für die Nacht.
Aber wenn Du einmal die Beiträge der ersten eineinhalb oder zwei Jahre in diesem Forum durchliest, dann verstehst Du, was Matti mit “verminderter Lebensqualität” gemeint hat.
Da handelten nicht nur 20% aller Beiträge von raschelnden Windeln etc., sondern 40 - 50%.
Das ging so weit, dass ich denen geantwortet hatte, sie sollten endlich mal mit diesen Scheissfragen aufhören.....Das Forum ist bzw. war voll von denen, die freiwillig ( !! ) jahrelang das getan haben ( und noch tun ), was Du in Deiner Schülerzeit durch die harte Erziehung durchlebt hast.
Dann wirst Du sicherlich nicht mehr der Meinung sein, Windeln würden die Lebensqualität nicht mindern......

Heute hat das Forum eine ganz andere Qualität. ( Zumindestens, was die meisten Fragen betrifft. Die Antworten will ich mal dahingestellt lassen.... )

Jetzt leg ich mich aber wieder hin .sleep:
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Beitrag #9 von Chris00 » 29 Jul 2006 18:33


eckhard11 hat geschrieben:Hallo Chris00,
... Das Forum ist bzw. war voll von denen, die freiwillig ( !! ) jahrelang das getan haben ( und noch tun ), was Du in Deiner Schülerzeit durch die harte Erziehung durchlebt hast.


Das habe ich nicht ganz kapiert: WAS haben die freiwillig gemacht? In die Hose? Sich auslachen lassen? Sich zu hause einsperren lassen?
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Beitrag #10 von Matti » 29 Jul 2006 19:41


Hallo Chris00!

Wir sind gar nicht weit auseinander, mit unseren Meinungen. Und sei dir versichert, ich habe gar nichts gegen dich und will dir auch nichts.

Ich sehe mein Hilfsmittel als Ausgleich für meine Behinderung, wie gesagt ich! Leider sehe das viele nicht so. Wir haben Beiträge hier im Forum, wo sich Menschen umbringen wollen weil sie ein bisschen Pipi verlieren.

Du hast eine angeborene Behinderung und (wenn auch bestimmt nicht einfach) gelernt damit umzugehen. So geht es mir ebenfalls.

Das Forum teilt sich ein wenig in der Beschreibung des Umgangs mit der Inkontinenz (nicht dem Windelntragen). Der eine pinkelt sich seid einen halben Jahr Nacht für Nacht ein und trotzdem ist die Scham größer als die Vernunft einen Arzt aufzusuchen. Er versorgt sich mit Hilfsmittel. Dies ist eine Strategie, welche große Gefahren birgt.

Der andere verzweifelt an seiner Inkontinenz, obwohl es objektiv gesehen sich nur um ein paar Tröpfchen handelt. Die Inkontinenz bestimmt sein Leben.

Wieder andere haben den Zustand Inkontinent zu sein akzeptiert (dies sollte man allerdings erst dann tun, wenn nach ausgiebiger Diagnostik keine Therapie möglich ist). Die Betonung liegt auf der Akzeptanz der Inkontinenz, dann folgt die Annahme des Hilfsmittels von selbst.

Drücken wir es mal etwas anders aus. Der Begriff "Windeln behindern" ist vielleicht etwas irrefürend. Inkontinenz kann einschränken, das Hilfsmittel kann den Umständen und der Situation häufig angepasst werden. Viele kennen und nutzen aber ausschließlich Windeln und kennen gar keine Alternativen.

Zum Thema Psychosomatik.

Es gibt ja einen Grund warum der Begriff Psychosomatik häufig so negativ behaftet ist. Zum einen mag es an dem Namen an sich liegen, "psycho" hat uns spätestens seid Alfred Hitchkock geprägt, abgesehen von den unglaublichen Vorgängen in deutschen Psychiatrien bis in die 70 Jahre des 20. Jahrhunderts.
Dabei bedeutet "Psycho" nicht anderes als: „Seele, Geist, Gemüt“.
Viele gehen auch leider immer noch davon aus, dass z.B. ein Neurologe eine Arzt für die "Bekloppten ist". Hier führt die deutsche Verwendung für das Wort "Nerv" zu Missverständnissen. Ein Mensch der an einer psychiatrischen Erkrankung leidet wird als Nervenkrank bezeichnet. Dies ist eigentlich unsinn, weil es sich häufig um chemische Fehlsteuerungen handelt.
Nerven hat der Mensch in allen teilen seines Körpers, vom Kopf bis in den kleinen Zeh. Diese nerven und ihre Erkrankungen sind die Fachrichtung eines Neurologen. Die die Schaltzentrale aller Nerven in unserem Gehirn sitzt und sich psychische Erkrankungen ebenfalls dort abspielen, haben viele Neurolgen eine Zusatzausbildung in Psychiatrie.

Psychosomatik hat nicht mit Einbilden oder Simulieren zu tun.

Gruß

Matti
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