Wie sag ichs meinem Freund?

In diesem Forum geht es um das Thema Bettnässen bei Kindern und Erwachsenen.

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Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #1 von Linus » 24 Feb 2015 21:49


Ich bin neunzehn Jahre alt und seit ich zurückdenken kann Bettnässerin.
Anfangs, im Alter von drei bis sieben Jahren, nässte ich bis zu dreimal pro Nacht ein. Diese Anzahl hat sich dank ärztlicher Betreuung und einer Klingelhose auf höchstens einmal im Monat reduziert. Inzwischen habe ich meine Behandlung beendet und regele meinen Schlafrythmus und Toilettengang mit einem Wecker. Trotz dieser Veränderung ins Positivere bin ich die Krankheit leider nicht vollständig losgeworden.
Weil Bettnässen trotz seines häufigen Vorkommens immer noch ein riesiges Tabuthema ist, habe ich bis jetzt kaum jemandem etwas davon erzählt.

Ich schreibe an dieses Forum, weil ich seit etwa zwei Monaten einen festen Freund habe, dem ich demnächst offene Karten auf den Tisch legen möchte.

Leider kam ich vor kurzem in eine wahnsinnig unangenehme Situation, die mich in meinem Vorhaben verunsichert hat. Meine Katze ist noch recht jung und hat vor einigen Tagen in mein Bett gepinkelt. Als ich meinem Freund davon berichtete, fragte er scherzhaft, ob es nicht eine Methode wäre "die [die Bettnässer] in ihrem eigenen Saft liegen zu lassen" und ich nicht so ein Spannbettlaken für Inkontinente verwenden könnte. Ich habe ihm geantwortet, dass man über sowas keine Witze macht. Am Ende witzelte er dann "solange du mir nicht ins Bett machst". Ich habe mich so unwohl gefühlt! Ich glaube das ist die ironischste Situation, in die man mit dieser Krankheit überhaupt kommen kann. Aber woher soll er auch wissen, dass er sich für Bettnässerwitze genau die Richtige ausgesucht hat...Ich habe kurz mit dem Gedanken gespielt ihm die Tatsachen einfach an den Kopf zu knallen, aber ich bin einfach nicht mutig genug gewesen.


Die Sache weiter zu verheimlichen wäre aber zum einen zu riskant und zum anderen würde mich nur weiterhin belasten und mir selbst Kummer bereiten. Ich möchte ihn ungerne anlügen, aber ich habe aufgrund der Vorkommnisse große Angst ausgelacht und im schlimmsten Fall sogar verlassen zu werden, obwohl mein Freund eigentlich ein wahnsinnig lieber und offener Mensch ist.

Nur wie soll ich so ein Gespräch überhaupt anfangen oder einleiten? Soll ich es überhaupt sagen?

Liebe Grüße und schon einmal vielen Dank im Vorraus, Linus
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #2 von Gulliam » 25 Feb 2015 00:47


In einer Freundschaft gehört ganz einfach Ehrlichkeit. Du musst ja auch mal damit rechnen, das ihr heiratet, du kannst ja nicht dein ganzes Leben das verschweigen.
Ich würde mich abends mal mit ihm zusammen setzten, und ihm dann die Wahrheit sagen.
Es gibt ja nur 2 Möglichkeiten, entweder er sagt ich kann damit nicht leben und macht Schluss, dann ist seine Liebe nicht groß genug, und er ist dich eben auch nicht wert, oder aber er akzeptiert das, dann ist dein Leben eben auch viel freier, als mit der Heimlichkeit, die du sonst treiben muss, wenn du es ihm nicht sagst.

Um dir einen ärztlichen Tipp zu geben, dafür ist mein Wissen nicht groß genug, aber hier gibt es tolle Leute, die dich da eher beraten können, denn irgend einen Grund muss das je haben.
Viele Grüsse
Gulliam
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #3 von Georges » 25 Feb 2015 11:34


Hi,

ich stimme Gulliam zu, Offenheit von Anfang an. Wenn er damit nicht klar kommt, kann die Liebe und Zuneigung zu dir nicht so groß sein. Ich weiß aus eigener Erfahrung dass dies nicht für jeden Partner immer einfach ist, aber in eine gute Beziehung kommt man damit klar. Auch wenn es dadurch zwischendurch mal kurzfristig zum Tiefpunkt kommen kann, z.B. wenn man sich spontan lieben möchte. Je nach wie dein Einnassproblem ausgeprägt ist, gibt es auch hier Möglichkeiten zusammen damit zu recht zu kommen. Hier findet man meist selbst automatisch sein Weg.
Anfangs habe ich es auch immer versteckt. Irgendwann habe ich dann beschlossen offen hiermit umzugehen. Inzwischen wissen viele Freunde und manche Bekannten darüber Bescheid und ich habe bis heute noch keine echt blöde Kommentare bekommen. Früher wurde zwar gerne bei Gelegenheit mal nen Witz darüber gerissen, aber dafür kann ich auch gut austeilen... :D

Du schreibt das du mit ärztliche Hilfe schon einen großen Schritt vorwärts gemacht hast. Dies ist super. Bist du mit dein "Weckersystem" nachts geholfen und wenn ja, fühlst du dich wohl dabei? Wenn ja, mache dies weiter wie du es für richtig hältst.
Wenn nicht, kannst du mit dein Arzt darüber sprechen ob es noch andere Lösungen gibt. Je nach woher dein Problem herkommt, kann man bei ein Hormonmängel für nachts Medikamente wie z.B. Minirin einsetzen. Um der Reiz bei einer Dranginkontinenz zu unterdrücken gibt es auch Medikamente. Wenn du wirklich kurz vor Schluß mit deinen Beschwerden bist, hilft vielleicht eine spezielle Kurs in ein Klinik. Es gibt spezielle Kurse für Leute die an Enuresis Nocturna leiden, wobei man für z.B. eine Woche nachts in der Klinik verbleibt und man dort versucht dich von dein körperliche Wecksignal bewusst zu machen. Vielleicht kennst du dies alles auch schon.

Viel Erfolg und Grüße,
Georg1
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #4 von Ditta59 » 25 Feb 2015 13:28


Hallo Linus,

erstmal Herzlich Willkommen hier, ich bin auch noch ein Frischling. Dein Problem mit dem nächtl. Einnässen teile ich mit Dir und ich kann mir gut vorstellen, wie belastend die Situation mit Deinem neuen Freund jetzt für Dich sein mag.
Ich bin auch unbedingt dafür, dass Du ihm reinen Wein einschenkst, also offen und ehrlich Dein Problem ansprichst. Dann ist er erstmal an der Reihe und kann sich Gedanken darüber machen, wie er jetzt damit umgehen will. Sollte er sich deswegen gegen Dich entscheiden, hast Du keinen wirklichen Verlust erlebt, sondern die Spreu gleich vom Weizen getrennt. :x Ich weiss, das ist kein leichter Schritt, aber die einzige Chance, eine ehrliche, verständnisvolle Partnerschaft überhaupt aufbauen zu können. Es ist mir auch nicht gerade leicht gefallen, meinem Mann mitzuteilen, dass ich jetzt undicht bin. Verheimlichen kann frau so ein "handycap" doch langfristig sowieso nicht, und weshalb auch, nobody is perfect und Du weisst auch noch nicht, welche Macken und Unzulänglichkeiten Dein Freund hat. Ein Schritt nach dem anderen und das Wichtigste zuerst, hast Du erstmal reinen Tisch gemacht, bist Du auch wieder offen und zugänglich für neue Lösungswege Deines Problemes.
Ich wünsche Dir den Mut, dies tapfer durchzustehen. Denk`immer dran, dass Du nicht alleine auf der Welt mit diesem Problem bist. Wir sind auch noch da, okay? :idee:

Alles Liebe wünscht Dir Ditta59.
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #5 von Linus » 26 Feb 2015 19:37


Vielen Dank für Eure schnellen und hilfreichen Antworten!
@ Gulliam: Ich habe die Vermutung, dass mir veilleicht auch einfach psychologische Hilfe guttun würde, um die letzten "Reste" meines Bettnässens in den Griff zu bekommmen. Vielleicht kommt man der Sache ja so auch auf den Grund.

@ Georg1: Ich war als Kind über Tage in der Universitätsklinik in Aachen, Schlaftraining, Blasenvolumen vergrößern, diverse Trinkexperimente,... Irgendwann hatten wir (ich und meine Mutter) genug, weil nichts geholfen hat. Dann bin ich irgendwannzur Klingelhose gelangt, erst ab diesem Punkt hat es angefangen, besser zu werden. Die hormonelle Behandlung mit Minirin habe ich früher nur bei Übernachtungen genutzt, damit ich keine Windeln tragen musste. Meine Ärztin hatte mir damals vom dauerhaften Einnehmen abgeraten. Jetzt ist Minirin sowieso keine Option mehr für mich, da die Pille in Kombination mit dem Medikament (teilweise) unwirksam wird. Das mit dem Wecker funktioniert recht gut, ist aber etwas nervig, weil man ja schon gerne durchschlafen möchte. Aber besser so, als nachher im Nassen aufzuwachen.

@ Ditta59: Dein Beispiel hat mir gezeigt, dass ich die Sache meinem Freund unbedingt einweihen sollte. Gerade dass Du Dich auch überwinden konntest es zu sagen und Erfolg damit hattest, macht mir Mut mein Vorhaben durchzuziehen.

Ihr habt mich sehr in meinem Vorhaben bestärkt und mir einen großen Teil Unsicherheit genommen. Danke dafür.

Ich halte Euch auf dem laufenden, Linus :)
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #6 von Gulliam » 26 Feb 2015 21:20


Hallo Linus, jetzt hast du dich verraten, ich bin auch geborener Öecher.
Macht aber nichts, ich wünsche dir viel Erfolg, sei es das es sich zurück entwickelt, und das dein Freund ein lieber toleranter Mensch ist.
Viele Grüsse
Gulliam
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #7 von Linus » 26 Feb 2015 22:56


@ Gulliam: Was ist ein Öecher?
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #8 von adrian82 » 27 Feb 2015 00:21


ein Oecher ist ein Aachener.
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #9 von Linus » 27 Feb 2015 10:05


@Adrian: Vielen Dank
@Gulliam: Ich glaube, dann war meine Frage wohl ein absoluter Gegenbeweis ;)
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Re: Wie sag ichs meinem Freund?

Beitrag #10 von kuhno » 14 Mär 2015 21:28


Gulliam hat geschrieben:Hallo Linus, jetzt hast du dich verraten, ich bin auch geborener Öecher.
Macht aber nichts, ich wünsche dir viel Erfolg, sei es das es sich zurück entwickelt, und das dein Freund ein lieber toleranter Mensch ist.

Was für ein Zufall, dass sich so viele Öcher hier rumtreiben, bin auch gebürtig und aktuell in/aus Aachen :winke:
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